Winter blüh sr im Freien.

_ ... selbst im eigentlichen Winter, zwischen Novemberanfang und Feorugrende, so plaudert Karl Foerster im Januarheft her ^föit?»enWB58*2 Verlag der GarstenschA- Westend), blühen mehr Gewächse draußen im Freien als Gartmisreunden und Gärtnern meist bekannt ist Der Ptlor «"lerer Winterblüher in Deutschland verläuft in jedem Winter und in jedem verdeutschen Klimate sehr verschieden. In den beideii milderen Dritteln Deutschlaichs kommt er natürlich diel

Pauls Briefe sind zur Kenntnis fetoer Kunst so ungeheuer wichtig, weil saft alle seine Briefe mUAnstrengung", wie er sich auszudrucken pflegte, abgefaßt sind, d. h. stets Anspruch aus literarische Wertung machen und sich mehr an die Allgemeinheit als an den Empfänger wenden. Dieser Dichter, der mit beispiel­loser Zielbewußtheit sein ganzes persönliches Tun und Lassen in die Dienste seines Schriftstellerberuses stellte, betrachtete seine Briese als Vorübung und Stoff für seine Dichtungen und hat sie. Wie er einmal schreibt,stückweise in seine gedruckten Aussätze etn fließen lassen". Deshalb darf man seinen Schreiben nicht die innere Wahrheit absprechen, denn diesem merkwürdigen Genie war Kunst zur zweiten Natur geworden, und sein Leben spielte sich in einem selbst für seine schreibselige Zeit ungewöhnlichem Grade auf dem Papier und besonders aus dem Briefpapier ab. Hat er doch zahllose Billette an Freunde gerichtet, die nur über die Gasse hinüberwohnten und seiner Frau zuweilen schriftlich zum Geburtstag gratuliert, ohne daß sie abwesend mar. Aus dieser Wichtigkeit seiner Briefe für sein Schaffen erklären sich auch dieD r i e f b ü ch e r, die Verend für seine Ausgabe be­nutzte. Es sind das 17 Hefte mit über 2500 Kopien von Briefen, die vom Beginn der Universitätszeit bis zum Lebensende reichen und über mindestens 1500 Schreiben Auskunft geben, deren Originale verloren sind. Jean Paul, der von diesen Driefbüchern behauptete, er könne sie ohne weiteres in die Druckerei schicken, hielt hier nur die allgemeinen Gedanken und witzigen Wendungen, die Brillanten" seiner Schreiben fest.

