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Portwein nach dein Essen trinken konnte, pflegte ich in ihrem Salon Zuflucht zu suchen, wo sie Abend- für Abend anf der Harfe Melte, und ich heimische Lieder dazu sang. In jenen stillen stunden fand ich Trost in dem Unglück, das mich überkam, wenn ich an mein Regiment dachte, das nun dem Feinde gegen überstand ohne den Führer, den es zu lieben und dem.es zu folgen gelernt hatte. Wahrhaftig, ich hätte mir die Haare ausraufen mögen, als ich m den Zeitungen von den schönen Schlachten in Portugal und Spanien las, an denen ich nicht teilnehmen tonnte, weil ich unglnckseligerweise dem Lord Wellington in die Hände gefallen war.
™ .)Kach dein, lvas ich Ihnen von der Gräfin erzählt habe, Megieurs, werden Sie sich schon denken können, wie's kam. Itienne Gerard in der Gesellschaft eines schönen, jugendlichen -ldoibes! Was bedeutete das für sie, lvas für mich? Es kam mir, dem Gast, dein Gefangenen, nicht zu, um die Liebe der Schwester meines Gastgebers zu werben. So verhielt ich! mich reserviert und diskret, versuchte meine eigenen Gefühle zu verbergen und ihre medettuhalten. Was mich betraf, so glaube ich mich doch verraten zu haben, denn je verschwiegener der Mund ist, um so beredter sind die Augen. Das Zittern meiner Finger, wenn ich die Noten um- blatterte enthüllte ihr mein Geheiinnis. Aber sie — sie benahm ftch wunderbar. In dec Kunst der Verstellung der Liebesangelegcn-
«ftn*? J®ei6er überhaupt großartig. Wenn ich ihre innersten Gefühle nicht gekannt hätte, so hätte ich manchmal denken können, daß sre meine Existenz im Hause ganz und gar vergessen hätte, stundenlang wß sie zuweilen bo, in schwermütige Träumerei versunken, wahrend ich ihre blassen Züge und ihre Locken im aampenscheiu belvundertc, und ein eigenartiges Erzittern durch meine Glieder ging bei dem Gedanken, daß ich sie so tief bewegt hatte. Wenn ich sie dann schließlich anredete, pflegte sie vom Stuhle auszusprmgen, und so zu tun, als ob sie meine Au- welenheit un Zimmer vollkomimm überraschte. Ach! nne gerne Ijorte td) nur ihr zu Füßen geworfen, ihre zarte, weiße Hand slfuußt und ihr erklärt, daß ich ihr Geheimnis kannte, und daß lch ihr Vertrauen nicht mißbrauchen lvürde. Aber nein, ich war mast ihresgleichen, ich war nur «in verbannter Feind, der ihre Gastsreuudichast genoß. Mein Mund blieb stumm. Ich bemühte mich, ebenso wunderbar wie sie selbst Gleichgültigkeit zu simulieren, aber, wie Sie,ich denken können, Messieurs, wartete ich,sehnsüchtig auf eutc günstige Gelegenheit, ihr dienen zn können.
Eines Morgens war Ladh Jane in ihrem Wagen nach Okehampton gefahren, und ich wanderte dieselbe Straße, um ihr vielleicht auf dem Rückweg zu begegnen. Es Ivar int Spät- Urbst- ui® absterbende Farrenkräuter neigten sich von beiden Zeiten hernieder auf die gewundene Chaussee. Es ist 'ne öde Gegend, dieses Dartmoor, wild und felsig — ein Land der m und Nebel. Als ich so dahinschlenderte, überkam mich das Gefühl, daß der Spleen der Engländer eine durchaus begreifliche Erscheinung „ifh Ich selbst war schwermütig und trüb- flnntg. Ich setzt« mtch auf einen großen Stein etwas abseits vom Wege und schaute auf >ie. melancholische Landschaft; be- Iinruhigeiide Gedanken und schlimme Ahnungen durchzogen mein Gemüt. Da, während ich noch saß. und auf den Weg hinuntey- starrte, bot sich meutern Auge plötzlich ein Anblick, der alle anderen Gedanken verscheuchte und mich mit einem Schrei des staunens und Aergers aufspringen ließ.
Um eine Kurve herum und bergab kam «in Phaeton, und er Pony davor fauste in rasendem Galopp. In der Chaise °l.e Dame, der ich so gern einen Dienst erwiesen hätte, sie hieb ans das Tier «in wie jemand, ^der einer dringenden Gefahr entrinnen will, und drehte sich alle Augenblicke um. Infolge der Krümmung des Weges konnte ich nicht sehen, was ste so sehr beunruhigte. Ich lief vorwärts, ohne zu wissen, was meuter wartete. Im nächsten Moinent zeigte sich mir der Verfolger, und meine Ueberraschung wurde noch größer, als ick) auf einem hohen Schimmel den roten Rock eines englischen Fuchsfagers erblickte Er galoppierte wie auf einem Rennen, und das hochbeinige Vollblut, das er ritt, hatte bald chaS fliehende Fuhrwerk eingeholt. Ich sah, wie er anhielt, dem Pony in
die Zugel siel, und ihn zum Stehen brachte. Gleich darauf
befand er sich in erregtem Gespräch mit der Dame. Er beugte Uw 'm Sattel nach ihr und redete eifrig auf sie ein, während sie sich zuruckbog, als ob sie sich vor ihm fürchtete und nichts von ihm. wtfsen wollte.
