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„Brauchst du denn so notwendig Geld?" fragte ich anscheinend ganz verwundert.
. >»Jm Gegensatz zu anderen Frauen brauche ich bekanntlich nre etwas/ widersprach meine Frau, „außerdem Hast du mir erst vor eilt paar Tagen vierhundert Mark auf drei Jahre geborgt und erst mir weitere fünfhundert Mark in der nächsten Woche zu leihen versprochen. Nein, ich brauche wirtlich nichts, aber wenn man ctne Wette gewinnt, will Man sie doch auch gleich! bezahlt erhalten. In der Hinsicht sind wir Frauen wie die kleinen Kinder. Ihr Männer seid ja glücklicherweise anders, Ihr könnt warten/ 'und ’bii müßtest es auch, denn Vor der nächsten Woche könnte ich dir, wenn ich die Wette verlieren sollte, die sechshundert Mark nicht geben. Ich müßte dich dann auch bitten, mir anstatt der fünfhundert elfhundert Mark zü leihen. Davon würde ich dir natürlich sofort die sechshundert Mark bezahlen, fo daß ich dir dann nur noch fünfhundert Mark schuldig wäre."
-,/So ist ie§ richtig," — ich mußte da doch lachen„na, darüber können wir ja später noch sprechen, erst wollen wir mal abwarten, wer die Wette gewinnt."
„Ganz bestimmt ich!," rief meine Frau. Die alten Griechen konnten auf dem berühmten Zug! uwch der Küste nicht ungeduldiger nach dem Meer ausgesehen haben, als meine Frau nach dem ersten Regentropfen. Den ganzen Dag saß sie auf der großen/ glasbedeckten Veranda, die an mein Arbeitszimmer stößt und starrte den Himmel an. Alber der blieb blau, wie er war, das Barometer stand trotz allen Klopfens im'mer noch aus „Schön Wetter"/ und selbst die Jfchiasschmerzen in ihrem linken Arm schienen leinen Regen mehr M verkünden. Wer meine Frau starrte immer weiter zum Himmel le'myor, bis sie Mich schließlich kleinlaut fragte: „Sag mal, wir haben Uns noch gar nicht darüber geeinigt, wieviel muß, es denn eigentlich regnen, damit ich meine Wette gewinne? Än einen Wolkenbruch glaube ich selbst nicht, auch nicht dar!an, daß es gießen wird, das ist ja aber auch gar nicht nötig, Regen ist Regen, vb viel loder wenig, spielt dabei gäv keine Rolle, und deshalb meine ich, daß ich die Wette gewönnest habe, sobald wir die ersten Tropfen auf das Glasdach fallen' hören," Und mich flchentuch astseljend, bat sie: „Nicht wahr, du bist damit einverstanden? Ich Möchte so schrecklich gern die Wette gewinnen, aber ganz bestimmt nicht des Geldes wägen. Sechshundert Mark sind ja schließlich eine gänze Menge, ab« Gott sei Dank, soviel ist es doch fauch nicht- Trotzdem möchte ich sie natürlich haben, aber wie gesagt, nicht des' Geldes wegen."
„Das stehle ich dir vollständig nach," stimmte ich meiner Fräst bei, „ich Weiß ja, daß du dir nichts aus dem Gelbe machst, sonst Würdest du es nicht so leicht und so schnell ausgeben."
„Nicht wahr," rief meine Fvast erfreut, „das mußt du wirklich sagen, daß ich nicht so bin wie die anderen Frauen. Wenn ich darast denke, toie die manchmal rechnen 'und sparen — ich bin ja auch sparsam, aber sparen tue ich denn Gott fei Dank doch nicht, das ist so nüchtern und prosaisch Und vor allen Dingen so furchtbar langweilig. Du hast recht, ich mache mir wirklich nichts aus dem Gelde," und ihre Hände faltend, hat siet „Ach, wenn es doch nur regnen möchte." , . , ,.w., . ..
