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„Was, du Räuber! Kommst du her, uin mir meinen sauer erworbenen Vorrat an Rüssen auszuplündern? Ra, ich werde dir's beibringen."
Lind bevor das junge Eichhörnchen ein Wort vorführen konnte, hatte die Alte es gepackt, ohrfeigte, bist und knuffte es, bis es ganz betäubt vom Aste herabstürzte.
Glücklicherweise sing eine junge Tanne es mit einem weichen Radelkissen auf; und als es sich von seinem Schrecken erholt Hatte, fühlte es sich imstande, seinen cklieg fvrtsetzen zu können.
Aber in welcher Richtung sollte es denn jetzt seine Großmutter suchen? ,
Es wählte nunmehr einen Weg über die unteren Zweige, von wo aus es den Boden im Auge behalten konnte, ob irgendein Merkmal es auf den richtigen Weg führen sollte. Aber vergebens I
Wie eS nun da auf einem der alleruntersten Zweige sah und dachte, dah es jetzt weder aus noch ein wühte, bemerkte es unten sich in einem Blumenhaufen, wo gerade ein Sonnenfleck spielte, eine Schlange, von der nur ein kleines Stückchen der glänzenden Schuppen und das Auge, das wie ein Rubin glühte, sichtbar war.
„Das scheint wir eine der kleinen guten Schlangen zu sein, die mir von Insekten leben und selbst uns kleinen Waldtieren nichts Böses tun," dachte das Eichhörnchen. „Diese Schlangen sind aber sehr welterfahren und vielleicht könnte diese mir einen guten Rat geben."
Es rief also hinunter:
„Heda! Schlange!"
Die Spitze der schuppigen Schnauze zeigte sich zwischen den Blumen und spielte mit der gespaltenen Zunge. Dabei lieh es eine leise, gar liebliche Stimme vernehmen:
„Hier bin ich, liebes Eichhörnchen! Du sitzest so verloren mit einer ratlosen Miene da. Kann ich dir aus irgendeine Weise dienlich sein?"
„Ich habe mich nicht getäuscht", dachte das Eichhörnchen, „es ist ganz richtig «eine der guten schlangen!"
„Ach ja. liebe Schlange, wenn du nur meine Großmutter kenntest!“ seufzte es.
»Das ist sehr wohl möglich, denn ich kenne viele ehrwürdige alte.Eichhörnchenweibchen. Sieht sie dir ähnlich, mein Kind?"
„Genau. -Und sie wohnt in einem hohlen Ruhbaum, der an einem Weiher mit blauen Lotusblumen steht."
„Das könnte wohl stimmen, mein Kind. Aber es gibt gar viele hohle. Rustbäume und auch viele Lvtusweiher. Da muht mir den Weg dahin genau beschreiben, damit ich weih ob sie es wirklich sei."
Diese böse Schlange gedachte nämlich nicht nur das junge Eichhörnchen, sondern auch die Alte zu verspeisen.
Bei diesem Gedanken zuckte ihr ganzer Körper vor Wonne- gier, so das; der Schwanz sich unversehens aus den Blumen
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Das Eichhörnchen sah das und wurde starr vor Schrecken.
„Ach, wie hab' ich mich da geirrt! Das ist ja eine von den groben schwarzen Schlangen, die uns Eichhörnchen mit Vorliebe fressen. -Und hab' ich nicht schon zuviel gesagt, dah dies listige Wesen jedenfalls die Stelle herausfindet und ich so durch meine Unbesonnenheit meine arme Grvhmutter ins Verderben stürm! Was soll ich nur jetzt tun?"
Da fiel ihm das alte böse schwarze Eichhörnchen ein dem es ohnehin einem Denkzettel schuldig war. Also beschrieb eS den Weg 'gu seinem Reste, den es sich wohl gemerkt hatte ganz genau und umständlich,
„Ja das scheint allerdings die Richtige zu sein, liebes Kind," lispelte die Schlange. „Aber es ist nicht so leicht, sich nach der Beschreibung eine klare Vorstellung zu machen. Komme lieber ju mir herunter und zeige mir den Weg, dann werde ich bald wissen, wie wir daran sind."
»2lch> wie gern täte ich das, gute Schlange." antwortete das ■ Erchhorncheii. „Aber ich habe als eine Pönitenz einer Gottheit öng Geluode abgelegt, auf meinen Streifzügen nie den Wurzel- a>eg, sondern immer nur den Zweigeweg zu benutzen."
Da dachte die Schlange:
»Das Eichhörnchen hat mich plötzlich entdeckt. Ich must wohl vorher eine unvorsichtige Bewegung gemacht haben. Das Sier* 5?" ^gt den Weg viel schneller zurück als ich. Infolgedessen wrri) e6 ptneJen und seine Großmutter warnen, t>o' ich- das 'vcfl erreüHen tann, und so würde id> beider t^erluftig cpben wenn ich diesem jungen Dummkopf nicht etwas aufschcvatze." '
Sie richtet sich dann in ihrer ganzen Höhe auf und fauchte:
”/J|‘ ck*lch nicht nötig. Es ist ja deine Großmutter. Sollte ich dre nicht kennen? Habe ich sie doch heute früh verspeist"
»Was, du Ungeheuer!" schrie das Eichhörnchen, am ganzen Körper zitternd. „Du hast meine gute Großmutter gefressen?"
„freilich hab' ich das. Sine schwatzhafte Alte. Sie hat mir vvn, dir und deiner Wohnung erzählt. Ich komme bald und freue dich!"
