Ausgabe 
29.9.1913
 
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608

Spanien.

Merlau.

(Schluß folgt.)

deswegen vorläufig

Zitatenrätsel.

Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, sodaß sich ein neues Zitat ergibt:

L Wer Allen Alles traut, beut kann man wenig trauen.

2. Das ist des Landes nicht der Brattch.

3. Ich gebe nichts verloren, beim die Toten.

4. Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, Der täglich sie erobern muß.

5. Lust und Liebe sind die Fittiche zu großen Taten.

6. Was ist das Leben, wenn die Ehre fehlt!

7. Wer kann was Dummes, wer was Kluges denken, Was nicht die Vorwelt schon gedacht.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Charade in voriger Nummer: G a st Hof.

Wirkung der erregenden Umschläge haben wir uns folgendermaßen zu denken. Wenn das seuehlkalte Tuch die warme Haut berührt, L«wlgt durch den Kältereiz zunächst eine Zusammenziehung der Hautblntgefaße und bannt ein Znrüekebben des Blutes nach dem Korpermnern. Dieser Zustand dauert indes nur ganz kurze Zeit: dann folgt die Abwehrbewegung (Reaktion) des Körpers gegen den Kalteemdruck: die Hautblntgesäße erweitern sich und auf die an- Ebbe folgt nun eine mächtige Flut arteriellen Blutes nach der Haut. Diese Blutflut verursacht eine Wärmestauung unter der wollenen Halle; aber indem das Wasser durch die Hülle hindurch langsam verdunstet, sinkt die Temperatur wieder. Aus diesem Wechsel von Abkühlung, Blutzufuhr, Erwärmung, Verdunstung usw. veruht,bte ständige erregende Wirkung lange liegender feuchter Umschläge. Tie geschilderten günstigen Wirkungen feuchtkalter Packnngen werben aber durch Einfügung eines undurchlässigen ^topes Guttaperchapapier, Billrothbatist, Oelpapier usw. . aufgehoben. Was ist hinsichtlich der Prießnilz-Nmschläge zu beachten? Jede Packung (Umschlag) besteht aus einer feuchten Einlage nnb einer trockenen Umhüllung. Die Einlage kommt direkt an die Haut. Als Einlage benützt man Rohseide oder grobe ge» vranchte üoasche von entsprechender Größe: Tafchentücher, Ser» Ule"en, Handtücher, Laken risw. Als Hüllen werden Flanell, i'-n rCI1; Sucher oder Teile von solchen verwendet. Einlage «Aff» m- r° fcillen, daß sie für die betreffende Person s- n A®r!c Zulage muß man gründlich auswinden, sonst wirb ote Umhüllung durchfeuchtet und damit das Eintreteii der Reaktion verzögert. Die Hülle überragt die Einlage so weit, daß alles gilt bedeckt wird und die kalte Luft nirgends zutreten kann. Jeuchtkalte Packungen onrfen nie ans kalte Körperteile kommen und niemals gemacht werden, wenn und so lange man fröstelt. In solchem Falle muß sich der Kranke erst durch Kruken, durch ein heißes Fußbad, ein kurzes Dampf- oder Lichtbad usw. erwärmen. Wird jemand in der Packung nicht bald behaglich warm, so liegt sie entweber nicht fest genug an, oder die Hülle ist zu dünn, oder der Körper reagiert nicht genügend auf den Kältereiz. Dann muß man Den Fehler verbessern oder die Packung vorläufig entfernen. Beim Avnehmen von erregenden Packimgen werben die bedeckt gewesenen Stellen kühl überwascheii.

* Er will sich verbessern.Nun, Johnny," sagt die Dame zu ihrem kleinen Besuch,ich wünsche, du fühlst dich ganznvle zu Hause."Na, das wünsche ich ganz und gar nicht," lagt ^ohnny abwehrend,ich wünsche mich wohl zu fühlen."

tzprachecke der Allgemeine» Deutschen Sprachverein;.