Und als es endlich sowert war, tropfte es wirklich auf das Dach/ laut und vernehmlich, und ich wüßte auch, woher der Regen kau: lieber Meinem Wohnzimmer sind die Mädchenzimmer, ünd ich hatte den Hausmädchen heimlich und verstohlen den Auftrag gegeben, nach Eintritt der Dunkelheit künstlichen Regen zu erzeugen. Im Garten Wurden’' mit dem -endlos längen Schlauch dm Blätter der Bäume besprengt und gleichzeitig goß das.andere Mädchen aus ihrem Fenster .aus einer Aeinen Greßkanne den Inhalt stuf das Dach der Veranda. Zuerst nur langsam, tropfen- iveise, dann immer mehr und mehr. , '
Nur ein Glück, daß es inzwischen dunkel geworden Ivar, daß meine Frau den Betrug nicht entdecken konnte. Und so rief sie denn 'plötzlich glückstrahlend: „Es gießt, hast du es gehört, es gießt! -
Und ich hatte es gehört, das Mädchen goß da oben wirklich, aber jetzt Wurde es wieder still, die Gießkanne mutzte leer fern, gleich dar'a'uf aber goß -es wieder, die -zweite bereitgestellte Gießp kanne trat in Tätigkeit. , ~
„Komm, laß uns in das Zimmer gehen," bat meine Frau, - es wird hier draußen zu feucht, man kann sich Bet dem Regen leicht erkälten." So gingen wir denn in mein Zimmer, und als wir die Balkontür geschlossen Hütten, da geschah es daß meiste Frau mich freudestrahlend Umarmte und»mir zunef: -,,Ach, ich kann 'es dir ja gar nicht sagen, wie glücklich ich bin, daß ich die Wette gewonnen habe, noch dazu ohne jeden Betrug.
Ganz erstaunt HicBte ich auf, um dann zU fragen: „Wie soll ich das verstehen?" „
»T-a schmiegte Meine Frau sich von neuem zärtlich an mich und sagte: „Sei nicht böse-, aber ich mußte die Wette gewinnen. Ich brauche rasend notwendig sechshundert Mark. Ich wollte nicht darum bitten, und deshalb hatte ich Mit den Mädchen verabredet — über du darfst nicht böse fein — ich hatte den Mädchen aesaat sie sollten bis um 10 Wr abends damit Warten. Jetzt ist es ja erst 9 Uhr, und Vs hat schon geregnet, aber wenn es auch um 10 Uhr noch nicht geregnet hätte, dann sollten sie es Wnstlich regnen lassen -- im Garten mit dem großen Schlauch/ indem sie die Blätter der Bäume besprengten und oben aus den Fenstern heraus mit den Keinen Gießkannen. Ist der Dunkelheit hättest du den kleinen Betrug gar nicht gemerkt, aber ich Pin
Die wette.
Ghehumoreske von Freiherr von Schlicht.
-' Schon als ich !am Morgen in das Schlafzimmer Meiner Fran gsta't, stm diese Ast begrüßen, Machte sie ein Gesicht, wie es jede Frau tut, die die feste Absicht hat, ihten Mann um Geld zu bitten, die aber noch nicht weiß/ wie sie das anfangen soll, denn natürlich darf der Mann ihre Absicht nicht merken. Selbst Wenn 'er das Geld später gegeben h'a't, darf er nicht dahinter kommen, Hatz ihm das Geld aus der Tasche gezogen ist. Die 'Sache, muß sich im Laufe des Tages wie zufällig ganz von selbst entwickeln.
Auf den ersten BW. erriet ich, was meine Fran im stiller beschäftigte, so sah ich sie denn forschend ust-d prüfend an, um aus Men -Zügen izst «gründen, wieviel Geld sie Wohl brauche. Meine Frstü sah so nach vier- ober 'fünfhundert Mark ans'. Wenn ich Glück hatte, auch nur nach dreihundert. Aber wann hat ein Mann in der Hinsicht Glück? Selten! Und als meine Frau sichnun bemühte, 'mich ihrerseits völlig harmlos Und unbefangen astzusehen, >a wußte ich/ daß- ich häute sogar Pech! haben würde. So legte H' denn freiwillig noch weitere hundert Mark hinzu, während .ch mir Zugleich im stillen schwur, über sechshundert Mark hinaus auf alle Fälle taub und Unerbittlich zu bleiben.
M'eine 'Frau markierte die völlig Harmlose und Unbefangene, sie war so fröhlich und -guter Dinge, daß sie ein paarmal lustig Vor sich hinlachte, als ich mit ihr plauderte.
