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Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen«
humoristisches.
* Malice. „Was, der so nervöse Universitätsprofessor Meyer hat sich ein Telephon angeschafft?" — „Nun, er will doch wenigstens einen Hörer Haden!"
königlich 'preußischen Eisenbahnschafmevs vor. Wir waren. alle der Ansicht, ein wenig nach fremden Meeren und Küsten spazrcren zri fahren. Das taten wir ja auch. Gleichseitig ging jedoch die Fahrt quer durch den kunstvollen Organismus der weltwirtschaftlichen Zusammenhänge, wirbelte uns durch einige Jahrtausende Völkergeschichte, führte mitten durch einige spannende Lebensdichtungen, niachte staimenerregende Abstecher in Unerforschte Gebiete des Seelenlebens. Und wenn man dann voll wehmütrger Reiselust zuhause ivieder norm Schreibtisch fitzt, als erdgefesselter Mensch inmitten des staubigen, wiistmelnden Ameisenhaufens Unserer Artgenossen, dann merkt man erst, wie tief die innerliche Wandlung geht, die man wahrend der kurzen, auf den Schrffs- planken verlebten Wachest durchgemacht hat-
Arithmogriph.
16 5 flinkes Tier.
2 3 3 2 Fluß in Italien.
3 2 7 2 6 mythologischen Namen.
4 2 1 7 6 Zierpflanzen.
2 12 3 Stadt in Ungarn.
5 2 1 4 6 ein Musikinstrument.
12 3 Teil eines Wagens.
6 13 6 ein Planet.
7 2 5 6 Nebenfluß des Rheines.
Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter ergeben der Reihe nach, von oben nach nuten gelesen, einen gesunden Sport.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer: Weiß. Schwarz.
1. Se 6 —d8 Beliebig.
2, v, T, L, S, 8 + und Matt.
Ein Zlgnalturm.
Ms vor kurzem der neue New Barker Zentralbachchof einM weiht wurde, beschrieben die Zeitungen der ganzen Welt seiwt riesenhafte Ausdehnung, seine gigantischen Einzelheiten, aber jenen Teil, der als das eigentliche Gehirn des' gewaltigen Komplex^ anzufehen ist, der ihn ebenso in Bewegung sehen wie in einem Augenblick zur Ruhe bringen kann, ihn hat man vergessen oder Abersehen. Wir meinen die SigAalkadine der Station, die bitt größte ihrer Art, die größte der Welt ist.
Ihre Tätigkeit erstreckt sich auf das ungeheure Gebiet post zweiunddreißig Hektar, die von achtundsechzig Bahnlinien durchzogen werden. Ein Teil davon, zweiundvierzig, ist über der Erde gelegen und bildet die Fernstrecken, der andere liegt unterirdisch und gehört zum Stadtgebiet. Die elektrische Kraft, von einige» wenigen Menschen bewacht und geleitet, beherrscht von der Signalkabine aus die Bewegungen innerhalb dieses großen Ganzen, sie kontrolliert die Astkunst und Abfahrt von den mehr als tausend Zügen, die im Laufe eines Tages gezählt werden, ohne ihre Zustimmung kann keiner davon in die Station einfahren, kein eiiu ziger zur Fahrt in die weiteste Ferne oder auch nur in die Stadt selbst auslaufen. Ihre Wirksamkeit bringt Ordnung in ein Chaos von dreiundfünfzig Kilometern an Schienensträngen, und garantiert die Sicherheit von 100 000 Reisenden...
