Ausgabe 
29.11.1913
 
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zeigten sich seine Untriffe deutlicher. . . Oh. zuerst erschien eZ nur wie ein ungewisser Dunst, wie eine Form, die au den Grenzen! der Traunrwclt lag, wie eine durchsichtige Skizze, die man nicht berühren konnte. Alles das ist genau in Dambrnns Heften an­gegeben. . ."

Herr Valbic machte eine Geste, die sein Mitleid ausdrückte.

Sie haben erraten, was nun weiter folgt, nicht wahr? Der arme Dambrun war überzeugt, das; dieses Phantom das der Gräfin Alvcmgo war. Mein Freund glaubte, daß er von ihm auch bei der allmählichen Auffindung ihrer Möbel, die ihren Namenszug trugen, geleitet worden war. Gute dunkle geheimnisvolle Willenskraft aus dem Jenseits hatte ihm, davon ivar er überzeugt, auch zu der Spur ihres Porträts verholfeu; bevor sie selbst mit ihrer über- natürlichen Gegenwart in ihrem Palast umherspukte, wollte sie, daß zuerst ihr Bild davon Besitz ltahm. Der Palast wurde wieder ihr Eigentum. Immer wirklicher, fast lebendig, schien sie so vor dem von Sinnestäuschungen geguälten Dambrun. Dann begann ihr Schritt mit leichtem Rascheln über den Fußboden zu gleiten, und je mehr die seltsame Besucherin wirkliches Leben zu gewinnen schien, desto mehr tvurde Dambrun das Phantom, das sich auf­löste, verflüchtigte, entschwand. . ."

Herr de Valvic war aufgestanden.

,^Ja, eS ist seltsam. Sehen Sie, ich will Ihnen das an einer Aeußerlichkeit deutlich machen. Dambrun wog sich jeden Tag, und jeden Tag wog er weniger; er hat sein Gewicht täglich in seinem Tagebuch vermerkt. Das erste Anzeichen dieser Merkwürdigkeit entpfand er, als er die Gondel bestieg und die Barke kaum unter seinem Fuße schwankte. Dabei fühlte er sich nicht krank. Er starb an einer unmerklichen Abnahme. . . Bei der Sektion denii sein plötzlicher Tod ohne jede erklärliche Ursache schien verdächtig , wurde sestgestellt, daß alle seine Organe in Ordnung waren. Ich hatte das Protokoll in Händen. Ich habe die Aerzte ausgesucht, die man zu dem Toten gerufen hatte; denn ich bin nach Venedig gefahren. Ich habe mit den Dienstboten des Palastes Alvenigo, mit den Nachbarn, mit den Gondolieren gesprochen. Niemand hat etwas Ungewöhnliches bemerkt. Nur habe ich vergeblich das Por­trät der Komtesse Alvenigo iirt Palast gesucht, das von Longhi gemalte Porträt, das mir Dambrun bis ins Kleirtste beschrieben hatte. Hat es jemals anders als in der Einbildung meines armen Freundes existiert? Chi lo sa? . . . Wir wollen gehen. Es wird geschlossen. . . Hurtaut hat «wohl viel Talent, aber Sie wissen jetzt, weshalb ich seine Ansichten von Venedig nicht gern sehe."

VerMrsehLeK»

