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hatte daS Unglück verschuldet.
(Fortsetzung folgt)
Sv/schtvühten sie. tranken Len guten Wein und waren barbarisch vergnügt. Äbends begleitete er sie heim.
2lm nächsten Sonntag sahen sie sich wieder und gingen fortan miteinander. Pfingsten war«, da st er vor ihrem Haus wohl eine Stunde lang auf sie wartete. Endlich kam sie bleich und verstört und schluchzte: „Die Mutter ist totl“ Er tröstete sie, kaufte einen schönen Kranz und war unter den wenigen Leidtragenden, die der Hausiererin die letzte Ehre gaben. Danach fragte er:
„Willst du die zwei Stuben behalten?"
„Was soll ich damit?" versetzte sie. „Ich hab' mit einer genug."
„Wie wär's wann wir uns zusammentäten?" sprach er weiter. „Ich geb' meine Kammer beim Schreiner Werner auf und schaff' meine Siebensachen zu dir. Hernach kannst Lu in deiner Ordnung bleiben."
Xie5er ihr Gesicht lief eine Röte, und sie sagte:
„Ha, wann du meinst. Mir ist's recht." •
Vier Wochen später waren sie Mann und Frau. Es war eine glückliche Eheschaft. Ernsthaft hatten sie sich nur einmal gestritten. Das war bald nach ihrer Verheiratung. 3n der Küche stund von der Mutter selig her noch die Kiepe, die diese als Hausiererin dreißig Jahre aus dem Ducken herumgeschleppt hatte. Er wellte das unnütze Ding für drei Trumpeln an die erste beste Hökerin verkaufen. Dem widersetzte sich die Traud Ein Wort gab das andere, zvrnrot standen sie einander gegenüber. Schließ- lich streckte er die Waffen, und die Kiepe blieb an ihrem Ort. Sonst konnte er sich über nichts beschweren. Sie war von einer fröhlichen Atck, neckte sich gern mit ihm und hatte immer das rechte Wort bei der Hand. Abends bei der Flickarbeit sang sie viele Lieder. Wenn er fragte: „Potz Wetter, woher hast du die all? fegte sie: „Dom Rhein. Dort singen sie bei Tag und Dacht. Und wer nicht singen kann, tut pfeifen."
Es dauerte kein Jahr, da strampelte ein Bub in der Wtege. Das war der Heini. Der trippelte schon mit fünfzehn Monaten kn der Stube herum und babbelte, daß es ein Pläsier war zuzu» toten Die Hausleute und die Aachbarn meinten, so wundernett und frühgescheit sei weit und breit kein Äinb zu finden. Die Traud war rein närrisch mit dem Bub und hätte in ihrem Mutter- stolz nicht mit der reichsten Frau in der Stadtgetaufcht
^Die Zeit und das Glück liefen fort wie Wasier Eines Sonn- taas hatten sie sich mit der Mimel verabredet, nach Obernhaufen zu fahren wo Kinnes war. Dach Tisch wollten sie aufbrechen und mit der Platin auf dem Frvnplah Zusammentreffen. Die Traud spülte noch das Geschirr und hieß ihn mit dem Buben vorangehen, „'s ist gut" sagte er, hob den Heini, mit der Zunge schnalzend^ auf seine Schultern und schritt mit ihm die Treppe hinab „3ch mag gar nicht hingucken, wie der Jung da oben herumturnt rief ihm die Traud aus der Küche nach „3m Handumdrehen au~n vassieren “ „Der Jung reit' für sein Leben gern, erwiderte er. „und ich tu ihm den Willen." Sv ost er sich paran erinnerte, was nun geschah befiel ihn Grausen, und das Blut erstarrte ihm in den Adern. „Hopp, hovv, hvvv! jauchzte der Wildfang und schockelte hin und her. „Hab Ruh, gebot ei;
sonst aibt's —" 3m selben Augenblick glitt er aus, verlor das Gleichgewicht und kam zu Fall. Der- Heini aber stürzte die Stiege hinunter und blieb wie tot auf den Steinplatten lwgen. Jammer und Wehklagen füllten das Haus. Des Wechbinders Anton Sake zum Arzt. Als der erschien, war der Kleine zu sich ge- mmen, doch stellte sich heftiges Erbrechen ein. Der Doktor meinte das werde sich geben, man dürfe letzt gar nich.s machen, morgen bei guter Zeit werde er wiederkvmmen And ging. Ber- aeistert fast er am Bettch-n des Lieblings, die Traud gegenüber, wie ein Bild von Stein. And er getraute sich nicht, sie anzuschauen, er fürchtete sich vor ihrem Blick. Der Bub verfiel in einen unruhigen Schlaf und schreckte ein Mal über das andere auf. 3n Sorge und Qual verstrich der Tag, und die Dacht wollte kein Ende nehmen. Glock sieben war der Doktor zur Swlle. untersuchte den Heini und sagte: „Eine schwere Verletzung! Selbigmal war's ihm. als hätte ihm einer ein Mester in die Brust gefloßen und er wünschte sich den Tod, denn er allein in fernem Aebermut
Johannes Brahms.
