Ausgabe 
3.6.1922
 
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Ein Märchen von einem Dlumenkind.

Das Werther-FiebeL.

Zum Wetzlarer Jubiläum.

150 Jahre sind In diesen Monaten Lahmgegangen, seit Goethe in Wetzlar jene Leidenschaft für Lotte Duff faßte, aus der der unsi erbliche Roman von Werthers Leiden hervorgegangen ist. Am 9 Juni 1772 ereignete sich jene erste Begegnung, die er uns so wundervoll anschaulich in wehmütig seliger Erinnerung ge- schildert. Die alte Stadt an der Lahn rüstet sich bekanntlich, oas Werther-Jubiläum gebührend zu begehen, und so steigt vor unserm geistigen Auge die Werther--Zeit wieder empor, die Werther-Mode, das Wert her-Fieber. Wohl kaum hat ie ein anderes Buch der Weltliteratur die innerliche und äußerliche Haltung einer Epoche so bestimmt wie derWertster . xetn anderer Roman ist so leidenschaftlich geliebt und gehaßt so ver­ehrt und bekämpft worden, hat so weittragende Folgen im wirk­lichen Leben gehabt. Bezeichnend für seine weltgeschichtliche Wir­kung ist eS, daß der junge Rapvlevn ein eifriger Leser des .Werther" war und ihn auf seinen Feldzügen stets mit sich führte. Auch er stand unter dem Zeichen dieses magisch glanzenden, aber duster flammenden Sterns, der so viele in seinen Bann zog.

3n einer neuen Au-gabe des Romans, die soeben M 3 3 Weber in Leipzig von Max Hecker herausgegeben wird hat Fritz Adolf Hünich die Werther-Zeit auf Grund eines rer^n neuen Material« geschildert und durch eine Fülle w>n Abbildungen erläutert, die die Beliebtheit des Buches in den zahlreichen Mlu- flrationen erkennen lassen. Die Werths-Mode nahm ihren Aus- ,ang von der Nachahmung der Tracht Wertster^ dem blauen

Und wieder an einem Hellen Frühlingsmorgen kommen die Jüngsten des Blumenreiches, die kleinen Blumenkindchen, des Wegs gezogen: das zarte Anemönchen, das rotwangige Gänse­blümchen, das stille Schneeglöckchen, Klein-Schlüsselblume, das niedliche' Dutterblümchen. das liebe Stiefmütterchen, das paus­backige Sumpfdotterblümchen, Klein-Vergißmeinnicht, das zier­liche Maiglöckchen, und wie sie alle heißen. Bei ihren Spielen entdecken sie das Häuschen unseres Veilchens. Freundlich läd Dlumenkind die fröhliche Schar ein, einzutreten, und bietet dem kleinen, lustigen Völkchen erfrischenden Tau an. Der mundet ihnen prächtig. Tag für Tag besuchen diese Jüngsten des Blumen­reiches unser Veilchen. Sie singen und tanzen miteinander, und wieder schallt Lachen und Fröhlichkeit durchs Häuschen.

Dlumenkind sicht sich vor eine ganz neue Aufgabe gestellt die es mit fröhlichem Herzen zu erfüllen sucht:Leben heißt geben, anderen Freude machen". H.R.

Der letzte Wunsch des Verurteilten ist heilig. Die Trompeten erklangen und die Trommeln wirbelten, und der Henker warf seinen Strick über den Galgen. Heimlich süßte der Dichter den Ring der geliebten Frau.

Der Tag der Strafe. Auf allen Wegen strömte die Maste öerM zu Taufenden und Tausenden. Denn schon in den alten Seiten war der Dichter Qual der gierigst ersehnte Anblick der Niedern Menge An diesem Tage aber fanden sich hauptsächlichst die Frauen ein. Lind von sehr weit kam auch eine wunder- reizende, blonde Frau, strahlend und in einer prächtig ge­schmückten Karoste.

Die Menge machte Platz vor den Pferden, und der Henker dckipfte den Strick, und Dienen umsummten die Rosen, mit denen die prächtige Karosse geschmückt war.

Denn der Frühling war eingezogen.

Der Dichter starb mit vorgeneigtem Haupt, und daher wohl erkannte ihn die wunderreizende Frau nicht wieder Die Raben senkten sich in Scharen herab, angezogen von der leuch­tenden Lockung des goldenen, in der Sonne erglänzenden Rmges.

Dem Toten lösten sie den Strick vom Hals. Und die blonde Frau, die von sehr weit gekommen war, ging hin zum Henker und bat ihn um ein Stück des Strickes.

Wozu? fragte dieser.

Um mir einen Ring davon unfertigen zu lassen, anttaortete Lie liebreizende Frau, den will ich sieben Tage und sieben Rächte an meinem Finger tragen, denn die Weisen sagen, daß der Strang des Gehängten Glück bringe.

Der Henker gab ihr das Stück des Stranges, und die schöne Frau wußte gar nichts mehr von einem Wanderer, der für sie gestorben.

Darm lauteten die Glocken......

Es war einmal ein Dichter......

