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„Dies zu glauben, liegt vorläufig für mich keine Ber- «nlassung vor."
„Ich bewundere deinen Glauben und kann nur wün- fcheri, daß du recht behälft. Wer Eva, wenn nun keine bleibende Besserung eintritt — was dann?"
Da sieht sie ihren Vater fest an.
.„Du hast mich zu einer Christin erzogen. Ich habe meinen Schwirr geleistet, den halte ich —: bis' zu meinem Tode."
Wieder einmal fällt es dein Grafen schwer zu antworten.
„Es ist eben ein Unglück, wenn ein Kind auf den Rat des Vaters nicht hört."
„Papa, bis heute habe ich geschwiegen. Ich rede auch nur, weil ich Hans-Wilhelm über alles liebe; denke an -Oberst von Seinsheims Worte! Auch dich trifft die Schuld, wenn dein Schwiegersohn untergeht!"
Da wurde aber der Graf sehr unangenehm.
„Der Belehrung des Obersten habe ich nicht bedurft, und es ist z-um mindesten nicht taktvoll, mich an eine für meine Person peinliche Stunde M erinnern, die ich meinem einzigen Kinde verdanke."
„Adieu!" .
Sie reichte ihm die Hand- und verläßt erhobenen Hauptes Gloss-ow.
*
Hans-Wilhelm kommt in übelster Laune heim.
„Eva ich bin wütend! Spielen wir da einen Skat nach der Sitzung und die Bank rupft mich unt siebenhundert Mark!" !
-Ihr Herz droht still zu stehen.
„Kann inan denn überhaupt im Skat soviel verlieren?"
.„Sonst würde ich es dir nicht sagen! Düsedau, Püch- kow und Röpke spielen mit Vorliebe den Point um die Mark."
„Aber warum .suchst du beim die gerade aus?" —<
/,Ja — warum?!"
Bitter lachte er auf.
Zwei Tage später händigte Eva Hans-Wilhelm zwei- tausendachthuudert Mark ein.
>,Was soll das Eva?"
j,,Jch habe es von der Bank abheben lassen."
. .„Warum denn?"
^,Weil es nötig war, Hans-Wilhelm. Sprechen wir, 'bitte, nicht weiter darüber. Wenn du mir aber eine Freude machen willst, so spiele nicht mehr — wenigstens nicht mit diesen Herren!"
Da nimmt er sein Weib in die Arme, klagt sich an nnd gelobt Besserung.
Dreizehntes Kapitel.
Die große Jagd, die Häns-Wilhelm diesen Winter gab, wird er sein Lebtag nicht vergessen. Eva hatte ihren Vater gebeten, an ihr teilzunehmen, aber er lehnte entschieden ab.
„Ich halte mich dieses Jahr von allen gesellschaftlichen Zerstreutlugen fern, um nach Möglichkeit zu vermeiden mit deinem Männe znsammenzutreffeu."
„Das haben bereits alle Seilte bemerkt, und sie machen ihre Glossen darüber."
„Was mir herzlich einerlei ist, mein Kind."
„Auch wenn ich darunter leide?"
Da .hatte er Eva mit einem langen Blicke angesehen,. <
„Denkst du vielleicht, ich leide nicht auch?"
Heftig Hatte sie anfbegehrt ihre Nerven waren schon arg imtgeuommen.
Statt Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, türmst du dtp und uns immer neue auf!"
„Cs,kommt auf den Standpunkt an, mein Kind!"
„Christlich ist deine Liebe sicher nicht!"
Da hatte der Graf Eva mit scharfen Worten in die Schranken zurückverwiesen, die einer Tochter dem Vater gegenüber gezogen find.
Sie war heftig geworden, ein Wort hatte das andere gegeben. Das Resultat war ein definitiver Bruch, u-
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Die Jagd war verregnet. Ein Südwind hatte fich aufgemacht, die Schneedecke aufgero-llt und. Regenschauer ge
bracht. Und als die Herren, vollkommen durchnäßt, mit karger Beute in Moreth eintrafen — die Hasen hatten fest gelegen — ereilte sie die Kunde, die Fran liege'st-erbend- im Bett.
Während Hans-Wilhelm sofort zu ihr eilte, unterhielt seine Mutter die Gäste, die sich, nach einem kurzen Imbiß/ ihr Bedauern ausdrückend, schnell verabschiedeten.
