Ausgabe 
2.12.1922
 
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Klarheit, uüb die gut geleitete Esch- Bewegung weih aufS i Dorf genau, wie weit sie ihr Gebiet zu lassen hat. , ,

So gewinnen wir gerade m^t dem Mick ^us Südtirol ein «echt ans zuversichtlichere Beurteilung der deutschen Zukunft. Wohl ist noch an vielen Punkten das Deutschtum In derbeuftchen Sprache Ldloht. In Rumänien haben die stebenburgMen Sachsen einen schweren Stand gegen gewaltig« Übermacht, h rend im Innern des Landes die Rumänen die ^utsck^n evang^ lischen deutschen Schulen gewahren lassen, dre unter g Opfern und Anstrengungen von den Deutschen in P oe,ft g aderen Städten errichtet oder neu in Danggebrachtftnd^ D Banat ist zerrissen und die dort angesiedelten Schwadens gefährdet im rumänische,;, verloren im sMlawis^n Teft,^we nicht aus der Heimat wirksame Hilfe kommt. Die deu * .

ander Wolga sind kurchtbar mitgenommen erst vom Bvlschrw mns nun von der Hungersnot. Die Deutschen O hat man durch die Schemabsftmmung von O« den bürg um y Albstbesiimmungsrecht betrogen u»d den Madiarem

schmerzttch breit und noch sind die sprachlichen Wlgen noch lst t>ie unausbleibliche Berwelschung der rheimschen BEprache aar nicht abzuschen. In der Aord mark suchen die Danmi die Spuren' deutscher Gröhe zu verwischen und enter Aadt nach der andern dänisches Gepräge aufzudrücken. Dre Sprache^r Wftse^ frfhnft Mp weithin im «-ermclnrschen Äoroen oeutjq} omx , I enalisch geworden am vollkommensten in Norwegen Hter ftnd -^r>?te Gelehrte die ihr Lebtag ihre Ergebnisse deutsch dar- aestellt haben' mit ihren Alterswerken zum Englischen uberge» Len, & fte doch nach wie vor «Nein in Deutsch and mat- forschendes Verständnis erhoffen komten. Die Vererntgten Staaten planen ein Ginwanderungsgeseh, nach dem amerr konischer Bürger nur werden kann, wer die englische Sprache m Wort und Schrift beherrscht. Der Pariser Buchhandel, hat den ausländischen Büchermarkt, z. B in Mastlien, vollstandtg - vb"rt der Londoner den nordischen, und die riorge rst ttich. obzuweifen das; die an sich notwendigen Schuhmastnahmen des deutschen Buchhandels die neue Anknüpfung auch einmal er­schweren. . ,

