Ausgabe 
30.4.1913
 
Einzelbild herunterladen

268

ivcnit auch gcii>ö()it(id) ctiifjctiHL>citt(ic[) langsam. Die Chemie kennt nur zwei Mittel, trüge verlaufende Reaktionen zu beschleunigen: Temperaturerhöhung (die hier nicht in Frage komPt) und die sogenannte Katalyse. Es hat sich nämlich. gezeigt, einige Stoffe, wenn sie in geringer Menge den reagierenden Stoffen, bei- gemengt werden, die Reaktionsgeschwindigkeit außerordentlich be­schleunigen. Die Katalysatoren, wie man diese Stoffe nennt, kann man mit dem Oel vergleichen, das zum Schmieren von Maschinen Verwendung findet. Bei gleichenr Kraftaufwand dreht sich die gut geölte Maschine viel schneller, weil die Reibung geringer geworden ist. Die wunderbaren Lebensprozesse beruhen alle auf 'solchen, meist bisher unbekannten, katalytischen Wir­kungen. .. c , r , . , , . L ...

Die Derbrennungsprozme werden bewnders durch feinverteilte Pkatinmetalle (Platin, Palladium usw.) beschleunigt. Einige Gas­anzünder besitzen als wirksame Substanz Platin. Das ausströ­mende Gas will sich mit dem Sauerstoff der Luft vereinigen, die Geschwindigkeit dieser Vereinigung ist bei gewöhiilicher Temperatur jedoch so außerordentlich gering, daß man nichts davon bemerkt. Hält man aber den Anzünder über das ausströmende Gas, so wird die Verbrennung sofort so stark beschleunigt, daß es zu einer Entzündung kommt. Dadurch wird die Temperatur der­artig gesteigert, daß nun die Verbrennung auch ohne den Ka­talysator mit großer Geschwindigkeit vor sich geht.

. Das neue Entfettungsmittel beruht nun auf einer Beschleuni­gung des Verbrennungsprozesses im Körper durch ein Platin- metäll, und zwar besonders durch Palladium, das in löslichem Zustand ins Blut gespritzt wird. Es sind bereits viele Versuche mit dem neuen Mittel angestellt. Kurze Zeit nach der Ein­spritzung trat Fieber auf, wenn die behandelte Person sich be­wegte. In der Ruhelage findet diese Nebenwirkung nicht statt, es besteht viÄmetzr ein aiisgesprochenes Wohlbehagen. Es wurden erhebliche Gewichtsabnahmen festgestellt, ohne daß der Patient sich int Essen oder Trinken irgend welchen Zwang unterwerseii mußte. _ r. i r _

Die Versuche über diesen Entfettungsprozeß smd noch nicht abgeschlossen. Es ist aber vorauszusehen, daß Tie von außer­ordentlicher Bedeutung für alle die sein werden, die durch über­mäßige Fettpolster in allen'Lebensäußerungen behindert werden.

vermischter»

Ick. Der Sieg der Brünetten. Wissenschaft und Hand- werk erklären übereinstimmend, daß die Brünetten einen glänzen­den Sieg über die Blonden davongetragen haben. Von einem Siege konnte man freilich eigentlich nur bann reden, wenn vorher von einem Kampfe die Rede ivar, was nicht der Fall ist, aber die Beobachtungen der Aerzte und der Haarkünstler stimmen darin überein, daß in Paris der Typus der Blondine im Aussterben be­griffen sei und daß statt dessen die Brünetten die Herrschaft an sich geriffelt hätten. Die Friseure können sich hierüber wohl ein Urteil erlauben. Wenn, wie sie behaupten, niemand mehr ihre ver­schiedenen Haarwasser zum Hellerfärben des Haares kaust, wird es wohl richtig sein, daß der Geschmack der Mode gegenwärtig braunes Haar oder kohlschwarze Rabenlocken vorzieht. In den Pariser Theatern kann man Beobachtungen machen, die sich mit denen der Fachleute decken: die Blonden unter den Frauen sind wirklich selten geworden. Ehemals waren sie so zahlreich, daß eS fast ein Dutzend bekannte Nuancen der hellen Farbe gab, rötliche, weizenfarbene, aschblonde, tizianrote,mondscheinfarbene" und Maryland". Maryland war übrigens ein Blond, daß feinen Namen der bekannten französischen Tabaksorte verdankt. Die Lieb­haber blonder Köpfe sind nun einigermaßen betrübt darüber, daß ihnen der Anblick zahlreicher Blondinen wenigstens auf einige Zeit nicht vergönnt fein wird. Allein sie rechnen darauf, daß dem Sieg der Brünetten über kurz oder lang eine Rückkehr zum blonden Typus folgen wird, daß die, die sich jetzt dunkel färben, später roteber ihr natürliches Blond tragen werben und daß auch die von Natur Dunklen sich wieder zu den Entfärbungsmitteln bekehren werben. Sie verlassen sich dabei aus Murelien Scholl, der vor einigen fünfzig Jahren den Ausspruch getan hat:Den Männern des grauen Nordens hat Gott die Blondinen gegeben, damit sie ihnen die fehlende Sonne ersetzen."

