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triefe geistlosen Maiftrien die Kritik geradeN» hrranss»^ der«. Die Woben Verstöße tzMn Hie A0M
„Bemühen Sie sich nicht totiter, geschätztes Wxnnd. Ihr Urteil ist streng, vielleicht etivas M streng, aber ich vertrage Tadel, wie ich schon sagtes vnd danke Ihnen Stifte Doch da fällt mir eben ein:.Was Ihr Stück anbelangt, so wird es für diese Saison wohl zu spät dazu sein. Auch ist. es etwas zu ernst gehalten, das Pnblilinn ist mehr für heitere Sachen eingenommen. Bieileicht verständen Sie sich zn einer Umarbeitung. In ein paar Jahren könnte man dann sehen. Einstweilen lvird es kam» möglich sein, dasselbe zur Anf- fühning zu empfehlen."
Fort war er.
„Auch das noch!" inunnelte Hähnel, ihm nachstarrend, dann stürzte er aus dem Kaffee Hanse seiner Wohnung zu. Jetzt war er aus seinem Zimmer nngeliommen, seinem kalten, dunklen, unausgeräumteu Zimmer, und warf sich, seine Kleider von sich schleudernd, so heftig auf das Bett, daß es in allen Fugen krachte.
Er fuhr in die Höhe. Was war das?
Durch das Fenster strömte das junge Morgenlicht hell in das ZWlincr, und vor seinem Berte, die runzligen Züge Von denr goldenen Schimmer verklärt, fhinb seine alte Ans- Wärterin und hielt ihm gratulierend die dampfende ,Kaffeetasse hin.
„Wünsche ein glückseliges neues Jahr! Und daß dem gnädigen Herrn alles nach Gefallen gehe, und daß wist zwei noch recht lange zusamnienbleiben!"
Hähnel fuhr mit beiden Füßen zugleich aus dem Bett. „Was sagen Sie, was ? Neujahr wäre heut?"
„Ja, was denn sonst? Der gnädige Herr hat noch nicht vom Shlvesterabend ausgeschlafen. Heut ist Neujahr!"
Hähnel sprang, sich züchtig in seine Decke hüllend, zum Fenster.
In den Gassen gingen festtäglich gekleidete Menschen, hin und her, die Glocken Tiefen zur Kirche, aus der Hauseinfahrt gegenüber winkte der Hcrusmeister heraus: „Fröhliches Neujahr, Herr Assessor, fröhliches Neujahr!"
„Also Neujahr ist. heute, wirklich und gewißlich Neu-> fahr!"
Hähnel sprang ans die alte Aufwürterin zu, und, o Wunder — sie erzählte davon bis zu ihrem Todestage —l nahm ihren Kopf zwischen seine Hände und gab ihr einen schallenden Kuß auf beide Wangen.
„Heut ist Neujahr! und ich habe nicht meine Erbschaft verscherzt, meinen Gläubiger vor den Kopf gestoßen, meine Braut beleidigt, ihre Tante für Fünfzig gehalten, die Gedichte des Theaterrezenfenlen getadelt! Ich brauche nicht mehr die Wahrheit zu sagen, ich kann ivieder lügen, wie ich Krill’. O, ich glückseliger Mensch!
Gesegnet, ja gesegnet sei die Lüge!"
Blüchers Nheinübergang bei Laub
am Reujahrstage 1814.
Bon Hauptmann G r e e v e n, Düsseldorf,
Eine behagliche Weinstube am fünften Novembertage des Jahres 1813 in der Lahnstadt Gießen. Der Generalstab der Echlesischen Armee harrt deö Marschalls Vorwärts, Gneisenan, Müfsling, Major Rühle, die Adjutanten und Professor Steffens. Nicht lange läßt Blücher auf sich warten. Auch ihm kredenzt bald das schmucke Wirtstöchterlein den perlenden Rheinwein. „Das erste Glas auf einen baldigen llebergang über den Rhein!" Hell klingen die Römer zur Wiederholung des Marschallswortes. Hatte man doch gerade die Kunde vernommen, dah der korsische Löwe dem Graten Wrede bei Hanau mit nur 60 000 Mann entschlüpfte. Doch nicht so bald sollten die guten Wünsche in CrUllung gehen.
