So Stück um Stück Hintereinander. Von diesem Band 'fünfhundert im Tag. Im ganzen dvettaufendfünfhunöert täglich, das tft rund eine Million Automobile im Jäh«. Sie sind klein,, einfach tot gut im Material, zuverlässig. Gegen fünf Millionen Ford- Äitomobile laufen oder liefen auf der Erde.
Ihr Preis entspricht etwa einem Friedenswerte von 1500 US 2000 Mark Jetzt allerdings, bei einer Valuta von Hundert Mart für den Dollar, würde man 30 000 Mark ausgeben müssen. Wer das ist kein Maßstab, Ford hat ein Volksauto gemacht — eine Idee, eine Formel durchgeführt mit ungeheurer Konsequenz. Denn mit dem Montagewunder ist es nicht getan. Das weit Schwerere ist die Durcharbeitung jedes einzelnen Teiles bis zur letzten Einheit. Eine ganze Fülle neuer Werkzeugmaschinen muhten erst erdacht und erbaut werden; denn alles Fabrikatorische macht Hier die Maschine, der Arbeiter lenkt sie bloh. Es sitzen irgendwo in einem Ring 16 Schrauben. Eine Schraubenziehermaschine — die natürlich nur für dieses einzige Teil in der Welt verwertbar ist — zieht diese Schrauben auf einmal an. Natürlich geht dies nur, wenn alles in Len Mähen genau stimmt, wenn das Material gleichmähtg ist, wenn automatische Kontrollen eingeschaltet sind. Riesige eigene Werkzeugmaschinenfabriken bauen diesem Werke die Gerate. Alles Material wird in eigenen Werkstätten hergestellt, damit es sicher pünktlich gleichmäßig eintrifft. Ford Hat eigenes Eisen und Stahl, seine eigene Fabrik der elektrischen Teile, seine eigene Stellmacherei, eigene Tuchfabrik. Das ist Wirklichkeit!
Welcher Weg! Wäre er bei uns zurückzulegen? Gin Mann ohne Geld hat zunächst die Idee eines Volksautos, ein Modell hat er nicht, aber den Glauben, erstens, dah es etwas taugt, zweitens, dah inan Millionen dieser Dinge verkaufen kann und drittens, dah man, wenn sie ein Fünftel eines billigen gewöhnlichen Autos kosten, viel Geld damit verdienen wird.
Die Menschen und die Milliarden, die er in den Dienst des Gedankens in einigen Jahren hineinzwang, sind phantastisch Wie gering ist die Aussicht, selbst so etwas durchzusetzen. Gin Punkt konnte scheitern: Die Aufnähmefähigkeit des Marktes, eine konstruktive Klippe; eine fabrikatorische, Versagt irgend etwas, kommt von den tausenden einzelnen Gliedern eines nicht zurecht, nicht gleichmäßig, gibt es Reklamationen entspricht das Ding dem Geschmack nicht, kommt eine neue Erfindung, — alles ist verloren. Bei uns erlebt man, dah eine Idee nach Jahr und Tag doch siegt, nachdem sie ihrem Schöpfer und vielen nachher zum Verhängnis wurde. Der letzte profitiert dann von der Vorarbeit der Pioniere. Hier ist alles Einem gelungen.
Run spielt das Auto Hier eine ganz andere Rolle wie Lei uns Es ist ein Volksfahrzeug. Die Waschfrau kommt mit ihrem Ford angefähren und der Arbeiter. In einer dreitägigen Tour durch die Adirondak-Verge sah ich. drei mit Pferden bespannte Wagen — aber- wie viele Lausende von Automobilen ich sah, vermag ich nicht zu sagen. Sie fahren in Prozessionen; am Heuschuppen des Bauern sicht ein kleines Auto, damit fährt er ferne Grzeugirisse zur Stadt.
Man hat natürlich keinen Chauffeur; der Arbeiter oder Doktor oder Geschästsmanir fährt zur Arbeitsstätte und läht seinen Wagen, mit einem Sicherheitsschloß gesperrt, außen im Freien auf der Straße stehen Rach der Arbeit oder nach dem Theater steigt man wieder ein. Lleberall in den Städten sieht man Tausende von Autos leer herumstehen. Ratürlich gibt es Autodiebstähle . als Spezialität Dreihundert 2lutvs täglich werden in Reuyork gestohlen Das macht nichts. ®3 gibt da drei- bis vierhundert^ tausend Autos Fährt man tägliche, so hat man Chance, alle drei bis vier Jahre einmal an die Reihe zu kommen. Ratürlich ist das Auto versickert, wird ersetzt, und so mag stimmen, was halb im Scherz erzählt wird vom Automobilisten, der nad). Theater- schluh nach seinem Wagen ausschaut: im ersten Jahr unruhig, ob er. wchl noch da ist, im zweiten Jahr gleichgültig und im dritten unruhig, ob er immer noch da ist.