Dabei sperrte sie den Rachen völlig auf.
Beinahe hätte sie ihre Absicht erreicht, das Tierchen so mit Schrecken zu lähmen, daß es vom Zweige herunter ihr in den offenen Schlund gefallen wäre. Aber das Eichhörnchen hatte mit feinem Schwänze den Zweig so fest umschlungen, daß es ihm trotz allen Schwindels gelang, sich oben zu halten, da sein Wert'rest noch nicht abgelaufen war.
So sah es denn zu seiner großen Beruhigung die böse schwarze Schlange öavonkriechen.
Das Eichhörnchen war aber so verwirrt und sein Denkver- mögen so betäubt, daß es ihm gar nicht einfiel, es habe ja der Schlange den 'Weg zu dem anderen hohlen Rutzbaum mit dem Reste des schwarzen Eichhörnchens beschrieben; was offenbar mit der Erklärung der Schlange nicht Übereinstimme. Es beweinte nur den Tod der guten Akten.
Dabei fiel ihm Freund Specht ein. Dieser würde bei feiner eifrigen und lärmenden Beschäftigung gar nicht merken, daß die Schlange herangekrochen käme und ihr so als leichte Beute zufallen. Es war also ganz notwendig, schleunigst zurückzukehren, um den Freund zu warmen.
Roch gaiiz außer Atein, erzählte es dem Spechte seine Erlebnisse.
„Du hast ganz recht", sagte dieser. „In solchem Falle ist hier unseres Verbleibens nicht."
Run will ich dir a6er etwas sagen, Freund. Jene Schlaiige hat zwar deine Großmutter aufgefressen, nicht aber ihren Vorrat von Rüssen und anderen guten Sachen, denn daraus machen diese grimmen Biester sich nichts. Der liegt nun als ein ganzes Erbe für dich bereit. Wir wollen nicht zögern, dasselbe für dich in Besitz zu nehmen, denn man sagt ja: ,Wer für die Rächt auf hebt, hebt für den Dieb auf". Auch sehe ich süicht ein, warum du die hübsche Wohnung der Verblichenen nicht selber beziehen solltest, da sie doch mit Recht die deine ist. Ich werde mich gewiß auch dort im Rußbaum ansiedeln können. Zwar bin ich an Fichten gewöhnt, aber mein Detter lobt die Rußbäume sehr, zumal die hohlen. Also gehen wir."
Das Eichhörrrchen war damit vollkommen einverstanden. Da es den Wurzelweg an dem Ameisenhaufen vorüber bis zur Großmutter genau kannte, und der Specht von Baum zu ‘Saum mitsolgte, erreichten sie bald und ohne Abenteuer den hohlen Rußbaum am Weiher der blauen Lotusrosen.
Bor der Höhle saß aber die Großmutter und knackte Russe. Sobald sie den Enkel geivahr wurde, eilte sie aus ihn zu :
„Liebes Kind! so kommst du denn endlich deine alte Großmutter zu besuchen!" And sie umarmte das junge Eichhörnchen zärtlich.
„Garuda sei gepriesen! So bist du durch seine Hilfe doch der bösen Schlange entschlüpft?"
„Ich weiß Von keiner Schlange."
„Eine große, schwarze Schlange — sie sagte, sie habe dich Iwiite 1 Litt) uefrmfcn. Unö Du hast ihr auch *ntd>t von mir und meinem Aufenthalt erzählt?"
»Ach werde mich wohl mit solchem bösen Wesen unterhalten und ihm von dir, mein Herzkind, erzählen! Aber komm nur und sieh die schönen Rüsse, die ich gesammelt habe. And auch dein Freund Specht sei mir herzlich willkommen; es sind wurmstichige . darunter, die ihm besonderes munden werden!"
Als sie sich nun gütlich getan und freundliche Worte mit der Alten gewechselt hatten, begaben sich die beiden Freunde nach ihrer Heimstätte zurück. Dort brachten nun die beiden, Eichhörnchen und Specht, im Schatten der Fichte weilend, in mannigfacher, trefflicher Anterhaltung ihre Zeit hin und lebten glücklich Seinem Vorrat an weisen Sprüchen fügte aber der Specht von jetzt an diesen hinzu: i
„Wer eine Fahrt Hals über Kopf antritt, ohne sich zuerst den Weg zu überlegen, der wird hin und her und kreuz und quer gewiesen, wie das Eichhörnchen, das seine Großmutter besuchen wollte."
Wie Jesus Bsn Nazareth der deutsche Heiland Wurdet.
Sie Helicmdsburgerr.
Sn Worms, in Speyer, in Mainz und in Köln stand ihre Sterngewalt auf aus dem mannhaften Glauben der Zeit, den Lindwürmern gleich der salischen Sagen mit schuppigem Rücken und kräftig umgürtet im steinernen Knochengerüst.
„. Keine Tempel der Griechen mit marmornen Säulen und keine römischen Hallen, Deihlchemsburgen des Heliand und Waltungs- ftatten der Wiederkunft, Trutzburgen tapferer Hoffnung aus kläg- ucher Knechtschaft und Sicherheit starker Vergeltung.
Artief glühten die Augen der kreisrunden Fenster, und wehr- ha,t hielten die Pfeiler der kommenden Macht das Gewölbe, steinern umgürtet und mit Knäufen von Weltfchwertern geschmückt.
) Ans einem kleinen Büchlein „W eihnachtsgeiste r", einer Reuerscheinung des Verlages Eugen S a l z e r in Heilbronn.