Die vorliegeirden beiden ersten 'Bände, die vom Ende seiner Gymnasialzeit bis zum endgültigen Abschied von seiner Heimat Hof (17801797) reichen und die Zeit des schwersten Ningens mit äußerer Not und mit den Dämonen in der eigenen Brust darstellen, bringen sehr viel neues Unveröffentlichtes, vor allem 261 ungebruckte Briefe an seinen Freund Otto und die bisher nur unvollständig bekannten Briefe an feine Mutter, die in einem viel natürlicheren Stil als alle anderen Schreiben gehalten sind und uns den Menschen vor seiner so gründlich vollzogenen Umformung zum Künstler zeigen. Aus diesen Driesen an die Mutter spricht erschütternd das Elend, in dem er sich ebenso befand wie feine Familie. Immer wieder bittet und fleht er um Geld und muß die Bitten der Mutter um Unter­stützung ablehnen, weil er bis über den Kopf in Schulden steckt. Ich must einheiraten," schreibt er so aus Leipzig am 1. De­zember 1781,wo soll ich aber Holz bekommen, ohne Geld? Ich kann ja nicht frieren. Für meine Gesundheit kann ich über­haupt nicht sorgen: ich habe weder Morgens noch Abends etwas Warmes. Glauben Sie nicht, daß ich Sie unnötigerweise um Geld bitten werde. Ich weist, wie nötig Sie es jetzt brauchen. Allein helfen Sie mir nur jetzt; ich denke, Sie sollen mir nachher mit Gottes Hilfe lange nicht helfen dürfen. Es muh gehen; vielleicht hilft mir das Mittel, das ich im Kopfe habe, zu Gelbe." Dieses Mittel ist der Schriftstellerberuf, der sich in ihm zu ent­falten beginnt. Mitten aus der größten Not schreibt er am 3. Mai 1783:Seien Sie mir nicht böse, dah ich so lustig bin: denn ich schreibe den ganzen geschlagenen Tag spaßhafte Bücher, und da kann es denn nicht anders kommen, als daß ich auch spaßhafte Briefe schreibe." Auch die Eitelkeit Jean Pauls zeigt sich in diesen Jugendbriefen bereits in naiver Form, so wenn er oie Mutter umfeine Oberhemden ä la Hamlet" bittet,das 5eiSt nämlich, vorn bei der Brust müssen sie offen sein, dah man den bloßen Hals und die Brust sehen kann; das ist hier Mode," ober tron seinen Haaren berichtet;Meine Haare habe ich mir ab- schneiden lassen. Sie stehen mir nach dem Ausspruch meiner Freunde besser als meine Frisur, denn sie sind lockig und ein wenig kraus." Unter den anderen neuen Briefen sind besonders die an eine Verehrerin des berühmt werdenden Dichters ge- rtchteten, die an Helene Köhler. Ihr schreibt er z. D. am 7. Juni 1793:Mademoiselle, ich wollte, heut mär Ihr Geburts­tag nicht bloß, weil der heutige Tag ein Galatag der Natur ist oder toeil ich Ihnen gerade schreibe oder weil ich dnich mit dem sanften heiligen Feuer ihres wiedergelesenen letzten Briefes erwärmt habe oder weil ich einen Ihres Briefes würdigen Liebergang gemacht und in den auf Blumen und am Himmel blitzenden Morgen getreten bin: sondern wegen all b«eser alrsachen zusammen, und weil ich wieder hinaus möchte um Ihnen in meinem Innern mitten unter dem Morgentaumel ver bunten und melodischen Erde Glück zu wünschen." Daran schließt sich ein schwungvoll schwärmerischer' Hymnus, Len er mit dem Satze schließt:Die Seele feiert bei jeder guten Tat einen Geburtstag:" ,

mehr zu fernem Rechte als hier im Osten; merstvürdig ist, wie ge­ringe Begriffe die Gartenbesitzer hier meist von den gesteigerten Gartenmöglichkeiten des westlichen und südlichen Deutschlands haben und sich dadurch um das volle Gefühl bringen, was Deutschland an Gartenleben gegönnt ist. ,

Dah die geringe Wärme des Winters sogar für Blütenent­faltungen hinreicht, vermag uns einen Begriff davon zu geben für wie viel unsichtbare Vorgänge in der Pflanze sie genügt. Diese Pflanzen mit der Kraft winterlichen Blühens stammen fast alle aus E h i n a und Japan, aus den Orientgebirgen dem Kaukasus und zum Teil aus Deutschland. Im November blühe!? die späten japanischen Ehrysanthemuni-Spielarten Nvvembersvnne, Nebelrose, Rehauge Goldschopf und Melanie. Unter den ameri­kanischen Staudenastern ist die meterhohe weiße Aster Datschi und ihr rosa Sport Findelkind ein ausgesprochener November- bluher. Alle diese Novemberblumen sollte man an sonniger Stelle mit kleinen 'Beerensträuchern und kleinen immergrünen Laub- gehölzen vereinigen. Als erste der Schneerosen erblüht schon im Oktober Helleborus Praecox. Ihr folgt unsere Schneerofe Helle- bvrus Niger, oft schon in der zweiten Novemberhälfie, und Ende Dezember tritt bann die große weiße Gartenform, Helleborus niger maximus, in Blüte. Zu gleicher Zeit beginnen auch invdvrus und noch andere reizvolle Arten zu blühen. Die korsische Schneerofe ist ein ausgesprochener Dezemberblüher von großer Vornehmheit, doch sind die Akten über ihren Gartenwert hier in unserem kälteren Deutschland noch nicht geschlossen. Vielleicht kann man viele ihrer Vorzüge und ihren hohen Bau in noch härtere Rassen durch Kreuzung hinüberretten. Die eigentliche Gartenstätte der Schneervsen ist ber halbfchattige ober absonnige Steingarten. Hier sollten sie an unteren Plätzen in Verbindung mit den farbigen kaukasischen Schneerosen, die ihren Flor Ende Februar sortsetzen, und der Prachtvoll wuchtigen grünen heimischen Schneerose, sowie mit Seidelbast Schneeheide, Schneeglöckchen, Adonis arnurensis, mit Haselnuß, Zaubernuß und winterblühenden Rhododendron vereinigt werden. Schneerosen müßten eigentlich in jedem Garten sein nur in den ersten ein bis zwei Jahren ist etwas Geduld mit der Pflanze nötig. Dafür lohnt aber auch unendliche Treue und Blühwilligkeit der erstarkten Pflanzen. In leichteren Böden lieben sie durchaus halbschattige Pflanzung, dagegen kann man ihnen in kräftigeren saftigeren Böden auch sonnige Plätze zuweisen. Sie haben eine Vorliebe für Lehrn- Ausatz im Boden. Die kaukasischen Schneerosen haben ein viel gewaltigeres Wachstum bei viel größerer Widerstandskrast gegen Dürre. Unsere heimische Schneerofe hat ihren Wohnsitz an den landschaftlich schönsten Plätzen Deutschlands. Von der Fülle ihres Vorkommens macht man sich erst bei Tageswanderungen im November in den bayerischen Alpen einen Begriff. Den ganzen Tag begleitet uns der Anblick dieser großen dunkelgrünen Blätter- Hand, die sich über ein Nest marmor-weißer Knospen breitet und als Schutz noch Tannen über sich hat.;

