Ausgabe 
4.3.1922
 
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Mewerpracht aus fernen Jahrhunderten.

Die Geschichte der Kleidermode muh hauptsächlich mit Dar­stellungen der Trachten arbeiten, wie sie sich auf Bildern und anderen Kunstwerken finden. Solche Abbildungen können aber nicht die Origtnalkleider ersehen, die allein ein ganz zuverlässiges Material für den Forscher darbieten. Es sind nun aber aus fernen Jahrhunderten sehr wenige Kostüme erhalten, wie Hans Miitzel in seiner bei Richard Carl Schmidt & Co. in Berlin er­schienenenKvstümkunde für Sammler" hervorhebt, die haupt­sächlich Originalkostüme berücksichtigt. Merkwürdigerweise sind gerade die widerstandsfähigsten Kleider am meisten der Ver­nichtung ausgesetzt gewesen. War doch die Güte des Stoffes ein Grund dafür, den Anzug recht abzutragen oder ihn zu einem neuen Kleid umarbeiten zu lassen. Roch im 18. Jahrhundert waren auch vornehme Herren in dieser Beziehung sehr sparsam, und es ist unglaublich, in welch abgetragenem Zustand manche Männerröcke auf uns gekommen sind, wie grotesk Kavaliersröcke der Rokvkozeit zusammengeflickt wurden. Die Zeit fand darin nichts Anstößiges, und da es allgemeine Sitte war, Kleidungs­stücke zu verschenken, so trug der Empfänger den Anzug eben auf, wie er ihn bekam, oder lieh ihn notdürftig umbauen. Zugleich aber ermutigte ein dauerhafter Stoff, besonders bei der Damen­welt, zur Weiterverarbeitung. Am häufigsten ist dies der Fall, wenn einer Mode mit weiten Kleidern eine solche mit engen! folgt. Die weiten Kostüme lassen sich sehr leicht zu engen um­arbeiten, und so findet man denn vielfach Empirekleider aus charakteristischen Rokokostoffen; während die engen Empirekleider in groher Zahl erhalten sind, da die kleinen Jäckchen und engen Aermel nicht mehr weiter verwendet werden konnten. Auch bei den Diedermeierkostümen ist bas meiste verloren gegangen. Die

Singen aus. Denn sie wollten ein Lied doch zu Ende bringen. Also muhten sie den ganzen Tag über singen bis spät in die Rächt hinein, und dann war das Lied es hatte nämlich nur eine einzige Strophe! noch immer nicht aus.

Wenn Mattia und Assunta Morgano spät abends nach der langen Arbeit in ihre von allen Häusern am höchsten gelegene Hütte zurückkehrten, der Mann auch jetzt noch nicht müde und die Frau die einzige ordentliche Mahlzeit des Tages bereitet batte, setzten sie sich mit der alten Mutter Mattias vor die Tür, inmitten von wildem Thymian und Lavendel, und sprachen von dem einen, von dem groben Werk, von dessen erster Ausfahrt und erster Wiederkehr, von der Aussicht auf ein besseres Ge­deihen auf eine glücklichere Zukunft. Dann rief der Mann aus: Ein besseres Gedeihen und eine glücklichere Zukunft für unfern Knaben! Denn ich weih, wenn ich im Frühling zurückkehre, wirst du mich mit einem Knaben auf dem Arm empfangen, mit meinem Sohn!"

Dann nickte die Frau dem vom Glück der Liebe und der Arbeit, vom Glanz der Jugend und Kraft strahlenden Mann in ihrer ernsthaften Art zu und sprach leise und feierlich nach:

Mit deinem Sohn!"

Den ganzen Frühling, Sommer und Herbst arbeitete jung Und alt an der geliebten Darke ihrer Hoffnung. Denn jung und alt liebte das Schiff, welches der Stolz aller war. Dann war das schwere Werk vollendet, sollte geweiht werden, sollte einen Ramen empfangen, einen Kapitän erhalten.