Schon am 11. November ist die Armee aus den Höhen des Westerwaldes mit dem Hauptquartier in Altenkirchen, um Mitte des Monats bei Mülheim-Köln den llserwechsel vorzniiehmen. Da trifft aus dem großen Hauptquartier zn Frankfurt eine „Anweisung jm Auftrage der hohen Monarchen" ein, daß die Schlesische Armee Kehrt machen und auf Mainz marschieren soll. Erstaunen, dann Poltern, schließlich sich fügen, wie das ein rechtschaffener Soldat tut, wenn er nicht recht einverstanden ist. Mit donnernden Hurrarufen begrüßen die bei der Borckschen Vorhut marschierenden Woarzen Husaren bereits am 13. November von der „Platte" bei Wiesbaden aus den in der Ferne sichtbaren grüngoldene» Rhein- strom. Nur die Division St. Priest vom russischen Korps Langeron rückt nach Düsseldorf, wird aber Ende November nach der Lahn beranaczogen. So bezieht die Schtefischc Armee während des Mo- «ats Dezember Quartiere hinter der Rheinlinie von Ehreubreitstein bis Darmstadt. Die Division St. Priest gegenüber Koblenz, das
Borcksche Korps um .Wiesbaden,, das Korps Längere» bei Frank« fnrt'rind das Korps Sacken ’m Darmstadt.
Zwecks- späterer Vereinigung mit der Schlesischen Armee aus der Hochfläche von Lanares, dem Anlanfgebiet für den entscheidenden Vorstoß auf Paris, hatte die Hauptarmee Schwarzenbergs einschließlich des Korps Wrede schon am 22. Dezember bei Schaffhausen, Laufenburg und Basel den Rhein überschritten. Eine Woche später sollten das Korps des Kronprinzen von Württemberg nördlich Basel bei Höningen ittob die Schlesische Arm-qe bei Koblenz, Caub und Mannheim ihren llebergang bewerkstelligen. Der Uferwechsel der Blücherschcn Armee ivar der weitaus schwierigere, weil auf der ganzen Strecke nicht eine einzige feste Brücke vorhanden luor. Einige Tage vor dem Uebergange richtet der hochgesinnte Feldmarschall folgenden Aufruf an seine Armee:
„Soldaten! Als ihr von der Oder zruu Rheine vordrangt, tapfere Soldaten der Schlesischen Armee, mußten dem Feinde Provinzen entrissen werden, die er sich früher unterworfen hatte. Jetzt geht Ihr über den Rhein, um den Feind, der es nicht verschmerzen, kann, seine neunzehnjährigen Eroberungen in zwei Feldzügen ver-, lomt zu sehen, zum Frieden zu zwingen.
Soldaten! Den Siegern an der Kühbach, bei Wartcuburg, bei Möckern und bei Leipzig dars ich nur den Tag! des Ruhmes zeigen, und ich Irin' des Erfolges gewiß,' allein ich hab' Euch neue Pflichten aufzulegen. Die Bewohner des linken Rheinufers sind nicht feindlich gegen uns gesinnt, ich habe ihnen Schutz und Sicherheit des Eigentums versprochen, ich tat's in Eurem Namen, Ihr müßt es halten. Ehre bringt dem Soldaten die Tapferkeit, jedoch der Gehorsam und die strenge Manneszucht sind seine schönste Zierde."
Am glattesten vollzieht sich das Uebersetzen. der rnfsischm,Division des Grafen St. Priest. Trotz der sternenklaren Nenjahrsuacht gelingt es den Russen., in zwei getrennten Abteilungen bei Lahnstein und etwas unterhalb Koblenz ans Nachen und Fähren daß andere User zu gewinnen. Die in Koblenz eingnartierte Division Duririte wird von beiden Seiten angegriffen und muß 500 Gefangene, 7 Geschütze und beträchtliche Kriegsvorräte in den Händen des. Siegers lassens der schon um 4 Uhr morgens mit klingendem Spiele in die Rhein- und Moselstabt einrückt. Gleichzeitig geraten 1100 in den Lazaretten befindliche Kranke in die Gefangenschaft. Auch der schwarze Obelisk aus dein Castorplatze, den tut Jahre 1812 der damalige französische Präfekt zur Eriimerm-g an Napoleons Einzug in Moskau errichtet hatte, mußte sich den Zusatz gefallen lassen: „Gesehen und genehmigt durch den russischen Kommandanten von Koblenz, Generalleutnant Graf Ski Pnest, li Januar 1814."
