Ausgabe 
30.1.1913
 
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Meta entzog ihm ihre Hand unb richtete sich gerade I auf. Ern entschlossener Zng lag ans ihrem Gesicht.

Ja! Nach meinen Begriffen sind schon die Hnlbigmi- gen, welche man der Frau eines andern darbringt, eine Beleidigung dieser Frau!"

O, die Welt hat keine so strengen Begriffe! Sie ver­urteilt nur den wirklich Schuldigen."

Ich weiß es. Trotzdem kann ich mein Empfinden nicht ändern und das ist in unserem Fall allein ent? scheidend."

So hören sie noch das letzte Wort, gnädige Frau! Ich wußte so gut wie jedermann in G., daß Ihre erste Ehe unglücklich war. Sie wiesen meine Liebe, jn selbst meine Freundschaft schroff zurück und zum ersten Male im Leben empfand ich, was leiden heißt. Da nahm ich meinen Abschied und trat eine Reise um die Welt an. Die Zukunft erschien mir hoffnungslos was mich von Ihnen trennte, war unübersteiglich. Das war wenige Wochen, ehe Niki Petermann starb. Erst ein Jahr später, in China, erfuhr ich, daß Sie Witwe seien. Nun flammte noch ein­mal die Hoffnung in mir auf. Sie waren frei ... ich durfte Ihnen jetzt meine Hand und meinen Namen an­bieten. Das erste, was mich in Europa erwartete, war die Nachricht Ihrer Wiedervermählung. Lassen Sie mich schweigen über das, was ich empfand. Ein Montells hatte Sie mir geraubt!"

Hoheit . . . ich muß bitten . . ."

Ja, ja, gewiß, er ist Ihr Mann, ich weiß. In Dresden fiihrte mich der Zufall mit Ihnen wieder zu­sammen. Ich war Zeuge von Montellis Triumph, aber zwischen seinen Worten hörte ich noch vieles andere her­aus. Und ich beschloß, äußerlich wenigstens, Ihre Lage zu verbessern."

Meta erblaßte.

O Hoheit!" stieß sie gequält heraus.

Der Prinz ergriff ihre schlaff herabhängende Hand.

Verzeihen Sie ich schweige schon. Nur das noch: ganz selbstlos geschah es nicht! Durfte ich Sie schon nicht besitzen, so wollte ich mir wenigstens das Glück Ihrer Nähe sichern. _ Sie sehen, Sie sprechen zu können, ist alles, was rch wünsche. Ist es zuviel? Und nun wollen Sie mir sogar das noch entziehen?"

rJa. Werl es ein gefährliches Spiel wäre für Sie, Hohert, und meiner nicht würdig. Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit. Ich werde Montelli bitten, sich nm eine andere Stellung umzusehen."

Der Prinz prallte bestürzt zurück.

Das ist Ihre Antwort? Diese Drohung soll das Ende unserer Unterredung sein?"

Keine Drohung, sondern die Notwendigkeit. Viel- lercht war diese Unterredung so peinlich sie war notwendig um endlich Klarheit zu schaffen. Nun ist sie zu Ende und es bleibt mir nichts übrig, als Sie um Vergebung zu bitten um der Leiden willen, welche meine Person Ihnen wahrlich unabsichtlich verursachte. Gute Nacht, Hoheit!"

. Sie nahm das Kind an die Hand und verließ mit einer leichten Verbeugung das Zimmer.

Eine Viertelstunde später hörte sie, wie unten der Wagen wreder aus dem Schuppen gezogen und angeschirrt wurde.

Gott sei Dank, er reifte noch heute wieder ab!

Dann verfiel sie an dem Lager des inzwischen zu Bett gebrachten Kindes in grübelndes Sinnen.

Montelli hatte also um die Reise des Prinzen gewußt und sie gebilligt. Das war also der Schutz, den seine Liebe ihr gewährte. Ob es ihr gelingen würde, ihn von der Notwendigkeit zu überzeugen, daß sie nun nicht länger das Brot Rernspergs essen durften?

Aber er mußte es ja begreifen. Er mußte . . .

Ern tiefer Ekel erfaßte sie vor dem Leben, das sie führte. Sie hatte ihr Möglichstes getan, rie Redlich zu gestalten. Die Natur, welcher

M nut warmer Gele erschloß, und das Kind waren ihr Trost gewesen. Und nun hieß es, wieder wandern, irgend

^bekannten entgegen. Sich neu beleben, mit neuen Verhältnissen rechnen.

Wie friedlos und einsam dieses Wandern machte! Nrrgvids eine Hermat, nirgends eine Seele, die sie ver­stand. O, wenn doch ihr Vater nicht gestorben wäre' Der

I hätte sie verstanden unb ihr die Arme geöffnet zur Heim­kehr nach all diesen Irrfahrten.

