Ausgabe 
7.10.1922
 
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1922 Nr. 40

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BonifaziusstäLten.

Hessische Bilder zum Bonifcizius--Jubiläum. Bon Rudolf Heyne mann-Kassel.

Ein die Volksgemeinschaft predigender Hirtenbrief der Bischöfe leitete in der katholischen Kirche das Hahr des ersten Auftretens des Apostels der Deutschen, Donifazius, auf einstmals fränkischem Boden ein. Es folgte die 1222--Jahr»Feier der Amöneburg und jeht hat Reichsarchivrat Dr. Schäfer in Potsdam das Jubiläum der großen Demonstration des Christentums gegen den Donarkult der Sachsen, das Fällen der Göttereiche von Geismar, angekündigt. Er hat sich allerdings geirrt. Wie der geistliche Historiker Prälat Jestädt, Domdschant in Fritzlar, mir gegenüber erklärte, fällt dieses Jubiläum erst in das nächste Jahr. Die Eiche ist im Früh­jahr 723 gefällt worden, als Donifazius von -Rom und einer Mission zu Karl Martell nach Hessen zurückkehrte, tlebrigens lehnt Prälat Jestädt nach wie vor die Schäfersche Theorie ab, daß die Donar-Eiche in Hofgeismar gestanden haben soll ... es kommt nur Geismar-Fritzlar in Betracht.

Fritzlar. . . uralter Ort und germanische Kultstätte. Hier baute Donifazius ein erstes Holzkirchlein, das er dem Apostel- fürsten Petrus weihte. Die Sachsen brannten es nieder. Schon <32 weihte Donifazius eine steinerne dreifchiffige Basilika, die 1047 von Rudolf von Schwaben zerstört wurde. Hier fanden wiederholt Friedenskonferenzen statt zwischen Kaiser Heinrich dem Vierten und dem Papst. In dem damaligen Ringen um große Ideen richteten sich die Augen der ganzen Welt auf Fritzlar. Der zweite Dom wurde 1232 vom Landgraf Konrad, dem Schwager- der heiligen Elisabeth, den Flammen übergeben. Wormser Bau­meister ließen ihn in prächtiger Gotik neu erstehen. Eine 1914 begonnene Erneuerung wurde im Vorjahr vollendet. Die mittel-» alterlichr Malerei, die unter Kalk und Tünche sreigelegt wurde, hat man dabei wieder erstehen lassen. Gin Denkmal deutscher Baukunst ist, mit neuem Leben erfüllt, vor dem Verfall gerettet worden. Dieser Dom ist ein Muster für Kirchenbauer und Kirchen­maler. ülnd um ihn herum Klöster und -Kurien, starke Stadtmauern und gewaltige Türme sowie das älteste deutsche Rat- Ha us . . . mit Fug und Recht wird Fritzlar das mitteldeutsche Rothenburg ob der Tauber geheißen. 3m allgemeinen nennt man die wunderlich alte Stadt, das -Urbild eines mittelalterlichen Ge­meinwesens, das kaum berührt ist von der neuen Zeit, die Bonifaziusstadt ... es heißt bei allen Fehden, die sich vor der Stadt abspielen, sei der Geist des Heiligen schirmend auf der Mauer erschienen.

Und unweit davon der Bonifaziusberg, der Heilige Düra- berg. Gr war 'Heilig den Kalten und noch heute der Kirche, derer Wallfahrtsstätte. Lerdensstationen führen empor zu einem uralten lindenumrauschten Kirchlein, auf dessen Friedhof man die Toten deS im Tal liegenden jetzigen Luftkurortes Ungedanken noch Heute bestattet. Hier soll Uhland gesungen haben:

Droben steht die Kapelle Schaut sttll ins Tal hinab . .

Von seiner Höhe aus öffnet sich ein wundersamer Blick auf den heiligen Bezirk der Katten, das Schlachtfeld des Germanicus vom Jähre 15 n. Ehr., umrahmt von den heiligen Dötterhöhen Odenburg, Gudensberg und Heiligenberg sowie dem Bergrücken mit der Bonifaziusstadt.

