Ausgabe 
28.8.1913
 
Einzelbild herunterladen

Donnerstag, den 28. Äugust

äfrpTE

WM!

i/S.r

mOfe EH3!

MM

UM!

Firnenraulch.

Roman von Paul Grabern.

'Nachdriut verboten.)

(Fortsetzung.)

Vor diesem furchtbar anklagenden Blick verstummte sie, Und schuldbewußt preßte sie wieder das feine Spitzen- tüchlein vors Gesicht. Dann faßte sie einen Entschluß< wirklich einen Entschluß. Nebenbei fiel er ihr nicht schwer; es war ja jetzt das beste für sie, wegzukommen, sobald wie möglich, nachdem sie hier Unheil genug angerichtet hatte. So erhob sie sich plötzlich, und die Miene einer entsagungs­vollen Märtyrerin annehmend, erklärte sie plötzlich mit dumpfer Stimme:

-Ich werde ab reisen noch heute! So schaffe ich ja den Stein des Anstoßes für euch alle drei aus dem Wege. Und es wird mit der Zeit schon alles wieder gut werden."

Ein billiger Trost! Er hätte auflachen können, wenn ihm nicht so'todestraurig zumute gewesen wäre.

Ja, reise. Es ist jedenfalls das beste so."

Und ohne noch einmal nach ihr hinzusehen, ging er zur Tür, öffnete und schritt hinaus zu Rehe und Gottliebs hinüber.'Düster war feine Stirn und langsam ging er; das Schwerste stand ihm ja noch bevor.

Aber als er an die Tür des Gastzimmers klopfte, keine Antwort kein Laut von drinnen. Noch einmal pochte er an, stärker, aber wieder nichts. In Sorge riß er da die Tür auf niemand drinnen!

Betroffen zuckte er zusammen, dann stieg eine dunkle Angst in ihm auf. Er eilte durch die langen Korridore,, hinunter in die Halle. Dort traf er auf Anselm.

Hast du die jungen Damen nicht gesehen?"

Doch Herr!" nickte der Alte.Das gnädige Fräulein ist auf ihrem Zimmer, aber das fremde Fräulein ist hinaus r- sehr eilig."

Und wohin?"

Ich sah ihr vom Dor aus nach. Sie ist über die Alm hinab zum See hinunter!"

Ohne ein weiteres Wort stürzte Malmort die Treppe hinauf, in Rehes Zimmer. Er fand sie weinend am Fenster kauern. Bei seinem eiligen Eintritt schreckte sie zusammen und sah nun namenlos verstört, in furchtbarer Angst auf den Vater. ,

Dieser Ausdruck in den sonst immer ihn so klar und vertrauensvoll anstrahlenden, dunklen Augen erschütterte Malmort bis ins -Innerste.

Rehe!" schnell trat er auf sie zu und strich ihr mit der Rechten über das Haar; «aber es war, als zucke das junge Geschöpf unter seiner Berührung zusammen.Ich weroe dir alles' erklären, dich sb'eruhigen, mein Kind r nachher! Aber jetzt sag mir, Wo ist Fräulein Rhyngaerh hin? Warum bliebst du nicht bei ihr?"

Das Mädchen erbebte, einen neuen Zornausbruch des Vaters wie vorhin befürchtend. Nur nicht wieder das! Es war ihr ja gewesen, als habe sie der bisher immer so vergötterte, gütige Vater plötzlich mit Füßen getreten. Eine zitternde Angst in den Augen, gestand sie:

Ich bin zu ihr gegangen, wie du mich hießest. Aber dann könnt ich doch nicht bei ihr bleiben. Immerzu, gellten mir Mutters Worte im Ohr. Ich konute Gott­liebes Anblick nicht ertragen da bin ich wieder weggeki laufen, hierher. Vergib mir, Vater aber ich ko nut« nicht anders."

Des Furchtbarsten gewiß, starrte sie auf den Vater. Aber er blieb ruhig ganz ruhig ; nur sein Blick traf sie, doch gar nicht strafend nein, vielmehr mit einem bren­nenden Weh, daß es ihr das junge Herz zerriß.

In diesem Augenblick schrie es wieder in ihrem Innern: Nein, nein! Es kann ja doch nicht sein! Der Vater in seiner reinen, großen Gesinnung und Güte kann ja doch so etwas Furchtbares nicht tun das Verworfenste, das es für sie nach ihrer strengen, klösterlichen Auffassung und ihrem weltfremden, keuschen Mädchenempfinden gab!

Rehe zuckte es in den Knien, sich ihm abbittend tzu Füßen zu werfen, doch es kam nicht dazu.

Malmort wandte sich plötzlich zum Gehen eine qual­volle Angst um Gottliebe hatte sich plötzlich in seiner Seele festgekrallt; Sie, die Stolze, die Ehrliebende, war, todwund! von den Schmähungen seiner Frau und von der noch furcht­bareren stummen Verdächtigung Rehes, hinweggestürzt zum See hinunter. Barmherziger Gott, wenn

Auf nachher! Ich muß jetzt Gottliebe suchen."

Er stürmte fast hinweg. So sah er nicht den plötzlich wieder ganz veränderten Ausdruck in Rehes Blicken, mit denen sie ihm nachstarrte.

Also wichtiger als das eigene Kind, teurer war ihm die Fremde, die er eben so vertraut benannte! Zu ihr stürzte er mit einer Hast, einer Sehnsucht, wie sie sie noch nie an ihm gesehen hatte.

Also hatte die Mutter doch recht gehabt!

Mit einem dumpfen Laut brach das gequälte junge Ge­schöpf plötzlich zusammen. Vergebens suchte sich ihre Hand noch an der Stuhllehne zu halten. Die Kräfte verließen sie und die Besinnung. Ohnmächtig sank sie so ans den Boden nieder.

*

Angstgehetzt stürmte Malmort zum Schloß hinaus und über die Alm hinab.

Nun war er so tief den Hang hinabgeeilt, daß drunten der See sichtbar wurde; aber die erhoffte weibliche Gestalt zeigte sich nirgends seinem umherfliegenden Blicke.

' Gott im Hrmniel! Sollte er zu spät kommen? War das Entsetzliche etwa schon geschehen?

Das Herz stockte ihm und die Knie versagten ihm, wie er so einen Moment stand und Umschau hielt, fast ihren Dienst. Und in diesem Augenblick, wo er sie Für