Ausgabe 
29.3.1913
 
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in das vor das Solmfische Regiment abgesteckte Lager marschierte. Es waren 45 Mann unter Kommando des Herrn Hauptmanns Maley und Fähndtich Franc von Liechtenstein. 20. August. Dieses Unser (Kontingent mar kaum in Coblenz angelangt, als es gleich Tags darauf zu seiner größten Schande wieder sämmtlich mit Zurück­lassung des Gewehrs und Tornister desertierte und hierher kamt Es wurde aber 14 Tage Hernach unter Begleitung einiger Laud- husareu, Jager und anderer Kommandierter wieder nach Coblenz transportiert." Ob es alsdann tapfere Taten vollbracht, meldet die Geschichte nicht. Und als der Schinder-armes Vas abgelegene Krespelsche Haus in der Vorstadt belagerte, rückte zwar das Laubacher Militär bis vor das Tor, aber beileibe nicht bis zu denr bedrohten Haus, das allein durch die Tapferkeit seines Be- wohuers, des Rats Krespel, und durch die Unerschrockenheit seiner Tochter gerettet würde. Wie ich von einer alten, mu'nmehr bereits verstorbenen Fraii, die seinerzeit bei den Nachkommen jenes Krespel diente, erzählt bekam', hätte diese Tochter in alle Fenster Lichter gefetzt, nm die Aufmerksamkeit der Stadt zu erregen, und fet beinahe in die Hände der Räuber gefallen, utld habe sich .nur dadurch gerettet, daß sie sich in den inr Garteil stehenden Backofen verkroch.' Ihr Pastellbild, aus der Hand jener alten Frau, von mir erworben, befindet sich in Meinem Besitz, 9üt zwei Türen versuchte der Schinderhannes einzn'dtingen, wovon die Spuren der Axthiebe zeugen. Die eine Tür wird auf dem Speicher des Gräflichen Schlosses anfbeivahrt, die andere ist jetzt wieder beim' Neubau des Gräflichen Johann-Friedrich-Stifts verwendet, dessen Haupt- Haus das ehemals Krespelsche Haus ist. Der verstorbene Graf Friedrich freilich bezweifelte stets, ob diese Axthiebe voin Schiudet- hännes herrührten. Uebrigens ist der Schinderhannes mehrmals' in Laubach eiugekchrt. Einmal erschien er auf einem Ball in derRose" und tanzte unerkannt mit. Ohne Bezahlung verschwand er, schrieb aber auf den Tisch:wenn ich wiederkoimne, bezahle ich." Seine Tänzerin fragte er:weißt bu mich, mit wenr du getanzt hast?" und als sie verneinte, sagte er es ihr. Dieses Mädchen war die Großmutter der noch lebenden K. Fr. Kircher Witwe. Tapferer als das Laubacher Militär waren vor Zeiten die Laubacher Bürger, die vom 17. Jahr au wehrpflichtig und zum Dienst auf der Stadtmauer verpflichtet waren. Mehrmals haben sie bei der Verteidigung der Stadt sich ivacker benommen, so int dreißigjährigen Krieg int Jahre 1636, wo ein starker Haufe marodierender Kaiserlicher Laubach zu überfallen suchte, aber von beit Bürgerlichen blutig abgewiesen wurde.

