Ausgabe 
29.12.1913
 
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uitb Jahreszeiten angebracht es reinigt, es regt an, eS schlägt nieder! Der SihbadewanneJuno" gehört die Zu­kunft! Hohe Herrschaften benützen sie, im guten Mittelstand ist sie cingeführt, und auch der kleine Mann mag sie nicht missen! Die SitzbadewanneJuno" ist allen anderen voran! Wir allein verkaufen allwöchentlich viele Dutzende davon! ß)cr Umsatz steigt von Jahr zu Jahr! Es gibt kein Haus, es gibt kein Heim, in dem nicht eine Sitzbadewanne, Marke Juno", zu finden wäre! Alle Welt verlangt nach ihr! Ueberall, in Deutschland, Frankreich, England, Italien, in Afrika, in Asien, in Nord- und Südamerika ertönt der Ruf: die Sitzba---!" *

Othmar kam halbtot heim.

Er trug ein kleines, ein größeres und ein Riefenpaket.

Adelheid, die in fein verstörtes Gesicht sah, schlug die Hände über dem Kopf zusammen.

Was bringst du da?" rief sie entsetzt aus.

Einen Strahn Wolle, einen Handspiegel und fünf Päck­chen Zahnstocher," sagte Othmar gepreßt.

Othmar bist du verrückt?" entsetzte sich Adelheid.

Vielleicht," gab Othmar resigniert zurück.Auf alle Fälle: ich will ein Sitzbad nehmen!"

Hessische HeimaLkunsi.

Eingedenk der alten Erfahrungsweisheit, die in den Worten ausgesprochen ist:Nord oder Süd, Ost oder West daheim ist doch das allerbest'", haben die Dichter aller Nationen von jeher das Heimatgefühl, die Heimatliebe, das Vaterland und das Vater­haus in ihren Liedern besungen und verherrlicht. Und bei deni Heutigen Zug der Menschen in die Stadt, bei der Wanderlust und der Landflucht, iuo bei vielen Kindern ein wirkliches, wahrhaftes Heimatgcsühl überhaupt nicht mehr aufkommen kann, !veil die Eltern gar zu häufig ihren Wohnsitz verändern, ist es ein lobens­wertes Bestreben vieler echten Volksfreundc, den Heimatsinn in der Bevölkerung wieder zu wecken, zu beleben und zu stärken. Wer die Geschichte seiner Heimat kennt und mit ihr vertraut ist, hat seine Heimat auch lieb, er hält sie hoch 'und wert und gibt ihr den Vorzug vor der Fremde. Darum haben fleißige Männer der Heirnatkuust sich der mühevollen Arbeit unterzogen, die Geschichte ihrer Heimat aus Archiven und alten Dokumenten zu studieren und die Sagen mrd lleberlieferungen zu sammeln und so ihren Mit­menschen, besonders der Jugend, ein treues Bild der Vergarigeu- heit ihrer Heinrat vor 9utgc.it zu stellen. Auf diese Art besitzen jetzt 'viele Dörfer ihreC h r o n i k" und sind stolz darauf. Ter hessische Verein für Volkskunde will die Sitten und Ge­bräuche des Landes erklären und ihren Sinn erschließen, damit V weiter erhalten bleiben. So sehen und hören wir manches, was seit der Großväter Zeit gewohnheitsmäßig geschieht und finden, daß alles einen tiefen, ernsten Sinn, eine hohe, edle Bedeutung hat. Tie V o l k s b i l d u n g s o e r e i n e, die durch Vorträge und Leihbibliotheken belehrend, aufklärend, anregend und unterhaltend wirken, veranstalten in Gemeinschaft mit Gesang- und Turn- dereinen V o l k s u u t e r h a l t u n g s a b e n d e, der Verband mittelrheinischer Bolksbildungsvereine bringt ein gutes Theater ins Dorf, die ländlichen Spar- und Dar­lehenskassen entfalten neben ihrer eigentlichen Wirksamkeit eine gute gemeinnützige Tätigkeit auf dem Gebiete der öffentlichen Wohlfahrtspflege.