Zu seinem 25. Todestage, 3. April.
Bon Waldemar Dröhn.
Die Gegenwart mit Ihrem atemlosen hastigen Geschehen beansprucht unsere ganze geistige Kraft in einem so grvhen Maste, Last wir selbst beim allerbesten Willen nur selten Türen der Vergangenheit ausstosten können, um uns besten zu erfreuen, was uns unsere grvsten deutschen Meister so reich als unveräusterliches Erbe hinterlassen Sonderlich in der Tonkunst haben unS die letzten Jahrzehnte ein solches Uebermast von neuen Schöpfungen gebracht daß wir wenn es nach der Quantität ginge, einen erheblichen Gewinn für unsere deutsche Musik zu buchen imstande wären Dach der Seite der Qualität hin betrachtet, sieht die letzte Edvche deS deutschen Musiklebens weniger erfreulich auS. Mit wenigen Ausnahmen macht sich ein gewisse« Epigonentum breit, LaS die Verdienste unserer klassischen Meister zum Spielball
ihrer nachschassenden Willkür macht-, daneben aber wuchert eine dem deutschen Geiste völlig fremde Klangproduktion, die unter dem Kennwort „Programmusik" die Sinne und Derven mit fast rein verstandesmäßiger Berechnung zu reizen versucht, lieber» ragende grobe Künstlerindividualitäten Hal uns die jüngst vergangene Zeit nicht mehr auf dem Gebiet der Tonkunst geschenkt, feit mit Johannes Brahms vor nun gerade fünfundzwanzig Jahren ein Meister starb, der gleichsam noch einmal in gesegneter Fülle eine Wiedergeburt der deutschen klassischen Musik in seinen Werken geschaffen. And wir können gerade jetzt, wo wachgerüttelt durch die politische Wirrnis und die materielle Dot überall in deutschen Landen eine Art von Selbstbesinnung auf die Quellen unserer völkischen Kraft und Sonderheit Platz zu greifen beginnt, nichts Besseres tun, als immer wieder den Zeitgenossen recht deutlich vor Augen zu halten, was uns unsere führenden Geister auf allen Gebieten Gewaltiges geschenkt haben.
Johannes Brahms ist in gewissem Sinn kein Musiker für den Massengeschmack, wenigstens sucht er die Wirkung seiner Kompositionen nicht durch irgendwelche äuherliche Mittel zu erreichen. Seit der Zeit jenes enthusiastischeir Briefes, mit dem Robert Schumann In der Leipziger „Denen Zeitschrift für Musik" den damals zwanzigjährigen Jüngling der Oeffentlichkeit als einen vorstellt, „der den höchsten Ausdruck der Zeit in idealer Weise auszusprechen berufen wäre", bis zu jenem Sage, da der Tod den noch nicht vierundfochzigjährigen infolge eines krebsartigen Leberleidens die so fleißig geführte Dotenfeder für immer aus der Hand zu legen zwang, ist der Künstler sich eigentlich immer glsich geblieben. Seine formenachtende, aber nicht von Formen geknechtete Kunst, die in sich alles Erbe der- großen Meister vor ihm von Dach und Haydn bis Mozart und Beethoven birgt, will den Menschen im innersten Kern seines Fühlens und Denkens treffen er läßt die Gegensätze rücksichtslos aufeinanderstoßen, er entwickelt das Element des Widerstreitenden bis in seine äußersten Konsequenzen, an diesem aber wächst mächtiger empor, alles Feindliche besiegend, der Geist des Friedens und beglückender Ruhe. Mit heiligstem Emst und zwingender Gewalt führt er seine Auseinandersetzungen durch und wenn uns bei Brahms zuweilen in diesem oder jenem Werk Stellen Vorkommen, die uns bizarr und rätselhaft erscheinen, so brauchen wir uns nur in sie zu verliefen, um ihre Lösung zu finden.