Der Flor dauert ganze Monate, und den ganzen Januar und Februar hat man in Dlütensträußen von Schneeglöckchen Haselnußkätzchen und gelbem Winterjasmin als schönstes Schmuck­stück die edlen weißen Dlütenscheiben der Schneerose.

Das Schneeglöckchen, das man doch auch hier im kälteren Deutschland meist schon ziemlich früh im Januar in Blüte sieht ist eine so wichtige Staude, das) man es in all fernen besten Arten und Hybriden im Garten haben sollte. In Süddeutschland und in der Schweiz habe ich Schneeglöckchen und Märzbecher mit allererstem leisem Amselgesang öfter schon Anfang Januar erlebt Eine herrliche Nebeneigenschaft ist beim Schneeglöckchen wie bei der Schneerofe ein monatelanger Flor. Wie lange liegt die Zeit ihres Erblühens schon zurück, wenn sie Ende März zum Beginn der großen Krokuszeit breitglockig verblühen. Wo sie einmal wachsen, stehen sie für Jahrzehnte. Die schönsten Arsten neben unserem gewöhnlichen Gartenschneeglöckchen sind Galanthus pli- caws, G Fvsteri und G. Elwesii. Letzteres beginnt vierzehn Tage früher zu blühen, wird viel größer und doppelt so hoch bildet aber nicht so reiche Dlütennester wie G. nivalis und wie plrcatuS, welche wiederum die Mitte zwischen Elwesii und nivalis halt. G. Fvsteri hat grünes glänzendes Laub und andere Reize,

Im -Februarsind die wichtigsten Schneeglöckchen-Nachbarn von der Mitte des Monats an die gelben Sterne des Adonis amu- rensis, die Weißen und rosafarbenen Büschel der Libanon-Zeit­losen, Colchicum libanoticum und hydrophilum, die Vorfrühlings- Alpenveilchen, und kleine hellblaue Vorläufer der Perlhyazinthen genannt Hhacinthus azureus. Weitere Februargenossen des Schneeglöckchens sind noch die gelben und die lilafarbenen Zwerg- krokus, Crocus chrysanthus Goldlack und Crocus Imperati sowie die früheste aller Primeln, Primula iberica, die lila-rosa Karne-» valsprimel. Auch der Winterling, Eranthis hiemalis, ist hier wichtig. E. cilicica ist nur wenig größer, aber entbehrlich da auS unbekannter Ursache nicht ganz zäh und zuverlässig. Unter ben Schneeheidesorten sei nachdrücklich auf die so frühe und so lang blühende tiefrote Erica carnea hybrida hingewiesen. Im November und Dezember blüht noch Hamamelis virginica, die virginische Zaubernuß, in zwei Meter hohen zierlichen Sträuch- lein mit Kart gelben Blüten au asten. Die großblumigen japanischen Zaubernüsse H. japonira und ftärfer wachsende H. mollis blühen je