Ausgabe 
2.9.1922
 
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Samstag, 2. SepLemdsr

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1922 Nr. 35

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Blumenschmuck im Hause.

Don Dagobert Winter.

II.

3n Deutschland stehen die Verhältnisse anders. Die Renaissance wurde nur äußerlich ausgenommen, sie blieb DÄo- ration zumeist in den Fassaden dann Formdekoration; der konstruktive Kern blieb noch lcknge mittelalterlich Es entstand«; Hausgärten, die die Bewunderung ihrer Zeit erregten, wie z. B. in Rürnberg und Augsburg, aber man legte die Gärten an wie die damaligen Kunst-- und Raritätenkammern, das heißt, man sammelte seltene ausländische Gewächse und Blumen, mit denen man den Zeitgenossen imponierte. Von einer allgemeinen Blumen- kultur durch das Volk als solches war keine Rede. Eine solche Kultur hat sich nur aus dem Lande erhalten. Wan brauchte Gemüse und Küchengewächse, und dazwischen pflanzte die Hausfrau dann den Segenbaum, Rosen, Aelken und anderes zum Schmuck der Kirchen und Gräber und zur Ausstattung der Häuser zur Kirchweih? und zum besonderen Blumenfest, des Fronleichnam. Aus dieser Zeit datieren unsere kleinen Bauerngärten und jene Fensteröekoration, die sich unverfälscht erhalten und mit dem Einzug der ländlichen Elemente in die Stadt auch dahin sich verpflanzt hat.

Die bessere vornehmere Welt hatte an diesem naturgemäßen Ausbau der Dlumenkultur keinen Anteil. Ain» als erst gar die Herrschaft des französischen Gartens entschieden war, als Le Rötre den Kanon für die Anlage der regelrechten Beete und Bosketts, der Broderies parterres und der verschnörkelten Bäume und Hecken geschaffen hatte, als mit einem Worte die höhere Gartenkunst theatralisch wurde, da bildete sich von selbst der Gegensatz in der Blumenkultur zwischen reich und arm. vornehm und niedrrg, Stadt und Land immer mehr aus. 3rt vornehmen französischen Gärten sind die Blumen nicht mehr ihrer selbst wegen da; sie dienen bloß zum Ausdruck eines allgemeinen Gedankens; sie werden ebenso in ihrer Individualität überflüssig, wie das mensch­liche Individuum als solches selbst.

Charakteristisch für die ganze Barockzeit ist auch der Um« stand, daß die Blume aus dem Gebiet der bildenden Künste ver­schwindet, sie wird durch eine Art Dlumenarabeske ersetzt, die von der Antike zwar das Allgemeine der Form, von dem Zeitgeist aber den Schwulst und die Ueberladung und von der Ueber- bildung dir Ausstattung mit Gold erhält. Kein Wunder, daß in ländlichen Bezirken dieser Richtung kein Geschmack abgewonnen wurde. Der Rückschlag gegen diese Richtung trat in verschiedener Richtung auf. Der Bischof von Eichstätt lieh 1662 ein großes Werk erscheinen, welches alle die seltenen Pflanzen seines Gartens tn natürlicher Größe in Kupferstichen zur Anschauung brachte, und in Holland tauchte 1636 bis 1637 die Tulpenmanie auf. In Holland, schreibt ein bekannter Schriftsteller, Herrschte 1636 und 1637 ein wahrer Blumenschwindel. Wie jetzt in Wertpapieren, so spekulierte man damals mit ost riesigen Summen in Tulpen. Für einen einzigen Semper Augustus zählte man einmal 1300 Gulden, und für drei zusammen 30 000 Gulden.

