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nach Jahr und Standort von Ende Januar und Mitte Februar ab. Diese gelben Blütenknäule, die sich bei Frost zusammenziehen und nach schwerer Kälte bei mildem Wetter prachtvoll coeiterblühen, sind wie Blütengespenster oder wie Organe mancher Meeres- geschöpfe zwischen Tier und Pflanze. 2km Glase wirken ihre Zweige Mitte Februar wie die urweltlichste und traumhafteste erste Dlütenregung des Vorfrühlings. Ganz unvergeßlich ist mir aus einer Abendgesellschaft in einer westdeutschen Stadt die Wirkung großer Dlütensträutze aus dem Freien als Tafelschmuck Mitte Februar, nämlich Hamameliszweige und rotes Rhododen­dron nmcronulatum, mit gelben Winterjasmin-Zweigen, durch­setzt mit ein paar immergrünen Laubzweigen.

Wenig Menschen wissen, daß der Rhododendron-Flor in fast ununterbrochener Folge von Januar bis Anfang August dauert. Einige kleine Zeitlücken Ende März, Anfang April werden durch neue Wildarten oder Kreuzungen ausgefüllt werden. Als erstes blüht sogar in unseren Gegenden meist schon im Januar Rh. dahuricum, mit lilarosa kleineren Blumen auf spar- rigen anderthalb Meter hohen Büschen. Der Flor dauert sehr lange und wird von Rh. parviflvrum fortgesetzt. Bald nach Mitte Februar beginnt in vielen deutschen Gegenden das pracht­voll kräftige Rhododendron mucronulatum seine mittelgroßen leuchtend rotvioletten Blüten zu entfalten. Dann folgt die Garten- hybride Ah. praecox mit etwas helleren Blüten. Leider Mrd der Flor manchmal von Frösten gestört und doch freut man srch immer Meder, die Pflanze im Garten zu haben. 1 Der Seidelbast dagegen bleibt vom Frost ganz unberührt. Er neigt dazu, Säm­linge hervorzubringen, die wochenlang vor den andern erblühen, so daß man oft an geschützten Plätzen, auch in unserer Gegend, die Sträuchlein schon Ende Januar in Blüte sehen kann. Man wird gewiß einmal eine frühblühende Rasse heraüszüchten. In Süddeutschland und in der Schweiz findet man Seidelbast bisweilen schon um die Jahreswende im Walde blühend, und im gleichen Jahr, fünf Monate später, pflückt man ihn Mitte Mai oft noch ganz hoch oben in den Bergwäldern, wo es noch Vorfrühling ist. Mit Seidelbastzweigen und mit Blütenstielen des Winter- heliotrop, Petasites sragrantissima, Mrd schon im Februar ein Zimmer in Dust gesetzt, und zwar ebenso stark wie vier Wochen später vom Duft einiger aus dem Freien geschnittenen Hyazinthen- stiele Zu den Mnterlichen Duftgewächsen gehört auch Lonicera Standishi, härter und früher blühend als L. .sragrantissima. Dies meterhohe Gewächs paßt auch besonders in der gefügigen Form lancifvlia gut an Hausspaliere, in Verbindung mit den beiden herrlichen bunten Jasminen, dem gelben und dem lila­roten nämlich I. nudiflvrum und I. Beesianum. Gleichfalls ge­hört im kühleren Deutschland an Düdspaliere der schönduftende aller Winterblüher: Chimonanthus praecox. Der Duft eines Busches, dessen Blüten ziemlich unscheinbar rotbraun sind, streift oft weit umher, und zwar im milderen Deutschland schon im Januar Die Garten-Form unserer heimischen Erle, Alnus incana aurea und die japanische Erle sind die frühesten und reich- blühendsten aller Erlen: es ist keine Kleinigkeit, ein paar ihrer prachtvollen Zweige von der- Hauswand schneiden zu können und sie aus schöner japanischer Schale herausblühen zu lassen. Die frühst blühenden aller Weiden, auch in ihren Silberknospen von großer Schönheit, sind die Salweide Salix caprea, S. Medemii und 6. daphnvibes pommeranica, die Reifweide.

