Ausgabe 
29.1.1913
 
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land heimischen Kleinvögeln. ist einer, der sich im Winter be­sonders wohl fühlt und dann auch zur Brut schreitet, wer Kreuz­schnabel oder besser: die Kreuzschnäbel, denn eS- kommen bet uns verschiedene Arten vor. Wenn die Nadelhölzer reich an warnen sind, sieht man die lmulwestigeu Vögel, bis man im Sommer ver­hältnismüßig selten zu Gesicht bekommt, zuweilen icharemveise. Marshall hat sie im Jahre 1888 zu vielen Tausenden beobachtet, und nach einem Berichte des alten Bechstein aus dem Wmter 1794/95, wo das Thermometer mehrere Male. auf 30 Grad Reaumur unter dem Gefrierpunkt stand, waren im Januar bte jungen Kreuzschnäbel alle glücklich ausgekommen,so daß von dem Geschrei der Jungen die Thüringer Wälder widerhallten .

Bermrschrss.

Was die Vollendung des Boulevard Hauß- m an» kostet. Der Boulevard Haußmann, die berühmte Pariser Straßenanlage des zlveiten Kaiserreiches, die nach dem Nen- gestalter des modernen Paris, dein Stadtpräfelten Haußmann, benannt ist, wird nun endlich vollendet werden. In 45 Jahren soll der Boulevard, der bisher in der stattlichen Länge von 2240 Meter zwischen dem Fanbourg-Saint-Hoiwra und der Rue Taitbout sich ausdehnte, sich durch die Rue Taitbout über die. Rue Lafitte und Rue Le Peletier bis zur Ecke der Rue Drouot und des Boulevard des Italiens erstrecken. Die großartige Anlage mürbe in den Jahren 18681870 von einer Gesellschaft von Finanzleuten ausgeführt. Der Erwerb des Geländes kostete 62 Mil­lionen Franks und zwar bezahlte die Stadt die Grundstücke mit Preisen, die sich zwischen 2600 und 433 Franks für den Geviert­meter beliefen. Die neue Strecke, durch die der. prächtige Straßen­tzug erst seine Einheitlichkeit und seinen Abschluß erhält, beläuft sich auf 80 Meter. Nach den Schätzungen des Seinepräfekten, wird, wie dieIllustration" mitteilt, die Erwerbung der dazu notwendigen Grundstücke sich auf mehr als 50 Millionen Franks belaufen. Die Durchführung des großen Unternehmens geschieht ebenfalls durch eine private Gesellschaft, doch wird die Stadt Paris einen Zuschuß von 25 Millionen Franks geben, der ent­sprechend erhöht wird, wenn die Kosten der Anlage 50 Millionen übersteigen. Im ganzen berechnet man, daß der laufende Meter des neuen und letzten Stückes des Boulevard Haußmann 107 142 Franks kosten itnrb, während der laufende Meter des bisherigen Boulevards' durchschnittlich 27 678 Franks kostete.

