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Westens gefunden habe. Das ist die Weihnachtsrose oder Christa- rose, von der ich einmal gesagt habe:

Ehe die Lerche sang, Ist sie wach schon lang. In der schweigenden Welt, Die der Winter umfangen hält, Hebt sie einsam ihr zartes Haupt. Selber geht sie dahin und schwindet. Ehe der Lenz kommt und sie findet, Aber sie hat ihn doch verkündet. Als noch keiner an ihn geglaubt.

Das traf besonders im vergangenen Jahre zu, in dem schon bald nach Mitte des Novembermonats die Weihnachtsrose draußen ausgeblüht war. Im Februar des neuen Jahres kamen dann auch die Kätzchen der Erls und der Hasel, die so oft ihren Gold- staub auf den Schnee streut, zur Blüte. Um dieselbe Zeit sah man ferner an Gebüschen und in Menschenhänden schon viele Weidew- kätzchen. Es muß aber darauf aufmerksam gemacht werden, daß solche Kätzchen um diese Jahreszeit erst in silberweißes Pelz­werk gehüllte! Blütenknospen sind, die nur ihre äußere Hülle schon abgeworsen haben. Zu Blüten entwickeln sich die Weiden­kätzchen mit wenigen Ausnahmen erst im April. Wer übrigens ein wenig genau zusieht, der kann int Herbst, ja im Hochsommer schon an den Zweigen vieler Lanbbüume kleine Knospenkätzchen bemerken, die zu ihm vom künftigen Frühling reden.

Auch in diesem Jahre waren die Schneeglöckchen im Februar schon auf und hielten sich so wacker, wiä es ihre Art ist. ! Wenn auf trockenem Bodett sie einmal stärkerer Frost trifft, kann man beobachten, daß sie sich ducken und nieder'legen, um ungeschädigt sich wieder zu erheben, wenn milderes Wetter eintritt. Fällt ihnen Schnee über die Köpfchen, so macht ihnen das erst recht nichts auS.

Ter Februar war noch iticht zu Ende, als hier unweit des Ostseestrandes, wo ich wohne, die erste Lerche gehört würde. Staare tvurben um diese Zeit auch schon gesehen, und nicht lange darauf traf der erste Kiebitz ein.

So erscheinen schon früh im Jahr, wenn es meist noch friert und schneit, allerhand willkommene Frühlingsboten, das größte .Vertrauen aber auf die Rückkehr der schönsten Jahreszeit flößt üns doch das zunehmende Licht ein. Zunehmend Licht was bringt dem Herzen größeren Trost, al§ dieses tut! Mit Tag und Morgen ist für uns der Begriff des Hellen verbunden, aber Monate hiuditrch rufen die Morgenglocken. schon zum Tagewerk, wenn der Himmel noch dunkel ist, und bei künstlichem Licht muß begonnen werden, was der Tag fordert. O welch eine Freude, Wenn endlich wieder das Morgenrot und dann der strahlenden Sonne Schein auf das Antlitz und die Arbeit des Menschen fällt!

Um Weihnachten ist schon der Sieg des Lichtes über die Finsternis entschieden^ wenn es auch nur sehr allmählich zu­nimmt. Nach dem Sprichwort nimmt der TagWeihnachten einen Hahnenschrei, Heilige drei Könige einen Hirschensprmtg, Lichtmeß eine ganze Stund" zu. Mit dem letzten hat das Sprichwort nicht ganz recht, denn um Lichtmeß hat der Tag schott ein ganz Teil mehr als eine Stunde zugenommen. Licht­meß, richtiger Lichtmesse, fällt auf den 2. Februar und ist in der katholischen Kirche eine der Jungfrau Maria geltende Feier, Verbundeit mit der Weihe der beim Gottesdienst in Gebrauch kommenden Kerzen oder Wachslichter. Davon hat diese Feier und der Tag seinen Namen. Eine große Rolle spielte Lichtmeß in früherer Zeit und spielt es Wohl auch heute noch bei den Wetterprophet«!. War es um Lichtmeß hell und schön, so bleibe der Dachs im Loche, hieß es, denn es kommt noch, Winterkälte. War aber au diesem Tagd das Wetter ungestüm und mit Regen und Schnee tierntenget, so krieche er hervor und fürchte den Winter nicht mehr. Ein recht uttgestümes Wetter hat es in diesent Jahre bei uns um Lichtmeß wohl fast überall gegeben, und so wäre mit einem zeitigen und schönen Frühling ztt rech-, nen, wenn die Wetterpropheten immer Recht behielten. Leider ist iticht vollständiger Verlaß auf sie. Ich glaube es schon er­lebt zu haben, daß selbst die Voraussagungen alter Schäfer und Frauen, ja sogar alter Schiffer in Bezug auf die Witterung nicht ganz genau eingetroffen sind.