Sie können sich vorstelleu, mes chers amis, daß ich nicht die Natur war, eine solche Szene ruhig anzusehen. Oh, wie schlug mir das Herz bei der Aussicht, jetzt eimnal die Gelegenheit zu haben, der Lady Jane ein eit Dienst leisten zu können! Ich raunt« — oh, heiliger Himmel, tote ich rannte! Endlich erreichte ich, außer Atem Ind ohne ein Wort sprechen, zu können, den Schauplatz., Der Reiter warf mir aus seinen blauen englischen Angen einen Blick zu, schenkte mir aber sonst keine Beachtung weiter, weil er zu tief in seine Unterhaltung interessiert war, und auch die Lady sagte keinen. Ton zu mir. Sie saß. immer nvck) zuruckgelehnt und schaute mit ihrem schönen blassen Gesicht zii i.hm aus. Er war , «in wohlgestalteter Herr — groß und rrafng uni) von bräunlichem Teint; eine gewisse Eifersucht erfaßte mich, als ich ihn ansah. Er sprach leis« und rasch, wie's die Engländer zu tun pflegen, wenn sie eine ernste Angelegenheit behandeln,
'»8ch Versichere dir, Jinny, daß ich dich, dich ganz allein liebe, tagte er. „Sei mir nicht böse, Jinny. Laß das Vergangene vergangen sein. Komm her, sag', daß alles vorbei ist."
„Nein, George, nie, niemals!" rief sie.
Ein tiefes Rot trat auf fein schönes Gesicht. Er wurde wütend.
„Warum kannst du mir nicht vergeben, Jinny?"
„>fch kann das Geschehene nicht vergessen."
., "Zum Teufel, , du .mußt! Ich habe genug gebeten. Es Ut Zeit, nun zu befehlen. Ich verlange jetzt mein Recht. Hörst du?" Er faßte sie an der Hand.
Endlich war ich wieder zu Atem gekommen.
„Gnädige Frau," sagte ich- und zog meinen Hut, „störe ich, Eer kann ich Ihnen in irgendwelcher Weise zu Diensten isein?" CM. Aber kems von beiden beachtete mich mehr, als wenn eine mtege dazwifchen gesummt hätte. Sie starrten sich in einem fort in die Augen.
„Ich verlange mein Recht, sag' ich dir.' Ich hab' lang genug gewartet."
„Dein Ueberfall hat keinen Zweck, George."
„Du verzeihst mir nicht?"
„Nein, nie!"
„Ist das dein letztes Wort?"
„Jawohl, das letzte."
Er stieß einen bitteren Fluch aus und stieß ihre Hand iveg.-
„®ut, meine Gnädige, wir werden weiter sehen."
„Entschuldigen Sie, mein Herr," redete ich ihn fest und würdevoll an.
, "Scheren Sie sich zum Teufel!" schrie er wütend zurück, gab dem Pferd die Sporen und galoppierte davon.
Tie Gräfin blickte ihm nach, bis er nicht mehr zu sehen war. Zu, meiner Ueberraschung machte sie nicht etwa ein böses- sondern ein ganz verzweifeltes Gesicht. Dann wandte sie sich Mir zu und reichte mir die Hand.
. , "Sie sind sehr freundlich, Herr Oberst. Sie meinten cs- sehr gut, davon bin ich fest überzeugt."
„Madame," erwiderte ich, „wenn Sie die Güte haben wollen, mir den Namen und die Adresse des Herrn mitzuteilen, so werde ich dafür sorgen, daß er Sie nie im Leben wieder belästigt."
, „Um Gottes willen, keinen Skandal." gab sie mir zurück, „ich bitte sie um alles in der Welt!"
„Gnädige Fran," sagte ich, „ich würde mich nie soweit ver- geffen. Seien sie versichert, daß ich in einem solchen Handel nie den Namen einer Dame nennen würde. Dadurch, daß mich der Herr tzur Hölle zu gehen geheißen hat, hat er mich der Verlegenheit überhoben, «ine Veranlassung zu einem Duell zu suchen."
„Herr Oberst," sagt« sie ernst, „Sie müssen mir Ihr Ehrenwort als Offizier und Gentleman geben, diese Angelegenheit ruhen zu lassen und auch meinem Bruder nichts von dem zu sagen, was' Sie gesehen haben. Versprechen Sie mirs!"
„Wenn Sies verlangen."
, »Ich halte Sie keim' Wort. Nun fahren Sie mit mir nach High CoMbe, und ich werde Ihnen unterwegs! die Sache erzählen." Ihre ersten Wort« gaben mir einen Stich ins Herz'.
„Dieser Herr," begann sie, „ist mein Gemahl."
„Ihr Gemahl!"
„Sie haben doch gewußt, daß ich verheiratet war?" Meine Erregung schien sie zu überraschen.
„Das wußte ich nicht."
(Fortsetzung folgt.}
Unser Weihnachtspreisrätsel
hat bei beit jugendlichen Lesern der Gießener Familie nb l ä t t e r noch weit stänkeren Anklang- gefunden als in früheren Jahren, weshalb wir denn auch die Zahl der Preise ganz wesentlich erhöht haben.
Im ganzen sind -etwas über 400 Lösungen eingegangen, von denen nur drei falsch waren. Wir hatten es unfern jungen Freunden aber auch sehr leicht gemacht, damit sie sich während der Weihnachtstage die Köpfchen nicht allzusehr anzustrengen brauchten. Ein Teil der Lösungen war von hübschen Bildchen und netten Berschen begleitet, die uns viel Freude bereitet haben. Selbstverständlich wurden diese leißigen Lösungen bei der Preisverteilung in erster Linie berücksichtigt.
Wir geben im folgenden eilt paar Proben der poetischen Lösungen:
Weihnachten, die zaubervoll«, Ewig schöne, milde Fee, . Ist ins Land nun wieder kommen. Hat gebracht uns Eis und Schnee. Niemand kann die Nacht vergessen, Als, verkündet durch die Seher, Christus ward geboren in dem Keil'gen Lande der Judäer.


