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Mannes beinahe tote vor Angst, Leonies Stimme aber klingt ruhiger, desto entsetzlicher. Hermine glaubt sie yi verstehen ohne zu vernahmen, was gesprochen wird. Sie saht die Klinke, die Sür ist unverschlossen. Hermine tritt ungehindert ein, sie sieht Leonie in Flammen von Kops bis zu Fuß auf den Leutnant eindringen. „Du hast mir das getan, du sollst mit mir sterbenI" so spricht sie, immer dasselbe und verfolgt den jungen Mann, der vor ihr zurücktoeicht, um den Tisch herum er flüchtet vor ihr, immer Aug in Aug mit ihr, er packt einen Stahl und stellt ihn vor sich, Leonie, brennend, schiebt den Sessel weg und jagt dem Eittsetzten nach Es ist tote ein wahnsinniges Kinderspiel. Sm Mu weist Hermine den Zusammenhang. „Last mich last mich," ächzt der Wann und schüttelt die Funken von sich ab und hält Leonie mit beiden Armen von sich ab. Gr blickt Hermine, die eintrttt, fassungslos an, als erkenne er sie nicht, er ist wahnsinnig vor Angst, unmenschlich verzerrt. Jeder von den dreien weist, daß alle alles wissen „Sch will sie ja heiraten," stöhnt er. Hermine überläuft ein Ekel. „Ja jetzt!" jauchzt Leonie mit einem herz- zerreißenden Hohn tote eine feuerrote Tulpenteufeltn in den Flammen Hermine ruft mit einer unbegreiflichen, selbstverstand- lichen um so furchbareren Fassung: „Herr Leutnant, Sie kommen morgen um Shre Versetzung ein und morgen verlassen Sie die Stadt “ Dies gesagt, wirft sie sich ohne ihn weiter. zu beachten, auf die Schwester, löscht mit ihren Armeit, Kleidern, mit ihrem Leibe die Flammen, packt die jetzt Ohnmächtige, von welcher der» Mauch schwelt, lädt sie auf und trägt sie mit übermenschlichen Kräften durch die Türe, die sie im Gehen mit dem vorgestreckten Fust aufstöstt, über die Treppe ins obere Stockwerk, stoßt oben mit ihrer Last anstatt Pochens an die eigene Tür, antwortet auf den entsetzten Aufschrei von Alix beim Oeffnen mit einem entsetzlichen Blick: „Leonie hat sich hier bei uns verbrannt, beim Bügeln." Das Kind nickt mit offenem Munde: Ha. Sie machen Tücher nah und betten Leonie mit unheilbaren schweren Wunden auf ihr Lager.
Als der Oberst nach Hause kam, fand er das Plnglück nach Recht und Pflicht geschehen und geordnet und zweifelt keinen Augenblick an dem furchtbaren Zufall, der seine Familie betroffen hatte. Seine Verzweiflung war ohne Grenzen, denn er liebte Levnien, tote er jetzt glaubte, mehr als die strengere, rüstigere Hermine.
Etwa noch acht Tage lang lag Leonie 'hoffnungslos in furchtbaren Schmerzen darnieder, ohtte dah ein Laut der Klage über ihre fest zusammengebissenen Lippen kam. Sie stöhnte nur, wenn sie die Besinnung verlierend verlangte, daß man ihr den kleinen goldenen Ring mit dem Türkis vom Finger abztehe, der ihr besonderen Schmerz zu verursachen schien. Es war ein Ring, den sie von der Mutter zur Konfirmation bekommen hatte. Man muhte ihn oegfägen lassen, denn er war ihr so fest angetoachsen. Sonst schwieg sie düster und begehrte nichts.
Der Leutnant hatte in der Tat sogleich um Versetzung eingereicht und die Stadt verlassen, ohne dast der Oberst, der in dieser Zeit dem Dienst fernblieb, davon auch nur erfuhr.
