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Mit woch, den 29. Zanuar
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Von Frühling ;u Frühling.
Roman von (Srich Eb enst ein.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
. Er trat zn -ihr und legte den Aren um sie. In seinen schwarzeir Augen flammte es auf — Meta wußte nicht, war es Leidenschaft oder Triumph. -- „Nein," sagte er ruhig, aber sehr bestimmt, „das ist die Liebe. Oder wenn du willst — die Ehe. Wo du bist, will ich auch sein und deine Heimat ist die meinige."
Meta erschrak plötzlich in tiefster Seele.
Hatte er nicht recht? Mußte es nicht so sein in der Ehe? Und wenn sie nun nicht so empfinden konnte, wenn alles in ihr sich dagegen aufbäumte, dieses Mannes Willen zu dem ihrigen z-u machen war es dann Ehe, ivas fie verband?
Und etwas in ihr schrie laut auf: Nein ■— nein —. nein! Du hast ihn gewonnen ohne Liebe, in einer verzweifelten Stunde. 'Dein Herz schlug nie den gleichen Takt mit dem seinen, dein Wille ging nie auf in dem seinen. So fremd wie am ersten Tage ist er dir im Grunde geblieben bis heute.
Nun trage — dulde und trage!
Ganz still und demütig setzte sie sich wieder an das .Bett des Kindes. Sie fand kein Wort der Auflehnung mehr.
In diesem Augenblick trat der Arzt ein. Er untersuchte das Kind, ließ sich alles über seine geistige und körperliche Beschaffenheit erzählen, stellte eine Menge Fragen und machte zuletzt ein sehr ernstes Gesicht.
„Die einzelnen Organe sind gesund, noch ist kein ausgesprochenes Krankheitsshmptom Zu finden. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Nervenerkrankung, die möglicherweise zu einer Art Krise führen kann. Ob sie gut oder schlimni ausgehen wird, läßt sich gegenwärtig noch nicht bestimmen. " Jedenfalls hat das unregelmäßige Leben während dieser monatelangen Reisen das Kind angegriffen. Man mutz abwarten."
So lautete sein Ausspruch.
Schweigend saß Meta neben dein kleinen Bettchen, wüh- reud Montelli den Arzt hinausbegleitete.
Die langen Reisen hatten ihm also geschadet. Und sie Ivar es gewesen, welche immer weiter gedrängt hatte, bald hierhin, bald dorthin, in einer ihr sonst völlig fremden Rastlosigkeit. 9htr weil sie sich instinktiv vor der Ruhe fürchtete, vor dem Alleinsein mit ihrem Manne.
Jetzt wurde ihr das klar.
Und nun war das Kind krank durch ihre Schuld.
Montelli kehrte zurück. Leise trat er zu ihr und drückte ihren Kopf an seine Brmsi, ihn mit seinen Händen dort sesthalteud.
„Verzweifle nicht. Liebste!" sagte er weich und zärtlich wie seit langem nicht. „Der Arzt hofft das Beste."
Sie atmete beklommen und rührte sich nicht.
Ach, dieses Geborgensein an einem anderen Herzen, diese warme Anteilnahme, nach der sie jahrelang fast verschmachtet war, hatte sie auch damals verblendet in Brioni. Sie hatte sich eingebildet, dabei müsse der große Friede, die Ruhe von selber kommen.
r-b nun war es doch nichts. Jü ihr blieb alles leer und tot nab einsam.
Wenn sie boch Montellis Liebe hätte erwibern können.
„Ich war heute häßlich zu dir. Meta," begann er wieder, „vergib mir! Ich wußte nicht, was ich redete. Aber sieh, nun wollen wir beide vernünftig sein und ein neues Leben aufaugen, es wird dir gewiß gefallen in Dopolcuchi und Konradchen wird sich dort erholen, du wirst schon sehen!"
'Dann erzählte er ihr alle Abmachungen, die er mit dem Prinzen getroffen hatte, auch von dem Ehrenwort erzählte er, welches er gegeben hatte.
„Im Grund," schloß er, „kommt mir dieses Versprechen etwas unbequem; denn eigentlich hatte ich vor, mich an den Wetten am Turf zu beteiligen — schon mancher kam so zu Vermögen. Aber da er es nicht will — in Gvttesnamen!"
Allmählich tarn etwas wie Ruhe über Meta. Vielleicht würde es doch besser, als sie dachte. Freilich, sie selbst mußte auch den guten Willen haben — alle Träume, alles Rückwärtsschauen über Bord werfen. Das Leben bringt eben keinem die Erfüllung seiner Ideale. Man mußte trachte», mit der Wirklichkeit fertig zu werden. Das war zuletzt ja alle Weisheit.
Montelli streichelte ihre Wange»'.
„Es wird Reins Perg natürlich sehr unangenehm sein," sagte er, „aber selbstverständlich fahre ich morgen nicht nach Trebiuten. Ich bleibe bei dir und Pflege Konradchen."
„Nein, bitte — fahre. Wenn du die Stelle einmal übernommen hast, bann erfülle auch deine Pflicht ganz. Ich werde die meine an bem Kinde erfüllen."
Er zog sie ganz an sich.
„So bist du nicht mehr böse, daß ich zugesagt habe?" „Nein."
„Nun bist du wieder meine liebe, kleine Frau, Meta! Und nun gib mir einen Kutz — ja?"
Schwelgend küßte sie ihn.
Der Eintritt Fräulein Minnas, welche das Eis brachte, überhob sie der Antwort. Später, als sie wieder einen Moment allein waren, drückte Meta in einer Anwandlung innerer Reue ihres Mannes Hand und sagte warm:
„Wir wollen beide versuchen, unser Bestes zu tun, Viktor, ja? Vielleicht habe ich das Leben bisher wirklich zcl ernst genommen — ich will mich bessern."
Montelli lächelte befriedigt.
„Ich lwußte es ja, daß du nicht bloß die schönste, sondern auch die klügste, beste Fran bist!"