Jede Frau ist die geborene .Verstellung, loB-er wenn sie sich verstellen will, dann kann sie es nicht, dann fällt selbst die beste Schauspielerin laus der Rolle. So sah ich -es denn betrübten Herzens mit an, wie meine Fr-au sich- im weiteren Verlauf des Vormittags abmühte, mich zu täuschen. M-chr -als einmal lag. es mir auf der Zunge, ihr 'zuzurufen: „Nun sag schon, wieviel Geld ibu haben willst, mache -es kurz und schmerzlos, dann haben wir es beide hinter uns." -. ., ~ ,
Aber ich schwieg trotzdem, ich- ivollt-e ihr mcht bte Freude rauben, später 'auf die ganläi unmerkliche Art und Weise stolz sein zu können, in der sie. mein Portemonnaie erleichtert hatte.
Sie war in anderer Stimmung als sonst und blieb es auch, als wir gegen Mittag unseren Spaziergang unternahmen. Und da geschah es, daß- meine Frau, um sich zu entschuldigen, mich anllagte und zu mir sagte: „Ich -weiß gar nicht, was dn heute hast, -n kommst mir so sonderbar vor."
„Das beruht wirklich vollständig auf Einbildung," verteidigte ich mich, „mit demselben Rechte könnte ich! behaupten, daß du —" - „Du bist wirklich köstlich-," fiel sie mir ins Work. „Ich! bin genau so wie immer und wenn ich selbst Momentan etwas schweig- sam war, so hatte das seinen Grund. Ich dachte darüber nach, daß es gar nicht mehr lange dauern wird, dann haben wir wieder Weihnachten." r nr ...
„Aha," sagte ich mir, „nun geht ntane Frau zürn Angriff bbr." Wir befanden Uns- Itiut Abreißkalender in den ersten Tagen des August, die noch dazu Won -einer unerträglichen Hitze waren, Und wenn eine Frau -da schon von Weihstach-ten spricht, dann heißt das doch, daß sie iHv Weihnachtsgeschenk innerhalb der nächsten 24 Stunden im voraus- haben will. Bezahlen müßte ich ja doch, Und so stimmte ich meiner Frau bei: „Tu hast recht, tzs wird gar nicht mehr sänge dauern, dann haben wir Weihnachten. Diese große Hitze deutet darauf hin, daß es bald frieren wird. Noch lieber wäre es mir allerdings, es würde endlich -einmal regnen, 'und wenn wir dann än einem schönen Regentage zusammen an der Zentralheizung sitzen, dann kannst du mir a-Nvertraueu, Was bst dir 'zu Weihnachten wüststhst, vorausgesetzt, daß es solange ^eit?t6er es mußte nicht solange Zeit haben, ich merkte -es meiner Fräst San, die überlegte, Wie sie .iben Termin, an dem ich mit ihr Mcr das WeihUachtsgeschenk sprechen Wollte, näher h-«anrücken könne, und ihre Hand zärtlich lauf meinen Arm legend, fragte sie Mit schmeichelnder Stimme: „Glaubst du nicht auch, daß es schon heute regnen wirb?" -
Das glaubte ich nun ganz gewiß, mcht, das Barometer, das auf „Schön Wetter" stand, glaubte es auch mcht, das glaubte auch K kein Mensch, nur meine Fran glaubte es, und -ohste meine
Port äbzuwarten, fuhr sie fort: „Warte es nur ab, rZ tausche mich nicht, es wird häute noch- ganz beftimMt regnen. Ich suhle einen bevorstehenden Wettcrumschlag ja immer in meinem linken Arm, seitdem ich an Ischias leide." Und im’mer lebhafter werdend, setzte sie hinzu: „Ganz gewiß/ es wird heute noch regnen, ich bin Meiner Sache sich«, wollen wir wetten?" 1
„Aha," sagte ich mir im stillen, „auf die Art willst du zu Meinem Gelde kommen?" Und so erwiderte ich denn, während ich- tzstgleich meine Frau dabei scharf ansah: „Wetten wir also um sechshundert Mark." ., . '
Ich sah 'es ä'uf den ersten Blick-, ich hatte die richtige Summe genannt, denn meine Fvast Machte ein Gesicht wie ein Schul- Mädchen, das ä'uf einer Unart ertappt ist, -aber gerade deshalb fragte sie 'schnell: „Wie kommst du nur auf sechshundert Mark? Das ist dvchi eine komische Summe. Mau Wettet doch entweder um gtne Mark, um zehn, hundert oder tausend Mark, Meinetwegen Ästch um fünfhundert, aber gerade UM sechs — na, nur kann M recht sein, aber eins Mußt du mir versprechen, du mußt dm Kette auch bezahlen, sobald du sie verloren hast."