Heiße Tränen quollen aus ihren Augen und Schluchzen erschütterte die Brust.

Da legte Konradchen die Hand auf ihren Arm und seine Träumeraugcn richteten sich erstaunt auf sie.

Warum weinst du denn, Mama? Hat der Mann, der so schön Musil! machen kann, dir etwas getan?"

Nein nein, Liebling. Schlafe."

Sage mir erst, warunl du weinst?"

Weil", sie beugte sich ganz nahe zu seinem Ohr herab und es rang sich gegen ihren Willen über die Livpen, weil, ich so mutterseelenallein auf der Welt bin!"

Lange blickte das Kind sie schweigend an. Es konnte die Worte nicht gleich fassen und dachte nach. Dann kam es zögernd heraus:Hast du nicht mich, Mama?"

Es traf Meta wie ein bitterer Vorwurf.

In überströmender Liebe schlang sie die Arme um den Knaben und schluchzte:Ja dich dich; du hast recht, mein Einziges. Dich habe ich ich bin nicht arm und nicht allein. Vergib mir!"

XL

Heute kommt Papa, Kouradchen, und wir wollen ihm entgegenfahren bis zur Station ja? Willst du?"

Ja, Mama."

Und ^Abends kommen Gäste. Nun kann ich nicht mehr wie alle Tage Abends an deinem Bettchen sitzen. Wirst du hübsch ruhig sein, doch von Fräulein Lena auskleidcn lassen und dann gleich einschlafen?"

Ja, Maina."

Dafür will ich dir auch etwas ganz Schönes ver­sprechen. Papa zu Ehren werden Zigeuner spielen heute Abend in Dopolanyi, Baron Lenkay du weißt, der alte Herr mit dem weißen Bart, der immer so gut zu dir ist hat sie bestellt. Da darfst bii eine Stunde länger aus­bleiben als gewöhnlich und mit Fräulein Lena auf der Galerie des großen Speisesaales zuhören."

Konradchen klatschte in die Hände.

Zigeuner! Zigeuner! O, Mama das ist mir lieber als Märchen!"

Er kletterte von dem Sockel des verwitterten alten Fauns aus Sandstein, um dessen Glieder sich Efeu schlang, herab und schritt bedächtig zu seiner Mama, die kleine Sträußchen aus Mvnatsrosen und Heliotropen für die Abendtafel band.

Mama, ich will auch ein Zigeuner werden."

Meta lächelte.

Das ist sehr wenig, mein Kind. Ich hoffe, dn wirst etwas Tüchtiges lernen und ein braver, kluger Mann wer­den, wie... wie..." sie stockte plötzlich. Wie sein Vater? Oder wie Montelli? Nein, keinen von beiden hätte sie ihrem Kinde als Vorbild geben mögen.

Wie ein Zigeuner!" ergänzte nun Konrad selbst.

Nun lachten sie beide. Meta nahm den Knaben auf den Schoß und küßte ihn.Du mein törichtes Träuiner-; chen immer hast du nur Zigeuner und Musik im Kopf. Und eigentlich", ihr Gesicht wurde plötzlich ernst und sie unterdrückte einen Seufzer,sind wir denn wirklich wie die armen Zigeuner du und ich? Müssen immer wandern wandern"

Nachdenklich glitt ihre weiße Hand durch das lockige Blondhaar des Kindes.

(Fortsetzung folgt.)

Abenteuer des Brigadier Gerard.

Von C. Doyle.

Wie der Brigadier in England Triumphe feierte.

(Fortsetzung.)

Aber ich wollte Ihnen ja nicht von meinen Sporttaten heute abend erzählen, mes amis, sondern von der Gräfin Jane Dacre und dem seltsamen Abenteuer, zu dem sie Veranlassuuq gab Die Gräfin Jane Dacre war die Schwester Lord Ruftons und stand ferner Haushaltung vor. Ich fürchte, daß sie sich bis zu meiner Ankunft sehr einsam gefühlt hat, denn sie war eilte schöne, vor- m'briie^ Dame und hatte nichts mit ihrer Umgebung gemeinsam. Tatsächlich kann ich dies von vielen englischen Frauen jener Zeit sagen, denn während die Mämrer roh und rauh waren, mit bäuerischen Manieren und wenig Bitdilng, gehörten die Damen zu den liebreizendsten und zärtlichsten Wesen, die mir je vorgekommen sind. Wir schlossen enge Freundschaft, .die Gräfin Dacre und ich, denn weil ich beim besten Willen keine drei Flaschen