Wenden wir uns nun der Kirche z'ü. Schon 1.057 wird hie Kirche zu Lanbach erwähnt. Diese alte Kirche steht nicht'mehr, doch aber stammen von ihr wohl die vier steinernen Figuren, die im Chor der jetzigen Kirche eingemauert sind. Die dem Glockentürmchen nächste, einen Bischof mit erhobener Hand und Bibel darstellend, soll wohl Bonifatius fein. Tie zwei folgenden sind Bruststücke, die eine wohl einen Kaiser mit Krone und Schwert darstellend, die andere einen sogenannten Bischof ober Papst, jedenfalls der weltliche und geistliche Machthaber, unter dessen Regierung die Kirche gebaut wurde. Die vierte Figur ist. sehr verwittert und läßt kaum mehr etwas erkennen. Chor und Querschiff der jetzigen! Kirche sind etwa 1250 gebaut, das Schiff 1700, weil daS alte zu klein und baufällig war. In der alten Kirche standen zu katholischen Zeiten drei Altäre: der Hauptaltar St. Mariä, die Altäre St. Nikolai unb St. Sebastiani. Daraus dürfen wir schließen, daß hier ein Pfarrer mit zwei Kaplänen das geistliche Amt versah, oder daß es gar drei Kapläne waren, da auch im Kerner, der späteren Michaeliskapelle, ein Altar St. Michaelis sich befand, wie wir hernach sehen werden. Zum Neubau mußten die Kirchenkapitalien angegriffen und fremde Hilfe in Anspruch genommen werden. Wir haben eine Bittschrift des Bürgermeisters Und sämtlicher Bürger zu Laubach au Graf Friedrich Ernst, damals Reichshofrat in Wien, die also lautet:Ew. Hochgräfl. Exzell. ist ohne unser weitläufiges Vorbringen von Selbsten tznädigst bekannt, waßgestalten wir die allhießige Stadtkirche, welche einen gäntzlichen Einfall brmtefe, von neuem ans dem Fundament zu erbauen angefangen, mich biß diese Stunde mit dießem Kirchengebäu aus höchst dringender Roth immerfort con- tinuiert haben. Ob wir nun eine ziemliche Beyhülfe durch Ew. Hochgräfl. Exzell. hohes Vorwort und gnädigste Jntercession von Christmilden Gemüthern dazu bekommen haben, so sind wir doch dabeh genöthigt worden, die bey der hießigen Kirch ge­standenen capitalia sambt denen erschienenen Pensionen auch zu erheben, und solche zu Bestreitung der nötigen Kosten anzuwenden. Wir befinden aber alle dieses noch lange nicht erklecklich, die völlige Kosten damit z'u erschwingen, die wir durch den Krieg fast gcmtz verarmt, von anderen gutthätigen Hertzen mit einem weiteren Beitrag unter die Arme gegriffen werden sollte. Dahero wir dann nebst Gott unser abermahliges Vertrauen auf Ew. Hochgräfl. Exzell. alß unseren gnädigsten Landes Herrn setzen und Selbige hierdurch unterthänigst anfleheN, gnüdigst zu geruhen, die Stadt Lübeck, deren Müdigkeit in bergt. Füllen an sich genug belaubt und uns insbesondere angerühmet worden, durch dero hohes Vorschreiben dahin zu vermögen, damit selbige eine milde Beysteuer vor hießige Kirch erhebe unbt uns damit zu völliger Auferbauung derselben zu Hülfe kommen möge." Der Graf willfahrte dieser Bitte unb verwandte sich für seine Laubaeher