Wenn wir trotzdem auf das Schicksal der deutschen Sprache vertrauen, so müssen wir die Hoffnung von tiefer her begrünen, als aus dem verblendeten Treiben unserer wirren Tage. Die Ge schichte lehrt, datz bei jedem Volk eine große Not umner wieder eine selbstverständliche Folge hat: bas ZusammwrivachlM be bedrängten Volkes zu einem bewussten Ganzen Es scheint dmr schichte lehrt datz bei jedem Volk eine große Not immer wiedererne selbstverständliche Folge hat: das Zusammenwachsen des bedräng­ten Volkes zu einem bewußten Ganzen. Es schnnt den Deutsch«, schwerer zu fallen als anderen Völker^ die notwendige- und eigent­lich selbstverständliche deutsche Volksgemeinschaft zu finden. In einem aber sollte es für alle Deutschen keinen Zweifel geben, im Willen zur Erhaltung unserer Sprache und Art, dre gans bescheiden gesagt durchaus etwas Eigenes und Berechtigtes sind. Der Traum von einer Weltherrschaft des deutschen Geistes ist ausgeträrtmt. Wiederum kann sich doch gerade ,etzt. da ein volles Drittel der Deutschen zu Auslanddeiitfchen geworden ist, der deutsche Gedanke nicht erschöpfen mit dem Reich, er must uns höher stehen als die zufälligen und vorübergehenden Staats­und Nkachtgrenzen, er must all die freiwillig und unfreiwillig Ab- gespiengten unseres Volks mit umfassen, er mutz mit einem Wort "eichen, soweit die deutsche Zunge klingt. Nur durch die bewusste Volksgemeinschaft aller Deutschen der Welt kann sich unser Volk aus Ohnmacht und Niedergang der Gegenwart wieder aufricyten. Diese Gemeinschaft hat aber nur ein einigendes Band, dre deutsche Sprache: sie anerkannt zu sehen, kann jeder Angehörige unseres Volkes fordern, ob sich feine Ahnen vor Jahrhundert«! als Sied­ler, Handwerker, Kaufleute drautzen niedergelassen haben ober ob sie Bürger der eben erst abgetrennten Gebiete sind. Im Nahmen des Rechts der Minderheiten wird den Deutschen die Verbindung mit dem Muttervolk möglich sein, die vor allem eine Gemeinschaft des Geistes und der Kultur wird sein müßen, was nicht ausschlieht, dah sie einmal auch äutzerlich greifbare Früchte bringt. Durch den Zusammenschlutz mit der Volksgemein­schaft drautzen wird der Binnendeutsche erst spüren, wieviel Deutsche drautzen leben und was für eine Macht wir trotz allem sind. Der deutsche Kaufmann wird merken, datz der Stammes- genosse drautzen seinen Waren ein viel besserer Mittler und Vertreter sein tarnt als der Fremde. Sehr glücklich hat man die Duslanddeutschen als Pfeiler für die Drücke bezeichnet, aus der der neue Warenzug in die Welt hinausrollen wird.

So gilt es zu schassen und nicht zu verzagen aus innerer und äußerer Pflicht. Wir bekennen uns zu dem Glauben, datz unser grobes Volk und seine Sprache im letzten Grund unüberwindlich £nb. Wir tun es mit den Worten, mit denen sich Gerhart Haupt­mann am 13. November 1921 in der Wiener Hochschule zum Deutschtum einer neuen Zukunft bekannt hat:Wenn wir von Deutschlands Wiedergeburt sprechen, so können wir Deutschland nickst eng vom staatlichen Gesichtspunkt betrachten, sondern von dem der gemeinsamen Muttersprache aus. Nur ans dem Wege der Läutenm« und Verinnerlichung kann sich diese Wiedergeburt

vollziehen Mit Leidenschaft wollen wir uns als Deutsch« Be» LrL ta uErückbarem Glauben an den neuen Ausstieg unseres Landes, das nur äutzerlich besiegt, aber innerlich nicht erniedrigt ist. Nicht nur weiterleben wird Deutschland, es wird auch btußen uns reich sein. Ja, es ist schon reich durch die Treue, mit der be, ^n Abstimmungen gefährdete Volkstelle sich zu ihm bekannt habem durch die Entschlossenheit, mit der Oesterreich am Gedanken Anschlusses sesthält. So hat Deutschland tm Schutt des Welt» b^^s Ane beste Perle wiedergesunden: sein innerstes, unzer­störbares Wesen."

Wellen der Zeit.

Von Paul Steinmüller*).

Novembernebel hingen zwischen kahlem Geäst. Die Häher laseii kreischend die letzten Eicheln aus, der Werrote Duchen- blätterteppich begann mitzsarbig zu werden und sich zu lösen. Jeder Tritt ritz Löcher in ihn, und seine Lappen trag man am Schuh davon. In der Ferne klang das Sterbelieb der Baume. Im Dreitakt hieben die Aexte in das klagende Holz, dann ein Aechzen und Kreischen, ein Laut wie ein dumpfer Schrei, vor dem die Tiere des Waldes zittern, und der stürzende Riese fiel rauschend in knirschendes Gebüsch. . .

