Ausgabe 
4.11.1922
 
Einzelbild herunterladen

175 -

muhte man anerkennen. Der Frau war halt nicht gegeben, sich zu zügeln. Wenn sie hundert Jahre alt wurde, sie zerrih wie ein Füllen die Halfter. Keine Sekunde hatte der Meister Ge­walt über sie gehabt. Brach das Ausschierige durch, war ihr mit Dernunftgründen nicht beizukommen. Alles wurzelte in einer krankhaften Reizsamkeit. Dessenthalben konnte man sie nur be­dauern.

So rückte der Meister seiner Frau Gebaren in ein milderes Licht. Herma hatte ihre Gedanken für sich. Sie hatte mit ihrer Mutter, die sich jedes Gefühls für Pflicht und Verantwortung ledig sprach, nichts mehr gemein. Es war ihr peinlich, dem Aus­druck zu geben, sie schwieg.

Gesegnete Stunden führten des Meisters Arbeit dem Ende zu. Da der Schaber das Letzte vollbracht, stand Fabri innerstl befriedigt vor seinem Werk. Die Figuren in ihrer edlen Ein­fachheit waren dem Besten beizuzählen, das er geschnitzt.

Run brannte er darauf, dah seinem Gönner Heribert Hansen in Hamburg die Stücke unverzüglich zugesandt wurden. Herma verpackte sie kunstgerecht, brachte sie selbst zur Post.

Der Meister hatte seine Kräfte doch wohl überschätzt, iln» bezwingliche Müdigkeit fiel ihn an. Er begab sich in das Schlaf­zimmer, sank in seinen Sessel. Er überlegte, ob es nicht besser sei, wenn er ins Bett ging. Rein, entschied er, er blieb auf. Er streckte sich aus. Die Augen fielen ihm zu.

Es war ihm, als wandre er durch unermeßlich grohen Wald auf sanft ansteigendem Pfad einer Höhe zu. Ein Wasser­fall rauschte, er hörte den Schlag von Aexten, das Krachen! stürzender Bäume. Endlich hatte er den Gipfel erklommen. An ferne Seite trat unversehens ein fremder Mann. Er war in einen blauen Mantel gehüllt. Der Frühling in goldner Heiterkeit schüttete Blütenpracht über das Land, Schwirrfliegen schossen vorbei. Eine Drossel sang. Tief drunten aus einem Meer von Farben hob sich in festtäglichem Glanz die alte Kaiserstadt am Main. Und der Fremde im blauen Mantel sprach:Ich bin Heribert Hansen! Meister, gehen Sie nicht in der Plattheit Ihres Krähwinkels unter. Aprilblut tut selten gut. Sie haben etwas davon in Ihren Adern. Ich warne Sie, ändern Sie nichts an Ihrem Entschluß. Dort in der großen Stadt ist Ihr Platz. Da haben Sie lausend Möglichkeiten, daß man Ihre Kunst sieht und wertet. Gerhard Fabri, spulen Sie sich!"

Heriberl ckmnsen warf seinen Mantel über den Meister. 3m selben Augenblick flog dieser talab, war blitzschnell in Frankfurt, mitten auf der Zeil. Bor dem Laden eines Kunsthändlers dränaten sich die Menschen. Ei du lieber Himmel! Was war denn das? Der Meister sah seine Schnitzwerke auf blausamtenem Grund ausgestellt: den Bettler, die Sphinx, die Schäferin, den Herkules, die Hoffnung, die Heimkehr des Vaters, den Kindertanz. Der Kunsthändler winkte, lud Gerhard Fabri ein, in den Laden zu kommen. Viele Leute drückten dem Weister die Hand. Ein kleiner Herr mit der prüfenden Miene des Gelehrten sagte: Alle Lichtung vor 3hnen, Meister! Das größte Lob, das ich Ihnen spenden kann, ist: Sie holen aus dem Elfenbein das wirk­liche Leben heraus!"

Der Meister dankte nach allen Seiten. So große Schätzung, so unendliches Glück hatte er nie erfahren.

Liebliche Bilder umspielten ihn, ein Lächeln um den Mund, lag er in tiefem Schlaf.

Währenddessen hatte Herma das Paket nach Hamburg be­fördert und gedachte, in der Stadt noch, einige Besorgungen zu machen.

Eine dunkle Ahnung, der sie nicht gebieten konnte, trieb sie heim. , ,

Sie eilte in die Werkstatt. Der Vater war nicht da. Sie ging in sein Schlafzimmer. Er saß in seinem Sessel, behaglich angelehnt, und schlief. 3hn nicht zu stören, schlich sie auf den Zehen hinaus. .

Aach einer guten Stunde es war Essenszeit sah sie wieder nach ihm.-Er schlief noch immer.

Sie trat näher. Ihre Brauen spannten sich. Jäher Schreck durchzuckte sie. Das Gesicht des Vaters war von wächserner Blässe. Seine Kinnlade war herabgesunken. Herma beugte sich zu ihm nieder. Behorchte sein Herz. Das schlug nicht mehr. Der Meister war tot!

Di6En1wickrlNNgderÄraLhlossrrTS!egeaphie im Deutschen Reich.

Die drahtlose Telegraphie, deren erstmalige praktische Durch­führung vor 25 Jahren erfolgte, hat auch in Deutschland eine beachtenswert schnelle Entwicklung erfahren. Ein anschauliches Bild hiervon ergeben die nachfolgenden Angaben, die wir der ZeitschriftWirtschaft und Technik" entnehmen.

