Ausgabe 
29.10.1913
 
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Bi?, zur Frühe des 30. Oktober hatte Wrede feine Ausstellung bei Hanau beendet. Sie dehnte sich vom Bruchköbeler Wald (FriedbergHanauer Landstraße) bis zum Chausseetzaus, unweit der heutigen Pulverfabrik bei Niederrodenbach aus, vor sich hatten die ausgestellten verbündeten Truppen den Lamboy­wald, im Rucken die Kinzig. Als Napoleon diese Aufstellung erfuhr, soll er geäußert haben:Armer Wrede, zum Grafen habe ich ihn erhoben, aber einen General konnte ich nicht aus rhm machen." Der linke Flügel der bayerischen Armee stand in der Nahe des heutigen N o r d b a h n tz o f s, das Zentrum bis zur D o m ä n e Neuhof (jetzt Försterei), der rechte Flügel von da bis zur Lamboybrücke an der Leipziger (Gelnhünser) Landstraße. Ain linken Ufer der Kinzig stand als Reserve die österreichische -Brigade Rienau. Weiter standen zur Deckung im Bruchköbeler Wald auf der Fried­berg-Hanauer Landstraße mehrere Brigaden Kosaken.

Die Armee der Verbündeten zählte am 30. Oktober: 37 Ba­taillone Infanterie, 53 Eskadrons Kavallerie nnd 54 Geschütze. Die französischen Streitkräfte betrugen: 1 Division alte Garde, 2 Divisionen junge Garde, das Korps Victor, mehrere Heeres- abteilungen aus verschiedenen Korps und eine starke Reiter­abteilung, insgesamt etwa 36 000 Mann. Mehrere sranzo,ische Korps waren rroch zurück.

Am 30. Oktober, morgens 9 Uhr, begann die Schlacht. Die französischen Tirailleurs unter Charpentier brechen aus dem Lam­boywald hervor, hatten aber bis 3 Uhr mittags mit ihren An­griffen auf beit rechten Flügel der Bayern keinen ^Erfolg. Dies lag -auch nicht in der Absicht. Man wollte mir den Gegner so lange beschäftigen, bis die französische Artillerie herangez-ogen war. Dieser Plan gelang. Die Bayern und- Oesterreicher verschossen nutzlos ihre Munition. Nachdem Napoleon seine Artillerie heran­gezogen hatte, ließ er sie auf dem heutigen Exerzierplatz aufsiellcn, davor 12 000 Reiter. Hierauf mußte die Kavallerie gegen den linken Flügel der Bayern vorgehen. Mit sieben Regimentern Chevauxlegers hielt Wrede den Anprall aus. Eine hitzige Kaval­lerieattacke entspann sich. Tie französischen Reiter kehrten um, aber in fest geschlossenen Massen, wie beim Parademarsch, siegestrunken jagen die Bayern nach. Die französische Kavallerie zieht sich rechts und links auseinander. Trnots furchtbare Batterien fahren auf und senden -den nacheilenden Bayern den Todesgruß. Wrede befiehlt nun den Angriff auf der ganzen Linie. Eitles Bemühen, vergeb­liches Hoffen! Nansoutys Kürassiere werfen die rasend kämpfenden Deutschen zurück. Tie Batterien der Verbündeten werden durch den Mangel -an Munition zum Schweigen gebracht. Der linke Flügel der -Verbündeten weicht zurück bis zum linken User der Kinzig. Auch das Zentrum wurde -erschüttert und zieht sich unter dem Schutz des rechten Flügels auf das Gelände am linken Ufer der Kinzig zurück. Tausende der Zurückweichenden fanden in der angeschw-ollenen Kinzig den Tod. Bei dieser Verfolgung kamen auch viele Franzosen Nm. Ein in der Nähe -der Brücke befindlicher See (toter Arm der Kinzig) heißt noch heute dasFranzosenloch". Dort soll nach mündlicher Ueberlieferung -die Kriegskasse der Franzosen verschwunden fein.