Das meiste, was uns an Pflanzen erfreut, stammt aus Asien und Amerika. Leider sind wir aber über die Verpflanzungen nicht immer genau unterrichtet. Den Weinstock und den Kirsch­baum verdanken wir den Römern. 3m 16. Jahrhundert wanderten äus dem Osten ein der Schneeball, Flied« und Jasmin. Dazu kommt eine kleine Flora amerikanischen Ursprungs, die nach den

Singangsländern indisch oder spanisch genannt wird, wie Cann» indica, Kresse und Pfeffer, Sonnenblume und Lebens bäum und die Kartoffel, welche zunächst als Zierpflanze galt. Um di» Mitte des 16 Jahrhunderts wurden die Blumenzwiebeln im­portiert, Tulpen, Hyazinthen usw. 3m 17. Jahrhundert tret« die botanischen Gärten auf, der erste in Parts. Roch steht daselbst im Harbin des Plantes die von Robin aus Kanada eingeführiq und gepflanzte Steinakazie. 3n jener Zeit kam der wild« Weis zu uns. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts kamen Kappflanzen in die botanischen Gärten von Amsterdam und Leyden; Geranien, Aloe, Euphorbien. Die Anlage englischer Gärten brachte dtzd Verwendung nordamerikanischer und sibirischer Pflanzen in Auf­nahme: die amerikanischen Pappeln und Ahorne, der virginische Wacholder, die rotblühende Kastanie, aus Reu Holland kamen di» Gukalhptus-Arten. Erst mit dem Rokoko tritt die Blume als, solche auf den Seidenstoffen, in den Schnitzereien, Stuckarbeiten, und In Wanddekorationen wieder auf. War dieser Rückschlag schon durch die natürlichen Gesetze des Kreislaufes der Mod« gerechtfertigt, so erhielt er eine besondere Unterstützung durch di« Einflüsse des Orients mit seinem Blumenzauber und die gleich­zeitig in Mode kommenden englischen Gärten. Auf einmal fand man jetzt, daß das Landvolk eigentlich schon Jahrhunderte lang in den richtigen Dahnen bezüglich seiner Beachtung und Pflege der Ratur und der Blumen gewandelt sei und die Paysages, die bäuerlichen Ansichten und Darstellungen, wurden in den höchsten Kreisen Mode. Die Dchäferspiele tarnen, Mhrtill und Chloe seufzten wie klagende Turteltauben an allen Orten, und die Kö­nigin Marie Antoinette kleidete sich als Bäuerin auf ihrem Land­hof Trianon. Diese Ueberschwenglichkeit teilte nun wieder daS Landvolk nicht und tat gut daran.

Wir haben oben von dem Einfluß Asiens auf unserer» Bluwenkultus gesprochen. Dieser Einfluß ging zuerst von Persien, dem Relkenlande, aus und blieb in me'fyr als einer Beziehung nachhaltig. 3m Gegensatz zum Abendlande liebt der Orientale seine Blumen nicht in Büscheln, sondern einzeln in Vasen gesteckt. Gr sucht auch der abgebrochenen Blume möglichst lange nicht bloß ein frisches Leben, sondern auch Individualität zu bewahren. Die persischen Dlumenvasen sind deshalb eigener Art, die sich von der unserigen sehr unterscheidet. 3n Europa war es vor allem Holland, welches mit Asien in nächste Berührung kam. Ob die Rachbildung der persischen Vasen in Holland bloß eine künstlerische Marotte war, oder ob sie mit der Vorliebe für ein­zelne DlumenspezieS zusammenHSngt, oder umgekehrt genua die vielkelchige Blumen Vase wird in Holland allgemein beliebt und das Vorbild für die süddeutschen Fayencekünstler. Endlich greift auch die Blumenvase auf den Eßtisch über, verbindet sich mit dem Tafelaufsatz und beherrscht seither die festlichen Gedecke, Zu Anfang der vierziger Jahre erfanden die Franzosen die Cham­pagnerbuketts, welche die kunstvollste Anordnung der Blumen gestatteten, indem man die Blumen an lange Drähte heftete und nach Belieben aneinander reihte. Man bewunderte diese Buketts, scheint aber mit richtigem Sinne von der Vorliebe für dieselben lieber abgekvmmen zu sein, weil sie gegen die erste Regel aller Schönheit, die Natürlichkeit, verstoßen und an deren Stelle Zwang un& Laune setzen.

Unserer BlUmenliebhoberei ist in jüngster Zeit ein mächtig« Verbündeter erwachsen in 6er Kultur der Japaner, und wenn sie' überhaupt ein« Rechtfertigung bedurfte, so konnte sie auf diese- Volk zurückgreisen. Der Japaner zeichnet sich Im allgemeinen durch große Reinlichkeit, ganz besonders gegenüber seinem Roch-