Dah es außer Ford viele andere — natürlich kleinere — Automobitfabriken gibt, bah der Automvbilismus den Straßenbau — Tausende von Meilen zementierte Landstraßen — das Verkehrswesen, die Mischung der Menschen, den Austausch von Stadt und Land beeinflußt, dah er — eine der vier größten Industrien des Landes —, Hunderttausende von Menschen nährt, ist Konsequenz, nicht eine besondere Eigentümlichkeit. Wer daß ein Werk wie Fords Werk in kurzer Zeit nicht nur als phantastische Idee, sondern als Tatsache besteht - ist sehr charakteristisch Man kann hier in kurzer Zeit Dinge verwirklichen die bei uns nicht oder nur in Menschenaltern reifen. Hier Hilft die Weite des Landes mit seinen 110 Millionen Einwohnern. Wir denken — erstens Inlandsmarkt: eng, überfüllt, zweitens Auslandsmarkt: Zoll, Abneigung. Der Amerikanw: kann vom eigenen Lande ausgehend Riesenproduktionen stilkulreren. Lste Weite des Landes, abermals, weil es alles enthalt, alle Roh- materialieii, alle Halbfabrikate, VerkeHrsmittel; dann aber Welte des Landes, weil seine Gesetze, Einrichtungen, Gewohnheiten Helfen, endlich Weite des Landes, weil es die Menschen hat, die das machen Helfen, die Ingenieure, die Kaufleute, die Arbeiter und die interessierte zustimmende Oeffentlichkeit. Der erste, der Ford Geld gab, zehntausend Dollar glaube ich, war der Bürgermeister von Detroit. Die Jugend des Volles ist ein weiterer
Helfer: Es läßt sich 'hier mit einem.Schema, einer Formel wett kommen. Bei uns will jeder, mit Verlaub gesagt, gern eine Extrawurst gebraten haben. Hier kauft man das Produkt, wie es ist. Vei uns möchte man es lieber anders haben, so, wie es ist, paßt es sticht; darum wird es teuer und Arbeitskraft wird vertan. Freilich, größere Anpassungsfähigkeit unserer Industrie, die ihr erlaubt, Einzelausgaben besser zu lösen, buchen wir als Gewinn.
Ein anderes Mld:
Die Dinge auf eine einfache knappe Formel bringen, dieser Formel alles unterordnen, Ausnahmeir, Rücksichten ablehnen: so Aufgebautes hat Wirtschaftsmacht. Warum nur Maschinen? Man kann auch das Töten, das Schlachten der Tiere, ihre Zerlegung in Teile, die Verarbeitung ihres Fleisches, die Verwertung ihres Fettes, Blutes, Felles bis zum letzten Gramm hinter diese Formel organisieren. Es mühte billiges, gesundes Fleisch geben, und es könnte nrenschlich' sein.
Durch nüchterne Außenviertel Chicagos fährt das Auto, wo düstere Ziegelbauten, Schornsteine, Dahngeleise, Gestrüpp, aufgewühlter Boden, ärmliche Speisehäuser, Holzhütten, Gerümpel Dich bedrücken. Da 'hältst Du plötzlich den Atem ein, Ekel steigt Dir in die Kehle, daß es Dich würgt. Der Pestgestank der „Stock Bards". Eine dicke, fast greifbare Wolke dieses Drodems von Blut zersetzten Leichenteilen und Abfällen muht Du durchdringen,' muht mitten in sie 'hinein, wo die Fleisch-Packer- Firmen ihr großes grauenhaftes Reich regieren und menschlichen Hunger, tierische stumme Todesangst, Blukhanöwerk, Maschinenbetrieb durch eine Formel verbunden, in Goldstrom wandeln.
