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der Drescher beredeten den dritten, der ein etioas einfältiger Mensch war, dazu, zn rufen: „Irrwisch leucht wie Hawerstroh, komm ernt schmeiß mich blitzeblo". ,/Ean wäi ich des fad, do krag ich »wer drei SchM" erzählte hernach der Gefoppte. Das Irrlicht nannte man nuch das Geld-Feuer. Man nrnfpe ihm nachgehen und die Kohlen sammeln, diese wurden in der Tasche zu Geld.
(Fortsetzung folgt.)
Wa§ -Le Lschatüldscha-Armee erduldete.
Erst in künftigen Zeiten, wenn die Statistik die Geheimnisse des Balkankrieges erhellen Mag, wird die Welt einen wirklichen Einblick in dm Umfang der Leiden gewinnen, die die Tschataldscha- Armee in dm letzten Wochen und Monaten erdulden muhte und die beinahe die Schrecken der offenen Feldschilacht in dm Schatten stellen. Der in Konstantinopel weilende Italiener R. Larco hat von vielen türkischm Offizieren, die auf einige Tage nach der Hauptstadt beurlaubt waren, Einzelheiten erfahren, die er jetzt im Corriere della Sera veröffentlicht und die ein wahrhaft erschütterndes Bild von den Leiden und Opfern der Soldaten enthüllen. ...
Die ganzen Wintermvrmte über standen sich die Tschataldscha- Armee und das bulgarische Heer gegenüber. Es war leicht, in den Herbstmvnatm Gräben und Verschanzungen auszuheben; nnb sie mochten auch gegen die Geschosse des Feindes Schutz gewähren, nicht aber gegen die vernichtende Gewalt des unbarmherzigen Winters. Denn schnell verwandelte der Regen die Gräben und Schanzen in wahre Folterkammern, füHte sie mit Wasser und Lehm, und in diesen Sümpfen verbrachten die Trittchen nun Tag um Tag, fast bis an die Knie in Wasser und Schlamm stehmd. Was nutzte es, daß man diese Sümpfe zuzuschütten versuchte, daß man Steine, Reisig und Aeste herbeischleppte, um in ihnen wenigstens gehm zu Können! Die benachbarten Waldungen wurden mit Axt und Säge geplündert, mitten in die Gräben legte man Baumstämme, um eilten Halt für die Füße zit finden. Aber neue Regenmengen gingen nieder und vernichteten immer wieder die Früchte dieser Arbeit. Mit der Zeit begannen die Truppen die Verschan- zunaen mit hastig erbauten Dächern zu versehen, aber gegen das Wasser, den Wind und die Kälte blieb der Kampf vergebens. Schon im November begannen die Leiden, die berüchtigten Herbststürme kamen, von Tag zu Tag wuchsen die vom Himmel herabströmenden Wafserrnengen: doch die Soldaten mußten ausharren, kauerten Tag uM Tag vor Kälte zitternd und bis auf die Haut durchnäßt im Winde und konnten kaum rwch ihre Gewehre umklammern. Die Proviantwagen blieben int Schlamme stecken, es war nicht möglich, sie durch Menschenkraft weiter zu bewegen, Pferde versanken bis an die Brust in die überall sich bildenden Moräste; und ost waren die verzweifelten Anstrengungen, die diese frierenden, von Lehm und Schlamm unkenntlich gemachten Menschen unternahmen, vergeblich.
