Ausgabe 
30.6.1913
 
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Die Aammenzeichen rauchen.

Roman aus dem Jahre 1813

von Max Karl Böttcher-Chemnitz.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Ein Offizier trat an Wuchers Wachtfeuer.Du kannst reiten, hört' ich, Wintzer?"

Jawohl, Herr Hauptmann!"

Ra, Gott sei Dank, endlich einer! Kennst du noch einen, der es kann?"

Jawohl, der Freiwillige Meinig aus Heidehorst!" Wo liegt er?"

Am übernächsten Wachtfeuer, Herr Hauptmann!" Komm mit!"

Nachdem sie den Freiwilligen Meinig gefunden hatten, denselben, den Wintzer ain gestrigen Abend getroffen und nach den Freunden gefragt, erklärte der Hauptmann die Sachlage:Unsre Konipagnie, verstärkt durch einen Zug der vierten, liegt am weitesten rechts und hat die Aufgabe, das kleine Wäldchen dort, an welches sich ein elender Sumpf anschließ,r, besetzt zu halten und so die ganze Flanke der Armee zu sichern. Eine schwierige Aufgabe für eine Handvoll zum Tode erschöpfter Menschen! Der Sumpf jenseits des Waldes erleichtert allerdings die Sache wesent- lich, da der Feind von dieser Seite nur durch einen Hohl­weg kommen kann, der dort zwischen deir beiden Hügeln mündet. In der Nacht kam nun ein Meldereiter vom Ober­kommando und meldete mir: Bei Sonnenaufgang hat eine reitende Gesechtspatrouille in die Gefilde westlich der rechten Flanke vorzudringen, um eine etwaige Annäherung des Feindes zu erkunden, der sich nach Meldung unserer Ka­vallerie gesammelt und durch kräftigen Zuzug gestärkt von neuem zum Vorgehen anschickt. Ich habe keine Kavallerie, mutz aber unbedingt den Befehl ausführen, also muß ich mir selbst Kavallerie bilden. Du, Wintzer, nimmst mein Dienstpferd, und du, Meinig, meinen Reservegaul! Aber Vorsicht! Ihr reitet am Walde hin, umreitet den Sumpf und dann erklimmt den Patz rechts neben der Schlucht seht, die sich drüben rechts des niedrigen Gebüsches' nach Süden zu erstreckt! Dort müßt ihr einen famosen Aus­blick ins Gelände haben. Wenn ihr das Geringste vom Feinde wahrnehmt, kommt einer zurück und meldet. Der andre bleibt und beobachtet die Bewegungen des Feindes. In spätestens drei Stunden müßt ihr zurück sein. Los!"

Ptzul Wintzer verbarg sein Gewehr unter einem Busch desgleichen Weinig. Dann steckten sie die beiden Reiter- Pistolen, die ihnen ein Sergeant reichte, zu sich und be­stiegen die Pferde. Des Hauptmanns Dienstpferd bäumte sich auf, und da Paul Wintzer keinen Halt in den Bügeln hatte, weil er mit seinen breiten Gamaschenstiefeln gar nicht tu die schmalen Steigbügel fahren konnte, rutschte

er rückwärts vorn Pferde und fiel ins Gras. .Aber rasch entschlossen sprang er wieder auf den Gaul und zwang ihr. durch seinen Schenkeldruck zum Gehorsam. Nun ritten sie fort.

Immer stiller ward es um sie. Die Stimmen des Bi­waks verklangen mehr und . mehr, und nach fünf Minuten hörten sie nur noch das Raunen der Baumkronen und den Gesang der eben erwachenden Vögel. Weit, weit hinter ihnen blitzte es auf, erst zaghaft und selten, dann immer heftiger, und dazu ertönte dumpfes Surren und Brummen durch die Luft. Das kam von den Anhöhen der Sand- und Heidehügel, die ihnen gegenüberlagen. Doch nein, der Schall kam mehr seitwärts, also von ihrer eignen Geschützabteilung, die nun ihre Eisenstücke in die Reihen der wieder vor gehen de. Franzosen schleuderte.

Die Sonne schien wieder zur Ruhe gehen zu wollen. Graue Nebelschleier schoben und drängten sich am Himmel, und ganz, ganz seiner Regen sickerte hernieder.Bei sol­chem Nebel soll ein Mensch was sehen und erkunden," sagte Paul Wintzer und hielt sein Pferd an. Er drehte sich um und suchte seinen Kameraden. Der hatte sich weiter nach rechts gewandt und rief ihm zu:Wintzer, ich werde mal hier ain Sumpfe entlang reiten, drüben anr Buschsaum treffen wir uns wieder!"

(So ritt Wintzer allein über die Heide. Sein Geist war wach und rege, sein Körper matt und siech. Gestern elf Stunden marschiert und gekämpft, in vergangener Macht kaum drei Stunden Schlaf, dazu nichts im Magen als etwas schwarze Brühe, die mau Möhrensuppe nannte, und ein Stück schwarzes, nasses, klitschiges Brot! Er dachte jetzt wieder an sein Heimatsdörfchen, drei vier Stunden in feinem Rücken. Ach, wäre doch dieser Bonaparte nie geboren! Da könnte er jetzt zu Hause sein bei der alten- guten Mutter, könnte jetzt vielleicht durch den Schloßpark wandern, vielleicht, daß er Gisela träfe. Da fuhr er zu­sammen und reckte sich mit aller Kraft stramm aus, und halblaut sagte er zu sich selbst:Pfui, Paul, das waren schlechte Gedanken und eines Soldaten nicht würdig!"

Er stieg vom Pferde und streckte beide Hände tief sn die taufeuchte Heide und strich sich dann mit den nassen Händen über Augen und Stirn. O, das kühlte und tat gut. Er führte das Roß am Zügel und schritt dem Busch zu.

Da, was war das?! Ein Ruf ein Hilferuf, rechts von ihm.Wintzer Wintzer Kamerad Wintzer!" Wer leise erstickend.

Und er blieb stehen und lauschte. Wieder der Schrei, heiser und doch markerschütternd. Und nun -ein dumpfes Stampfen und Plantschen und «ngstersülltes Pferdewiehern! Da schoß ihm der Gedanke durch den Kopf: Der Sumps der Sumpf!

Er schwang sich auf fein Pferd, hieb das müde Tier, das tags zuvor raput geritten worden war, mit der Faust in die Weichen und jagte nach dem Morast. Und was er da sah, ließ ihn ergrauten: Mitten im Sumpfe zwei kämp-