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Donnerstag, den 50. Januar
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Von Frühling ;u Frühling.
Roman von Erich Eben st ein.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Aber als sie den langen Korridor erreicht hatte, in den fast alle Türen mündeten, öffnete sich plötzlich eine davon und der Prinz trat heraus.
Nun Ivar ein Ausweichen nicht mehr mögliche Reinsperg eilte ihr freudestrahlend entgegen. „Endlich teuerste gnädige Frau! Ich bin schon fast verzweifelt . . . fvnßte gar nicht mehr, womit ich die Zeit totschlagen sollte bis zu Ihrer Heimkehr!"
„Meiner Heimkehr?" Meta sagte es im kältesten Tone. „Ich nehme an, daß Hoheit nur ein sehr wichtiger Grund 4. jetzt nach Dopolanyi geführt haben kann .
„Natürlich! Der allerwichtigste!"
„Nnd daß ich -damit nicht in dem leisesten Zusammenhang stehe!" vollendete sie abweisend.
Das war so deutlich, daß Reinsperg sie bestürzt ansah.
„Aber Gnädigste — Sie werden — Sie können doch nicht — und ich hatte mich so auf dies Wiedersehen gefreut!! Wollen Sie mir denn nicht einmal die Hand reichen und mich ein bißchen willkomimen heißen?"
Meta reichte ihm flüchtig die Hand.
„Doch — den Herrn von Dopolanyi wird jeder Bewohner des Schlosses willkommen heißen."
„Den Herrn..sagte er bitter und verstimmt, „ich hatte auf einen anderen Empfang gehofft!"
Meta schwieg. Aber Konradchen hatte sich von ihrer Hand losgemacht rind sagte nun in seiner langsamen, eindringlichen Redeweise: „Warum spielst du nicht mehr? Es war sehr schön... bitte, spiele noch..."
Sie griff erschrocken nach des Kindes Hand.
„Aber Konrad! Was fällt dir ein? Komm... Hoheit verzeihen — ich muß das Kind zu Bett bringen..."
„Wie — Sie selbst?" Reins Pergs Antlitz nahm jetzt einen spöttischen Ausdruck an.
„Ja — ich überlasse Konrad nur im äußersten Notfall fremden Händen."
Der Prinz bückte sich und nahm das Kind ohne Umstände auf den Arm.
„Komm, Kouradchen, ich will dir noch Vorspielen. Gnädige Frau, darf ich bitten?" Er öffnete mit der linken Hand die Tür zum Salon, welcher seine Wohnung von jener Montellis schied und neutrales Gebiet war. „Ich werde, wenn ich den Wunsch des Kindes erfüllt habe, Ihre Geduld nur noch zwei Minuten in Anspruch nehmen, um Ihnen den Zweck meines Kommens mitzuteilen. Dann will ich Sie nicht weiter belästigen."
Das Klavier stand noch offen. Reinsperg setzte Kou- radchen in einen Fanteuil und begann zu spielen. Erst
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leise, dann immer stärker anschwellend, bis die Töne mit brausender Gewalt den Raum erfüllten.
Wie gebannt lauschte das Kind. Auch Meta wurde wider Willen zur Bewunderung fortgerissen. Sie hatte lange keine ernste gute Musik gehört und das war wahr- hastig das Spiel eines .Künstlers.
Er spielte verschiedene Weisen aus den Werken großer Meister und ging dann zu freien Phantasien über. Plötzlich brach er mitten drin mit einem schrillen Akkord ab und stand aus.
„So — und nun will ich Ihnen sagen, weshalb ich kam, gnädige Fran. Uebermorgen wird „Aram" gerittem die Piece de resistänce unseres Stalles. Wir hoffen, daß er den Sieg davonträgt, aber es wäre keine Freude für Ihren Herrn Gemahl und mich, ohne Sie. Ich hatte bestimmt gehofft, daß Sie mit nach Wien kämen. Moutelli versicherte, daß alle seine Bitten vergebens waren, so habe ich mich denn entschlossen, selbst zu kommen und Sie zu bitten. Ich muß morgen früh unbedingt zurück — gnädige Frau, seien Sie nicht hartherzig! Lassen Sie mich nicht umsonst bitten . ."
In Metas Zügen stritten Ueberraschung und Zorn um die Herrschaft. Endlich sagte sie kalt:
„Das glauben Sie doch selbst nicht im Ernst, Hoheit, daß ich in Ihrer Begleitung nach Wien fahren werde!"
„O — Sie können ja einen späteren Zug wählen."
„Um Ihnen einen Wunsch zu erfüllen, den ich meinem Männe abgeschlagen habe? Ich habe Sie immer für einen taktvollen Mann gehalten, Hoheit —. ich staune, daß Sie dies nun für möglich halten!"
„Gnädige Frau! Ihr Herr Gemahl hofft zuversichtlich auf Ihr Kommen!"
„Ah — wirklich? Er weiß um Ihre abenteuerliche Reise?"
„Aber gewiß! Ich bin doch nicht so taktlos, wie Sie anzunehmen scheinen." \
„Dann kann ich nur bedauern, daß mein Mann . . .. mich so wenig ferott. Selbstverständlich kann gar keine Rede davon sein, "daß ich Dopolanyi verlasse."
„Dies ist Ihr letztes Wort?"
„Mein letztes. Gute Nacht, Hoheit!"
Sie wollte sich zur Tür wenden, aber der Prinz vertrat ihr, außer sich vor Erregung, den Weg.
„Pardon, gnädige Frau — noch ein Wort. Lassen wir die Maske endlich fallen zwischen uns! Sie haben Moutelli zu begleiten abgelehnt, weil Sie ein Wiedersehen mit mir vermeiden wollten!"
„Und wenn es so wäre? Ja denn — ich leugne es nicht!"
Sic sah ihm starr ins Gesicht."
„Und warum dieses Mißtrauen? Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, daß Sie für mich- die Krone aller Frauen sind, -aber haben meine Huldigungen, meine Wünsche je die Grenze des Erlaubten überschritten?"