Milliarden a u f de m Meeresgr u n d e. Schon oft ist von versunkenen.Schätzen, die ungehoben in den Siefen des Ozeans schlummern, die Rede gewesen, und alle 2 oder 3 Jahre erfährt man von seltsamen Expeditionen und Bergungsversuchen, durch die unternehmende Leute dem Meeresgründe die brach­liegenden Schätze zu entreißen suchen. Jetzt hat sich ein fleißiger Bibliothekar, wie eine französische Wochenschrift berichtet, die Mühe gemacht, auf Grund aller vorhandenen Nachrichten, Dokumente und Chroniken auszurechnen, mie viel Gold, Silber und Geld bei Schiffbrüche n von den Meerestiefen verschlungen wurde. Und er kommt dabei zu dem Ergebnis, daß in den Meeren Schätze im Gesamtwerte von fast 5 Milliarden Mark schlummern, genauer: 4600 Millionen Mark. Nach den Schätzungen dieses Zahlen freundes ruhen allein in den europäischen Gewässern Wracks, bereit Inhalt ausreichen würde, um Jahre lang den Ausgaben etat einer Großmacht zu bestreiten. An der Spitze steht wohl bei dieser leider platonischen Berechnung die berühmte spanische Fregatte Dugue de Florencia, die vor 3 Jahrhunderten an der schottischen Küste in der Bai von Tobermoru Schiffbruch erlitt und unterging. Die Fregatte war das Schatzschiff der berühmten spanischen Armada, utib, nach den noch erhaltenen genauen Doku­menten und Urkunden führte sie zur Zeit ihres Unterganges in Geld, Gold- und Silberbarren einen Schatz von über 600 Mil­lionen an Bord. Au zweiter Stelle steht die englische Fregatte. Sntine, die im Jahre 1799 an der holländischen Küste, an der Einfahrt zum Zuydersee unterging. Sie soll Edelmetalle und Geld int Werte von 320 Millionen Mark int Schiffsraum gehabt haben: in den letzten Jahren sind schon mehrfach Versuche tutter- nommen worden, wenigstens einen Teil dieser Schätze wieder- znfiuden, aber sie alle blieben, wie die meisten derartigen Experi­mente, bisher erfolglos. Bei Anglesey ging int Jahre 1839 die Royal Charter" unter und nahm einen Schatz von nahezu 300 Millionen Mark mit in die Tiefe. Und annähernd die gleiche Summe enthielt dieGrosvenor", die am Kap der guten Hoffnung scheiterte und zwar an einer Stelle, wo das Meer nur 30 Meter tief ist. Auch in den Tiefen der Bai von Vigo ruhen ungezählte Millionen in Goldbarren und in Silber, denn hier scheiterten einst die spanischen Schatzschiffe, die gewaltige Vorräte don Edelmetall aus Amerika ins Mutterland tragen sollten:,man schätzt den Verlust, den die spanische Staatskasse mit der Ver- ittchtung dieses Geschwaders erlitt, auf ungefähr 560 Millionen Mark.

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läufiger, daß man meint, man könne sich dadurch gegen alle Zu- fälligkeiten und Gefahren des Levens schützen. So gibt es Leute in Cnglagd, wie uns eine Wochenschrift erzählt, die vorsichtig genug sind, beim Eingehen einer Ehe sogleich eine Versicherung gegen Scheidung und « gegen die Ankunft von Zwillingen aiuzunehmen. Die großen Londoner Versicherungsgesellschaften haben zwar in neuerer Zeit ihrem Kundenkreise in der Suche nach den seltsaiitsten Objekten einige Beschränkungen auferlegt, aber der wunderlichen Versicherungen gibt es noch immer genug. So kann man sich z. B. versichern gegen Schädigung durch Dienstboten, gegen Ver­lust durch schlechtes Wetter, gegen das Liegenlassen von wertvollen Dokumenten, gegen neue Steuern oder neue Zölle, gegen bestimmte I politische Gesetze usiv. Eni Sänger oder eine Sängerin können I sich gegen den Verlust ihrer Stimme versichern, und einem Vor­sichtigen steht es nicht nur frei, uir den Fall sich eine Sicherheit zu verschaffen, das; er selbst wahnsinnig wird, sondern nud) für den Fall, daß irgend eine wahnsinnige Person ihre no; malen Geistes­kräfte wtedergewinnt. Versicherungen gegen Erdbeben sind zivar in Albion nicht.häufig, aber durchaus zulässig. Viel Liter nehmen Slutamovilinen den Dienst der Gesellschaften in Anspruch: sie können Vorsorgen i r die n eldslrasen, die sie ivegeit z>t schnellen Fahrens erhallen, und für die Nnglncksiälle, die sie dabei erleiden. Tie Höhe der Prännen hängt bei diesen Versicherimgen der Auto­mobilisten völlig von der bisherigen Führung des Kunden ob. Ein Automobilist, der noch feine Polizeistraien erhalten hat, zahlt ver­hältnismäßig wenig: einer, der bereits mehrmals dem Arm der Gerechtigkeit veriallen ist, muß eine lehr beträchtlich höhere Prämie entrichten. Mancher gefährliche Schnellfahrer aber zahlt sogar eine Prämie wie bei einer gewöhnlichen Lebensversicherung nur ein ganz schwerer Herzkranker. Durch die Ausschreitungen der Sufsragellen lind die tumiiltuarischen Vorgänge, die in den letzten Jahren England in Unruhe versetzten, sind Versicherungen gegen den Verlust bei Alifruhr und Temonslrationen sehr iit Aufnahme gekommen. Die geivöhnliche 'Rate bet dieser Art von Versicherung ist nicht sehr hoch, ober sie steigt beträchtlich, ivenn es sich um Lokale handelt, die on besonders ausfälliger und gefährdeter Stelle liegen, oder um Persönlichkeiten und Geschäfte, bei denen voraus­zusehen ist, daß sie irgendivie Haß und Erbiiieruilg ent'cfjeln konnten. Früher kam es häufiger vor, daß man Cbjefte versicherte, die in gar keiner Beziehung z>i dem-Versicherten standen, so z. B. das Leben irgend emes bekaniuen Räubers und Mötders usiv. Einen - tie eren Sinn für Gerechtigkeit wird man darin erblicken, wen» sich jemand zu Gunsten feiner Gläubiger versichert: kl» e Leute aber, die derTücke des Objektes" gar nicht trauen und gegen jede Eventualität ge chützl fein wollen, versichern sich sogar gegen den Verlust ihrer 2lbonnementSfaiten auf der Bahn- oder ihres Hausschlüssels.