Eva phantasierte — der Arzt wär noch nicht da. Immer wieder rief sie nach Hans-Wilhelm und ihrem Vater.
wJch bin ja bei dir, kannst du mich nicht erkennen?"
Sie redete allerlei ungereimtes Zeug zusammen, und zum Schluß rief sie:
„Papa, gib Hans-Wilhelm die Hand! Er geht unter—i er geht unter."
Dann kreischte sie laut auf.
Er biß die Zähne aufeinander. Wenn das der Arzt hörte, was sollte der denken? Ob er nach dem Grafen schickte? Fast ging es über feine Kraft, aber da lag sein Weib und wand sich in wildestem Fieber.
. Seine Mutter trat ein, draußen fuhr gerade der letzte: Wagen fort. Immer wieder kamen dieselben Worte in namenloser Angst von Evas Lippen. .
j,,Jch fahre sofort nach Glofsow, Hans-Wilhelm." !
.„Muß es sein?" ' j
„Du siehst doch — die arme Eva!" I |
Und er knirschte mit den Zähnen und schwieg. i Frau von Moreth verließ das Zimmer, wenige Augenblicke später sah sie Hans-Wilhelm zum Hoftor hinausfahren. Eva war ruhiger geworden; jetzt tat cs ihm wieder leid, daß der Gras geholt wurde. Aendern ließ es sich nicht mehr, aber eine stille Wut gegen ihn stieg in ihm auf.
Der Arzt machte ein sehr bedenkliches' Gesicht.
„Ein regelrechter Nervenchok, Ruhe, gute Pflege das ist alles!"
Häns-Wilhelm fuhr sich mit der Hand über die Stirne; er fühlte sich, nicht frei von Fehler, aber den größten Teil trug doch sein Schwiegervater. Hätte er ein reines Ge- wissen gehabt, dann wäre es zwischen den beiden zweifellos' zu einem heftigen Zusammenstoß gekommen, aber so mußte er schweigen und seinen Acrg'er hinunter würpen. Das fiel ihm unsagbar schwer.
Der Arzt versprach sofort eine Pflegerin aus der Kreisstadt zu senden, und entfernte sich wieder; gen Abend wollte er noch einmal kommen.
Der alte Trcwel warf sich selbst aufs Pferd, um schleunigst die nötigen Medikamente aus der Stadt zu holen.
-Hans-Wilhelm aber saß im durchnäßten Jagdauzug, den Kopf in die Hand gestützt, am Bette seines Weibes, das sich im Fieberschauer wand.
(Fortsetzung folgt.)'
Der Frühling ist da!
Von Johannes! Troja u.
Der Frühling ist da! Im Kalender ist er offiziell als am 21. März erschienen verzeichnet, von anderen Seiten wurde auch' schon früher gemeldet, daß er int Kommen sei oder schon gekommen. Niedliche kleine Blumen haben es dargetan, indem; sie sich aufschlossen, von holden Vogelstimmen ist es verkündet worden. Natürlich wird hier und dort auch ein Dichter in die Saiten gegriffen haben, um die Ankunft des Lenzes durch Gesang zu feiern.
Nebenbei sei bemerkt, daß die Wörter Frühling und Lenz erst mit dem sechzehnten Jahrhundert in.unserer Sprache auf- gekommen sind. Ter Gebrauch des Wortes Lenz ist daun iij! neuerer Zeit auf die gehobene oder dichterische Sprache eingeschränkt worden. Endlich kam zum Frühling int achtzehnten Jahrhundert das Frühjahr, ein Wort von wesentlich prosaischem Charakter.. Von einer Frühjahrstracht spricht man, von einem Frühjahrs^ mantel, dagegen von Frühlingswonne, vom Frühlingshauch, von der Frsthlingsliebe. Unsere glte Sprache kennt die Wörter FrnH- ling, Frühjahr und Lenz nicht. Die Dichter aus der Zeit des! Minnchesg'nges preisen aber in unzähligen Liedern den Mai als die Jahreszeit, die von den Oualen des Winters befreit,- Blumen wieder blühest und kleine Vöglein singen läßt.
Im asten Jahre schon kündigt sich uns der künftige Frühling an, st. a, durch eine Pflanze, die vor der Entwicklung der Blätter ihpe schönen, großen Blüten entfaltet. Heimisch ist sie auf den Mven, ist aber- Bet uns zu einer beliebigen Gartenpflanze geworden, die ich auch in den kleinen Vorgärten des Berliner


