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Defalt welche Legen und Fruchtbarkeit spendet. Aebrigens finden wir ähnliche Legenzauber in Tressalien und Mazedonien.
Eine Miue Krappe von noch bis in unserer Zeit erhaltenen Bräuchen umrahmen den feierlichen Austrieb des Die^s, der tn den meisten deutschen Gegenden zwischen Himmelfahrt und Dfinasten erfolgt. Am Pfingstmorgen entsptnnt meist schon ein allgeineiner Wettstreit, die Weide möglichst früh Lach der Reihenfolge ihres Austreibens erhalten die Hirten eine besondere Bezeichnung, di« beim ersten, und öm Mnächft Folgenden als ihr Lame gilt. Das Vieh der Ai^M-ei^et«, wird mit Laub und Blumenschmuck reichlich.versehe, und im Triumph durchs Dors geführt. Es gibt dämm eine grob«Launig- saltigkeit der Formen, die alle auszunehmen ganze Bände füllen ^^Pfingsten ist überhaupt für die Hirten ein fröhliches Fest das ihnen viele Vorteile und Belustigungen bretet. MM folgen abends Gelage im Dorfwirtshaus, m denen beim Decherklang zn Ehren der-persönlichen Schutzpatronen uralte Lieder, gesungen toW®n liebenswürdiger Brauch, in dem wohl die im Frühjahr neuerwachten Pflanzendämonen, die sich unsere DoMhcm aG Schuhgeist jeder Pflanze dachten, eine symbolische Ehrung erhielten, ist die freundliche Sitte der niederdeutschen »Pffagst» blume". Das ärmste Mädchen 'wurde auf einem bstimmgeschmückten Wagen von Haus zu Haus gefahren und sang em schlicht^ Liechen vom Einzug des Lenzes. Sie erhielt reiche Gaben, &te dann unter die Armen des Ortes verteilt wurden
Eine enge Vermischung alcheidnischer A«berlieferungen mit christlichem Geiste, zeigte sich in der Sitte der Flurumgang^ Schon beim Beginn der Landbestellung zog der Priester Weihrauch sprengend über die Felder, jetzt, im vollen Sichregen keimender Kräfte, erneute man diese Mu rumgä ng ein etwas anderer Form. Gin Dutzend jungerkäftiger Durschen durck^ schreiten unter Absingung volkstümlicher Lieder die Aecker und zündet an den Feldrainen kleine Feuer gleichsam W 'Bct6rennung der bösen Feldgeister, an. Wrr finden diese RetniAMg durch .Feuer in größerem Matzstabe am Pfingstsonnabend in den rheinischen Gegenden, wo auf allen Höhen die Psingstfeuer zum Himmel lodern Wie bei den Osterfeuern ist auch hier an eine Reinigung von Wald und Feld von Schaden bringenden Anholden gedacht. * Diese Reste volkstümlichen Aberglaubens, wie wir sie noch heute überall erhalten finden, d«ben fEch an jedem Ort be- sondere Formen. Es ist charakteristisch daß die Ps^ge der asten überlieferten Volksbräuche, gerade m der letzten Zeit, auch owie die Mahnung volkskundlicher Forscher, wieder bedeutend zsttze- nommen hat. Dies kommt wohl daher^ datz dw Grschütterung der Geister durch die Kriegsjahre unfern Volksgenossen erst rüe Poesie heimatlicher Kultur so recht zur Erkenntnis gebracht hat.
Die Geschichte von den zwei Ringen.
Aus dem Spanischen.
Es war einmal «in Dichter. — And, so erzählt man sich — hleser Dichter liebte eine wunderreizende, blond« Mau und wurde von ihr wiedergeliebt eine ganze Lacht hindurch
Das ist nun schon sehr lang« her, war zu der Zeit, als «S noch Dichter mit treuen Herzen gab und die Liebender Frauen viel, viel länger währte, als heutzutage.
©8 war einmal ein Dichter. —
And als nun die Rächt ihrer Liebe vergangen, und statt der Rachtigall die Lerch« ihre Stimme aus den Wäldern erklingen lieh, da gähnte die wunderreizende, blonde Frau, und die Lieb« flog' aus ihrem geöffneten Mund.
Wirklich, — der Sänger war ein wenig traurig darob, denn der Morgen dämmerte, und er mußte weiterwandern aus seinen ruhelosen Pfaden. — Da streifte die blond« Frau einen Ring von ihrer Hand und gab ihn ihm:
Bewahre ihn als Erinnerung an mich — und niemand soll erfahren, wer ihn dir gab.
Sie war eine fromme und wohlanständige Frau, und von ihrer Liebe zu dem Sänger durften die Menschen nichts wissen. Aber die Menschen sind verleumderisch, und die Sänger plauderhaft.
Kühl war der Morgen, als der Dichter weiterzog, — And er war allein.
Allein. — Aber die Lerchen sangen, der- ganze Wald sang, und an seiner Hand glänzte der Ring der blonden Frau.
Oh — wie sunkelten die Strahlen der Morgensonne in dem köstlichen Stein und liehen ihn erglühen. Mit dem Funkeln leuchteten all seine sühen Erinnerungen in goldenem Lichte auf. — Ihm war, als trüge er einen anderen, strahlenden Reif auf dem Haupte, und empfand ein Gefühl der Seligkest, wie ein Heiliger eines alten Kirchengemäldes. Den Staub, aufge- wirbelt von den Schritten des beglückten Wanderers, erhob der Wind, zum Glorienschein.
And so wanderte er bis zum Abend, ohne zu wissen warum und wohin. — Dann, als die Lacht kam, und er die Glocken aus dem Tal läuten Hörte und den Rauch aus den Hütten aufsteigen sah, da wurde er traurig. Er hatte kein Haus, kein Geld und
dem Dichter, um ihn zu fragen:
Willst du mir deinen Ring geben?