Ein gleich trauriges Los traf auch die zahlreichen bayerischen Mannschaften auf dem linken Flügel, die in der Nähe des heutigen Nordbahnhofes nach derHerrnmühle" zurückgetrieben wurden Einige suchten -durch Schwimmen ihre Rettung, andere zogen über das Wehr nach -der Mühle. Am Abend hatten die Ver­bündeten ihre Stellung vomLehrhof" bis zur Aschaffeiiburger Straße. Die Stadt und die Kinzigbrücke in der Vorstadt blieben im Besitz der Verbündeten. Bis zur Nacht fanden noch beständig Angriffe bei der Lamboybrücke statt, die aber ergebnislos verliefen. Am Abend des 30. hatte Napoleon seine Absicht erreicht: er hatte die Straße nach Frankfurt frei bekommen. Vor der Kinzigbrücke her in der Vorstadt zogen nun auch die französischen Kolonnen nach Frankfurt weiter.

In der Nacht vom 30. zum 31. Oktober übernachtete Napo­leon in einem Zelt auf dem heutigen Exerzierplatz. Hier befindet sich -auch noch ein Gedenkstein mit der Jnschrist:Hier über­nachtete Napoleon in der Nacht vom 30./31." Um 3 Uhr nachts wurden die Bewohner von Hanau -aus dem Schlafe geweckt. Napo­leon ließ die Stadt mit Granaten bewerfen. Das Bombardement dauerte mit einiger Unterbrechung fast die ganze Nacht. Vor der Kinzigbrücke in der Vorstadt befindet sich an einer Mauer die Auf­schrift :Von hier aus ließ Napoleon die Vorstadt in Brand schießen". In der Nacht zog Wrede, um die Stadt zu schonen, seine Besatzung zurück. Es zogen dafür 2 italienische Regimenter ein, die sich arge Plünderungen erlaubten. Unterdessen zogen fortwährend Franzosen an der Kinzigbrücke in der Vorstadt über Wilhelmsbad nach Frankfurt weiter.

Am 31., an einem Sonntag, tobte der Kampf an der Lamboy­brücke weiter. Napoleon leitete selbst das Gefecht vom Lamboh- wald aus. Um 11 Uhr zog er mit feinen Garden vom Exerzier­plätze aus über den heutigen Nordbahnh-of durch diePappelallee" am rechten Ufer der Kinzig an der Kinzigbrücke in der Vorstadt vorbei über Wilhelmsbad nach Frankfurt. Er übertrug den Ober­befehl in Hanau dem Marschall Marmout mit der Weisung, die Bayern in ihrer Stellung aufzurollen und in den Main zu werfen. Es läßt sich nicht feststelleu, wie weit ihm dies ge­

lungen ist. Am Main müssen Kämpfe stattgefunden haben: demk die Chronik berichtet, daß der am linken Ufer des Mains gelegene Ort Stein heim durch die Schlacht gelitten habe. In der dortigen Kirche liegt auch eilt Blutzeuge der Schlacht, Otlingen, begraben.

Die in Hanau in der Frühe des 31. eiugcrückte italienische Division hatte die Stadt noch in ihrem Besitz. Wrede glaubte, nachdem viele Franzosen schon abgezogen waren, die Stadt wieder erobern zu können und dem Rest des französischen Heeres den Rückzug abzuschneiden. Er erstürmte deshalb am 31., nachmittags 3 Uhr, das Nürnberger Tor, nahm die brennende Vorstadt ein und war im Begriff, die dortige Kinzigbrücke int Sturm zu nehmen, als ihn eine Kugel in den Unterleib traf. Eine Platte in der Mauer der heutigen Kinzigbrücke besagt:Hier wurde General v. Wrede in der Schlacht am 31. Oktober 1813 schwer verwundet". Die durch Wredes Sturz entstandene allgemeine Ver­wirrung benutzten die Franzosen, um die damalige hölzerne Brücke über die Kinzig in Brand zu stecken und dem Gegner dadurch weiteres Vordringen unmöglich zu machen. Vor der Brücke zogen die Franzosen ungestört nach Frankfurt weiter. Wrede hatte das Kommando dem österreichischen General Fresnel übergeben. Der Kampf nit der Lambvhbrücke im Walde dauerte bis zum Abend des 31. Die Nachhut der Franzosen umging Hanau und wählte von Langenselbold aus den Weg über Bruchköbel nach Hockstadt Frankfurt. Am Abend zogen auch die letzten Franzosen bei der Lamboybrücke ab und schlossen sich über Bruchköbel der Nach­hut an.