Die Weihe des Schiffes sollte mit seinem kraftvollen .Willen wollte es so Mattia Morgano nicht ein fremder Priester vom Fefllande, sondern der greise Siedler von der Marienkapelle vollziehen; des Schiffes Ramen sollte lauten:Assunta", und sein Kapitän für die erste Ausfahrt sollte Mattia Morgano sein so war es der Wille aller.

Als einKünstler" unter den Fischern den wohltuenden Namen mit gewaltigen Buchstaben in dem strahlendsten Blau von Zweigen blühenden Ginsters umrankt, unter einem bunten Holz­bildnis der Himmelskönigin auch sie war eine Assunta, eine mim Himmel Auffahrende! am Buge gemalt hatte, wanden die Frauen und Kinder aus Myrten Girlanden. Sie bekränzten die Assunta, Schiffsseiten und Masten, hißt en die heilige Flagge ihres Vaterlandes auf, kleideten sich in ihren besten Staat, be­reiteten Festgerichte und holten aus seiner Zelle den frommen Mann. Dieser segnete, weihte, betete. Es beteten aller Lippen und Herzen. Lind sie beteten für das Heil und Leben ihres Schiffes so inbrünstig, als gälte es dem ewigen Heil ihrer unsterblichen Seelen.

Nachdem sie genug gebetet hatten, feierten sie. Sie feierten und freuten sich bis tief in die Nacht hinein, führten Tänze auf, welche Llrahn und Llrahnin miteinander getanzt, sangen ihre uralten, endlosen, felbstgeöichteten Lieder zu den uralten, selbst- erftindenen Melodien, und je schwermütiger diese über Klippen und Wogen hinklcmgen, um so Heller die Lust.

Hauptpersonen des größten Festes, welches auf der Insel jemals gefeiert worden, waren die süße Mutter des Herrn und der fromme Greis; waren Mattia Morgano und sein junges, schönes Weib, unter dessen Herzen neues Leben sich regte.

Also auch sie eine Geweihte! '

(Fortsetzung folgt.)

Mode hat zwar lange genug gedauert, aber gerade deshalb find dre Biedermeierkostüme bis auf den letzten Faden aufgetragen worden, und nicht viel anders ging es mit den prächtigen Stoffen der Krmoltnezeit, die in die spätere engere Mode hineingearbeitet wurden. So ist von der Privattracht der Vergangenheit ver­hältnismäßig wenig übrig geblieben, am meisten natürlich aus dem 18. und 19. Jahrhundert, sehr viel weniger schon aus dem 17., und die Kostüme noch früherer Zeiten gehören zu den größten Seltenheiten. Dies gilt aber nur für die profane Tracht. Kirch­liche Gewänder sind in reicherer Zahl und guter Erhaltung auf uns gekommen, da sehr alte Stücke noch lange in Gebrauch ge­wesen sind und die kostbarsten Stoffe verwendet wurden.