Als Leonie gestorben war, trat Alix zu ihrer Zeit als Helferin ins Hauswesen ein und Leoniens Geschichte haben erst Herminens Töchter, lange nach dem Tode des Grostvaters und in einer anderen Stadt von ihrer strengen Mutter erfahren, als sie mannbar waren. 1
Was versteht man unter Bodenermüdung?
Das Studium der mikrofkopischen Organismen, die sich im Boden befinden, wird in seiner überragenden Bedeutung für die Landwirtschaft immer mehr und mehr anerkannt. Es handelt sich hier um eine Dakterienflvra sehr weit verzweigter und verschiedener Art, ohne welche die im Boden vorhandenen Salze und Kolloide nicht jene unerläßlichen älmwandlungen erfahren würden, die notwendig sind, damit sie den Pflanzen als Mahrung dienen können. Das Kennzeichen eines jeden guten Bodens ist es eben, dast -er immer eine genügende Menge dieser Bakterien enthält: wir haben dann das, was man allgemein einen „guten Kulturboden" nennt.
Aun ereignet es sich aber nicht selten, führt Albert Dencke in der „Umschau in Wissenschaft und Technik", Frankfurt a. M„ aus, dah ein solcher guter Kulturboden trotz Düngung und zweck- mähiger Behandlung seine Matur zu wechseln scheint. Die Ernten werden mittelmäßig, die Pflanzen erhalten ein schwächliches Aussehen, und werden leicht eine Beute verschiedener Krankheiten. Man befindet sich einem Zustande gegenüber, für den man lange Zeit keine rechte Erklärung fand und erst heute vermag uns der Stand unserer mikroskopischen Dodenforschung eine solche Erklärung zu liefern. Es 'hat sich herausgestellt, dah die für die Umwandlung der Bodenschätze so wichtigen Bodenbakterien einen Kampf mit gewissen Protozoen und Amöben zu führen haben, die sich zeitweilig in großen Mengen im Boden bilden und einen
wahren Bernichtungskrieg gegen die Bakterien führen. Gelingt es ihnen, der Bakterien Herr zu werden, dann tritt eben das ein, was wir Bodenermüdung nennen.
Hm die Dodenermüdung zu beheben, ö. H. also die schädlichen Protozoen zu bekämpfen hat man schon verschiedene antiseptische Mittel mit gutem Erfolg angewandt. Die Vermehrung der Mährsubstanzen im Boden (Ammoniak) infolge der Bakterien^ zunahme wurde insbesondere unter Anwendung von Aether, Schwefelkohlenstoff, doppelchromsaurem Kali, Kupsersulfat genas geprüft und es wurde dabei erwiesen, dah eine zu große Bodenfeuchtigkeit in allen Fällen der guten Wirkung abträglich ist.
