Ausgabe 
29.3.1913
 
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Samstag, den 29. März

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frsuenliebe.

Roman von § o r ft 33 ob enter.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Am Dienstag nachmittag war Sitzung der Molkerei- genossenschaft im Schwarzen Adler. Da Hans-Wilhelm An­teile befaß, so mußte er hin. Jeden Tag wurde seine Milch in die Kreisstadt zur Verarbeitung gefahren. Den Amts­gerichtsrat hatte er in einem Briefe gebeten, sich auch inwHotel einzusinben, nur ihm das Geld einzuhändigen. Hatte er ihn in seiner Wohnung ausgesucht, so wäre ec Frau Röpke sicher in die Hände gefallen.

An der Sitzung nahmen unter anderem auch Düsedau und Albrecht Püchkow teil. Natürlich würden die ihn zu einerRevanche" verleiten ioollen. Aber er nahm sich vor, entschieden abzulehnen.

Die Rechnungslegung nahm nur kürze Zeit in An­spruch, einige Fragen wurden -aufgeworfen, sie ntachien Nicht allzu viel Kopfzerbrechen, alles stand schön und gut.

Sobald die Verhandlung geschlossen wurde, kam der Amtsgerichtsrat aus dem Nebenzimmer.

Guten Abend, meine Herren!"

Holla, der Röpke. Der hat uns gerade gefehlt!" rief Düsedau vergnügt.

Hansi-Wilhelm sprang auf, nahm ihn unterm Arm und führte ihn hinaus, um seine Schuld zu. begleichen. Er hatte das Geld aus seiner Wirtschaftskasse entnommen, die dadurch ein sehr beträchtliches Loch bekam.

Die kleineren. Gutsbesitzer und Bauern bezahlten ihre Zeche und brachen auf; das Zimmer war jetzt füreinen hohen Adel der Umgegend" reserviert. Bruno Röpke war hier, trotz seiner bürgerlichen Abkunft, ein gern gesehener Gast, dennet hielt mit." Wenn einmal nichts los war, nun, so schickte mail zu ihm), er ließ nie lange auf sich warten. i

Als Hans-Wilhelm wieder mit ihm eintrat, meinte Püchkow:

Wie wär's mit einer kleinen Revanche? Wir wollen unserem Freund Röpke den Heimweg etwas leichter machen."

Düsedau war Feuer und.Flamme, aber Moreth war nicht zu haben.

Herrschaften, ich muß faktisch uach Hause.N

Hast wohl dein Fett weg vom Sonnabend?" fragte Jochen.

Das ärgerte Haus-Wilhelm ganz gewaltig. __

Lieber 'Düsedau, du solltest nachgerade wissen,_ daß mich solche Reden anöden. Um dir aber den eigentlichen Grund recht deutlich zu sagen: ich habe kein.Geld für solche kostspieligen PMionen."

Allerhand Achtung! rief Püchkow.Ich mache dir einen Vorschlag, Hans-Wilhel-m: wir spielen bis neun Uhr .einen Skat!"

,Zst mir zu lange."

Also bis acht. Einverstanden?"

Und .Hans-Wilhelm, der zeigen wollte, daß er der Herr im Hause, gab nach.

Aber 'nen ordentlichen," meinte Röpke.Ich bin Ihnen Revanche schuldig, Herr von Moreth und beim Skat kann man auch besser Sie Chancen ausnützen."

Meinethalben."

Hans-Wilhelm dachte an feine Wirtschaftskasse, der eins Auffrischung dringend not tat und Skat war doch kein Hasard! , '

Man einigte sich auf den Point zu einer Mark.

Als es acht schlug, hatte Hans-Wilhelm siebenhundert Mark verloren.

Weiß der Teufel was du für ein Pech hast! polterig Püchkow los.

Hans-Wilhelm stand rasch auf, so daß der Stuhl umfiel.

Gute Nacht, meine Herren! Für diesen Winter hab' ich genug Lehrgeld gezahlt!"

Fort war er.

Röpke, Düsedau und Pnchkow sahen sich an und lachten; sie verplemperten noch ein wenig Zeit mit der lustigen Sieben, und die Junker rupften den Amtsgerichtsrat ganz gehörig.

Eva hatte die Gelegenheit benutzt, diesen Nachmittag zu ihrem Vater zu fahren.

Er empfing sie mit ernstem Gesicht.

Ich habe dich erwartet mein Kind."

Aus bestimmten Gründen, Papa?" 1

Sei lieber offen zu mir, du weißt doch, daß Hans!- Wilhelm am Sonnabend bei Püchkow zweitausend Mark ver­loren hat?"

Sie sah zur Erde. Ihr Herz krampfte sich zusammen. Der Vater wußte es, sie, fein Weib', nicht!

Oder sollte er es dir verheimlicht haben," fuhr der Grass fort. _ ,

Schnell lenkte Eva das Gespräch in andere Bahnen; auf diese Frage durfte sie dem Vater aus' keinen Fall antworten.

Woher weißt Du es, Papa?"

Der Amtsgerichtsrat hat es seiner Frau erzählt, und wenn die etwas weiß, dann erfährt es die ganze Gegend. Ist die Schuld denn beglichen?"

Sie wußte nicht, ob sie die Wahrheit sprach aber das war ihr in diesem Augenblick ganz gleichgültig.

Die Zeit wird nun leider sehr rasch kommen in der du begreifen lernst, daß ich gut tat an Hans-Wilhelms Bes­serung zu zweifeln."

Papa, jede Krankheit hat Rückfälle, die überwindet man." i ,

Oft kehren sie auch immer wieder und zeigen bann stets dasselbe Krankheitsbikd."