Und doch war diese Leidenszeit nur ein Vorspiel zu dem, was kommen sollte, zum Winter. Mrt ihm hielt stumm und unerbittlich der weiße Tod in die Gräben und Schanzen an der Tschataldscha- Linie seinen Einzug. Vom Schwarzen Meer herüber kamen die schneidenden Eiswinde, Nacht um Nacht erstarrte die Erde: und dann kam der Schnee und deckte alles mit seinem weißen Leichentuch. Immer tiefer versanken die Lagerstellen zwischen diesen weißen Gebirgen, immer größer wurde die Zahl der Menschenopfer. Man sah sich genötigt, den erschöpften Soldaten die Ruhezeit noch zu verkürzen, indem man die Vorposten und Wachttruppen stündlich ablöste. Mer keiner dieser schaurigen Wintermorgen dämmerte herauf, ohne daß Man dort draußen aus dem Schnee schwarze Gestalten auflas: Vorposten, Wachen und Soldaten, die erfroren waren. Und wen der weiße Tod verschonte, der sah sich langsam dahinsiechen. Tie Qualen und Entbehrungen dieses Winters machten sich an jedem Einzelnen fühlbar, von Tag zu Tag wurde Wan Matter, spürte, wie die Körperkräfte abnahmen und der äußerste Aufwand an Willenskraft keinen Ersatz bot. Tie Gesichter der Soldaten, die hier mit der Kälte und der Feuchtigkeit ein wortloses stummes Ringen durchlitten, nahmen mit der Zeit einen seltsam stumpfen, gleichgültigen und mutlosen Ausdruck an. Die geschwächten Körper boten deM Frost keinen Widerstand mehr; an den Füßen begann es, sie erstarrten, die Haut löste sich vom Fletsche: und dann kam der Augenblick, da jeder Schritt immög- nch geworden war. Jede Woche Mußten Hunderte und dann Tausende solcher Unglücklichen aus der Front entfernt werden; ite waren kampfunfähig geworden, Menschen, von denen kein Opfer Mehr zu fordern war. Ms die Ambulanzen überfüllt waren, begann man die Ueberzähligen nach Konstantinopel zu schaffen. Tort konnte man tn den späten Abendstunden und zur Nachtzeit, wenn die Straßen leer waren, den geisterhaften Zug dieser Aermsten ^"derztehen tehen: abgemagerte Gesellen mit trostlos dreinblickeu- den Augen, dte Man nach Kräften den Augen der Bevölkerung ent- zoguud möglichst unauffällig ht den Baracken und Krankenhäusern verbarg, rüdes Konstantinopel Karneval feierte
- n H es noch unmöglich, die Zahl dieser Opfer des Winters sestzustellen, aber m erngew.'ihteu Kreisen ist es kein Geheimnis,
daß Wett über 20000 Maun der Dschataldscha-Armee ass Opfer des Winters ans der Frorst kampfunfähig in die Lazarette überführt werden mußten. Vorher hatte die Cholera ihre 25 000 Menschen dahingerafft. Der Winter vollendet, was sie nicht öerp mochte. Wenn dereinst die Einzelheiten und die Zahlen über diesest Winter an der Tschataldfcha-Linie bekannt werden, wird die MensG- hett erschüttert diese grauenvollen Ziffern lesen, die von den Opfern erzählen, die diese unglückliche Armee im Kampfe mit höheren Gewalten ihrem Baterlande bringen mußte.
vermachtes.
* D i e Beredsamkeit des Taubstummen. Vor den Madrider Gerichten wird in diesen Tagen ein Prozeß verhandelt, bei dem der GerichtSsaal einen ungewöhnlichen Anblick bietet. Es handelt sich zwar um einen einfachen Ehescheidmigs- prozeß, aber alle Beteiligten, der Ankläger, die Angeklagte und der Mitschuldige sowie sämtliche Zeugen, sind taubstumm. Schon die erste „Bernehmung" brachte eine Fülle von ungewohnten Zwischen» fallen unb der Gerichtsschreiber geriet bei der Abfassung seines Protokolles in nich' geringe Verzweiflung, da von der Vernehmung wirklich wenig zu „vernehmen" war. In aller Eile ließ das Gericht eine Anzahl Lehrer von der Taubstummenanstalt komme», die dann als Dolmetscher fungierten und die Gebärdensprache der Prozeßbeteiligten übersetzten. Dabei kam es zu einer Aussage, die fast tragikomisch anmuten mußte, wenn man die heftigen und seltsamen Gesten beobachtete, mit denen die Taubstummen ihre Redekämpfe vor Gericht auSzntragen suchten. Als man die Angeklagte fragte, wodurch sie dazu gekommen sei, ihrem Alaune die Treue zu brechen, erklärte sie zur begreiflichen Verblüffung aller Anwesenden mit Hilfe des Dolmetschers, daß sie schließlich der „unwiderstehlichen Beredsamkeit" ihres taubstummen Liebhabers erlegen sei und daß seine „bezaubernde poetische Sprachweise" sie vollkommen fasziniert habe. Also auch die Gebärdensprache der Taubstummen unterliegt der inspirierenden Kraft der Liebe und ist schwungvoller, hinreißender Redewendtmgen unb kühner phantasievoller poetischer Gleichnisse fähig.
* Suggestion. A. . .. überhaupt alles, was Adler heißt, hat bei mir den Vorzug, ich esse nur Adler-Schokolade, benutze Adler-Blei, schreibe mit Adler-Maschine auf Adler-Papier, fahre ein Adler-Rad ... — B. (spöttisch): Stehen Sie denn so unter dem Einfluß Ihrer Nase?
* Klein-Els chen (das den schwerkranken Großvater besucht hat): Großmutter, Großpapa gefällt mir gar nicht. — Großmutter: Mir schon lange nicht, Kind, aber sterben tut er trotzdem nicht.
Büchertisch.
— Neuerscheinungen der U niv e r s a l - B i b l io - thek. Nr. 5511. 5512. Gedichte in oberbaherischer Mundart. Bon Franz von Kobell. Ausgewählt und mit einer Einleitung, Erläuterungen und einem' Wörterverzeichnis herausgegeben von Früh Gundlach. In Leinen —,80 Mk. — Nr. 5513. Ter Rubin und andere Novellen. Von Friedrich Hebbel. Inhalt: Ter Rubin. Matteo. Herr Haidvogel und feine Familie. Anna. Pauls merkwürdige Nacht. Die Kuh. 'Der Schneidermeister Nepomuk Schlägel auf der Freudenjagd. Eine Nacht im Jägerhause. — Nr. 5514. Meister Olaf. Schauspiel in fünf Aufzügen. Bon August Sttindb'erg. Einzig autorisierte, vom Autor durchgesehene Uebersetzung von E. Brausewetter. — Nr. 5515. Peter Lenz und andere Geschichten. Von Hans Ludwig Rosegger. Inhalt: Peter Lenz. Das große X. Ter Geistesblitz. Petar Srinski, der Held! 'Der Egoist. Das billige Zimmer. Der Bankraub. Der enge Rock. Reklame. Die Natur ist bankrott. — Nr. 5516. Lachende Erben und andere Novellen. Von El-Correl. Mit einem Bildnis der Verfasserin. Inhalt: Lachende Erben, lieber» m'enschen. Die Tragödie des Weibes. Im Blütenschnee. Die Nachfolgerin. Das möblierte Fräulein. Engel. — Nr. 5517 bis 5520. Die Freiheitskriege 1813—1815. Von Ludwig Häusser. Neu herausgegeben von Dr. Max Mendheint. Erster Band: Der Frühjahrsfeldzug von 1813. Mit zwei Planen. In Seinen 1,20 Mk. Inhalt: Vorwort. 'Die Erhebung in Ostpreußen. Preußens Bruch mit Napoleon. Der Feldzug im Mai 1813. Die Waffenruhe.
vsrsteckrätsel.
Aus jedem der folgenden Wörter sind der Reihe »ach zivei zusammeuhängende Buchstaben zu entnehmen, so daß sich daraus ein Sprichwort ergibt.
Buchenwalde — Holzwolle - Duwal — Schiefertafel — Glühlicht — Fastnacht — Jagdhund — Wiege — Sudermann — Hand- wörterbuch.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Charade in voriger Nummer: I a p a n.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gießet