Kannst Du den namenlosen Ekel überwinden,-öen^ die schwarzen, rohen, fensterarmen Ziegelkästen ausatmen, so tritt ein, man zeigt Dir gerne, wie ein lebendes Tier — eine Kuh, ein Schaf, ein Schwein na<ß dreißig Minuten fein zerlegt, sortiert, etikettiert, geprüft in Kühlhallen liegt und anfängt zu erstarren. Den Geruch und den Geschmack bekommst Du tagelang nicht los.
lieber ein Dach schreitend sichst Da einen großen Schweinepferch Hunderte große Schweine sind drin, Hunderte Opfer bringt täglich der Zug dicht heran. Sie stehen drin, traurig, sie riechen das Blut Gin paar werben durch ein Loch in einen Verschlag gestoßen; da ist ein großes Rad mit Ketten oben an der Wand. Die Tiere stehen dicht gedrängt, den Kopf am Boden, lautlos. Gin 'halbnackter Rigger packt eines, fesselt die Hinterbeine, hängt ein, das Aad reiht das aufschreiende, zuckende Tier kopfabwärts in die Höhe, an der Kette läuft es weiter, einem zweiten Rigger entgegen Der sticht ein kurzes scharfes Messer ein und reiht die Schlagader auf Gin Dlutstrom, Zucken, aber die Kette 'Ejat es schon einen Meter weitergeschleppt, das nächste Sier empfängt seinen Stich; eines nach dem andern, so schnell die Menschen arbeiten, die Kette transportiert. Und nun ist es unterwegs, noch zuckend 'wird es in kochendem Wasser gebrüht, dann von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz geführt, jeder Arbeiter macht seinen Schnitt. Eine halbe Stunde später; ist nur noch Ware in.riesigen Eiskellern.
Die Kühe stehen sanft und traurig im Eisenbahnzug in der düsteren Halle Sie wissen, was bevorstsht. Sie drängen sich zusammen, denn selbst den Tod erschwert die Einsamkeit den Geschöpfen. Jetzt werden durch. Stöße zwei Tiere in den offenen vordersten Wagen gedrängt. Sie drängen sich in eine Ecke Eine Hand streckt sich lockend über der Seitenwand herein — doch das Tier wendet sich ab 'hier sind nur feindliche Menschen. Aber im nächsten Augenblick, das Tier 'hat seinen Kopf bewegt, wuchtet diese Menschenhand oben voq der Seitenwand des Wagens her einen langstieligen Hammer dumpf auf die flache Stirn des Rindes. Es stürzt das andere schaut erschreckt auf, da trifft der Hammer seine Stirn Zuckend liegen 'beide am Boden, da klappt bie andere Seitenwand um, sie fallen zappelnd Heraus auf den mit Blut und Schleim bedeckten Boden. Dort fesselt ein Kerl die Hinterfüße eine Transportkette reißt sie kopfabwärts empor und fahrt sie zum bereitstckhenden Schlächter. Mit bewußter virtuosenhaster Lässigkeit — er sieht die Zuschauer auf der Galerie — sticht der riesige nackte Kerl mit seinem kleinen Messer zuerst die Haut des Halses, dann mit einem zweiten knappen Stich, reiht er die Schlagader und wendet sich gelassen ab, ganz knapp so dah der dicke Blutstoh ihn nicht überschüttet, den der nächste Herzschlag aus den Boden schleudert. Dort läuft das Blut, in Rinnen gesammelt, weiter, denn dies ist oberstes Gesetz: Kein Tropfen, kern Leichen- fehen darf verloren gehen.
Du kannst stundenlang staunend seihen, wie das gemacht wird. Wenn es nicht Beefsteak oder Düchsenfleisch wird, so wird es mindestens Seife. Schließlich zu Geld wird alles, auf eine vortrefflich rationelle, bis aufs Tüpfelchen fein ausgedachte Art. Niemand kann billiger, massenHafter, praktischer Fleisch packen als diese Fords des Schlachtens. Etwas weniger qualvoll für die Opfer könnte es fein, den Blutgeruch, das TodesaHnen könnte man ihnen sparen. Das würde etwas kosten, aber man würde es trotzdem sofort gerne tun, wenn das Fleisch besser würde, wenn man das beweisen könnte oder wenigstens dem Käufer suggerieren könnte, so daß et etwas mehr zahlte. Denn wir Men- K— alle, — sind so gerne, so Herzlich gerne anständig, — — in sich etwas Geld damit verdienen läßt.