März gilt als der Frühlingsmonat im besonderen, der aber häufig noch toititerliches Wetter bringt und deshalb von Christian Günther in feinem Gedichtder falsche März" genannt worden ist. Nun, der April, der gleich nach ihm kommt, ist erst recht unzuverlässig und Wetterwendisch, und sogar im Mai habe ich noch einmal eine Nachtigall über frischgefallenen Schnee singen gehört.

Wie gesagt, der März ist der Frühlingsmonat, und mancher­lei Frühlingsblumen sind nach ihm Benannt worden. Dazu ge­hört vor allem das wohlriechende oder Märzveilchen, die Viola martia, wie man es früher auf Lateinisch nannte. Diese Blume, sagt der alte Hieronymus Bock von dem Märzveilchen, hat ihren Namett von der edlen Jungfrau Jo überkommen, die in ein Kälblein' verwandelt Ward und sollte deshalb Viola vitula (vitula ist das Kuhkalb) heißen. Darin irrt der Gelehrte Bock, beim obwohl das Veilchen bei den alten Griechen Ion hieß, hat es doch nicht seinen Namen von der Jo bekommen, die außerdem durch Zeus nicht in eilt Kälblein, sondern in eine Weiße Kuh Verwandelt wurde.

... , tnw alten Kräuterbuch des Matthiolus, das 1590 erschien, m die Rede von den lieblichen und wohlriechenden braunen Beieln, . l u£L.?vaPe,t hervorkriechen, daraus die Jungfrauen Kränze Und Buschel machen. Man findet sie, heißt es dann weiter- gemetnltch an schattigen Orten, in Zwingern, bei beit Mauern, Garteitzannen unb Büchelen (d. h. Hügeln). Kränze und Büschel oder Sträußchen von Veilchen machen die Jungfrauen oder Frän- letn sicher auch letzt noch, ober lassen sich solche machen, meist aber Wohl, Werl bte natürlichen Veilchen sehr vergänglich sind, aus künstlichen, die sich länger halten- als Hutzierde besonders.

Das wohlriechende Veilchen beginnt seine Blütezeit früher oder ipäter im März. 'Am 10. März habe ich in diesem Jahre me erften Veilchen gesehen, die im Freien auf Gartenboden erblüht waren. An der See blüht ja alles etwas eher auf als iin Binnenland.

Eine andere Blume, die auch vom März ihren Namen bo- komnten hat, ist eine Anemonenart, die sonst Leberblümchen ge­nannt Wird, weil dieses Pflänzcheiis Blätter in alter Zeit ich kann nicht sagen, ob mit Erfolg gegen Leberleiden ver­wandt Wurden. Herzfreude wurde es auch einst genannt, und das mit Recht. Welchen entzückenden Anblick bietet es dar, wo esim März schon den Boden des Laubwaldes mit seinen zierlich gehafteten blatten Blüten bedeckt! Der Sonnenschein, der daun noch zwischen den erst knospenden Zweigen hindurch auf den Waldboden fällt, ist es, der diese reizenden Frühlingskinder so früh schon erwachen läßt. Auch eine weißblühende Verwandte des Leberblümleins, die Waldanemone, wird Märzblume genannt, doch ist sie nicht immer im März schon auf. Dann heißt auch Märzenblume oder Märzenbecher die auf den Gebirgen des Südens heimische, hier und da aber auch weiter nördlich verwildert vor­kommende gelbe oder falsche Narzisse, die, wo sie etwas später aufblüht, Asnilblnme heißt. Es gibt Hornungs-, d. h. Februar- Blumen, Mdrzblitmeu, Aprilblumen und Maiblumen, weiter aber geht die Benennung der Blumen nach den Monaten nicht.