So geschieht eigentlich vieles zur Belebung des Heimatsinnes zur Stärkung der Heimatliebe, uni den Bewohnern auch den klein­sten Dorfes die Heintat lieb und inert zu machen, damit sie den Lockungen der Großstadt mit ihren Vergnügungen widerstehen und in der lieben Heimat sich ipohl fühlen möchten. rVicle, die die Unzufriedenheit mit der Heimat und der Wunsch, auf leichtere Art mehr Geld zu verdienen, zum Wegzug vom Torf in die Stadt veranlaßten, fanden bald, das; auch dort nicht alles Gold ist, was glänzt. Im kleinen Kreise findet der Mensch bei Arbeitsfreude, Fleiß und Sparsamkeit und bei nicht zu hoch gestellten Ansprüchen auf Genuß und Vergnügen immer viel eher die Zufriedenheit, als in dem vielbewegten Leben und Treiben der Großstadt, in dem Hasten und Jagen von Genuß zu Genuß, von Vergnügen zweifelhafter, gesundheitszerstörender Art zu immer neuen Ver­gnügungen. Und neben der Gesundheit ist ja doch nur einzig und allein die Zufriedenheit des Menschen höchstes Gut. In der Stadt bleibt der Einzelne immer fremd und ohne wahre Freude; daheim in feilten: Torf aber ist ihm jeder Nachbar ein hilfsbereiter Freund Und ein treuer Ratgeber. Im Dorf sind die Menschen noch natür­lich und ungekünstelt, jeder csibt sich, wie er ist, und man weiß wie man mit ihm dran ist. Man kennt hier noch nicht die Kunst, nach der der Mensch die Sprache besitzt, um seine Gedanken zu verbergen. Darum ist der Landaufenthalt für viele Menschen so anziehend und so anheimelnd, und bei einem kürzeren oder längeren Aufenthalt auf dem Laude erkennt auch der Städter bald die An­nehmlichkeiten des Landlebens und lernt Land und Leute schätzen und achten.

Neuere Sch r ift stel l er und Dichter der bodenstLitt digen Heimatkunst suchen uns Land und Leute näher zu bringen, sie beschreiben bie Schönheiten unseres Hessenlandes und schildern uns das Volk in seinen Charaktereigentümlichkeiten, seinen Sitten und Gebräuchen, in seiner Lebensweise, seiner Gemütstiefe und seinen Gewohnheiten, bei der ernsten Arbeit des Lebens und beimj heiteren Scherz froher Stunden. Da ist es für Oberhessen vor allem A l f r e d B v ck in Gießen, der als guter Kenner der biederen Oberhessen uns in seinen Erzählungen, Romanen und Novellen Land und Leute näher zu bringen sucht. Für Rheinhessen ist es Heinrich B c ch t o ls h e im e r, der in seinem kulturgeschicht­lichen Roman:Zwischen Rhein und Donnersberg" die wechsel- vollen Schicksale der Dorfbewohner Rheinhessens in den schweren Kriegszeiten von 18081814 mit Liebe und Wärme schildert, sowie Karl Neurath, der uns in seinem Roman:Das Dom- gut" das tragische Schicksal und den Niedergang einer alten rhein­hessischen Familie in ergreifender Weise darstellt. Bei der Lektüre dieses vorzüglichen Buches erinnert mau sich, wie in seiner engeren Heimat oft in einigen Generationen manche Familien, die hoch angesehen und in führender Stelle waren, zurückgegangen und verfallen sind, andere aber durch Fleiß und Arbeitsamkeit sich emporgearbeitet haben. Die Dialektbichtungen aus der hessischen Pfalz:Wie's klingt am Rhei'", undLinks am Rhei' is gut sei"' von Briegleb, die bei geselligen Unterhaltungen immer zur Heiterkeit beitragen, sind allbekannt, ebenso wie in Oberhessen die Gedichte Brieglebs:Vivat dex Vogelsberg!" und die von Fried­rich von Treis in Wetterauer Mundart, wie auch die der beiden Darmstädter Lehrer S ch a f f n i t und Schäfer. Für Starkenburg und besonders für den Odenwald sind in Hinsicht auf die bodenständige Heimatrunst von Bedeutung Georg Volk und Adam Karrillou, die in ihren Gedichten und Romanen uns den Odenwald und seine Bewohner schätzen, achten nnd lieben lehren.

