Ausgabe 
2.12.1922
 
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Das SchiMsal der deutschen Sprache in der Gegenwart.

Von Prof. Dr. Alfred Götz«.

(Schluh.)

Auch im Südslawenstaat habe»» Seide Seite von vorn­herein erkannt, das; die Frage des Deutschtum- im Kern eine Schulsrage ist. Hier sind die Deutschen gut zusammengrfaht und glücklich geführt vomDeutschen Kulturbund, der im September 1921 Lqm serbischen Unterrichtsministerium wichtige Matzregeln abgelungen hat, durch die vor allem der Fortbestand der be­stehenden deutschen Mittelschulen gesichert ist. In Werscheh und Neusatz sollen junge Leute für den -Unterricht in deutscher Sprache und Literatur herangebildet werden, auch, für die Methodik des deutschen Sprachunterrichts wird gesorgt. Freilich, wie bedroht das Deutschtum im alten Kärnten, in der Steiermark, in Gotisches und den sonst an Serbien gefallenen Randgebieten nach wie vor ist, wird daran sichtbar, dah man in solchen Versprechen schon einen Fortschritt sehen must. Namentlich ist die 'deutsche Stadt M a r b u r g in ihrer slowenischen Umgebung geradezu ein Opfer des Weltkrieges geworden. Marburg, die gröstte Stadt der süd­lichen Steiermark, liegt malerisch im grünen Weingelände am Aker der Grau, nur wenige Kilometer vom geschlossenen deut­schen Sprachgebiet entfernt. Jetzt wird die Stadt von der süd­slawischen Regierung planmähig entdeutscht. Vis zum Ende des Kriegs hatten sie 22 653 deutsche und nur 3828 slowenische Ein­wohner: nach drei Jahren slowenischer Herrschaft ist die -Zahl der Deutschen auf die Hälfte gesunken, dafür zählt Warburg nun 20 000 Slowenen. Die Staatsangestellten deutscher Zunge sind verjagt, die Kinder werden in slowenische Schulen gePreM, wenn, auch nur eines der Groheltern einen slawischen Rainen trug. Alle deutschen Inschriften sind von den Stvatzen und sogar aus dem Innern der Häuser verdrängt. Mehr als 50 deutsche Vereine sind aufgelöst und ihr Vermögen von vielen Millionen slowenischen Vereinen zugewiesen worden. Verordnu.nge.ir zur Linderung der Wohnungsnot werden mihbraucht, um deutsche Mieter, Grundbesitzer und Geschäftsinhaber aus ihren Räumen zu drängen und zur Auswanderung zu zwing«;. Dafür sind 11000 Slowenen aus Götz (das an Italien gekommen ist) in Marburg und seiner nächsten -Umgebung zwangsweise rmtergrbracht.

Durch maßlose Mnschüchtevung bedrängt, haben bei der letzten Volkszählung viele nicht gewagt, sich als Deutsche zu bekennen, und das muh wieder den Vorwand liefern. Deutsch als VerwalinngSsprache zu versagen und die verbrieften Rechte der Minderheit nicht zu gewähren. Aehnlich liegen die Verhältnisse in den übrigen Städten der Untersteiermark: wenn eS so weiter- S", wird man "bald (wie weiter östlich und südlich schon seit rhunderten) nur noch an der Bauweise und eiirzelnen Namen erkennen können, dah deutsche Kaufleute und Handwerker dies weite Land erstmals der abendländischen .Kultur gewonnen haben. Vesser steht es weiter westlich im südlich«« Kärnten. Hier lassen sich die Deutschen nicht einschüchtern, sie bekeMren sich tapfer und freudig zu ihrem Deutschtum. Ja, im österreichisch gebliebenen Klagenfurt antworten viele Familien auf die slowenischen Heraus­forderungen damit, dah sie ihre slawisch klingenden Ramen in deutsche umwandeln. Die Forscher der Zukunft werden mit diesen künstlichen Ramen ihr Kreuz haben mögen sie, wenn die Gegenwart daraus einen Gewinn völkischen Bewußtseins und deutscher Gesinnung ziehen Sami!