Er starb, die Beschicht' ist aus.

für unser Veilchen, und manche Rächt liegt es schlaflos in seinem grünseidenen Mätterbettchen. Sein niedliches Gesichtchen aber bekam in diesen Tagen einen müden, verhärmten Ausdruck, geradeso, wie ein Menschenkind, das eine bittere Enttäuschung erlebt hat.

Da eines Abends klopft ein müder Wandersmann es war wieder ein Käfer, aber er war viel kleiner und schwächlicher wie das Hirschlein an die Tur der kleinen DlumenvillaEin­samkeit", stellt sich alsKäferle" vor und bittet um einen Schluck Master, den ihm unser Veilchen in einer winzigen Muschel reicht. Die beiden kommen ins Gespräch; sie haben sich aus ein grünes Moossofa gesetzt, und bald schallt Lachen und Freude durchs Häuschen. Sie verstanden sich von dem ersten Augen­blicke an prächtig und beim Scheiden verspricht Käferle, morgen abend wieder zu kommen. Veilchenkind ist selig über dies Glück und braucht am folgenden Abend nicht vergeblich zu warten. So geht das manche Woche hindurch. Blumenkind fühlt, daß da etwas in seinem kleinen Herzchen aufgeblüht ist, das es bisher nicht kannte, nur geahnt hat, und dieses Etwas macht es nun überglücklich. Immer besser verstehen sich Veilchsnkind und Käferle, und aus dem kleinen einsamen Häuschen ist ein fröhliches Sonnenhäuschen geworden, das für Traurigkeit nicht den gering­sten Platz mehr hat. Aber eines Abends bleibt Käferle aus. Welche Gedanken macht sich unser Blümchen! Auch am nächsten Abend kommtKäferle" nicht, auch nicht an den folgenden. Ein­mal begegnet er ihm, aber er tut, als ob er unser Dlumenkind nie gekannt habe. Weh, sehr weh, tut das unserem Veilchen, und es kämpft zum zweiten Male den Schmerz aus, den ihm Untreue bereitete. Am liebsten möchte es wohl sterben, so traurig und mißmutig ist es. Es weiß nun,wen betrogen hat der Mai. dessen Aühling ist vorbei".

Von einer Leserin und Freundin unserer Famllien- blätter wird uns die folgende anmutige Skizze zur Ver­fügung gestellt:

Es war ein herrlicher Frühlingstag. Die Sonne lachte vom hvhen blauen Himmel, die Vögel zwitscherten und die Blumen- ftnber spielten fröhlich Ringelreihen in WäldernundAuenMm «item kleinen Veilchen will ich Euch erzählen Es blühte abMs vom Wege auf einer felsigen, unwirtlichen Hohe und war das einzige Dlumenkind in der ganzen näheren -Umgebung. Darüber war es oft sehr traurig, daß es so gar keine Gespielinnen hatte und gar nicht mal ein Plauderstündchen mit einer _ greunbtn halten konnte. Wohl kam ab und zu die alte Jungfer Grll!^ die nicht weit von unserem Dlumenkind unter einem Huflattich­blatte wohnte. Ader die wußte auch nichts anderes als Klatsch­geschichten zu erzählen und Nagte und stöhnte, gewöhnlich, so daß unser Dlumenkind immer froh war, wenn die alle Jungfer es wieder verlassen. Heute, an diesem herrlichen Frühlingsmorgen nun da die Welt ringsum jubelte und lauchzte, war unsere kleine Freundin recht traurig. Wie gern batte sie mit in benebel eingestimmt, aber die Einsamkeit ließ keine rechte Fröhlchkeit auikommen. Die Sonne stieg hohm: und hoher und ließ die Beinen und großen Steine immer schöner glänzen. Da nähert sich dem Häuschen unseres Dlumenkindes, das von einem dicken ©tein gebttbet wurde, ein stattlicher Käfer »Guten Morgen, rallein Blümchen," begrüßte er das Beilchen. -MAn Aame

Hirschlein," fährt er dann forterlaubst du, daß ich dir ein wenig Gesellschaft leiste?"Gewiö," sagte das Dlumenkind, bietet dem unerwarteten A^suche etn gepolstertes Stühlchen an, das aus einem moosbewachsenen kleinen Stein, besteht. Der Käser beginnt nun lustig zu plaudern und weiß «nferem Veilchen viel Reues und Interessantes zu erzählen. Er berichtet ihm von den Menschen, ihren großartigen Wohnungen, die man, wenn viele zusammenständen, Dörfer oder gar Städte nenne, don hohen (Bergen und großen Flüssen, auf denen mächtige Schiffe fuprra. Deilchensind kann dem Käfer allerdings nicht von solch groß­artigen Dingen erzählen. Es spricht mit ihm von der alten Jungfer ÄÄs*tt-sil I @XMSSWR

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traurig und weint oft. Bis chm dann etne$ $agcä 3 gf | einfach ein hübsches Mädchen zeigte den (Hamen

Grille erzählt der Käfer habe mit der ^önm roten Rose I ggetjjfc «Jg ver^ slich »u machen. Selbstverständlich lm Tale Verlobung gefeiert, und N« wurden gewiß bald heirat«, ßotte, um ihn lewer ^^rther. So entstand

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