Rachitis und Asthma. lieber Rachitis der Nase ist bis jetzt sehr wenig bekannt. Geheimrat Tr. Walb, Bonn, macht jetzt hierüber in der neuesten Nummer der Deutschen Medizini­schen Wochenschrift in einer Arbeit einige weitere Ausführungen. Der Verfasser kommt dariit zu dem Ergebnis, daß die Nase seht häufig der Sitz von rachitischen Veränderungen und daraus folgenden Verbiegungen der Nasenscheidewand ist, Leisteubildnng am Rande der knorpeligen Scheidewand, kolbige Verdickung am vorderen Rande desselben Teiles. Diese Veränderungen können, gerade so wie auch andere, nicht rachitische krankhafte Zustände, in der Nase Anfälle voir hoher Atemnot (Asthma) erzeugen. Ter Umstattd, daß nach der Beseitigung der Rachitts trotzdem das Asthma sortdauern kann, und die Beobachtung, daß auch ohne Veränderungen in der Nase bei Anwesenheit von Rachitis Asthma auftritt, hat den Verfasser zu der Ansicht geführt, das; die Rachitis als solche eine derjenigen Ursachen ist, die zu Asthma dispouieren. Es ist ihm gelungen, in einer Artzahl von Füllen durch längere Darreichung von Phosphor die AWmafAle zu beseitigen.

kf. D r a h t l o s e F i s ch e r e i. In der Bretagne herrscht Glück und Freude. Die Tunfischerei ist, seit Jahren zum erstenmale, wieder befriedigend ausgefallen: ein Hoffnungsstrahl in all dem Elend des letzten Jahrzehntes. Es sind zur Hebung des un­haltbaren Zustandes energische Anstrengungen gemacht worden; der Staat hat n. a. aus eigenen Mitteln eingehende Versuche an- qestellt. Es hat sich namentlich als notwendig erwiesen, daß bet der Tunsischerei die einzelnen Fischerboote unter sich schneller zu ver- verständigen sind, und daß sie überdies mit dem Lande in Ver­bindung stehen sollten. Aus diesem Grunde werden jetzt die meisten Fischerboote mit Apparaten für drahtlose Telegraphie ausgerüstet. Pie Versuche haben auch bereits in England Nachahmung gefunden. Die einzige Schwierigkeit besteht darin, die nötigenTele­graphisten" aufzubringen. Es wird nichts anderes übrigbleiben, als daß die einzelnen Fischer sich selbst zu Telegraphisten aus­bilden lassen. Der französische Staat hat ihnen weitgehende Unter- stütznngen und Erleichterungen' zugesichert.

* Mißverstanden. Junge Frau:Als ich mit Fritz den Berg hinaufritt, wäre ich beinahe verunglückt." Mutter: Wieso denn?" Junge Frau:Der Esel wurde plötzlich eigensinnig." Mutter:Was? Auf der Hochzeitsreise schon?"

* Der Alkoholiker.Sehen Se, Frau Schulzen, ick wollt' ma ja ooch ma vabrennen lassen, aber 't Krematorium jetzt nich druf in."Warum nicht?"Se harn Angst, 't kann wat kaput jehen, wenn ick explodiere."

Sprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.

* Richtiggehend. Habt ihr schon auf die lächerliche neue Mode geachtet, nichts mehr als richtig, sondern alles als richtig» gebend zu bezeichnen? Cs ist eine richtige Verzeihung! eine richtiggehende Krankheit. Man sagt nicht mehr:die älteste richtige Freimarke der Welt", nein : die älteste richtiggehende Freimarke der Welt. Hübsch, nicht iual;r ? Ungemein witzig I Da ist einer ein richtiggehender Ketzer; da ist ans einer Novelle ans Versehen ein richtiggehender Roman geworden; da heißt es, ivir hätten dies Fahr keinen richtiggehenden Sommer gehabt; da gibt es Tinge, die für einen richtiggehenden Christen recht anstößig sind, nsw. nsw. Kurz, es ist nicht mehr ganz richtig mit tem Worterichtig"; eS muß unter allen Umständen verlängert werden; und wenn Luther erst heut die Bibel übersetzte, dann müßte er im Hedräer- briefe schreiben: Das Zepter deines Reichs ist ein richtiggehendes Zepter. _________

VücherttM.