* Spottnamen. Aus manchen Spottnamen sind Familien» namen hervorgegangen. Solche sind z. B.: Langbein, Hübnerbein, Panscback, Pimvel ( Schwächling), Unbehauen (= ungehobelt, Hopfensack (= Grobsack, weil der Hopsen in Säcke von ganz grober Leinwand gesteckt wurde), Schlöntilch (^ Schlegelmilch d.h. Butter­milch, als Lieblingsspeise des Benannten), Bratengeiger ( Bicr- ftedler, der um den Braten geigt), Wtßkott und Simmergott (^ weiß Gott I und so wahr mir Golt Helse! von Ausrnseii. die die Ahnherren stets im Munde führten), Musschenhöst (ndd Spahenkops), Dörwand (von einem, der mit dem Kopf durch die Wand will.) Hierher gehören namentlich zahlreiche Salznamen wie Hassenpslug ( hasse den Pflug, von einem Bauern, der des Pfluges überdrüssig geworben ist), Schlagintweit (= schlag ins üseite), Bitdendüwel ( beiß ben Teufel, von einem Menschen, der Nch vor bein Gottseibeiuns nicht fürchtet), Hebenstreit (= erhebe ben streit, von einem Rauflustigen), Schneidewin (= durchschneide ben Wind, von einem Landstreicher), Suchemvirt, Jinbekeller, Schlnckelner, etorteheker ( stürz den Becher) u. ä. (von unmäßigen Trmkern), Renmschnssel ( räume die Schüssel; von einem tüchtigen Esser), Flengimtanz (von einem flotten Tänzer) usw Brele dieser Rainen tragen noch dentlich das Gepräge der ivilben Zeit des Faustrechts nnb der Lanbsknechtskümpfe an sich, die sie hervorgebracht Ont. So heißen bei Hugo von Trim berg (um 1300) Schnapphahne Nimmervoll, Schindengast (Gast Fremdling). Leer-eil-beutel, Füll-en-Sack. I,n m e (Essen).

seit längerer Zeit int Schlosse statt. Zur Erbauung einer neuen Kirche, die freilich erst 1857 eingeweiht wurde, begann die Ge­meinde Merlau mit dem eingepsarrten Kirschgarten einen 'Kirch­baufonds zu sammeln.

Im Jahre der völligen Demütigung Preußens nach seinem Zusammenbruch bei Jena und Auerstüdt, also im Jahre 1807, fallt der große Bedarf der Franzosen an Pferden auf. Falls die Gemeinden die geforderte Anzahl nicht selbst besaßen in Merlau hat es damals nicht viele gegeben mußten sie sich die Pferde von auswärts besorgen. Merlau verakkordierte die

Vermischtes»

' M o d e r n e L y r i k z u r B e s ch w ö r u n g von Zahn- schmerzen. Im Dorfe Ostrowki war eines Abends so wird in einer russischen Zeitung erzählt - die Lehrerin der Eparchial- schu e mit dem Lesen von modernen lyrischen Gedichten beschäftigt die so laut deklamierte, daß man es bis in die Küche hörte. Von' dort aus lauschte eine alte Bäuerin, die Aufwärterin, die an heftigem Zahnschmerz litt, dem seltsamen Wortgefüge moderner russischer Lyrik. Die hervorgestoßenen geheimnisvoll klingenden eluzelnen Worte klangen der alten Fran wie Beschwörungsformeln und sie war bald davon überzeugt, baß die Lehrerin, ber sie kurt' Avor ihr Leid geklagt hatte, auf diese Weise ihr Zahnwehbe- schwöre". Zum größten Erstaunen kam die Alte bald darauf ins Z,mm« gestürzt und dankte ihr unter Tranen für die gelungene Kur: das Zahnweh war vergangen. So sehr auch die Lehrerin protestierte, ließ sich die Bäuerin von ihrem Glauben nicht ab- brtngen:Es hat geholfen, liebes Fräulein, es hat geholfen ! Mein ganzes Leben lang werde ich für Sie beten!" rief' die alte Frau undbald wußte es das ganze Dori, über welch wirksame Be- schworungskunste bte Lehrerin verfügte. Seitdem hat diese keinen