Der Turm, in dem diese Kraft gesammelt ist, ist der^größt'e dieser Art, obschon er nur vier Stochwerke hoch ist. Ter Signalapparat im zweiten Stoch vermittelt Signale und Weicheneinstel- lunaen lediglich für die Züge des Stadtgebiets; jeder seiner vierhundert Hebel ermöglicht ein Signal oder ein Weichenmanöver. Dreihundertsechzig derartige Hebel besitzt der im dritten Stoch untergebrachte Fernapparat. Die Tätigkeit im Innern des Signalturms stelle man sich folgendermaßen vor. Neunzehn, „Weichensteller" genannte Beamte, von denen jeder vierzig Hebel unter sich hat, arbeiten unter der Leitung zweier Chefs; diese beiden! sind die Herren des ganzen Bahnsystems. Es liegt vor ihnen« ausgezeichnet auf zwei großen Karten, auf denen die augenblick- liche Lage nnd Bewegung der einzelnen Züge durch kleine elektrische Lampen dargestellt ist. Im selben Augenblick, da ein Zug irgendwo draußen auf eine bestimmte Schiene kom'mmt, erlischt die entsprechende Lampe auf der Karte. Sie leuchtet erst dann toieber auf, wenn er sie verlassen hat und in eine andere eiuj- getreten ist. Hat innerhalb des Stadtbahnsystems ein Zug den Tunnel unter Park Avenue verlassen, so leuchtet eine bestimmte Lampe >auf; daraufhin gibt der Ches, dem das Ausfahren des Zuges aus dem Tunnel übrigens noch telegraphisch signalisiert wurde, einem der Beamtest die entsprechende Nummer an Und dieser hat dann den Hebel zu drücken, der die Weiche, die den Zug ausnehmen soll, bedient. Hat sich der Chef in der Nummer des Zuges geirrt oder hat ihn der Beamte falsch verstanden, so zeigen elektrische Kontrollapparate sofort den Irrtum an, und der Zug bleibt automatisch auf offener Strecke stehen, bis der Irrtum ausgeglichen ist. Im übrigen sind die Zugsbewegungen auf den Karten so genau in jedem Augenblick gegeben, daß ein besserer Ucberblick nicht gedacht werden könnte, auch nicht von irgendeiner Vogelschau aus.
Erscheint das Bahnsystem des New Vorker Zentralbahnhofs an «Ausdehnung und Kompliziertheit ganz ungeheuer, so sind die Apparate, die es kontrollieren und beherrschen, verblüffend einfach. Drei Sekunden genügen, um von hier aus eine Weiche ein» zUstellen, eine Sekunde braucht es nur, um ein Signal zu erteilen. Verwirrung und Ermüdung unter den bedienenden Beamten sind somit ausgeschlossen, — jeder Mann sitzt gleichsank an einer Rechenmaschine, die ein Sichverrechneu von selbst ausschaltet. O. K.
Die schärfsten Zähne.
' Die Zähne eines Löwen oder Tigers, die die stärksten Knochen Aersplittern, das «fürchterliche Gebiß eines Hais oder andern Raubfisches werden ebenso wie die Meißelzähne der Nagetiere 'als sehr scharf und kräftig angesehen werden müssen, aber trotzdem halten sie in keiner Weise den Vergleich aus! mit den Zerstörungswerkzeugen, die im Munde mancher kleinen Insekten zu finden sind. Die Larven einiger Käfer und Hautflügler bohrest mit ihren scharfen Kiefern lange Gänge und Röhren durch das härteste Holz unserer Bäume und ähnlich scharfe Beißwerkzeuge haben manche«Ameisenarten, vor allem die Termiten der heißen Länder, die gerade deswegen besonders gefürchtet sind. Diese Tiere, die sich selten an das, Tageslicht wagen, sonderit im «Finstern ihre zerstörende Arbeit verrichten, dringen in die Balken und anderen Holzbestandteile der Häuser ein, zerfressen ohne ein äußeres sichtbares Zeichen das ganze Innere der Balken und Pfosten derartig/ daß ganz plötzlich solche Häuser zusammenstürzen. «Tie unheimlichen Tiere bringen von der Wandseite unbemerkt in die Schränke und zernagen in kurzer Zeit den gesamten Inhalt derselben, möge dieser nun aus Kleidungsstücken oder anderen Gegenständen bestehen. Wer selbst die Zähne dieser Tiere sind nicht die schärfsten, vielmehr müssen wir das Gebiß der Holzwespe, eines bei uns vielfach vorkommenden Insekts als das schärfste in der ganzen Tierwelt ansehen.