auch bei der Stadt Hamburg, und einer Reihe von Fürsten. In dem Gräflichen Schreiben an die Hamburger heißt es, diH Laubacher seien durch den 168.8 angefangenen und nach einem so kurzen Frieden wieder angegangenen französischen Krieg mit der alltäglich schwerer gewordenen Kontribution, Marsch-Remonten, Stillegern . und _ dergleichen Kriegs,Umlagen dermaßen fatigiert und fast bis aufs Blut ausgesogen, so daß es ihnen unmöglich falle, aus eigenen Mitteln ihren angefangenen und höchstnötigen Kirchbau zu vollenden. Die Hamburger willfahrten dieser Bitte und erhoben an allen Kirchtüren eine Beckenkollekte, die beinahe 1000 Gulden ergab und halb für den Kirchban und halb für beit Ban des damals geplanten oder schon im Bau befindlichen Armenhauses verwandt wurde. Graf Friedrich Ernst ermächtigte den Hmnbnrger Kaufmann Nikolaus Burmeister, vom Rat das Geld zu erheben und durch Wechsel an seinen, des Grafen Nego­zianten in Frankfurt, Jonas Mergenbaum in der Schnurgasse, zu überweisen. Dieser übermittelte dann das Geld nach Laubach. Auch an anderen Orten hatten die Bitten des Grafen schönen Erfolg. (Aber auch die Laubacher selbst standen in freiwilligen Gaben für ihre Kirche nicht zurück, Graf Friedrich Ernst schenkte 200 ft, andere Glieder des Grafenhauses gaben auch: die Lein.eweber- zunft ließ ein großes, die Schlosser- und die Schreinerzunft jo eilt kleines Fenster 'machen. Das beweist den kirchlichen Sinn der Alt-Laubacher, wonach der Kirchban von der allgemeinen Sym­pathie der Bevölkerung getragen war. Die Umgebung der Kirche war bis 1626 Friedhof. Auf demselben stand der Kerner ober das Beinhaus, in welchem die bei der Anlegung neuer Gräber sich noch findenden Leichenüberreste aufgeschichtet wurden. Dieser Kerner, in dem sich ebenfalls ein Altar befand, ward später zu einer Kapelle erweitert und zur Zeit der Reformation zu einer Schule umgebaut. Die vor einigen Jahren zur Verbreiterung des Zugangs abgerissene und weiter in den Hof der FriedrichsbUrg verlegte Maner bildete eine Seite der Kapelle. Bei der Ver­legung des Friedhofs vor die Stadt Wurde 1626 die Totenkirche daselbst gebaut, eine Holzkirche, die 1846, weil man die Kosten einer Dachreparatur nicht tragen wollte, abgebrochen und ver­steigert wurde. Erst neuerdings hat Man sie durch die würdige Ftiedhofskapelle ersetzt. , (Fortsetzung folgt.)

vermischter.

kf. Ein neues Stahl k ü h l v e r f a h r c n. lieber das neue Stahlkühlverfahren, das der Engländer Robert H a d f i e l d auf dem letzten Kongresse desJrou and Steel Institute" vor­getragen hat, Macht jetzt dieNature" nähere Mitteilungen: selbst beim sorgfältigsten Gießen des Stahles kann es Vorkommen, daß die Blöcke, von denen das obere Drittel sogar nicht benutzt imrfy noch Blasen enthalten. Der Grund dieser Erscheinung ist, daß die Abkühlung auch nach der WiedererwärmUng von außen nach innen fortschreitet. Bei amerikanischem totaljt bei 5cm häufig die ganzen Gußblöcke verwendet werden, finden sich sogar zuweilen größere Hohlräum.e in fertigen Eisenbahnschienen, die bann zum Bruch und zu einem' Unfall führen können. Tas Hadfielbsche Kuhl- verfahren besteht nun darin, daß er die Abkühlung schichtweise, von unten nach oben in der Gnßform erfolgen läßt: dann können keine Blasen im Metall bleiben. Dies geschieht dadurch, daß der Bloch während des Abkühlens von bet Oberseite her durch Kohlen vor einem Gebläse stark erhitzt wird. Natürlich gehören zu diesem Hadfielbscheu Verfahren besondere Gußformen, aber das Verfahren ist dennoch billiger als die älteren Methoden. Hadfield spart etwa 10 bis 12 Mark an der Tonne, weil bei seinen Guß­stücken volle acht oder gar neun Zehntel bet Länge anstelle bet' früheren 2/g sogleich blasenftei sind.

Charade.

Meine erste Silbe, zwei Zeichen zivar nur, Ist doch äußerst wichtig zu nennen;

Sie entscheidet gar ost über Leben und Tod, Kanu Menschen vereinen und trennen.

Meine zweite verkündet dir einen Golt, Der auf Griechenlands klassischer Erde Einst liebte den Tanz, die Jagd und Musik Und auch noch beschützte die Herde.

Mein Ganzes, ein mächtiges Juselteich, llmbranbet vom tosenden Meere, Hat sich in der Welt einen Namen gemacht Durch siegreiche Schiffe und Heere.

Auflösung in nächster Niimmet.

Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummer:

K

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Redaktion: K. N e n r a t h. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße«,