Samstag, 7. Januar
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zeichnet sei wie es selber, und das) sie in einem hohlen Nuhbaum an einem Lotusweiher tvvhne: aber das schien gar nicht nötig zu sein. Denn alle Affen zeigten sofort in derselben Richtung und schrien aus Leibeskräften: „Immer gradausl"
„Offenbar kennen sie die Alte sehr gut, und diese hat ihnen schon vor mir erzählt — höchstwahrscheinlich, das) sie meinen Besuch erwartet. Das trifft sich in der Tat sehr glücklich."
Aach einiger Zeit fand jedoch das Eichhörnchen, dah cs sich wieder verirrt haben müsse, sonst würde es bei seinem schnellen Laufe schon angekommen sein. Aber weit und breit war nichts von einem Aust bäum zu sehen noch zu riechen. Während es nun das ast und sich überlegte, wohin es sich wenden solle, vernahm es das Hämmern eineö Spechtes.
„Ach", dachte es, „das ist gewiss der Detter meines lieben Freundes, von dem er mir so oft erzählt hat. Spechte lieben hohle Bäume, vielleicht kennt er meine Gros)mutter und kann mir den Weg weisen."
Sndem es auf den Laut zulief, kam es bald zu dem Baume, wo der Specht sah und eifrig auf einen dürren Ast lospickte.
Sobald nun der fleissige Arbeiter sich eine kleine Erholungspause gönnte,, rief das Eichbörnchen;
„Heda, Specht! Bist du nicht der Detter des weisen Spechtes, Verso viel Sprichwörter weist und zusammen mit einen, jungen Eichhörnchen auf einem grvsten Fichtenbaume wohnt, nicht übermässig iveit von hier?"
„O ja, der bin ich. And du bist wohl also das junge Eichhörnchen? Es freut nrich, dich kennen zu lernen."
„Ganz gegenseitig! Da hab! ich viel schöne Grütze zu überbringen, und der Detter meinte, du würdest mir behilflich sein, falls ich mich verirren sollte, was nämlich schon geschehen ist, während ich unterwegs zu meiner Grvtzmutter bin. Dielleicht hast du aber bei deinen Besuchen hohler Bäume sie in einem schönen, grossen Dustbaum kennen gelernt."
„Das wäre wohl möglich. Du mutzt mir aber noch näheres sagen. Steht der Dustbaum etwa ganz in der Dähe eines Weihers mit blauen Lvtusrosen?"
„Das ist der Baum! O zeige mir den Weg. Ist es noch weit dahin?"
„Gar nicht. Du mutzt in dieser Richtung gehen und aufpassen, das), wenn du den Schwanz gerade über den Rücken hältst der Schatten ein wenig rechts von dir fällt. Bald konimst du dann zu einem großen hundertstänrmigen Nyagrvdhabaum. Don dessen Hauptstamm aus nimmst du den Ast, der sieben Luftwurzeln hat — zähle sie genau — und wenn du auf dessen äutzeriwn Zweig hinauskvmmst, wirst du mit deinem feinen Schnäuzchen gewiß schon den Geruch der Nutzblätter wittern können.' .
Das Eichhörnchen bedankte sich schönstens und eilte weiter. Es fand alles genau wie der Specht ihm gesagt hatte und erreichte den Nutzbaum. Der Lotusweiher kam ihm etwas kleiner vor, — „wahrscheinlich, weil ich selber unterdessen größer geworden bin", dachte es: dafür schien die Höhle des Baumes eher größer geworden zu sein.
Aus dieser stürzte alsbald ein starkes schwarzes Eichhörnchen hervor: ein alteS Weibchen mit großen gelben Zähnen faucht« es wütend an*.
Vom Eichhörnchen, das feine Großmutter besuchen wollte.
Eine Fabel von Karl Gjellerup *).
Mitten in einem großen Walde wohnten einmal, in einer alten Fichte, ein Eichhörnchen und ein Specht. Die Fichtenäpfel boten dem Eichhörnchen reichlich- Nahrung, und in den dürren Aesten des Baumes fand der Specht Würmer genug. Sv konnten sie sich Mgenseitig nie ins Gehege kommen, und das ist die sicherste Grundlage einer Freundschaft. Sn der Tat brachten die beiden, das Eichhörnchen und der Specht, in der prächtigen alten Fichte wohnend, die Zeit in mannigfacher trefflicher Anterhaltung hin und tevien glücklich, indem sie einander durch weise Sprüche gegenseitig aufmunterten und belehrten.
Eines Tages, als das Eichhörnchen hoch oben im Wipfel saß, rief es dem Spechte zu, der fleißig auf einen dürren Aststumps loshämmerte:
„Lieber Freund! Sch gedenke jetzt eine Fahrt anzutreten, um meine Großmutter im hohlen Nußbaum am Teich der blauen Lr.usblume zu besuchen."
„Das ist wohlbedacht," antwortete der Specht, „Venn es tft tnge her, dah du nicht bei ihr warst. And es heißt: .Man soll -xiü Gras nicht auf dem W-ege wachsen lassen, der zum Freunde führt, wie viel weniger auf dem zu den nächsten Verwandten."
Schon wollte er weitere weise Spruch? folgen lassen, von denen er einen großen Reichtum besaß, als ein Rascheln der Zweige ihn veranlaßte, aufzublicken — gerade rechtzeitig genug, um das Eichhörnchen verschwinden zu sehen.
Der Specht schüttelte bedenklich den Kopf:
„So eilig! Sch hätte ihm doch einen Gruß an meinen Vetter mitgegeben, dem es wohl jetzt unterwegs begegnen wird. Hat c8 doch sonst immer den Wurzelweg genommen, wenn es seine Großmutter besuchen wollte. Ganz ohne Aeberlegung, weil er zufällig gerade oben im Wipfel sah, hat nun mein Freund den Zweigeweg genommen, und es sollte mich nicht wundern wenn er sich dort verirrte und gar nicht das Ziel erreichte." '
Einem Eichhörnchen im Arwalde, das sich irgendwohin auf die Reise begibt, stehen nämlich zwei Wege offen: der Wurzelweg und der Zweigeweg.
_. ,®n der Tat dauerte es ganz richtig-nicht lange, bevor das Eichhörnchen bei seinem ungestümen Lauf durch die Wipsel von seiner Richtung abgekvmmen war, denn häufige Oeffnungen zwi- Mru den Kronen hatten es mehrmals zu Amwegen genötigt. Als es sich nun umsah und sich gestehen mußte, nicht mehr zu wissen, wo es war, bemerkte es im nächsten Baume eine ganze Schar von Affen.
„Diese Affen", dachte eS, „streifen weit umher in den Baum- kronen und sind neugierig und schwatzhaft. Vielleicht wissen sie den Weg zu meiner Großmutter."
- '-Ehrwtirdige Vierhänder," rief es, „kann niemand von euch Mir den Weg zu meiner Großmutter zeigen?"
Es wollte ausführlicher darlegen, daß die Alte ebenso ge°
*) Gjellerups elhsisches Fabelbuch „Das heiligste Tier" ist soeben im 6.-8 Tausend erschienen. (Verlag von Quelle & Meher. ?^.A^bleinenband 32 Mk.). Mit Genehmigung der Derlaas- ouchhandlung entnehmen wir obige köstliche Szene.


