Ausgabe 
7.10.1922
 
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ht ehren Sack gesteckt und Wer bas Feld gerollt, Dis Sem Kreise Saarlouis ist der Brauch überliefet, daß sich ^n 2toettec, foenn man den letzten Sack vom Felde Holte, als Weib verkleidete. Vr setzte sich auf eins der Pferde und trug einen mit_ burckM Papis'-schnitzeln bshangenen Tannenbaum Die übrigen air&ettra nahmen auf dem Wagen Platz und kräht«l<^ vollem Hatte. Uralte Züge eines heidnischen Fr-uchtbackitsdlltus spwlen so ch den Brauch bei der Kartoffelernte Hinein. Auch der glüE» Abschluß des Kartoffelhackens wird durch eine Art Drntefeft gefeiert. Der Erntekranz hat freilich eine sehr merkwürdige Form^ Man flicht ihn- aus allerlei Dornen und steckt auf die Spitzen Keine Kartoffeln. Dieser etwas stachllgeundPmsais^E^> kränz wird bann mit einem dazu passeirden derben Spnichbegleitet. Sind Dornen nicht zur Hand, so werden tvbhl auch, der Guts berrfchaft die Kartoffeln auf der Düngergabel mit scherzhafte überreicht Daß Tanz und Schmaus, Satz Lärm uW Serben nicht schien, ist selbstverständlich. Die bezeichnete Hmw teigeutüml ichkeit des Kartoffelerntefestes ist aber don ickyer 6er Tanz um die Kartoffelfeuer gewesen, die aus dem dürren Kartoffelkraut entfacht werden. Besonders die Kinder haben am Anzünden dieser Feuer, in denen die Knollen als besonders Leckerbissen geröstet werden, die größte Freude. Hie und da sammeln die jungen Leute nach der Kartoffelernte alle unbrauch^ bar gewordenen Körbe und zünden sie abends auf einer Juhöhe an Der größte und stattlichste Korb wird mit Stroh und Reisig umwickelt und cmgezündet den Berg hbrabgerollr Der Brauch Seiht in der EifelMierteskorf". Es mag sich hier wohl mit dem Gedanken eines Ernteopfers, wie Sartori m fernem Werk Sitte und Brauch" betont, der Wunsch nach Beseitigung alles Abgenutzten und Unbrauchbaren nach glücklicher Grnte verbinden.

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Vhr grober Rock schloß Prall und en, das dünne, windige Blüschen liest die *

komm, komm, komm,"

Sie wiegte ihn ein bistchen und steckte ihm den Dietzel ins Mäulchen. Gin schr einfaches Wiegenlied I

ng um die festen Hüfte», Ärnre frei. Hinten oben

Msnschen, wenn fie frösteln.

Bon Richard Guringer*).

Auf dem Steinboden zwischen Leberresten, Werkzmig, Zwirn uiid geflickten Stiefeln spielten die drei Kleinen. Ziemlich armselig. Das Fünfte schlief trotz des Teschreis in seinem Wägelchen neben der Holztreppe zum ersten Stock.

Der Meister schimpfte mit dem Lehrgesellen.

Der Krach dauerte schon eine Zeitlang, als iyms zu dumm wurde. , _, , ..

Meister Ghristian warf den halbfertigen Schuh an die an» gerauchte Wand und fuhr auf seinem Hocker wütend herum:

Arbeiten sollst, du Läufer, du grüner, oder schau, daß du weiterkommst l" .

Ein Bursch von siebzehn Jahren lummelte rn der windschiefen Türfüllung, Hände in den Hosentaschen, bleich, aufgeschwemmt, Mitelser an Hals und Rase, eine Zigarette im Mund, über dem in Andeutung eines kommenden Flaumes irgendein graubraun

Augen:

Fufzshn Mark im Sag, maulte er achselzuckend

FufzchN Mark für so einen Faulpelz," tone der Meister, RiMUtz, lumpiger, verschlampter!"