Man fand, Last sich die Bedingungen zur überreichrn Entstehung von Protozoen bedeutend häufiger finden, als man allgemein annimmt. Reichtum an organischer Materie im Boden, Begiehen mit gestandenem Wasser, allgemeine Feuchtigkeit, höhere Temperatur begünstigen die Prvtozoenbildung ungemein und besonders die Böden der Treibhäuser sind dieser Gefahr ausgesetzt, Sn einem guten bgw. gut sterilisierten Boden kann die Zahl der nützlichen Bakterien bis auf 400 Millionen pro Gramm Boden- material an steigen, während sie in ermüdeten, also infolge der Dernichtungsarbeit der Protozoen erkrankten Böden bis auf 40 Millionen fällt. Es ist somit klar, dah es in diesem Falle von großer Wichtigkeit sein kann, wenn man den Boden mit chemischen Mitteln behandelt, denen nicht der geringste Bereicherungs- bzw. Düngewert innewohint, die aber als Protozoen- und Amöben-' zerstörer toirlen. Dr. H. Kr. -
Versuche mit einem neuen Kartoffelkonservierungsmittel
Saatzuchtdirektvr Dr. Eugen Glaus- Reuhof Hat, wie die „Oesterreichische Zeitschrift für Kartoffelbau" berichtet, Unter* suchungen mit dem Kartoffelkonservierungsmittel ülspulunbolus durchgeführt. Die Hälfte jeder Kartoffelprobe blieb anbehandelt. Zweck des Versuches war die Verhinderung der Kartoffelfäule, das Ergebnis fiel jedoch negativ aus, da bei der Untersuchung der überwinterten Kartoffeln sowohl bei den behandelten wie bet den unbehandelten Proben sämtlicher Sorten in gleich« Verteilung einige faulige Knollen festgestellt wurden. Auch waren alle Kartoffeln mehr oder weniger stark angekeimt: zudem macht« es den Eindruck, dah gerade die mit ülspulunbolus behandelten Proben stärker gekeimt waren, als die unbehandelten. Die AuS- saat erfolgte Ende April auf gleichmäßig gehäuftem und bearbeitetem Boden. Der Aufgang 'hatte kurz nach der Aussaat durch überaus heftigen Regen und darauffolgende starke Winde mit anschließender Bodenverkrustung zu leiden. Der Stand war daher äußerst lückig und schlecht und konnten keinerlei Üln ter schiede bei den verschiedenen Parzellen festgestellt werden. Hierzu kam noch die abnorme Trockenheit während der Vegetation. Die Ernte ergab das überraschende Ergebnis, teilweise bedeutender Mehrerträge der mit ülspulunbvlus behandelten Kartoffeln. So waren bet den einzelnen Sorten von 24 bis 53 Prozent Mehrerträge im Durchschnitt gegenüber den unbehandelten Kartoffeln zu verzeichnen. Von allen Sorten zusammengerechnet betrug bet Mehrertrag im Mittel 15,6 Prozent: zu erklären ist dieses auffallende Ergebnis durch die wachstumfördernde Beeinflussung der Saatkartoffeln mtt Üspulunbolus. Machprüfungen dieser Ergebnisse durch reichsdeutsche wissenschaftliche Versuchsanstalten würden sich wohl lohnen.
j. k i
Sonderbare Geschmacksrichtungen bei Käfern, erwähnt Julius Stephan in der „Matur". Einige Käfer sind Liebhaber von Zigarren, die sie vollständig durchgraben und auffressen. Sn Meu-Gutnsa ist man daher genötigt, den Tabak in Zinkschachteln zu verschließen: immerhin soll es doch häufig vorkommen, daß Zigarren während des Rauchens plötzlich! aufzischen: ein Zeichen, daß ein Käferchen lebendig verbrannt wurde. Selbst starke Gifte werden von Käfern ohne Machteil verzehrt. Ein Apotheker in Australien hatte Getreide körn er in eine starke Strychninlösung getaucht, um Sperlinge damit zu vergiften: die präparierten Körner betoa'ßrte er in einem Kasten auf. Mach kurzer Zeit machte er die Wahrnehmung, daß verschiedene Sn- selten an seine Vorräte gegangen waren, und diese zum Teil aufgezehrt hatten. Käfer, namentlich Druchus- und Calandra- Arten waren die Äebeltäter. Der Apotheker konnte mit eigenen Augen beobachten, wie die Käfer an den vergifteten Körnern fraßen; alsbald angestellte Untersuchungen ergaben, daß das noch wirksame Strhchnin in den Körper der Snsekten aufgenommen und noch in den Exkrementen nachzuweisen war. Das Gift ging also durch den Verdauungskanal der Käfer, ohne ihnen zu schaden, Phne aber auch selbst verändert zu werden. Dem Steinobst- stechei endlich schadet sogar Dlausäure4nicht; denn seine Larven leben von und in den sehr blausäurehaltigen Körnern der Sauerkirsche.
Schriftleitung: August Goetz. — chruck und Verlag der Prühl'schen Aniv.-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,