Der Zufall hat uns einige Kostümstücke aus vorgeschicht­licher Zeit geschenkt. Die Moore Norddeutschlands und Hüt­lands gaben primitive Fellkleider prähistorischer Epochen sowie ganz aus Wolle hergestellte Kleider der germanischen Bronze- und Eisenzeit her. Die ältesten Originalstücke, die wir besitzen, sind in ägyptischen Mumienfunden erhalten; da gibt es Männer­hemden aus Leinwand in der uralten Hemdform, die noch heute in Tunis und Algier lebt; da fand man Wickelgewänder, und einen Lieberblick über die Entwicklung der antiken Tracht ge­währten besonders die Kleider, die in Oberägypten zu Achmim und zu Antinoe in Mitteläghpten ans Licht gezogen werden. Solche Kleider aus hellenischen, römischen oder frühchristlichen Tagen sind aber nur ganz seltene Geschenke des Zufalls, und dasselbe gilt von den Kostümen des Mittelalters. Was aus diesen frühen Zeiten der neueren Geschichte vorhanden ist, gehört entweder dem Paramentenschatz der Kirchen oder dem Kleinodien- schatz der Herrscher an. Auch die Krönungsornate waren aber liturgische Gewänder, so das Krönungskleiö der deutschen Kaiser, die im bayerischen Nationalmuseum aufbewahrte weihseidene Tunika Heinrichs II. aus dem 11. Jahrhundert und der unga­rische Königsmantel in der Ofener Burg. Kirchengewänder des Mittelalters sind noch vielfach erhalten; so besitzt z. B. die Dan­ziger Marienkirche allein über 100 Meßgewänder aus italie­nischen Seidenstoffen, und ebenso sind Halberstadt und Branden­burg reich an solchen Kirchenkleidern. Aus dem 13.15. Jahr­hundert sind uns an weltlichen Kostümen nur ganz vereinzelte Stücke erhalten, so ein Frauenkleid aus dem Jahre 1400, das die skandinavische Königin Margareta der Domkirche von Roskilde schenkte und das heute in der Dvmkirche zu Llpsala aufbewahrt wird, dann das Samtkleid des letzten Maurenkönigs Boadbil von Granada und ein roter Atlasrock, der Karl dem Kühnen zugeschrieben wird und unter der Deute der Schlacht bei Granson 1476 im Berner Museum bewahrt ist. Verschwindend gering ist die Zahl von Kostümen aus dem 16. Jahrhundert: der Hoch­zeitsmantel des Herzogs Wilhelm V. von Bayern von 1568 im Bayerischen Nationalmuseum, einige geschlitzte Männerjacken im Germanischen Museum, zwei Landsknechtskvstünie in München und Bern und einige Wämser aus dem Besitz des Grafen Wilczek. Reichhaltiger ist erst das 17. Jahrhundert vertreten, und zwar find hier eine Reihe von Kostümen der sächsischen Kurfürsten und der schwedischen Könige die wichtigsten Stücke. Die, Kleider in der königlichen Leibrüstkammer zu Stockholm und die Samm­lung der dänischen Könige im Schloß Ros^borg bieten eine fast lückenlose Liebersicht über die Entwicklung der männlichen Tracht im 17. Jahrhundert, freilich in dem glänzenden Rahmen der Hochzeits- und Krönungsgewänder. Außerdem besitzt das Vrvvinzialmuseum zu Hannover zwei kostbare Anzüge aus dem Nachlaß des 1612 verstorbenen Herzogs Moritz von Sachsen; einige Kostüme sind Gräbern entnommen, so die im Bayerischen Nationalmuseum befindlichen Samtkleider der Pfalzgräfin Doro­thea Marie und eine weitzseidene Schlihtracht im Züricher Landes­museum. Häufiger sind soldatische Lederkoller erhalten. Doch gibt es eine größere Menge von Kostümen erst aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts.

Morphium.

Don Kopernikulus.

Weißt du, Franz, bei dem Worte Morphium beschleicht mich immer so ein Schauer mittelalterlicher Hexen- und Giftmischer- romantik, und es ist ja auch geradezu mystisch, was sich die Leute von sogenannten Morphinisten erzählen.

Das liegt vor allem an dem geheimnisvollen Worte. Dabei muß ich immer an die Dichter Poe, E. T. A. Hoffmann und Verlaine denken.

Wieso?

Diese Dichter nennt man Dipfomanisten oder Alkoholisten, weil sie die Eigenart ihrer Schöpfungen dem .Alkvholgenutz ver­danken, und diese Bezeichnungen weben einen geheimnisvollen Schleier um ihre Gestalten. Denn nimm einmal an, man würde sie einfach Säufer nennen.

Ja, aber mit dem Morphium ist es doch etwas anderes,^ denke ich.

Wieso? Es ist ebenso ein Stimulans wie der Alkohol, nur? bedeutend tolrtfamer.

Ja, was ist denn das Morphium? Du bist doch Wtfsen- schaftler, lieber Franz.