Heiliger Berg... er war's zu ältester Zeit. Lange bevor Donifazius auf dem Büraberge erschien und im Jahre 741 seinen Landsmann Witta zum ersten und zum letzten Bischof

eines Bistums B ü r a b e r g weihte, das sehr bald aber schon ausgehoben und mit Mainz vereinigt wurde, war er be­siedelt und befestigt. Hier stand bereits die Urkirche von Hessen, wie eine Urkunde im Pfarrarchiv zu Fritzlar besagt und diese Kirche war der heiligen Brigitte geweiht, der Rational- Heiligen der Iren. Schottisch-irische Mönche missionierten aber schon lange vor Donifazius im Hessengau. Donifazius, der An­gelsachse, Hatte nienrals eine Kirche, die er baute, einer iri­schen Heiligen geweiht. So sagt Prälat Jestädt, der Wieder- Hersteller deS Petersdoms von Fritzlar.

In der Tat lhaben schon im siebenten Jahrhundert die Iren Brigittenkirchen gebaut, und zwar auf germanischen Kultstätten. So berichtet Donifazius auch nach Rom, daß eine befestigte Siedlung vorhanden sei. Als die Sachsen 747 in Hessen ein­brachen, belagerten sie vergeblich den Büraberg, dessen starke Befestigung den Flüchtlingen von weither Schuh gewährte.

Mit Schwert und Wort wurden die Sachsen christianisiert und kultiviert und die räuberischen Einfälle Hörten auf. Da verlor auch der Dürnberg seine strategische Bedeutung, die Mauern und Wälle wurden vernachlässigt, die Siedler zogen hinab nach dem festen und freundlicheren Fritzlar und schon im 13, Jahrhundert standen nur noch Kirche und Pfarrhaus einsam auf der Höhe.

Im dreißigjährigen Kriege wurde auch das Pfarrhaus zer­stört. Rur ein Teil davon ist noch in der Sakristei erhalten, die übrigens auch noch Reste der karolingischen Bauten zeigt, so ein schmales, schießschartenähnliches Schlihfenster.

Prälat Jestädt appelliert jeht an die Wissenschaft, rings um die Kirche Ausgrabungen vorzunehmen. Wunderbare Schätze, Spuren karolingischer und merowingischer Bauten würden ge­funden und weiterhin solche der ersten germanischen Siedlung . .

Die Kartoffelernte im Bolksdrauch.

Die vortreffliche Kartoffelernte dieses Jahres bietet uns in unseren wirtschaftliche!' Röten immerhin einen Ersatz für die schlechte Getreideernte, die sich, in der außerordentlichen Steige­rung des Brotpreises so traurig bemerkbar macht. Die Kartoffel ist in den 200 Jahren, in denen sie bei uns in ausgedehnterem Maße angepflanzt wird, für die Landwirtschaft beständig wich- ttger geworden, und so ist es natürlich, daß sie sich auch im Vvlksbrauch eine gewisse Stellung erwarb, Ratürlich fehlt das Hineinragen uralter mythischer und sagenhafter äleberlieferungen. Wie wir sie in der unendlichen Fülle der sonstigen Grntebräuche erkennen. Die schöpferische Kraft des Volkes war im 18. Jahr­hundert schon erlahmt, so daß neue Bräuche für die Kartoffel­ernte sich nur spärlich bildeten. Man übertrug aus die Ernte der nützlichen Knollenfrucht die Sitten, die beim Getreide üblich waren. So war es früher in manchen Gegenden nicht selten, daß der eine oder andere Bauer die jungen Burschen an einem Sonntag nachmittag zum Kartoffelroden zu sich lud. Bei der fröhlichen Arbeit durften auch die Musikanten nicht fehlen, die auf dem Felde lustig aufspielten. War dann die Ernte beendet, so gab bs einen reichlichen Schmaus und fröhlichen Tanz. Die geHeimnisvollen Kräfte, die man der letzten Garbe beim Getreide zuschretbt, wurden auch auf die Kartoffelernte übertragen, und man nennt daher im Wendischen die letzte Kartoffelstaude den Ollen", PleberHaupt sind mannigfache Schlußbräuche beim Kar- tvffelbuddeln ausgetreten. So wird z. D. nach vollbrachter Arbeit ein Knabe oder auch ein Erwachsener, der nicht viel getan 'hat.