Ein großes Knirschen war sein ganzes Wesen:

Fünfundzwanzig Jahre hatte er so gehockt, mit der Dlech- brille auf der Rase, geschuftet von früh bis nacht, im Feld war er gewesen, 'hatte gefroren und geschwitzt, Tornister geschleppt und Schießprügel, Handgranaten geschmissen, naß, voll Dreck und Lehm hatte die Mine einschilagen sehen, daß man meinte, es reißt einen auseinander, und zersetzte Menschen explodieren sehen, daß man nicht wußte: Ist das Blut von mir!?

Wie ein Stier ging er auf den Burschen los.

Der rührte sich nicht. Aber Angst kroch ihm über den Bauch. Hau ja nicht los, sonst hängst", drohte et.

Stickig war die Luft, überheizt, und der Boden kalt, dre Wände feucht, es roch nach Windeln und arme Leutegeruch.

Raus," brüllte Ghristian,raus", wie ein Sier, seiner ohn­mächtig vor hilfloser Wut, heulend, knirschend.

Der Dengel ging durch. Wie ein Fetzen Papier, mit langen Armen, wischte er Hinaus.

So", keuchte der Meister und schlug die Siir zu, daß das Häuschen wackelte. Die Kinder Hockten ganz still am Boden und das Kleinste schrie.

Droben klapperten Hohschuhe die Treppe herunter.

Sie lockte den kleinen Schreihals. Hängte sich übers Stiegen? gelandet Herunter und berührte das Bürschchen.Komm, komm,

,definierbarer Schatten lag.

Hera sfordernd glotzten die wasserblauen ausdruckslosen

*) Guringer hat in Walter Seiferts Verlag, StuttgartHeil» Storni, ein ganzes Buch Geschichten" erscheinen lassen, dem er den TitelTummelPack" gab. Recht bunt wollte er, wie er febft Tagt, in bas große Märchen Leden htneinleuchten. So gab er die allerverschiedensten Stimmungen, und die hier wiedergegebene Mzze zeigt, in wie raschem Fluge die Beobachtungen und ®tn» MtS gesammelt worden find.

war fte auftieoangen und zeigte einen derben Zwickel leicht bvauneS FlÄsch unter totoar$en HalslLckchen. Die strotzendvolle Brust neßte^te an tai^ol3gelän&er, wie sie so vornubething und

Sin ^ftaultoer Geruch stieg dem Meister in die Rase. Fest legte er die noch zitternde Hand auf ihren rechten Oberarm und zog sie ein wenig an sich Sie preßte leicht dagegen.

Bubi", machte er kindisch.

Kinder, wollt ihr auf die Gaß?" fragte die Mutter.

Vie zogen los und schoben das Wägelchen mit.

Zwischen ihren Brüsten lag ein feiner schwarzer Schatten.

Randi, o mei", seufzte der Mann im Bart.

RÄen wir net davon. Komm Alte! S' einzig, was man no hat. . ,!"

Sie machte sich schwer und ließ sich fast die Lreppe fytnauf» tragen.

Als ich am Abend meinen Freund Johannes traf, grüßte mich gerade.ein drahtiger eleganter junger Mann. Er ging lebhaft, animiert, neben einer großen schlanken Blondine mit gebleichtem Haar riesigem Hut, und von unten bis oben in Astrachan gepackt.

Eine dichtbesetzte schreiend helle Trambahn fuhr vorbei. Sonst war's recht dunkel. _

Ach," sagte ich,den Hätt ich. fast nicht mehr erkannt, sehen Sie, Johannes, auch so was: Offizier gewesen, lieber Kerl, zur Zeit wahrscheinlich nichts, sein Baier war steinreich, hat vor kurzer Zeit ganz enorm verloren, und die Dame ein bildhübsches Geschöpf, arm wie eine Kirchenmaus, wollte früher mal zur Bühne. Vor Paar Tagen hör ich: Heiraten. Jetzt. Gins das andere. Schneid?"

Sehen Sie," sagte Johannes in seiner klugen, stillen Weise, ich hab so oft darüber nachgedacht:

Je mehr die Menschenkinder frösteln, desto inniger suchen sie einander. Wenn sie allein nicht genug zu essen haben, laufen sie und suchen ein anderes, das hungern hilft. Wenn eins versinkt, klammern sie sich aneinander und sie glauben's: wir gehn n i d> t unter.

