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innerlichten Tonmeister, dessen technisches Können sich mit einem heißen idealen Streben nach aufwärts zu seelischer Gröhe eint. Dicht als Fvrtsetzer Beethovens, sondern als ein Bramante der musikalischen Renaissance, steht Brahms in der Reihe unserer größten Musiker. Sn ihm wirken des großen Kantors Tiefen und die liebenswürdige Kindlichkeit Haydns, Mozarts anmutige Lebensfreude und Beethovens Wenschheitsstreben über Leid und Wirrnis des Erdenlebens hinaus. Aber nie ist er ein Rach- schaffender, sondern immer ein origineller, in sich abgeschlossener Künstler. ___
Die alte Ehrlichkeit im deutschen Sprichwort.
Die Anschauungen mancher Kreise über das, was recht und anständig ist, sind in der letzten Zeit ziemlich ins Wanken geraten, und vergeblich sehnt man sich nach der „alten Ehrlichkeit , nach den Zeiten in denen noch Treue und Glauben herrschte, zuruck. Lieber diese strengeren Auffassungen von Redlichkeit imd guter Sitte gibt uns am besten das deutsche Sprichwort Auskunft, dieser durch Jahrhunderte aufgespeicherte Weisheitsschatz un» seres Dolles. Sn dem grundlegenden Werk über unser Sprichwort, der bei C. H. Deck in München erschienenen „Deutschen Sprichwörterkunde", die uns pvr kurzem Friedrich Seiler geschenkt hat, finden wir den reichsten Stoff, um festzustellen, was unsere biederen Vorfahren über Erwerben und Besitzen, über Kauf und Verkauf, über Reich und Arm, über Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit gedacht haben. Den leichten Börsen- und Spekulationsgewinn kannten die Zeiten und Äolkskreise nicht, in denen das Sprichwort erwachsen ist. Rur eine Ahnung davon, daß es in großen Gesellschaften nicht immer richtig zugeht, äußert sich in Sprichwörtern wie: „Kumpanei ist Lumperei". Ein hohes Lied auf die Arbeit erklingt dagegen aus zahllosen Redensarten: „Arbeit ist der Ehre Mutter". „Arbeit schändet nicht." Sie bringt alles zuwege. „Arbeit macht aus Steinen Brot, aus Kieselsteinen Demant." „Arbeit gewinnt Feuer aus dem Stein.
Richt weniger wichtig als Arbeit ist Sparsamkeit, die vom Sprichwort dahin gedeutet wird, daß man seine Ausgaben nach seinen Einnahmen einrichten muh: „Man muß leben, wie man kann, nicht wie man will". „Man schneidet die Riemen, nach dem die Haut ist." „Jeder muß sich nach seiner Decke streckens „Verzehre nicht über Gewinnen; es wird dir sonst zerrinnen." Llnter keinen Umständen soll man etwas kaufen, was man nicht nötig hat: „Was man nicht bedarf, ist um einen Pfennig zu teuer". „Wer alles kauft, was er nicht braucht, muh bald verkaufen, was xr braucht." Die Einrichtung der festen Preise kennt das Sprichwort noch nicht, sondern es hält Handeln und Feilschen für notwendig bei einem guten Einkauf. Dem Verkäufer wird geraten, nicht zu viel zu verlangen: „Allzu teuer geboten, macht die Ware unwert." Wenn der Käufer die Ware tadelt, so zeigt er, dah er gern kaufen möchte: „Wer die Ware schilt, hat Lust dazu". Der Käufer soll aber nicht zu sehr auf Billigkeit sehen, weil er sonst Schund einhandelt: „Ein wohlfeiler Kauf ist oft der teuerste". „Das Beste kauft man am wohlfeilsten."
Dem Reichtum steht das Sprichwort mit einem gewissen Mihtrauen entgegen: „Reichtum vergeht, Tugend besteht". „Jäher Reichtum, lange Armut." Der Reiche ist leicht ängstlich: „Reichtum hat ein Hasenherz". „Wo Geld und Gut, da ist kein Mut." „Pfennige .machen Sorge." Der Reiche wird von Schmeichlern betrogen: „Was Fliegen lockt, lockt auch Freunde".