Das Osterfest fiel in diesem Jahr außerordentlich früh, nur einen Tag späten als es überhaupt fallen kann, nämlich auf den 23. März. Lange Jähre hat das nicht stattgefunden. Zum letzteit Male war das 1856, äls ich nach bestandenem Abiturieuten- exaincn um die Oster zeit die Heimat verließ und auf die Uni­versität ging. Ich kann mich nicht erinnern, ob damals die nach Ostern Benannten Blumen rechtzeitig sich aufgetan hatten. Es gibt ihrer verschiedene, die Küchenschelle, die Kuhblume, der Lerchensporn, der Löwenzahn und andere mehr noch, die sich alle diesmal wieder auf ein Frühostern vorznbereiten hatten. Sind sie nun auch nicht rechtzeitig blühend erfchieneu, so hielt ich doch das -für nicht zu bezweifeln, daß trotzdem der zur Tierwelt gehörende Osterhase 'pünktlich sich eingestellt hat und ans Eierlegen gegangen ist. Daran aber war uns doch, die wir mit der kleinen Welt im Verkehr stehen, besonders gelegen.

Att-Laudach und feine Bewohner.

Von Pfarrer N e b e l zu Laubäch.

(Fortsetzung.)

Herr von Laubach wär zuerst das Kloster Hersfcld, das die Minzenberger und nach ihrem Aussterben die Hanauer damit belehnte. Von den Hanauern kam es an die Falkenstemer. Einer von diesen, Philipp VIII., kaufte 1403 dem Kloster Hersfeld alle feine Rechte und Einkünfte in Laubach für 3050 Gulden ab und verleibte Laubäch als selbständiger Besitzer seinen übrigen Lan­den ein. Im Jahre 1418 starben die Falkensteiner int Mannes- stamm aus unb Laubach kam an Solms. Es ist nichts bekannt über die Erbauung des Laubacher Schlosses; in früheren Urkunden ist mehrfach von einer Burg zu Laubach die Rede. Vielleicht gehen wir nicht fehl, wenn wir annehMen, daß bisher die Ge­bäulichkeiten nicht sehr ausgedehnt waren, und daß er ft, nachdem Laubach unter Graf Friedrich Magnus 1548 Residenz einer beson­deren Linie Solms-Laubäch geworben war, ein Stück nach dem andern angebant wurde. Es scheint mir überhaupt zweifelhaft, oh von der alten Burg noch etwas steht; ober ihre Reste find fo in spätere Bauten eingebaut, daß sie nicht mehr erkennbar sind. Zu den ältesten Bestandteilen gehören jedenfalls die TürMe, aber leider verzichten selbst die Baumudigeu daraus, auch nur annähernd ihr Alter zu bestimm«!. Der eine Flügel, der im Schloßhof recht- winkelig dem ältesten Häupt'bäu sich anfiigr, heißt der Nassauer Bau, weil er von Graf Christian AugNst etwa 1750 von den!' Geld seiner zweiten Gemahlin, einer Prinzessin von Nassau- Siegen, gebaut worden ist. Diesem Nassauer Bau gegenüber, gleich wenn man dem Schloßtor Mneinkommt, rechts, steht ein langer, einstöckiger Bau, der jetzt verschiedenen Zwecken, u. a. als Wildkämmer dient. Früher War in ihm die Wache des Laubacher Militärs, das unter einem Hauptmann und einem Fähnrich, zeitwxise auch noch unter 1 oder 2 Leutnants stand, den Ruhm der Tapferkeit aber sich nicht erworben hat, wie folgende Einträge rin Ruppertsbürger Kirchenbüch beweisen!28. July' 1794. Da die französische Armee sowohl in denen Niederlanden als auch am Oberrhein immer mehr vordrang, so wurde endlich der 'Reichskrieg gegen sie erklärt und eine ReichsarMee zu stellen befohlen. Hierzu mußte auch unser Kontingent stoßen, das am 20. July Morgends in aller Frühe und in die Gegend Frankfurts