LKMSMg, 4. Februar
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Deutscher BsLksmNKd im Licht der Sage.
Gar viele LedMsarten ruck) Redeweirdungen find uns gum ganz geläufigen Bestandteil unserer Alltagsspvsche getvorden, ohne Latz wir uns über ch-ren Arfpnmg und tiefere« Sinn klar sind. Der bedeutende Sagensorscher Heinrich L e & m <1 n n, der Leider im Weltkrieg gefallen ist, hat in, einem inhaltsreichen Werk, Las soeben im Verlag der Raube & Spenerschen Buchhandlung zu Berlin erschien«! ist, die ganze Sülle solcher geflügelten Worte" und volkstümliche» Bilder in bezug auf ih en rsusarnmen- Hang mit ber attgermanischm Mythologie und Sage untersucht und fein Buch, das neben Büchmanns „GeWgÄlte Worte" tritt, .®er deutsche Volks mund im Lichte der Sage" fenannt. Zu unserer großen Lleberraschung erfahren loir aus Lesen werttwllen Sammlungen, Last zahlreiche Bilder und Wendungen unserer ilmgangsspräche, die wir verhältniSmätzig jung und au? unserem Leben heraus gebildet an sehen, in uralte Fernen der DerganZsnheit zurückweisen, Last sie unser Dasein durch geheimnisvolle. Fäden mit alt germanischem Wesen. verknüpfen und in unsere Zeit als Lleberreste eines ungeschriebimen, Heilig gehaltenen „Schriftcumes" Hinedrragen, Las nur noch in spärlichen Srilmmern erhalten ist.
Diese Zusammenhänge unterer Sprache mit der alten Sage seien an einigen Beispielen erläutert. Sv leitet z. B. Letzmann das symbolische Erteilen eines Kvrbeö aus der alten Abussa-Sage Der, in der von der ersten böhmischen Königin erzählt wird. Latz sie ihren Freiern ein Rätsel aufgab und den beiden, die es nicht lösen konnten, einen leeren Korb verehrte. .Daher kommt die Gewohnheit," sagte Museus, der die Sage unS überliefert hat. „Latz man von einem zurückgewresenen Freier sagst er habe von seinem Liebchen einen Korb bekommen." 3m Mythos der alten Deutschen ■ treten die Bornen oder SHicksals- göttinnen an die Wiege des neugeborenen Kindes und weissagen Has künftige Geschick des jungen Erdenbürgers in Liedersprüchen, die gesungen wurden. Es wurde also dem Säugling „an der Wiege gesungen," was ihm im Laufe seines Lebens bevorstand. Die «weifen Frauen", die im Mgsrmanischsn Leben an Stelle der Bornen dieses Amt übernahmen, werden sich aber öfters geirrt haben, und so sagt man noch heute von einem, den ein unerwartetes Geschick trifft: „Das ist ihmnichtanderWiege gesungen worden." Uralt ist auch die Vorstellung vom Lebenslicht oder der Lebensfackel, deren starkes aufrechtes Brennen durch die Sitte deS „Dackelzuges" versinnbildlicht werden soll. 3n der Sage vorn „Gevatter Tod" läßt dieser die Fackel seines Patenkindes fallen, so Latz sein Lebenslicht erlischt: er Hat also »nicht lange gefackelt", wie wir noch heute sagen.