Der verwundete Wrede wurde in das Haus des Kommerzien­rates Kaula, Baiigertstraße 15, gebracht, wo ihn am 5. No­vember der Kaiser Franz von Oesterreich und am 7. November der Kaiser Alexander von Rußland bei ihrer Durchreise nach Frankfurt besuchten. Napoleon war am Nachmittag des 31. in Frankfurt cmgekommen, wo er von den städtischen Behöroen feierlich empfangen wurde. Er logierte in der Nacht vom 31. Ok­tober auf den i. November im Gartenhause des Herrn v. Beth- ntann. Am 1. Oktober reifte er über Höchst a. Main nach Mainz weiter. ,

Die Schlacht bei Hanau war der letzte Sieg, den Napoleon auf deutschem Boden errungen hatte. Blutige Rache hatte der ein­stige Bezwinger der Welt an den Bayern ob ihres Verrates ge­nommen. Wrede verlor 9000 Mann: aber auch der Verlust der Franzosen war bedeutend. Beim Beginn der Retirade zahlte die französische Armee 90 000 Mann, bei ihrer Ankunft in Mainz noch 60 000 Mann. .

Die Stadt Hanau hatte während dieser Tage furchtbar ge­litten, 19 Häuser der Vorstadt lagen in Schutt und Asche. Zahlreiche andere Gebäude waren schwer beschädigt worden <sit allen Straßen lagen Verwundete und Kranke. Das Komoedienhaus, das Kollegiengebände und Philippsruh-er Schloß ci. Main waren zu Lazaretten eingerichtet worden. Furchtbar hatten Franzosen und Kosaken in der Stadt gehaust, so daß der Wohlstand Hanaus auf Jahre vernichtet war. Einen bösen Gast hatten die Franzosen noch zurückgelassen, den Typhus, der viele Familien furchtbar heimsuchte. Die ganze Rückzugslinie der Franzosen: Vacha, Hün­feld, Fulda, Schlüchtern, Steinau, Salmünster Gelnhausen, Langenselbold, bot dem Beschauer ein trauriges Bild. Ueberall Tote, Verwundete, Kranke, vom Marsche Ermüdete, überall die Nachwirkungen verheerender Krankheiten, die die Franzosen zu­rückgelassen, überall bitterste Not, da die Bewohner aller Lebens­mittel beraubt waren. .r

Am 1 November war der Durchmarsch der Franzosen bet Hanau beendet. Als es an diesem Tage, wie gewöhnlich, Um 11 Uhr zur Betstunde läutete, strömten die Bewohner Hanaus in die Marienkirche, um Gott für die Errettung aus so schwerer Angst und Not zu danken.

Logogrrph.

Ich bin aus altem Geschlechte Und hatte der Bruder viel. Mein Vater mußte einst fliehen; Er trieb ein falsches Spiel.

Statt ,.e" füg ein anderes Zeichen In meinen Namen hinein.

Sogleich hast bu geformt dir Einen schönen Edelstein.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Gitterratsels in voriger Nummer: E B D Erdbeeren d c 1

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Bech stein e t n

reg Bellinger n n r

Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brubl'schen U»wersitäts-Buch. und Steindruckerei. R. Lange, Gießen-