Die Korps Borst und Langeron sollten bei dem Oberwesei und Bacharach etwa auf der Mitte gegenüberliegenden Dörfchen Cainb über den Rhein gehen. Dort zwischeit den stecken Felswänden konnte der Gegner einen llebergang nm wenigsten vermuten. Auch erleichterte die unfern des rechten Ufers gelegene Pfalzhurginsel das Schlagen einer Brücke ganz ungemein. Doch hatte der bereits mit leichtem Treibeis gehende Fluß in dem engen Tale eine gewaltige Strömung. Bon den Truppen des Marschalls Marmvm, der ans dem anderen Ufer die vom. Rhein nach der Mosel führenden Straßen zu bewachen hatte, stand die nächste größere Mtei- lung stromaufwärts in Bacharach. Gegenüber Catch ivar nur eine Handvoll Zollwächter postiert. Um die Uebergangsstelle nicht vorzeitig zu verraten, wurde beit Einwohnern jeglicher Verkehr mit beut Lcgenüberliegenben Ufer verboten. Dagegen hatte man burch bie Schiffer bes Oertcheris eine Anzahl größerer Nachen hezchet- fchaffen lassen, aus beiten eine Abteilung zur Sicherung des Brücken? schlages gegen die französischen Wachen ober- und unterhalb ans das andere Ufer übergesetzt werden sollte. Auch ivaic eine Zwölk- pfüuder-Batterie am rechtete Ufer des Caubbaches am Silvesterabend bereit gestellt und hinter den Ruinen der Burg Gnteiriels waren vier schwere Geschütze aufgefahren.
Tiefer, trügerischer Friche im Rheingau. Da.s Rauschen des Stromes übertönt die leisen Geräusche der Vorbereitungen für den denkwürdigen, fast feierlichen Uebergang. Eine kalte, burch den Sternenhimmel leidlich erleuchtete Nacht. Noch ist das Jahr nicht zu Ende, auf dessen Schlachtfeldern das deutsch« Natwnal- ftefühl geboren wurde. Auf einer Wiicse östlich Caub hat ein Teil der Borcksche» Vorhut, der Brigade Hünerbeiu, die Geivehr- zusammengesetzt. Er» Teil ist schon im Torfe drin. Zumeist Brandenburger, Schlesier und Ostpreußen. Neun Bataillone, zwei Jägerkompagnien, elf Eskadrons unb zwei scchspfüuvige Bätte-- rieu. Endlich schlägt die Turmuhr in Eaub die zwölfte Stunde. Gerade reitet Blücher mit seinem Stabe au. der Brigade vorbei Ein kräftiges „Prost Neujahr" schallt zur Truppe herüber. Trotz streitgcn Verbots durchzittert ein vielfältiges Hurrah den Dal- grund. Tas Echo verhallt aber schon int Dörfchen, wo Borst mit dem Brigadegeneral etwas unterhalb eine KvMP-gvic' ost- preußischer Jäger aufftellt. Tenn schon werden oberhalb Eanb die russischen Lemwanbp-ontons ausgAadeu. Man sieht es den WrgettAnkte» Segeltnchbooten nicht au, daß sie eilte Brüche Mr alle Waffengattungen vorzüglich zu tragen vermögen. Sofort gehen.die russischen Pioniere an die mühevolle Arbeit, die Joche zu bauen, sie nach der Pfalziusel einznfahren und zir veraickevi. Ern Teil der Tauber Schiffer legt mit Hand an. Ein anderer Trupp treidelt unter erheblichen Anstrengungen die pnatnmew- gebre.^teu Kähne heran,