And das Tragische: deshalb stirbt die Tragödie nicht aus.

Wir gingen nachdenklich durch die Leutchen, die warm an» einander 'hingen, als könnte sie nichts trennen.

Auslandsrätsel.

Auslands'rätsel", das ist der Titel eines hochinter­essanten Duch.es mit nordamerikanischen und spanischen Reise» Briefen, das Prof. Dr. Friedr. D e s s a u e r, Direktor des Uni» versitätsinstituts für medizinische Physik in Frankfurt a. M., im Verlag von Jos. Küsel und Friedr. Pustet, Kempten, hat er­scheinen lassen. Der Derfasser, der, wie er in der Einleitung sagt, nicht schreiben will was aefällt, sondern was wahr ist", führt uns mit gewandter Feder besonders in manch: Geheimnisse und Sonderbarkeiten Nordamerikas ein. Wir geben nachstehend einen Reisebrief wieder, der geschäftliches Leben und Trachten fesselnd wiederspiegelt:

In Detroit borgte sich ein Ingenieur vor einiger Zeit von zögernden Leuten Geld zusammen, um das Modell zu bauen für ein kleines billiges Volksautvrnobil. Sein Gedanke ist der typisch amerikanische: das ganze Problein auf eine einfachste Formel zu bringen und dieser Formel alles unterzuorduen. Das heißt: ein einziges Automobil zu konstruieren, aber jedem Glied dieser einzigen Konstruktion die höchste Sorgfalt. zuzuwenden, es ein­fach, gleichmäßig, automatisch Herzustellen, nie abzuändern und dadurch die Kosten der Herstellung auf bas äußerste herabzusehen.

Heute steht in Detroit ein Ungeheuer von einer Automobil» fabrik. ®3 spuckt mit seinen Zweigfabriken tagtäglich dreitausend» fünfhundert Automobile in die Welt. Ford, der arme Ingenieur von neulich, gilt in Detroit als der United Staates reichster Mann.

Durchi seine Fabrik bin to1 stundenlang gewandert. Dich -hätte vielleicht am meisten erstaunt das Montieren der Wagen auf einem langen Band. Ein Transportband läuft entlang dem Bo» den in einer großen Halle. Zu beiden Seiten stehen Arbeiter mit Geräten und hinter ihnen oder an ihrer Seite Gestelle mit Teilen, die automatisch! nachgeliefert werden. Am Anfang des Da »des wird ein Rühmen aufgelegt. Wir gehen langsam mit und sehen: ein Arbeiter fügt Bern Rahmen ein Stück zu, der nächste, indem er zwei Schritte mitgcht, zieht ein Gewinde sest: auf der anderen Seite geschieht gleiches. Der Rahmen wächst im Gleiten. Kleine Teile werden mit der Hand, andere durch! Hebe­zeuge daraufgesetzt: jeder Arbeiter faßt immer wieder an der gleichen Stelle an, immer das gleiche Teil, denselben Griff, den er geschickt, richtig und schnell machen kann. Jedes Teil, das kommt, muß natürlich! auf Bruchteile eines Millimeters genau passen b.h. alle Teile einer Art müssen durchaus gleichmäßig und präzis gearbeitet sein, sonst stockt das Ganze. Jetzt wird der Motor aufgesetzt. Zehn oder fünfzehn Arbeitsplätze weiter ist er fertig verbunden und verfchraubt. Federn, Räder, Zündmagnet, Detriebekasten, Steuerung und Triebwerk alles wurde auf diese Weise montiert. Zuletzt hebt ein Kran den Wagenaufbau auf die Maschine, er wird festgemacht, Polster, Laternen befestigt: ein Chauffeur springt auf, der Motor läuft an, und der fertige Wagen fährt nnt eigener Kraft vom Ende des Transportbandes in den Fabrilhof, wo die Eisenbahnwagen bereitstehen.