Die beiden Großfunkstellen Nauen bei Berlin und Eil­vese bei Hannover arbeiten als Sende- und Empfangsstellen bei einer Reichweite von 6000 bis 11 000 Kilometer im Welt­funkverkehr. Die Sendezeichen können sogar noch in Aeu-Seeland (20 000 Km.) aufgenommen werden. Die Großfunkstelle Aauen arbeitet nach einer bestimmten Zeiteinteilung hauptsächlich mit den Vereinigten Staaten von Amerika, mit Moskau (Rußland). Aranjuez (Spanien), Rom (Italien), Bukarest und Oradeamare (Rumänien). Die Funkstelle bedient auch den Lleberseepresse-

dienst und gibt das Zeitsignal. Die Großfunkstelle Eilvese er­gänzt sich mit ihr und gibt den Europa-Pressedienst.

Die jährlichen Wortzahlleistungen der Aauener Funk­stelle betrugen: im Jahre 1914 9? 300 Worte, 1915 807 500 Worte, 1916 1654 700 Worte, 1917 2 721 100 Worte, 1918 4 653 700 Worte.

im Jahre 1919 1920 1921

Telegramme

136 200

315 500

618 300

Die Großfunkstelle Eilvese bewältigte in der letzten Zeit des Krieges im Verkehr mit der amerikanischen Gegensunkstelle Tuckerten täglich bis zu 8000 Worte.

lieber die Groß- und Hauptsunkstellen sind im Auslands­verkehr befördert worden:

mit . . . Worten

4 820 800

7 759 500

11 972 600

es

im

in der Richtung

erneutem Ansteigen begriffen:

m

Deutschen

Telegramme:

im Jahre 1913 1919 1920 1921

im Jahre

1919

1920

1921

zusammen

26 704

7 594

15 735

15 996

Telegramme 334 600

1 445 500

2 180 900

mit . . . Worten

5 019 700

21 682 200

32 713 900

von See v. H. 19169

7 366

14 654

14 211

nach See v. H. 7 535

228

1081

1785

funkst eilen, Leitfunkstellen, Funkstellen.

Es bestehen:

1. 3 Haupt stellen in Berlin, Königswusterhausen, Nord­deich. Bon diesen arbeitet Berlin hauptsächlich für den deutschen Inlandsverkehr, Königswusterhausen für Europa mit Ausnahme des Verkehrs, den Aauen vermittelt, Norddeich vorwiegend im Verkehr mit den Bordfunkstellen (Wettertelegramme, Sturm­warnungen und Nachrichten für Seefahrer).

2. 9 Leitfunkstellen in Dortmund, Düsseldorf, Frank­furt a. M Hamburg, Hannover, Königsberg i. Pr., Leipzig, München, Stuttgart. Die Leitfunkstellen verkehren mit der Haupt­funkstelle Berlin, Dortmund, außerdem mit Rotterdam.

3. 9 Funkstellen in Bremen, Breslau, Darmstadt, Dres­den, Elbing, Erfurt, Friedrichshafen Konstanz, Stettin.

Die 7 5 Rund fu n kemp fa n gs st el l e n haben keine

drahtlose Telephonie, ----------

dienst, da bei ihr infolge unmittelbarer Hörabnahme

Auch der Inlandsverkehr zeigt eine steigende Entwicklung.

Von besonderer Wichtigkeit ist der Dvrdfunkdienst, der gestattet, jederzeit von den K ü st e n f u n k st e l l e n auch mit den außer Sehweite befindlichen Seeschiffen in telegraphischer Verbindung zu bleiben. Er dient dem Lieberseenachrichtendienst, dem Peil- und Lotsendienst, dem Warnungsdienst und der Zeit­signalmitteilung im Einzelverkehr und im Rundfunkverkehr.

Es bestanden in Deutschland und auf deutschenHandelsschiffen: November des Jahres Küstenfunkstellen Bordfunkstellen 1914 26 480

1920 13 78

1921 25 304

Der drahtlose Telegraphenverkehr im bedient durch ein in sich gegliedertes System von Funkstellen '(Reichsfunknetz). Dem Inlandsverkehr dienen die Haupt-

Von den im Jahre 1921 bearbeiten Funkauslandstelegrammen sind ausgetauscht worden mit:

Sendeeinrichtungen, sie können nur aufnehmen.

Der Verkehr im Reichsfunknetz findet von 8 Llhr vormittags bis 9 Llhr abends statt, für HamburgBerlin von 7 Llhr vor­mittags bis 10 Llhr abends. Auf dem Reichsfunknetz sind im In­landsverkehr verarbeitet worden:

Der außerordentliche Rückgang des Standes vom November 1920 gegenüber dem Stande im November 1914 ist auf den Aus­gang Les Krieges und die Auslieferung der deutschen Handels­flotte auf Grund Les Friedensvertrages von Versailles zurück­zuführen. Andererseits zeigt die Zahl der Dordfunfftellen für November 1921 eine erneute Zunahme. Die Zahl der genehmigten Bordfunkstellen hat im April 1922 bereits wieder 400 überschritten.

Der Verkehr der deutschen Küsten betrug nach der Zahl der

Auch Lieser Verkehr ist ... ------------ ......

bemerkenswert ist die weit höhere Inanspruchnahme Les Funk­verkehrs von den Schiffen nach dem Lande.

Große Zukunft hat neben der drahtlosen Telegraphie die ' -, besonders auch für den Bordfunk-

mittelbarer Hörabnahme der Aach-

Land

Telegramme

mit... Worten

den Vereinigten Staaten von Amerika

315 665

5 195 398

Spanien

90 128

1 409 107

Italien

83 049

1 512 133

den Niederlanden

56 938

861 970

.Ungarn

40 411

706 250

England

31 512

466 905

Rumänien

25 235

492 803

Rußland

8 783

882 349

Bulgarien

6 282

100 209

Jugoslawien

4 362

70 687

Schweden

658

8 915

Norwegen

409

21 786