Tag : immer wieder erscheinen bei ihr die Weiber des

- chnen versuchen 2e6revm an' fie mö3e die Heilkraft an ., cr Prieß n ii; - Umschlag wirb vielfach int Volke a igewenbet, ohne baß man weiß, woher er stammt. Die Bezeich­nungPt leßnitz-Umfchlag" rührt da her, weit Prießnitz (ber Be- bii1e ° volkstümlichen Naturheilkunde) der erste war, bphprft» t untrronEe Körperteile legte und mit Wollstoff

bebecfte. Dr. Schönenberger gibt imNaturarit" Anleitung wie unb wann man ben Umschlag anwenbet. Er warnt vor allem

°r fehlerhafter Anwenbimg der Umschläge. Die physiologische

meisten ihm zufaltenden Pferdelieferungen an einen Heinrich Stein in Beuern, der ein Fuhrgeschäft betrieben zu haben scheint. Zu­weilen mußten Ortsbürger noch in der Nacht nach Beuern ziehen, um Pferde zu bestellen. Die Gänge wurden von der Gemeinde bezahlt. 1807 entfielen auf Merlau einmal 10, ein anderes Mal 15 angeschirrte Pferde für Fahrten nach Gießen und Friedberg. Dafür unb für andere Fuhrleistungen, z. B. einen Transport französischer Verwundeter, hatte die Gemeinde in diesem Jähre 117 fl. zu bezahlen. Dazu kamen auch noch in den folgenden Jähren, das Montierungs- und Exerziergeld für die hessischen Truppen und die Kosten fürGießener Festnngsholz", zusammen etwa 200 fl. Kriegskosten.

Die folgenden 2 Jahre stellten keine so hohen Anforderungen an die Gemeinde. Bei einer Einquartierung lag eine französische Wache im Schulhause, welcher das Holz gestellt werden mußte. Der Schultheiß Reitz erhielt 4 fl. für Getränke, welche die Sol­daten gefordert hatten. Derselbe brachte eines Tages dem Johann Georg Rudolf einen Franzosen, damit er ihn beherberge und be­köstige. Der Soldat erhielt abends: Suppe, Sauerkraut, Fleisch Und ein Maß Bier, des Morgens Brot, Butter, Käse unb Brannt­wein. Die Kriegskosten ließen in dieser Zeit wohl nach, weil in Deutschland durch ben Pariser Vertrag Ruhe eingetreten war unb Napoleons Kriegskräfte in und anderwärts in Anspruch genommen wurden. Der spanische Feldzug forderte auch ein Opfer aus dem Kirchspiel Merlau. Nach Ausweis des Kirchenbuches starb am 9. Januar 1811 in Cordova in Spanien unter .ben Soldaten Johann Georg Dörr ans Ilsdorf. In Voraussicht künftiger Kriege ließ Napoleon in Deutschland die großen Militärstraßen bauen, welche heute noch Hauptverkehrsstraßen sind. Auf Merlau entfiel im Jahre 1809 em Teil der Straße GießenGrünberg bei Göbelnrod am Qucck- oörner Waldkopf. Cs verakkordierte die Arbeiten an den Schultheiß Wilhelm in Göbelnrod für 68 fl. Die Kosten wurden in der @e= meinbc dort ausgeschlagen, daß zu bezahlen waren: auf den Mann 24 Albus, auf ein Paar Ochsen 24 Albus, auf ein Pferd 13 Albus auf ein Paar Kühe 10 Albus 4 Heller. 1810 wurde gleichfalls im Straßendistrikt ReiskirchenGrünberg gebaut, 1811 außerdem noch am Eisenhammer (Hessenbrücker Hammer) bei Münster, also an ber sogenanntenHohen Straße" GrünbergHungen.

Jahre 1810 stiegen die Kriegs kosten wieder auf etwa 340 fl. Häufig waren wieder Pferde zu stellen und Fuhren zu leisten (nach Gießen, Friedberg und Marburg). Ein blessierter Soldat aus Schotten erhielt aus der Gemeindekassc eilte Unter­stützung von 4 Kr.

K. Neurath. Rotationsdruck unb Verlag ber Brühl'fcben Universitäts-Buch- unb Steindruckerei, R. Lauge, Gießen»