* Possenspiel. Wie der Schabernack bett Schelm im Nacken hat und un8 nicht recht erkennen läßt, woher er eigentlich stamme, so treibt auch das Possenspiel seinen Possen mit uns: sieht fo gut deutsch auS und stammt doch aus dem Französischen. Sehr wahrscheinlich wenigstens, ganz Gewisses weiß man auch hier nicht zu sagen. Im älteren Neuhochdeutschen bedeutet Posse nämlich Zierat, Beiwerk, und so nimmt matt an, daß es mitkassieren" ziisammenhange, daserhabene Arbeit machen" gebeutet. Im 8ahre 1561 werden Scherzfiguren an BrunnenPossen" genannt, o soll das Wort zu der Bedeutung Witz, Streich, Schelmerei ge­kommen Jein, Da? wäre also eine recht possierliche, aber nicht unmögliche Entwickelung bet Bedeutung.

* Die.Höchsts BotenA. Böttchermeisters Aeltester bringt W u>ld dtz ft et ne Beiträge trt Zeitschriften ltrtw. Darob ist nun der stolze Batet schier aus berrt Häuschen und prokla^-

stnert 'feinen Sprößling am Stammtisch als ein kommendes Genie. Einige Herren glauben nun doch diesen GnthusiqSmius etwas dämpfen W muffen. Sie meinen, zu einem Vergleich mit bat großen Klassikern feien denn doch des Jungen Arbeiten noch nicht geeignet.Warum nicht?" fragt gereizt der Papa, Gewiß, Goethe und Schiller haben gute Verse gemacht. «WH« das waren einfache Reime mein .Junge macht Schüttelreime!"

* Homer st u nd e.Gagen walchen Paragraph bet Aeugle Mannfchen Gramsttäk hat säch hier Homär versAhlt?

viichertisch.

Neuerscheinungen in Reelams Universal* Bibliothek. Nr, 65315528. Bücher der Natur»! Wissenschaft, herausgegeben von Professor Dr. Sigmund Günther. 16. Band: Prof. Dr. H- Wieleituer, Schnee und Eis der Erde. Mit 16 Tafeln und 26 Abbildungen im Tert.. Inhalt: Vorwort. 1. Schneefall. Schneedecke. Firnliuie. 2. Firn. Lawinen. Büßerschnee. 3. Pas Gletschereis. 4. Die Gletscher. Historisches. 5. Arten und Vorkommen der Gletscher.^ 6.^ Tie Bewegung der Gletscher. 7. Die Abschmelzung. 8. Di« Moränen. 9. Spalten. 10. Schichtung und Bänderung. 11. Di« Schwankungen der Gletscher. Gletscherkatastrophen. 12. Die Eis« formen der Antarktis. 13. Die Eisberge. 14. Das Meereis. 15. Wirksamkeit der Gletscher. Die Eiszeit. Ich. Eisboden. Eis­mulden. Steineis. Eishöhlen. Register. Nr. 5524. Fest­spiele. Siebentes Bändchen. Gesammelt und herausgegeben von Georg R. Kruse. Inhalt: Theodor Körner in Leipzig, r: An mein Volk. Die heilige Nacht. Die neue Zeit. Nr. 5525. Ludwig H äusser, Dje Völkerschlacht bet'Leipzig 1813. Neu herausgegeben von Dr. Max Menoheim. Mit einem Bild und zwei Schlachtplänen. Kart..30, in Seinen Mk..60. Nr. 5526. Zeitgenössische Berichte über die Leipziger Schlacht vom 16. bis 19. Oktober 1818. Zusammengestellt und erläutert von Prof. Dr. Otto Eduard Schmidt. Mit einem Bild und einem Schlachtplan. Kart. Mk..30, in Seinen Mk..60. Inhalt: Einleitung, -r Was wjr erlebten im Oktober 1813. Bon Auguste Vater au8 Seifertäljain. Aus dem Bericht des Pfarrers Dr. Hahn in Plaußtg. Bericht des ehemaligen Postillions Gabler, der den Kaiser Napoleon während der Leipziger Schlacht geführt hat. Aus dem Bericht des Oberstadtschreibers Werrter in Leipzig._ Nr. 5527. Fritz Fried maun-Frederich, Gemütsmenschm ! Schwank in drei Auszügen. Sousslierbuch nach der Aufführung am Residenztheater zu Berlin. Mit zrvei Deko- rationspläiiett.- Nr. 5528. 5529. Berthold Auerbach, Joseph im Schnee. Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte. Mit einer Einleitung von Dr. Eugen Wölbe. In Seinen Mk..80. Nr. 5530. Gustav Hochstet ter, O-Zug-Geschichteu. Hu­moresken. Inhalt: Das Ü-Zug-Telegramm. Däs Eoupö mit dem Kind. Das neue Kursbuch. Das mikroskopisch« Schnitzel. Der Hund von Friedenau. Das Goldbergwetk in Wilmersdorf. Die teuren Radieschen. Huhu! Mei» Sklave, der Gerichtsvollzieher. Der Mostrichlöffel. Die drei Idioten. Die rettende Vergiftung. Die stürmisch« Operette. Der tragische Film. Das Fräulein mit beit drei Stellen.

Schach-Ausgade.

Schwarz,

abcdetgh

abcdetgh

8

6

6

5

5

3

3

2

2

Weiß.

Weiß fetzt mit dem vierte» Zug« Matt. Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Charade in voriger Nummert H e s t p s l a st e r.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen ÜniversitätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gieb«2