Aus Erinnerungen der Fürstin Marie zu Erbach-Schönbsrg, Prinzessin von Battenberg.

Die im Jahre 1852 geborene Tochter des Prinzen Alexander von Hessen (ihr Großvater war Ludwig II., Groß- Herzog von Hessen), die früher bereits über ihre Kindheit und Mädchenzeit in Hellmuth Wollermanns Verlag, Braun­schweig, ein Buch fritte erscheinen lassen, liefert jetzt mit einem aus dem gleichen Verkige hervorgehenden Bande Aus stiller und bewegter Zeit" eine Ergänzung und Fort- setzung. Die Memoiren dieser fürstlichen Frau sind um des­willen interessant und lesenswert, weil sie uns Einblicke ge­währen in regierende fürstliche Häuser, mit denen der hessische Hof in verwandtschaftlichen oder freundschaftlichen Be­ziehungen stand, und darüber hinaus, weil sie mit beson­derer Ausführlichkeit die denkwürdigen Schicksale ihres Bruders Alexander, des ersten Fürsten von Bulgarien, erzählt. Ihre Reisen und Tagebuchblätter bringen eine bunte Fülle fesselnder Bilder und Erlebnisse aus der sogenannten Großen Welt, von denen wir indessen kaum "sagen können, daß sie an Innerem Wert die fried­vollen Idylle der heimatlichen Schlösser im Odenwald über­treffen Einige Tagebuchabschnitte aus einem Londoner Aufenthalt mögen einen Begriff von der DarstellungSart der Verfasserin geben, die übrigens durch ihre Teilnahme an

) Witwe Napoleons III. __

*) Prinz Louis Napoleon, einziger Sohn des französischen Katserpaares. Gr siel in Afrika bei einem Kriegszug.

Werken der sozialen Fürsorge und Wohltätigkeit in Hessen bekannt und beliebt ist.

Windsor, 25. März 1886.

.....Gestern waren Likv, Beatrice (Heinrich, oder Liko, der Bruder der Verfasserin, war vermählt mit Prinzessin Beatrice von Großbritannien und Irland; ihr Bruder Ludwig war groß­britannischer AdMral, und bis 1914 Erster Seelord) und ich bei der Kaiserin Eugenie') in Farnborough Hill. Die Kaiserin hat, wie Du ja weißt, eine besondere Anhänglichkeit an Beatrice, weil ihr Sohn**)') eine schwärmerische Liebe für sie gehabt haben soll.

Wir reisten in einem Extrazug nach Fimley. Dort holte uns ein grüner, viersitziger, offener Wagen ab mit Trauerlivree. DaS Schloß Farnborough Hill ist etwa eine halbe Stunde von der Station entfernt, ein reizendes, unregelmäßiges Gebäude; im kleinen erinnerte es mich an Kastell Pelesch in Rumänien. Es liegt auf einem Hügel in wunderhübscher, waldiger Gegend. Das Haus ist schön eingerichtet und wirkt sehr vornehm, ganz kaiserlich

Eugenie empfing uns in liebenswürdigster Weise, aber etwas höfisch-formell. Sie redete mich immer in der dritten Person, mitDotre Älteste", an. Sie hat hübsch frisierte weiße Haare, und sie ist noch schön, mit reizend graziösen 'Bewegungen und einem unbefchreiblichen Charme. Sie trug schwarze Wolle mit > Crepe. Nachdem Mr einige Zeit in ihrem Salon gesessen hatten, führte sie uns einen weiten Weg durch ihre Besitzung auf einen Hügel gegenüber, wo sie eine schöne Grabeskirche baut für ihren Sohn, die schon beinahe fertig ist, sehr grob, mit einer dvyiartigen Kuppel und reichen Verzierungen in weißem Portlandstein ....