Deutsche Stilisten, Handzeichuungen altdeutscher Meister, herausgegeben und eingeleitet von Dr. Hans Sauer-, bt a u n. 36 Tafeln in Lichtdruck und Zinkätzung, Textbilder von Hodler, Cszanue usw. München, Verlegt bei S t e i n i ck e und Leh m kühl. Unter den zahllosen kunstwissenschaftlichen Bev- öffeutlichungen dürfte das angezeigte Buch eine Sonderstellung behaupten. Nicht in langatmigen theoretischen Erörterungen soll das Thema erschöpft werden. Der Herausgeber will hauptsächlich durch das Bild Gemiß verschaffen und uns die Freude des Ver­gleichens und Bewertens selbst überlassen. Das Buch bringt u. a. eine Reihe wenig bekannter, noch nicht reproduzierter Handzeich- nungen älterer deutscher Meister. Die getroffene Auswahl erhellt außerordentlich wirksam den tiefen Zusammenhang jener mit dem! Kunstwillen der heutigen Zeit. Auf diesem Zusammenhang fußend, nimmt der Herausgeber in seinem kurzen Äegleitwort Stellung! zur Kunst der letzten Jahrzehnte.^ Dieses! Ringen nm einen Zeitstil ist aber nicht unserer Seit allein eigen, sondern wiederholt sich (Immer int Laufe der Kunstgeschichte^ besonders in Zeiten tief­gehender Umwälzungen. So begegnen wir um 1500 einer ähnlichen! Konstellation wie heutzutage. Und wunderbarerweise sind auch die ^Resultate, die diese Zeiten reiften, seltsam verwandt. Dies zu zeigen werden die am aktuellsten wirkenden Zeichnungen M. Hubers, Dürers usw. modernen Meistern wie van Gogh usw. gegenübergestellt. Das Werk enthält gegen 40 Handzeichmmgeni in Großgnart,' did Hum Teil als Zinkätzung hergestellt und auf edlem Papier gedruckt wurden.

Konrad Cosack, Burg Ho HM, drei Erzählungen. Verlag Albert Ahn-Bonn, 1914. Preis: geheftet 4 Mark, ge­funden 5 Mark.< IZwei .von den drei Novellen, die hier in tlir.em Baude vereinigt worden sind, sind schon früher einzeln erschienen, der Verfasser nannte sich damals Kvnrad Berthold. Jetzt Has! er feie jüngste dritte Novelle, die bis in die letzten Tage hieinein spielt und tu der er die allerjüngsten Zeitfragen und Erzeugnisse geschickt hineingefiochten hat, den Sckxlernovellen, hinzugefügt, und alle als ein Werk unter einem Namen, Burg Hoym, die in ihrem romantischen Zauber das Buch beherrscht, W, einem Bande vereinigt. Die Lektüre bietet einen hohen Genuß mit dem zauberischen, versonnenen Glanze, der die Weltanschau­ung des Dichters umgibt. Die Stimmungsbilder aus der Natur- Welt sind selten schön und werfen ihre Reflexe auf'die Entwi-A lung der Charaktere. Das..Buch wird auf jeden seine Wirkung! ausüben. K. B.

Zitatenratse!.

Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, so datz sich ein neues Zitat ergibt:

1. Das Bessere ist der Feind des Guten.

2. Tann erst genieß ich meines Lebens recht, Wenn ich mir's jeden Dag aui's neu erbeute.

3. Im wunderschönen Monat Mai, Als alle Knosven sprangen.

4. Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, Und neues Leben blüht aus den Ruinen.

5. Es ist einmal so Sitte.

6. Wir sitzeit so sröhlich beisammen

U d haben einander so lieb.

7. Wer sich behaglich fühlt ztt Haus, Der rennt nicht in die Welt hinaus.

8. Und kommt der Frühling, trink' ich tvieder Aus Freude, daß er endlich da ist.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer:

Weitz. Schwarz.

1. 8 c3 a5 K d 3 c 4 ob. e 2.

2, Da8 a6f und Matt.

A.

1. ..... K d 3 c2ob.e4t

2. Sd5 b4oderLg8hTf und Matt.

Redaktion: K. Neuratb. Rotationsdruck und Verlag der Vrübl'scheu Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»