"Der a m e r ik a n i s ch e M a r i n e m i n i ft c r alsTa nz- m elfter. Nun hat auch, mit dem gebührenden aiullichen Ernst, das amerikanische Marmeministerinm m den Kamps gegen die Schiebetänze und andere Ausivüchse modernster amerikanischer. Tanzkunst eingegriffen. Ein amtli her Erlaß schreibt allen Kadetten der Alarme in den Vereinigten Staaten genau vor, mie sie tanzen dürfen und wie sie nicht tanzen bürten. Tie Beratungen im Minlsterinm waren schwierig, beim wie füllte mein den jungen Kadetten den Schiebetanz umschreiben? Täglich kommen neue Tänze, und wenn man Heute den Grizzlybär verbietet, gefährdet morgen ein anderer neuer Tanz die Wohlaniuindigkeit Das Problem wurde gelöst, indem den Robeiten vorgeschrieben ward, sie bütnen nur Tanze tanzen, bei benen der linke Arm vollkoiniiien gestrecki bleibt und Die Partnerin niini eftenti 6 Zentimeter vom Partner entfernt ist. Das schließt allerdings Schiebetänze aus.

* Sein Neuj ah rstran nt.Denken Sic /sich," so flüsterte er ihr zu,in der Neujahrsnacht träumte ich, ich hätte Ihnen einen Antrag gemacht."Nun, und nahm sich au?" forschte sie neugierig.Ja. 'Wer als ich daun bei Ihrem Vater um Ihre Hand anhalten wollte, da war ich so nervös', daß ich auf­wachte." _____________

Logogriph. ;

In der Erde Schoß gebannt, Holt mich doch des Menschen Hand.^ Großen Tank zoll' ich dafür;

Lasten trag ich gleich dem Tier. Ja, viel stärker zeig' ich mich, Niemand mir an Kräften glich. Stolze Bauten muß ich ftüuen, Hebernd fast kann ich nützen. '

Willst duf" statti" mir geben, Bin ich nötig dir zum Leben.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Liegt dir Gestern klar und offen, Wirkst du heule kräftig frei, Kannst du auf ein 'Morgen hoffen, ^as nicht minder fröhlich fei. Goethe.

* Was alles versichert w ird. England ist daS klassische Land der Veriicherungeu; ein Achtel der Ersparnisse der Nation werden mittelbar oder unmittelbar in Lebensversicherungen an­gelegt, und der Begriff der Versicherung ist ein so allgemein ge­

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brül'l'scher» Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießet