Ausgabe 
30.6.1913
 
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nassen Wiesen bildet, ein; ganz- düster tefien fte aus, ihre Haut ist krankhaft aufgetrieben, und wie aus Lebensüberdruß knurren und grunzen sie. Tritt man an den Rand des Gewässers, dann rudern sie eilig dem tiefen Wasser zu, jedes Weibchen trägt auf seinem Rücken einen Freier, der sie krampfhaft umklammert hält. Wohl einige Wochen bleiben die Pärchen vereint, dann zerstreuen sie sich wieder weithin, und in den Tümpeln liegen die mächtigen Gallertkugeln, der Froschlaich. ,

Die graue Erdkröte macht sich nur wenige Tage spater ans Laichgeschäft, doch liebt sie mehr fließende, pflanzenbewachse,re Gewässer, wo sie ihre Eischnüre absetzt. Wie sich die Eier entwickeln, das weiß jedes Kind, jedermann kennt die dicken Kugeln mit dem Ruderschivanze, die Kaulquappen, die zunächst mit einem hornigen Schnabel winzige Tierchen uiid Algen von den Blättern der Wassey- pflanzen abschaben, ehe sie Hinterbeine, später Vorderbeine kriegen, und dann das Wasser mit einem Stummelschwänze verlassen, der allmählich schwindet, aufgelöst und nicht abgeworfen wird, wie man mitunter hört. Bekannt ist das massenhafte Auftauchen der winzigen Kröten und Frösche, die im August mitunter die regen- nassen Landstraßen entlang hüpfen; daß m'an glauben könnte, sie wären mit dem Regen vom Himmel gekommen, tft bei diesem Massenaufgebot leicht zu verstehen.

Haben Grasfrosch und Erdkröte gelaicht, dann finden stch auch die anderen Braunsrösche, der sehr seltene Springfrvsch und der zur Laichzeit blau bereifte Moorfrosch, -im Wasser ein. Ist eS noch wärmer, dann macht der Laubfrosch seine Liebes'zeit durch; int Mai und Juni findet sich die Kreuzkröte im Wasser ein und singt ihr Liebeslied, das dem des grünen Baumfrosches ziemlich ähnlich klingt. Im April erschallt das ziemlich laute wock-wock der Knob­lauchskröte im Weiher, zur gleichen Zeit auch der eigentümliche Gesang der,,Triller"-kröte, unsrer schönen grünen oder Wechsel­kröte, die auf fast weißem Grunde mit moosgrünen, Verztveigten Flecken und flernen roten Tupfen gezeichnet ist. Als letzter kommt der grüne Wasserfrosch auf Liebesgedanken. Zwar schreit er schon früher, seine schmetternden, krächzenden, quakenden Lieder können einem fast die Freude am Wandern in wasserreichen Gegen­den rauben, so daß Man dem schmucken Gesellen, wo er massenhaft auftritt, nicht sonderlich hold ist. Auch der Fischereibesitzer hegt wenig zarte Regungen für den Wasserfrosch in seiner Brust, da er ihn sehr im Verdacht hat, manches junge Fischchen im Brutteiche zu verzehren. Feinschmecker aber wissen seine zarten Schenkel zu würdigen und der junge Zoologe wird an seinem Leichnam in die Tiefen seiner Wissenschaft eingeführt.

Die paarungslustigen Frösche und Kröten bieten in ihrem außerordentlich heftigen Triebleben oft ein wenig anziehendes Bild. Nicht selten werden z. B. Krötenweibchen von mehreren Männchen umklammert und müssen ersticken, weil sie nicht Luft holen können. Dabei ist die Paarung eine rein äußerliche, so daß miau diesen Aufwand von Gefühl eigentlich nicht recht begreift. Die Molche, ferner die Salamander, der.Feuer- und der Algensalamauder stehen in dieser Beziehung in einem recht erfreulichen Gegensatz zu ihnen. Hier ist zwar die Begattung eine innere, aber sie geht so zart, so dezent vonstatten tote sonst nirgends im Tierreiche. Nach einem langen, ungemein reizenden und anmutigen Liebesspiele setzt das Männchen seine Zeugungsstoffe in Form eines kleinen Paketchens aus einem Steine oder einem Pflanzenblatte ab, und das Weibchen nimmt dieses Liebespfand des Männchens in seine Kloake auf, die Begattung ist vollendet. Dann legt es bei den Molchen seine Eier einzeln ent Pflanzen ab oder bringt beim Feuersalamander eine Aw- zahl lebender, kiementragender Larven zur Welt oder gebiert gar beim Algensalamander nur zwei Junge, die auf dem Lande leben, also fern voM Wasser zur Welt kommen können, da sie bereits die menten verloren und Lungen ausgebildet haben, wie es für Gebirgstiere, denen keine Tümpel zttr Berfligung stehen, ungemein praktisch ist.

Vermischtes»

kf. D e r g r a u e Z y l i n d e r h u t. Seit vielen Jahren ist der graue Zylinderhut das unbestrittene Vorrecht älterer Herren ge­wesen, die an der Mode ihrer jungen Tage getreulich festhielten, obwohl die neue Zeit von ihr nichts mehr wissen wollte. Aber mehr, als für irgend etwas anderes, gilt für die Mode das fran- zösische WahrwortTont revient" und jetzt ist der Tag ge­kommen, wo der vernachlässigte graue Zylinderhut wieder in seine alten Ehren einrückt und die Gunst der Mode sich ihm zuwendet. Mft kurzen Worten gesagt: in London, das ja in Sachen der Herrenmvde nach wie vor die führende Stellung einnimmt, ist der graue Zylinderhut als der vornehme Hut der Herrenmode des Sommers ausgerufen und anerkannt worden. Die Rennen zu Aseot, die in der verflossenen Woche stattgefunden haben, haben den Triumph des grauen Zylinders vollendet: die ganze vor­nehme Herrenwelt sah man graue Zylinder tragen. Der graue Zylinder der Sommermode ist aber nicht aus Seide, sondern aus Filz, also erheblich leichter und für den Sommer geeigneter, als der übliche schwarze Zylinder. In der Form schließt er sich sonst denr letzteren durchaus an, und er wird mit einem silbergrauen Bande gefaßt. Daß der graue Zylinder jetzt so plötzlich, gleichsam

über Nacht, die vollkommene Gunst der Mode erringen konnte, das hat wohl darin seinen Grund, daß grau überhaupt die durch' gehende Modefarbe der Herrenkleidung dieses Sommers ist, Bon den Gamaschen bis zum Hute regiert dieall-grey"-Mode mit un­umschränkter Gewalt, und zwar sind es vor allem glatte und leichte graue Stoffe ohne alle Musterung, die bevorMgt werden. So bildet der graue Zylinderhut gewissermaßen die Krönung der grauen Sommermode des .Jahres, und der alte Geschmack des Königs Eduard, der im Sommer immer gern zum grauen Zylinder gegriffen hat, wird von der Mode jetzt wieder ausgenommen.

* 23om lustigen Onkel Sam. Das Opfer.Ist es nicht sehr peinlich für Sie, aus diese Weise Ihren Lebensnnterhalt verdienen gn müssen?" fragte die mitleidige Fran die Dame mit dem Bart im Panoptikum, als sie bei ihr eine Ansichtspostkarte kaufte.O ja," antwortete die Dame mit dein Bart seufzend, wenn es nicht für Fran und Kinder wäre, würde ich das nicht um alles in der Welt tun." Der Hungerstreik.Was ist denn bei Ihnen zu Hause los?"Hungerstreik wegen eines neuen finites."Was, Ihre Frau weigert sich zu essen?"Rein, sie weigert sich zu kochen." PechMein alter Barbier ist aus der Stadt sortgezogen."Und deswegen sind Sie so traurig ?"Ja, sehen Sie, er wollte mir die ganzen letzten 15 Jahre durchaus ein Haar­mittel verkaufen, und jetzt hatte ich ihn so weit, daß er das aufge­geben hatte. Nun muß ich mit dem neuen Mann wieder von vorn anfangen." D i e seine Schule.Wie gefällt es Ihrer Tochter auf der seinen Schule, auf die Sie sie schicken?"Oh, sehr gut, aber sie klagt, daß sie feine Zeit zum Lernen hätte."

Mode-Rundschau.

Die Hemdblusen erfreu ensichwiedergröße- r er Beliebtheit. Sie ist unverwüstlich, die guie Akte, immer wieder taucht sie aus der Altweibermühle als etwas neues auf und immer ist ihre entzückende Einfachheit von kleidsamster Wir­kung. Die Hemdbluse ist es, die bald ein Jubiläum von vielen Jahren feiern dürfte, denn sie ist immer Meder unentbehrlich. Diesmal haben sich als Aenderung die Aermel verkürzt und was früher anstößig war, gilt heuer als sehr fein: der Dreiviertel-' Aermel bei der Hemdbluse, freilich haben diese Aermel gewöhnlich eine Stulpe. ____________

Jugendtrau«..

Als Knabe stand ich träumend So oft am klaren Bach, Ichflah dem Wellenschimmer Und sah den Wassern nach. Ein Blatt das tanzte lustig Wohl mit den Wellen bitt Und grüßte froh die Blumen, Tie still am Ufer zieh'».

Tas Blatt entfloh von dannen Ins frühlingsbunte Tal, Da faßte mich der Sehnsucht Verführerische Qual.

Wär' ich ein Blatt und siele Doch an der Welle Brust, Ich flöge hin zum Meere Zur sturmes rohen Lust.

So bin auch ich geschtvommen Wohl in des Lebens Meer, Ein Blatt votn Blütenwipsel Silit seligem Begehr.

Wie gerne inöcht' ich fliehen Wohl ans des Meeres Schaum Zurück zmn stillen Wtv'el Zu meiner Jugend Traum.

--Heinrich Jun g.

viamantiMel.

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Auslösung

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In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben aaaceeggg iiii 111111 prstuy derart einzutragen, daß die ivagerechten Reihen folgendes bedeuten:

1. Einen Buchstaben.

2. Geographische Bezeichnung.

8. Feldherr« des 30jähr. Krieges.

4. Einen Astronomen.

5. Römischen Staatsmann.

6. Waffe der alten Tentschen.

7. Einen Buchstaben.

Die senkrechte und tvagercchte Mittel« reihe eraeben das Gleiche.

in nächster Nummer.

Auslösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: N a ch t w ä ch t e r.

Redaktion: K. Neu rat h. Rotationsdruck und Verlag der Briiyl'schen Uiiiversitäts-Bnch- und Steindruckerei. R. Lange, Greben.