Lein.
Willst du mir sagen, wer ihn dir gab?
Dein.
Ich will dir dafür einen Kutz geben.
Lein.
Meine Hand.
Lein.
Mein Leben.
Lein.
Kein Dichter aus dieser fernen Zeit hätte den Traum seiner Liebe verkauft, auch nicht- dem schönsten Mädchen des Reiches."
And sie weinte vor Zorn.
Im Schlaf wollte sie ihm den Ring entwenden. Aber im Schlaf hatte er die Hand unterm Herzen, und um ihn zu entwenden, hätte sie ihn töten müssen. Was war mit diesem Stolzen zu machen? Eines Tages sand man einen Ermordeten, und der Dichter wurde des Verbrechens beschuldigt. — Gr war unschuldig, aber tausend Hände erhoben sich, ihn anzuklagen, und das schönst« Mädchen des Reiches schwor, ihn im Schein des Mondes gesehen zu haben mit von Blut roten Händen. — — And später, — als die Richter ihn befragten, da lächeste er, verwirrt, da er getreu seinem Liebesschtour verschwieg, von wem ihm der geheimnisvolle Ring ward, — Sicherlich, — solch« Verstocktheit muhte bestraft werden. Die Richter erkannten ihn schuldig, und der Dichter wurde zum Tode verurteilt.
Die Trompeten erklangen, und die Trommeln wirbelten.
Dein letzter Wunsch? fragte man ihn.
Latzt mir meinen Ring.
fühlte Hunger und Müdigkeit. - Aber da sah er sein«. Ring an und dachte an die blonde Frau, und das tröstete ihn.
So kam die Rächt. —
Qtuf den nackten Boden legte er sich nieder, über ihn wölbte sich Gezweig, dazwischen zählte er viele viele Sterne bis ihm die Augen zufielen. And träumend schien ihm dn Stern sich in die geschmückte Hand zu legen gleich einem leuchtenden Edelstein, «in Stern der Liebe.
Der Hunger weckte ihn am Morgen, und so suchte er Arbeit. Aber die Dichter, — die Dichter aus der fernen Zeit, aus der ich erzähle, — wußten mehr vom Träumen als vom Leben und seine chände schienen nicht gemacht für Hacke und Schaufel. - Allzuoft sah man ihn unentschlossen in der Furche stehen, wenn sein Blick dem Flug eines Käfers folgte And seine Augen schärfsten lieber nach den Wolken in den Lüften, als nach den Lehren auf dem Boden. Oeffnete sich wie zufällig ein weitz-rosa Wölkchen, darin sah er das Bild der geliebten Frau, und in dem strahlenden Blau des Himmels leuchtete ihm ein unvergessenes Augenpaar entgegen. — Aber die Mensen murrten Über den Faulen. - Sänger sollen singen und nicht auf dem Feld arbeiten. — And wann sah man je einen Arbeiter mit solch einem Ring an der Hand? ~ r ,
Da nahm der Fremde wieder sein Bündel und Stab und ging, so wie er gekommen war: ohne zu wissen warum und wohin.
And er wanderte und wanderte, — und weil die Sänger singen sollen, Hub er auf seinen weiten Fahrten an zu singen, datz ihn die Männer bestaunten und die Frauen weinten. Aber die Menschen, die er mit dem Reichtum seiner Phantasie beschenkte, gaben ihm kein Brot dagegen. , . ,
And er wanderte und wanderte, — wieviel Paar schuhe hatte er wohl schon verwandert? - Aber sein Los, trauriger als das des ewigen Huden, lieh ihn barfuß gehen.
And er wanderte und wanderte, ermattet, mit blutenden Füßen, zerrissenen Kleidern, so klopfte er eines Tages an eine Tür, — bat um ein Almosen, — Gott totrb es lohnen. — Haha, — lachten die Menschen. And wirklich, war es nicht ein frecher Bettler, der solch geschmückte Hand auszustrecken wagte.
Es war einmal ein Dichter .....
Der arme Sänger, nun hatte er niemand, der ihm half, nun hatte er nichts. — Sein einziger Besitz war die Erinnerung an jene blonde Frau, die sein gewesen, war der Ring von ihr. — Welch seltsamen Glanz gab der Juwel an dieser abgemagerten Hand, — war wie die Hände der tn tiefer Erde längst Begrabenen mit hochzeitlichen Ringen. Aber inmitten allen Glends war die kleine Reliquie seiner Liebe fein höchstes Heiligtum und sein einziger Trost — Ein Hude wollte den Ring erwerben und hätte ihm genug Gold gegeben, daß er sich ein Kleid, ein Pferd hätte kaufen rönnen und Brot für das ganze Hahr. Der Dichter aber wies ihn zurück und ging tn den döalö, seinen Hunger mit Wurzeln zu stillen.
Setn Leben wurde ihm zum Fluch. — Die Menschen verstanden ihn nicht und haßten ihn, — haßten ihn, weil sie ihn nicht verstanden. Wie konnte ein Mensch so einsam sein, so zerlumpt und so stolz? Wer war dieser Vagabund, der solch königlichen Ring trug? Das ist der Ring der Mysterien, sagte ein altes Waldweib, das sich aus die Hexerei verlegt hatte, und murmelte eine Beschwörungsformel dazu. — Wirklich, er trug ihn an seiner fleischlosen Hand mit unvergleichlichem Stolz. Soviel Vornehmheit beleidigt die Geringen.
Es fehlte nicht an solchen, die gerne um das Geheimnis gewußt hätten. Ein Mädchen, — das schönste des Reiches, — kam selbst