Sehr zahlreich sind die Sprichwörter, die den Betrug brandmarken: „Richtig zählen, ehrlich messen, darf der Kaufmann nicht vergessen". „Was Betrug beschert, nicht lange währt." „Anrecht Gut tut nicht gut.“ Zur höchsten Sittlichkeit schwingt sich das Sprichwort auf, wenn es den Tod der Anehrlichkeit vor- zieht. Daher der Preis der Ehrlichkeit: „Besser die Hand in einem Kuhfladen als in fremdem Gelde". „Ehrlichkeit bringt's wert." „Ehrlich währt am längsten." „Ehrlich währt ewig."
Pflanzenschutz» ein Mittel zur Hebung des VslksV.ermögsns.
Don Hans Ernst.
Den wenigsten ist auch nur annähernd bekannt, wie viele Milliarden alljährlich unserem Volksvermögen durch Krankheiten unserer Kulturpflanzen verloren gehen. Jetzt, wo wir mehr denn • je alles daran sehen müssen, um uns vor einer völligen Der- a.rmung, die uns unsere Gegner im Weltkrieg nur zu gerne bereiten würden, zu schützen, ist es Pflicht eines jeden, zur Erhaltung und Förderung des Volksvermögens beizutragen, wo und wie er nur kann. Es muß vor allem von denen gefordert werden, die Führende sein wollen, daß sie sich näher mit der Materie befassen, um sich überhaupt darüber klar zu werden, was Pflanzenschutz heißt, was der deutsche Pflanzenschutzdienst im Verein mit Zoologen und Botanikern will.
Rur wenige Zahlen mögen genügen, um die Wichtigkeit dieser Frage in grellem Licht erscheinen zu . lassen. Die Schäden durch Steinbrand beim Winterweizen belaufen sich allein in der Provinz Sachsen in einem normalen Steinbrandjahr auf rund 6 500 000
Mark. Rach Griksvn beträgt weiterhin der jährliche Verlust durch Rostkrankheiten in den getreideoauenden Ländern etwa li/4 Milliarden. Sogenannte Auswinterungsschäden, die in weitaus den meisten Fällen auf pilzliche Parasiten, sowie Käferlarven, Mäuse u. a. zurückzuführen sind, erreichen einschließlich der erforderlichen neuen Bestellungsarbeiten die stattliche Summe von etwa 20 Millionen Mark. Roch höher beziffern sich die Schädigungen,. denen die lagernden Feldfrüchte durch Bakterien und Pilze, Insekten und andere Schädlinge aus dem Tierreiche, wie Mäuse, Ratten und dergleichen ausgesetzt sind. Beträgt doch der hierdurch entstehende Verlust etwa 5 Prozent bis 10 Prozent der Gesamternte. Das heißt bei vorsichtiger Berechnung, auf die geschätzte Ernte angewandt soviel als ein Verlust von rund 16 Z50 000 Zentner Körnerfrucht und rund 42 000 000 Zentner Kartoffeln. Prozentual noch erheblicher, sind die Verluste int Obst- und Weinbau. Rimmt man doch an, daß z. B. bei ersterem etwa 20 Prozent alljährlich durch Verluste genannter Art ausfallen, während beim Weinbau je nach Auftreten bestimmter pilzlicher oder tierischer Parasiten oft die ganze Ernte, oder doch der größte Teil derselben in Frage gestellt ist, wenn nicht stets die nötigen Vorsichtsmaßregeln beobachtet werden.
Ganz unerwähnt sollen die Schäden bleiben, die alljährlich in der Forstwirtschaft durch Mehltau, Kiefernschütte, Ronnenfratz, Kiefernspanner und Kiefernspinner sowie andere Vertreter de- Pflanzen- und Tierreiches entstehen.