Dann verstummte das eiserne Lied und fmg nacht i»r-bei an. Ich ging in den Hau: Beile, Keile timd Stricke lagen da, als seien sie auf der Flucht forigeworfen. Ich, ging den Mannern nach und betrat den Hof. Da wuhte ich freilich-, warum sie die Arbeit verlassen 'hatten. Sie standen in Haufen beisammen, die Hände in den Taschen vergraben, den Kopf wie dar dem Angriff zwischen die Schultern gezogen, in den Augen da» vo.e Licht, das alle tragen, die besaßt Heble« tun. Was war war ein Pfiff durchs Land gegangen: Nieder nut der Arbeit! Nun wollten sie nicht mehr schtaifen^und wu^n doch inchi. warum. Sie waren zufrieden gewesen, aber aftes Menschlich^^.war plötzlich in Trotz, Kälte und FeistLichaft verehrt. Trostloser als die unfruchtbare Erstarrung des naheichen, Winters war bufe Versteinerung des Menfchengemuts. Wo drese elnsetzt, da York i Da fuhr der Wagen in den Hof, der uns den kleinen Hungmt brachte. Die Kinderaugen sahen nicht die drohende Menge, nickst Nebel unb Wiedereinkehr, sie suchten nur das AAügel des L»vfs die unbekümmerten Vögel, die mcht um das Morgen sorgen. And da ber Kleine sie gewahrte W« einen S«uben» tu) aus, ber wie ein heller Siegeslaut in den dumpfen Luft- ? ^Es müssen sich nicht immer Wolken spalten, damit wir der Sonne gewiß- werden. Wie ein Beschenkter trug ich das laachzende Kind in das Hrus. e

Wie eine schwere Last tag die sonnenlose Zeit auf dem Land. Abend .und Morgen gingen in ihr ^ter, und die Tage wurden zur dämmenchen Nacht. Das Sonnenlicht schmolz mit jeden! Tag mehr zusammen. Der Mond wandelte sich, man ahnte es nur; und die Sternbilder schienen verschwunden zu lein. Wo war der Wind, ber nie rastende? Graugelbes Gewölk tag in der Lilft wie geschmolzenes Metall, bas im Wutz erstarrt war. Deutsch« and lag wie seine alten Kaiser in bleiernem Sarg.

Eine stürmische Sehnsucht nach Licht und Freiheit von unerträglichem Druck erwachte in deii Menschen. Ihre Schultern frümmten sich unter der Last der hoffnungslosen Wolken, ihre. Äugen wurden starr, ihre Lippen wurden schmal. Sie litten und wurden im Verlangen nach ein wenig Sonne btatz ^und krank. Jeder Weg ist schön, auf den ein wenig Licht fällt. Hetzt wurde das Lichtlose Ewigkeit. ,

Die Weisen oerftummten, und die Schwätzer boten Gassen- Weisheiten feil. Man hörte nicht auf sie. Worte, Worte! Man mutzte sich an einer Tat aufrichten, und ich ging aus, sie zu suchen.

Fahrende Leute fuhren aus ber Landstraße, die Augen un­beweglich auf die Köpfe ihrer Pferde gerichtet; junge Buuchen zogen sanglos dahin. Alle suchten den Weg ins Weite, und unfroh klang der Amboß aus der Schmiede am Wege.

'Da sah ich den Dauer, der über die dunklen Furchen ruhig dahinschritt und fein Korn ausstreute. Einen Säer im Christmvnd, wer sah den? And wer ihn hi« sah, der hätte ihn einen Narren gescholten. Ich aber stand still und bewunderte ihn. Denn wer mutig unter verschlossenem Himmel auf na-Htschwarzer Erde die kommende Saat vorbereitet, der mutz einen königlichen Sinn haben, auch wenn er den Zwilchkittel trägt.

Alle wälzen sie die Last der Zeit, keiner versucht, sie M «eben ober zu tragen. Jammernd unb klagend schiebt einer fte bau andern zu, unb der wartet nur auf die Gelegenheit, datz er fte dem Nächsten aufhalse. Alle greifen sie die Bürde des ' Tages mit müden und unluftigen Händen an, schleifen sie wider­willig unb suchen Vergessen In dumpfem Schlaf ober im Trug­rausch der Sinne. Das sind die Flüchtlinge des Lebens. Aber auch die Standfesten sagen, datz sie keinen festen Grund unter den : *) Aus dem SkizzenbüMeiuAlltägliches tm Licht" (Vertag

i von Greiner und Pfeiffer, Stuttgart).