ihn zwei Mr wurde gefrühstückt in einem wunder­vollen' Saal mit Gobelins. Man atz auf Silber mit dem franzö­sischen Wappen. Auf den Gläsern war das berühmteN in Gold zu sehen. Die Gesellschaft bestand aus Madame Le Breton geb. Bourbiti, geb. Monsieur Pietri und zwei Richten der Kaiserin, jungen Spanierinnen, mit ihrer Gouvernante. Nach dem Essen, das sehr gut war, zeigte uns die Kaiserin alle Zimmer und ihre kostbaren Bilder' und führte uns auch in das Gemach ihres Lohnes, wo alles noch liegt und steht, wie er es verlassen, als er nach Afrika auszvg. I

Die silberne Wiege, ein Geschenk der Stadt Paris an den 6 König von Rom", Napoleons I. Sohn, stand auch da, und ein Bild der Stelle an der Prinz Louis Napoleon, Eugeniens Sohn, gefallen ist. Er liegt tot ausgestreckt im sonnendürren Gras und am duftigen fernen Horizont steigen die Türme von Paris auf, wie eine Fata Morgan«. Vor dem Bilde lag ein frischer Veilchenkranz. Es war so jammervoll traurig, daß ich die Trän«: nicht zurückhalten konnte. Um 4 Uhr reiften toir Meder ab. Ich muh sagen, es war ein ganz merkwürdiger Eindruck, dieser Ausklang französischer Kaiserherrlichkeit auf englischem Boden, der die Zufluchtsstätte so vieler und so verschiedenartiger Exi­lierter ist.

27. März 1886.

Heute kam der Abbä Franz Liszt zum Lunchevn nach Windsor. Er an der Marschallstafel, die Königin sahihn erst nachher. Er hatte, da er spielen sollte, seinen eigenen Flügel aus London mitgebracht, und als Mr in den Salon hereinkamen, stand der berühmte Künstler in feinem geistlichen Gewand neben feinem Instrument. Die Königin begrüßte ihn sehr freundlich, und ich genoß den Anblick der beiden voreinander stehenden Ge­stalten sehr. Beide klein, beide weibhaarig, in schwarzer Kleidung, beide würdevoll und freundlich und beide etwas verlegen. Sie, Beherrscherin des großen britischen Reiches, er Beherrscher im Reiche der Tonkunst. 1

Franz Liszt spielte wohl eine halbe Stunde lang Perlend glitten die Töne unter seinen Händen dahin, und Klange wie aus fernen Welten - durchschwebten den Raum. Der durch­geistigte Kopf und die Soutane hätten an eine Orgel auch gut gepaßt - obschon bei Abbö Franz Liszt der WKmann doch überaus aus dem Priestergewand herausguckte! Die Prinzessinnen und ich hatten uns mit unfern Geburtstagsbüchern bewaffnet, um Liszts Llnterschrist zu ergattern. Als er nun bald von der Königin verabschiedet werden sollte, konnte keine von uns sich entschließen, mit der Bitte herauszurücken, denn wir waren alle verlegen.

Schließlich wurde ich vorgeschoben, durchquerte das Zimmer und legte kühn dem großen Mann mein Buch auf den Flügel.

Er verbeugte sich lächelnd und schrieb sich ein, ebenso auch in die Bücher der mir schüchtern nachgezogenen Königstöchter unö schließlich auch in das Buch, der Majestät. Die Königin teert ft e mir später in Erinnerung an jenen Nachmittag eine kleine Büste von Franz Liszt von Bildhauer Böhm und neckte mich «och oft mit der kühnen Attacke, die ich auf ihn gemacht ...... . Wie kann man irur bis ins hohe Alter so mädchenhaft fchuMern seinl Sie ist doch eine mächtige Königin, vor der alle, Hohe und Niedere, einen an Furcht grenzenden Respekt haben/ Sv klein von Gestalt, wie sie ist, hat sie doch durch Gang und Haltung