Berücksichtigt man weiterhin, daß mit all dem Aufgezählten nur ein kleiner Teil erwähnt wurde, daß ferner die indirekten Schäden keine Erwähnung fanden, daß die Schätzungen recht vorsichtige waren und die Vorkriegs-Valuta als Unterlage diente, so kann man ermessen, daß wir notgedrungen in jeder Weise gegen derartige Schäden Front machen müssen; denn wir sind heute nicht mehr in der Gage, derartige Summen zu entbehren. Es ist daher mit Freude zu begrüßen, daß sich neben einer Reihe kleinerer Firmen, neuerdings auch große, chemische deutsche Werk« wie z. B. die Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer u. Co. in Leverkusen bei Köln a. Rh. dieser Frage durch Schaffung entsprechender Dekämpfungs- und Schutzmittel in großzügiger Weise im Allgemeininteresse annahmen. Außerdem muß ein jeder an seinem Platze mithelfen, selbst die Jugend muh mit den gesunden und krankhaften Zuständen unserer Kulturgewächse vertraut gemacht werden in unser aller ureigenstem Sntereffe.
Erzielung höherer Gemüseernten.
Die Gemüseernten sind sehr ost von pilzlichen Krankheitserregern befallen, welche entweder den Auflauf beeinträchtigen oder später an den Pflanzen Krankheiten Hervorrufen, wie die Brennfleckenkrankheit bei Bohnen und Erbsen, ben Zwiebelschimmel, den Sellerie- und Merrettichschorf, den Dlattbrand der Gurken u. a. m. Es ist sehr leicht, sich gegen derartige Schäden zu schützen, und zwar durch eine Beizung der Sämereien. Für die Behandlung solcher feiner Sämereien eignet sich am besten das Quecksilberpräparat Aspulun, besonders deshalb, weil eS nicht nur die Krankheitserreger abtötet, sondern auch fördernd auf die Keim- und Triebkraft der Saaten wirkt. Schlecht keimfähiges Saatgut keimt z. B. nach der Aspulun-Beizung in viel stärkerem Maße. Die früher oft bemerkten teeren Stellen in den ©aatbeeten werden auf diese Weise vermindert und die Ernteerträge bedeutend erhöht. Sv wurde neuerdings in den „Mitteilungen deÄ Vereins zur Förderung der Mporkuliur Berlin" ein lehrreiches Beispiel für eine durch die Beizung bewirkte Ertragssteigerung angeführt. Von einem mangelhaft keimenden Mangoldsamen entwickelten sich bei diesem Versuch ans 50 gebeizten Samenknäueln nach 14 Tagen 103 meist auhergewöhn- ■ lich .große und kräftige Pflanzen, während 50 nicht gebeizt« Samenknäuel nur 48 kümmerliche Pflanzen lieferten.
Lieber die Eignung von Aluminium zu Mslkereigeraten.
wurden an der Molkereischule Rütti-Zollikofen bei Bern Versuche gemacht. Speziell wurde ein Milchkühler auS Aluminium ausprobiert. Dabei ergab sich, daß die Kühlarbeit des Aluminium-Kühlers sehr nahe kam der Kühlarbeit eineS verzinkten Kupferkühlers. Die Wärmeübertragung ist allerdings etwas geringe?; aber im ganzen war die Leistung eine zufriedenstellende. Allerdings sind solche Kühler nur für Süßwasser zu brauchen, nicht aber für Salzsohlespeisung, weil bis Salzsohle meist mit Soda neutralisiert ist und Aluminium von Soda angegriffen wird. Don Milch und Molke, selbst wenn si« schon ziemlich sauer sind, wird Aluminium nicht angegriffen und deshalb eignet sich dieses sehr gut für die verschiedenen Milchgeschirre. Für Käsekessel jedoch ist das Aluminium nach Aeutzerungen der Molkereischule nicht geeignet, weil das Lab- gerinsel an diesem Metalle zu sehr anhaftet und das Aluminium für die starke mechanische Beanspruchung der Käsekessel zu weich ist. Aus diesem Grunde müssen auch Milchkannen aus Aluminium einen besonderen Schutzmantel erhalten. Durch ihr sauberes mattweißes Aussehen bilden die Aluminiumgefäße ein« Zierde der Molkereien.
Schriftleitung: August Goetz. — Druck und Verlag der Brühl'schen Aniv.-Buch. mb Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