Da« sind Wellen, die mir die Oberfläche kräuseln. Die sprach­liche Grundtatsache bleibt, Last unter den Weltsprachen für bei Slowenen nach tote vor nur die deutsche in Betracht kommt. Ohne ihre Kenntnis kann er sich nicht einmal in die eigene Ver- gangenheit vertiefen, ja die Erforschung seiner eignen Sprach» ist ihm ohne Deutsch verriegelt. Allein durch die deutsche älebew retzungSarbeit sind die Slowenen mit der groben Weltliteratur verknüpft, alle ihre höheren Schulen stich mit deutschen Ähr» Mitteln gefüllt und die Slowenen können sie nicht ungenutzt lassen, wenn sie nicht die eigne Zukuistt gefährden wollen. Die Stimmen der Vernunft, die sich in den letzten Monaten sogar schon in den Laibacher Blättern hören lassen, dringen zunächst nicht durch, weil auch bei den Südslawen die Schreier noch vom Umsturz her das Heft in Händen haben. Dennoch dämmert die Einsicht, datz den Südslawen, nachdem ihre staatliche Selbständigkeit ge­sichert ist, die deutsche Sprache nicht mehr schaden kann, Last viel­mehr die wichtigsten Rücksichten si« darauf Hinweisen, sich mit ihren deutschen Nachbarn auch sprachlich zu verstehen.

Ist e- im Südslaweustaat eine innere Notwendigkeit, die uns für die Zukunft des dortigen Deutschtums hoffen läßt, so ist es in Südtirol die aubenpvlitische Hoffnung. Italien meinte die Vrennergrenze zu brauchen gegen das habsburgisch» Oester­reich. Aus Gründen militärischer Sicherheit meinte eS die 250 000 Tiroler zwischen Bremer und Dalum sich elnverleiben zu müffelt. Die kurze Frist, die seit dem Frieden von Saint-Germain ver­gangen ist, hat genügt, den verbissensten itastenlschen Staats- männem eindeutig zu zeigen, dab gegenüber deut Kleinstaat, der vom alten Oesterreich übrig geblieben Ist, dis Grenzwehr der höchsten Alpenpässe übertriebene Vorsicht bedeutet. Äs werden nicht ewig mit Kanonen gegen Spatzen schießen wollen, zumal sie inzwischen auch verspürt haben, daß der allzu gierige Mffen sehr bitter schmeckt. Die Viertelmillion Ginster, die sich gegen vierzig Millionen Italiener behaupten müssen, steh«, Mammen wie ent Mann. Bezeichnend ist ihr Verhalten bet der Reise des Königs von Italien durch daserlöste" Südtirol Im Oktober 1921. Er kam die Jaufenstratze von Bozen herauf und wollte am Sand Im Passeier halten, wo einst Andreas Hofer gewirtet hatte und jetzt eine junge Besitzerin die grostrn Erinnerungen treulich hütet. Sie war dringend und dringendst gebeten worden, den König in der Tracht des Tals zu empfangen und ihm den Willkommens­trank zu bieten. Vergebens auch die Polizeimacht hat sie nicht bewegen können, die italienische Fahne zu zeigen. Derdriehlich ist Vittorio Emmanduele vorbeigefahren und hat sich an bei spalierbildenden Italienern begnügen müffen, die in Sonderzügen herbeigeschafft waren, da auch die deutschen Dauern in der alten Tracht ihrer Täler daheim geblieben waren wie ein Mann. De» beutfam ist damals von hochgestellter italienischer Seite daS Wort gefallen:Wir wissen genau, dah wir das deutsche Südtirol nicht auf die Dauer behalten können. Wir wollen es auch nicht. Di» Freundschaft tmb der Handel mit Deutschland sind uns viel wichtiger."

Da« ist bisher nut ein Wort, und noch ist der darin ent­haltene Hoffnungskeim von den ernstesten Gefahren umdroht. Sprachlich die wichtigste liegt Larin, Last Deutsch-Südtirol keine Hochschule hat und dah Italien höhere Beamte nur anstellt, wenn sie an einer italienischen Hochschule Herangebildet sind. Aber bt$ treudeutsche Gesinnung gerade dieses StammeÄ wird die früh erkannte Gefahr zu bannen wissen. Anderseits ist die Sprach- Svenze gegen das Stallenische gerade in Tirol von ber eindeutigst«

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