Mit ganz besonderem Geschick und mit gutem Erfolg hat sich Philipp B u x b a u m in Bensheim an diesem Werk des Kültur- schaffens beteiligt, und sich als ein anerkannter Meister echter Heimatküust bewährt. Er hat uns, seitdem er im Ruhestande lebt, eine ganze Reihe ausgezeichneter Romane, Bilder, Geschichten und Liederspiele aus dem Odenwälder Volksleben geschenkt, die allenthalben gern gelesen werden, weil der Verfasser aus genauer Kenntnis von Land nnd Leuten ein anschauliches, typisches Bild echte.n deutschen Volkslebens bietet. Sein neuestes Werk: Weg­warten, Treuherzige Geschichten aus dem Odcnwälder Bergland, das der rührige Verlag von Emil Roth in Gießen mit dem Bildnis des Verfassers geschmückt hat und das die Autobiographie Bux- baums enthält, ist wieder ein echtes Volksbuch in des Worteis edelster Bedeutung. Ganz besonders erfreut über Burbaums schrift­stellerische Wirksamkeft sind seine ehemaligen Schüler, die vielen Lehrer Hessens, die er von 18761881 als Lehrer an der Prä- parandcnschule in Wöllstein nnd von 18811905 als Scmiuar- lehrer in Bensheim, als in fast 30 JahreSklasscn in mühevoller, segensreicher Arbeit auf ihren Beruf mit vorbereiteu half. Sein gesunder Humor und sein echter Mutterwitz, der auch aus feinen Werken spricht, machte ihn bei seinen Schülern beliebt und gefürchtet zugleich Wie ost hat er doch durch ein richtig angewandtes kurzes Sprichwort, durch eine passende Sentenz hier den Vorlanten zunt Derstummcn gebracht, dort den Zaghaften anfgemuntert und an­gefeuert, den Fleißigen und Strebsamen gelobt, den Trägen und Nachlässigen getadelt. Und wenn er nun nach zurückgelegtem 70. Lebensjahre in seiner Autobiographie von sich selbst sagt, daß er stets die Gewohnheit geübt habe, an allen Dingen nur die Hute Seite zu sehen, daß er jetzt in seinem von der Tagessorge los­gelösten Alter es vergessen habe, daß er ein halbes Jahrhundert schwergekarrt" habe, so wünschen wir ihm weiter noch eine recht erfolgreiche Arbeit im Dienste echter, bodenständiger Heimatkunst, zu seiner eignen Befriedigung und zur Freude seiner Mitmenschen, besonders seiner vielen Freunde und Bekannten. Buxbaums Volks­bücher aber mögen die weiteste Verbreitung finden, die sie in vollem Maße verdienen. Gr,

Gitter-Ratkl.

In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a a, c c, d d, eeeee.ee e e, g g, i i i i, 1 1 1, m m m m, n n n n n n, r, s s s s, t t, v v derart einzutragen, daß die feilt« rechten nnd wagereehten Reihen gleicblautend iolgendes ergeben:

1. Amerikanischen Staatsmann.

2. Sagenhafte Köniain.

3. Geschieht zum Wohle der Allgemeinheit.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Auch da? längne l'teb hat ein Ente.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scben Universitäts-Buch» und Stcindruckeret, R. Saitgfc Gieße»