Es kommt zuweilen vor, daß im Sommer plötzlich in einem Zimmer große, stahlblaue, wespeuartige Tiere erscheinen, die unter lautem Gebrumm hin- und herschwirren und durch das geöffnete Fenster, davon fliegen. Wie kamen diese Tiere in das Zimmer? Gar so leicht ist die Beantwortung dieser Frage nicht, aber bei genauer Untersuchung werden wir in der Bedielung oder in den Balken des Zimmers kreisrunde Löcher vorfinden, aus diesen sind die Holzwespen ausgeschlüpft. Mit den Brettern und Balken sind die Larven aus dem Walde in die Häuser gelangt, unbe- kümm'ert um die Verarbeitung des Holzes graben sie ihre Gänge im Holze weiter, verpuppen sich schließlich, und wenn die Zeit gekommen ist, entsteigen den Puppen die Holzwespen, deren erste Arbeit es ist, sich aus dem engen Gefängnis zu befreien. Unermüdlichzernagt das Tiere mit seinem außerordentlich scharfen Gebiß das Holzwerk in einem langen Gange, der es schließlich an die Oberfläche des Balkens nnd damit in die goldene Freiheit führt.
Es ist nun ganz erstaunlich, mit welcher Kraft und Zähigkeit sich die Holzwespen aus ihrem hölzernen Gefängnis herausgraben. Ob das Holz nur wenige oder viele Zentimeter Ticke hat, ist ihnen gleichgültig, sie bohren solange ihre Gänge, bis sie an das Tageslicht gelangen. Die ungeheure Kraft ihres Gebisses kommt aber erst zur vollen Geltung, wenn ganz besondere Hindernisse sich diesem Drang nach Freiheit entgegenstellen. Es ist öfter vorgekommen, daß Holzwesen in Holz eingeschlossen waren, das später mit einer starken Metallwand umkleidet worden Ivar. Wenn nun auch die Tiere nicht imstande sind, eine Eism- oder Stahlwand Kl durchbohren, so bietet doch eine Bleiwand ihren Zähnen kein unüberwindliches Hindernis, sie zernagen das Metall und bohren kreisiunde Löscher hindurch, um in Luft und Freiheit zu kommeir. Man hat die merkwürdigsten Beispiele dieser außer- vrdentlichen Kraft ihrer scharfen Zähne beobachtet und gesammelt. In Lyon war die Bleibedachung eines Krankenhauses undicht geworden, und als man näher nachforschte, zeigten die Platten zahlreiche, kreisrunde, von Holzwespen gebohrte Löcher. In der Münze in Wien tourben bie fünf Zentimeter dicken Bleiplatten vistes Kastens von Holzwespen durchlöchert und gleiches geschah mit den Wänden der Blei'kammern in den Schwefelsäurefabriken von Freiberg. Das merkwürdigste Beispiel wurde aber nach dem 'Krimkriege beobachtet. Tort war ein mit Patronen gefüllter Kästest vielfach von Holzwespen durchlöchert worden, und zwar hatten die Tiere nicht nur durch die Patronenhülsen, sondern selbst durch die Bleigeschosse in der ganzen Länge und Breite ihre Gänge gebohrt. Die Holzwespen verschneiden also sogar Metalle, Was.dem Gebiß unserer stärksten Säugetiere unmöglich ist, sie haben also zwei'fel- los die schärfsten aller Zähne, und wir finden hier in dem Reich der kleinen Insekten eine Körperkraft am stärksten und .astsgiv- prägtesten, die wir gar nicht bei ihnen vermuten.