Des Meisters künstlerische Bedeutung ist eine sowohl In der Instrumental- tote In der Vokalmusik gleich reiche, wenn auch an Zahl die 3nstrumentalwerke überwiegen. Er schafft nicht stets Deues in neuen Formen, sondern gibt vor allem Erweiterung des als bewährt Aeberkommenen. Bei ihm gründet sich zwar viel auf Reflexion, doch muß man die Kraft des melodischen Empfindens voranst eilen. Von allen Werken seiner Kunst dürften keine so tiefen nachhaltigen Eindruck auf die große musikalische Oeffentlichkeit gemacht haben wie die neun großen Vokalwerke mit Orchester allen voran das herrliche „Deutsche Requiem", daneben „Das Schicksalslied" und „Rinaldv". Vor diesem liebensätzigen, umfangreichen Chorwerk des Requiems, das ben musikalischen Duhm seines Meisters erst definitiv begründet, streckten selbst die hartnäckiasten Zweifler vor der Amfängltchkelt und Bedeutsamkeit der Brahmsschen Musik ihre Waffen. Es wäre überflüssig die gewaltige Zahl seiner Orchester- und Konzert-Kompv- fttiontm hier aufzuzählen, jeder Musikkatalog bringt sie. Seme vier großen Symphonien flehen dicht hinter Beethoven; schon allein die Grundstimmung der O-Dur-Simphvnie, die den Kampf eines vom Leben hart Geprüften durch Zweifel bis hin zur Frömmigkeit gibt, zeigt die Verwandtschaft mit diesem Genuis. Die sonnenhelle, strahlende V-Dur-Simphonie, die heroische F= Dur-Simphonie und die große auswärtsweisende ll-Moll-Sym- phvnie bilden eine feste Gruppe vertieftest er Kunst und wunderbarster Instrumentation. Mit meisterhafter Kraft hält Brahms die Haupttonart stets llar und fest bis zum Ende durch, der Hörende verliert nie die Stimmung, denn fein Kunstwerk außen sich stets in eigener, individueller Sprache. Jedes der Weiue ist für sich abgeschlossen, und gerade darin liegt der Schwerpunkt der Erfindungskraft ihres Schöpfers. Auf das vielseitigste hat Brahms das Gebiet der Kammermusik bereichert, 20 wertvolle Tonwerke teils mit, teils ohne Klavierbegleitung, bieten eine Fülle von Anregung für die Hausmusik. Es ist nicht unmöglich, daß wir gerade durch die äußere Dot demnächst wieder mehr als bisher den Weg zur deutschen Hausmusik finden toerben da dürsten diese Gaben zum Köstlichsten gehören, bas uns sich dar- bietet
Äußer den zahlreichen Klaviervertvnungen ist es noch ein Gebiet das Prahms mit ganzen Meisterschaft beherrscht: bas deutsche Lieb Die Kindei^eit ber Liebkompvsltlvn nut ihren liebenswürdigen Anfängen ist längst vergangen, die Gegenwart fordert reichere Gestaltung. Daß aber trotzdem die Form und Arkraft des einfach gegliederten Volksliedes Brahms in ben geeigneten Augenblicken leitend geblieben ist, beweisen seine große Zahl der Volkslieder. 3n keinem Gebiet hat der Meister so warme Herzenstöne angeschlagen, wie im ein- und mehrstim- miaen Liede mit Klavier. Besondere Beachtung verdient noch ber tief religiöse Gehalt der a capella-Chöre, den kaum jemand nach
-Denn^ totr das ^gesamte Schaffen des Meisters rückschauend überblicken, so finden wir uns in tiefer Andacht vor einem ver-