Vielfach baden sich SagenheDen im heihen Blute, um unverwundbar zu werden, wie dies z. D. das Aibelungenlieö von Siegfried meldet. Siegfried ebenso wie Achill werden „hart gebadet" oder auch hart gesotten. Diese -Unempfindlichkeit gegen Verwundungen hat man dann auf das moralische Gebiet übertragen und nennt im bildlichen Ginne „abgedrüH t“ jemanben, der sich aus keinen GrmahnMgsn und Strafen etwas macht. Mn solcher „Hartgesottener" oder „ausgekochter" Mensch bringt es im Leben -weit, weshalb Liefe Beiworte geschickten Leuten gespendet werden. Groh ist die Zahl der Redewendungen, die aus den Grimmschen Märchen Ms Volk gekommen find. Im «
Märchen von der „weitzen Schlange" versteht der Diener, He» von dem Zaubert!er gekostet hat, die Sprache der Sperlinge: ev Weitz also, „was dis Spatzen von den Dächern pfst- f e n", und daraus hat sich dann unsere RedenSarck, die damit ein „öffentliches Geheimnis" meint, entwickelt. Auch die 'Wendung „Er hört das Gras wachsen" stammt aus dem deutschen Volksmärchen: ebenso die „2tabenmuttet“, die Frau nämlich, die ihre wilden Jungen - in sieben Raben verwandeln liest, oder der ,,G a l g e n s ch w e n g e l", wobei die Glocke mit dem Galgen gleichgestellt wird auf Grund der Bemerkung im Grimmschen Märchen von den „vier kunstreichen Brüdern", wo es Heistt: „Das Diebshandwerk gilt für kein ehrliches Handwerk, und LaS Ende ist hast einer als Schwengel in der Felüglvcke gebraucht wird." Auch den „Saßen ja mmer" will Lestmann aus einer Mürchensteüe ableiten, nämlich aus der Geschichte „Die drei Feldscherer", in der einer Katzenaugen eingesetzt erhält und daraufhin am Tage nichts sieht, in der Rächt aber weihe Mäuse erblickt. Das galt ja stets als ein Zeichen für Trunkenbolde. Gast sich „die Steine erbarmen“, wird bei der Trauer der Vatur um Balders Lod erwähnt. Die Aufforderung „L a st dich verglasen" soll zurückgehen auf den „Glaswagen" Wotans, der als Geletter der- Seelen einen gläsernen Sarg mit sich führt, und würde also soviel bedeute» als das direktere: „Last dich begraben". So lassen sich unendlich viele Redensarten auf sagenhafte Vorstellungen zurückführen. Zum Schluß sei nur noch * die Deutung des .Glückschwein s" erwähnt. Vach Sem Bericht des Tacitus trugen schon die alten Oermanen „Bilder von Ebern", und bas Schwein ist das goldbvrstige Reittier der Göttin Freia, der Glückbringerin. Darum sagen wir von einem, der Gluck hat. der also von ihm getragen wird wie Freia von ihrem Schwein, der also gleichsam ein Schwein zum Reittier hat:„Er 'hat Schwein".
ANS neuen Briefen Jean PEls.
Die von Börne in feiner Lobrede auf Jean Paul berfünöete Zeit, „da er allen geboren wird", ist zwar noch nicht gekomnren. aber dieser „siebente Klassiker" besitzt doch heute eine stille Gemeinde von Verehrern, die sich aus &en feinsten Köpfen zu- sarumensetzt. Auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit seiner Persönlichkeit und feinem Werk hat immer mehr angenommen, und einen Markstein der Jean-Paul-Forschung wird die Gesamtausgabe seiner Briefe Larstellen, deren ersten beiden Bände soeben von Eduard Derend bei Georg Müller in München Herausgegeben werden. Verend, der sich die Gesamtausgabe sämtlicher Werke Jean Pauls zur Lebensaufgabe gemacht hat, betont in seiner Einleitung treffend die „Zeitgemäß- heit" des Dichters: ,,Gs gab wohl einen Zeitpunkt in unserer nationalen und kulturellen Entwicklung " sagt er, „wo seine unleugbaren Schwächen auf Abwege zu verlocken schienen, vor denen Gutgesinnte warnen zu müssen glaubten. Es hat sich gezeigt, Latz dis Gefahren in ganz anderer Richtung lagen. Jetzt, wo sich der Den!sch: mehr als je darauf angewiesen sieht, an den guten Geistern seiner Vergangenheit einen Halt zu suchen, kann er seines größten Humoristen nicht entraten; dieser Wunderbaum. der tiefer als irgendein anderer feine Wurzeln in deutsts^eS Erdreich senkte und Loch — oder vielleicht eben darum — frei, weit und hoch hinauswuchs über alle nationalen Schranken, wird in das neue Haus, das wir auf dem Lrümmerfelde der Vergangew- heit errichten, als ein Eckpfeiler eingebaut werden müssen." Jean


