324
seinen Insassen und seinem ganzen Leben ihm zum wichtigsten Motivenschatze. Er begann sein Heim, seine Familie, seinen Garten, seine Haustiere, kurz, sein ganzes tägliches Leben jn schildern, zu allen Tages- nnd Jahreszeiten rind unter den verschiedensten Be- schäitigungen und Stimmungen. Diese Tätigkeit nahm ihren ganz natürlichen Ansang, indem er für seine Heranwachsenden Kleinen Bilderbogen machte, unb sie wuchs sich dann zu jener Fülle herzlicher, feiner, origineller und hmnorvoller Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen aus, die die Beivnndernng tind Liebe der ganzen Welt geivoniten haben. Er liebt Helle, leichte, heitere Farben, die er vortrefflich znsammenklingen läßt, aber seine Hauptstärke liegt doch in der Form. Er ist Linieukünstler, und es ivird ihin schwer, denr Spiele seines auf iinmer neue Arabeske» bedachte» Stilles Einhalt zu tu». Der Japaner, der Plakatist Chöret, das Rokoko: sie alle haben auf seine Kunst Einfluß gehabt, aber legten Endes i|t sie doch ein echtes Kind der germanischen Erde, rnid es lebt in ihr der tiefe Familien- und Natnrsinn, die unerschöpfliche Fabulier- und Formenlust der germanischen Kunst. In der Blüte des Lebens und seiner Kraft stehend, hat Carl Larsso» sicherlich noch lange, schöne Schaffensjahre vor sich.
Vermischtes.
* S u s fr a g e tt e n t a t e n i m S a l o n. Die vornehmen Damen der Londoner Gesellschaft, die ein geselliges Haus führen und die Gastfreundschaft in Ehren halten, verbringen Tage begreiflicher Sorge. Den» auch sie werden jetzt nicht länger von dem Tatendrang der Suffragetten verschont: in de» letzte» Wochen siitd in einer ganze» Anzahl vornehmer Privathäuser während Tee- und Abendgesellschaften aus bisher nicht einivandsrei erklärte Weise allerlei Taten blinder Zerstörungswut verübt worden, die schon dlirch ihre Sinnlosigkeit auf die britischen Frauenrechtlerinnen hin- gewiesen hätten, ivemr nicht überall die bekannten Plakate mit der Aufschrift „Votes for Womenstolz die Urheberschaft für die englische Frauenrechtsliga i» Anspruch genommen hätte». Die Fälle haben sich so gehäuft, daß eine ganze Reihe von Damen, die Gesellschaften geben, für diese Veranstaltungen jetzt regelmäßig den Schutz von Privatdetektivs ausbieten lasten. Die bekannteste Privatdetektivin der englischen Hauptstadt, Miß Maud West, hat aus die Ansrage eines Londoner Blattes einräumen müssen, daß die Zustände sich allerdings verschlimmert haben: „In den letzten Woche» war tatsächlich ein ganzes Personal durch die Ueberwachung in Privathäusern und durch die Bemühungen zur Ausklärung von derartigen Taten der Zerstörungswut in Anspruch genommen. Erst vor kurzem ivurde während des Abendempfanges in dein Hause eines Peers in der Zeit, während der Tee serviert ivurde, in der Geinäldegalerie ein Bild zerstört. Es ivar durch ein Messer zerfetzt worden, und darunter lag ein Zettel: „Votes for Women“. _ Zum Glück ivar das Kunstverständnis der Täterin anscheinend verküinmert, und das Bild, das ihrem Eiser zum Opfer fiel, konnte nicht als besonders ivertvoll gelten. In einem anderen Falle mußte die Dame des Hauses nach dein Empfange die traurige Entdeckung machen, daß einer ihrer kostbarsten alten Gobelins zerschnitten iind zerrissen >var: das Stück ist so gut wie völlig vernichtet. Es scheint, daß die Frauenrechtleriimen entweder als Gäste in die Häuser eindringe» oder Beziehnnge» zii einige» der Gäste haben, durch die sie dann diese Verwüstungen anrichte» lassen. Manche Indizien iveisen in einigen Häusern sogar daraus hin, daß bisweilen a»lch Dienstboten heimlich im Solde der Frauenrechtsliga stehen und offenbar belohnt werden, wenn sie im Hause ihrer Herrschaft wertvollere Kunstgegenstände zerstören und dabei den Zettel „Votes for Women“ zurücklassen." Viele Frauen der gute» Gesellschaft haben auch Drohbriefe erhalten, in denen ihnen angekündigt wird, daß inan in ihrem Hause Kunstgegenstände und wertvolle alte Möbel über kurz oder lang zerstören werde: alles im Interesse des Frauenwahlrechts. Ta alle diese Vorkommnisse von einer sehr weitgehenden Brutalität und Rücksichtslosigkeit zeugen, beginnen die Frauen sogar für ihre Kinder zu fürchten. Und in der Tat ist die Zahl der Dame» int Wachse», die ihre Kleinen nur »och in Begleitung eines Privatdetektivs oder unter einem andere» männlichen Schutze ins Freie lasse».
* Wertvolle Flöhe. Unter diesein etwas kitzlichen Titel lesen wir in der „Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens" folgende interessante Notiz. Der englische Baronet Walter Rothschild ist als eifriger Tiersammler bekannt. Sein zoologischer Garten genießt Weltberühmtheit, da dort die seltensten Tiere zu finden sind. Selbst die Hagenbecksche Sammlung im Stellinger Tierpark ist nicht so vielseitig. Mlerdings stehen ja auch diesem Milliardär ganz andere Mittel zur Verfügung als einem gewöhnlichen Privatmann. Jahrelang hat er in den abgelegensten Gegenden der Erde ganze Jägertrupps unterhalten, um auf selten vorkommende Tiere Jagd machen zu lassen. Wer auch auf die Welt der kleinen und kleinsten Tiere, auf Würmer und Insekten, erstreckt sich Rothschilds Sammlerleidenschaft. So besitzt er eine wohlgeordnete Sammlung von Flöhen, im ganzen weit über zwei- tausend Stück, lauter Vertreter verschiedener Arten, die auf Säugetieren oder Vögeln als Schmarotzer leben. Diese Sammlung hat ebenfalls recht bedeutende Geldausgäben erfordert. Sv blieben zum Beispiel Rothschilds Bemühungen, sich einen Floh des im hohen
Norden lebenden Eisfuchses zu besorgen, längere Zeit vergebliHi Der Vollständigkeit halber wüßte diese Spielart der kleinen hüpfe», den Blutsauger aber auf jeden Fall beschafft werden. Daher lieg der Baronet in die kanadischen Zeitungen eine Anzeige cinrückerh in der er dem, der ihm den echten Floh eines Wsfuchses zusendech würde, eine Belohnung von 50 Pfund (1000 Mark) für das Stück znsicherte. Nach einem Halben Jahre schickte ihm ein Pelzjäger namens Persington aus Fort Resolution am Großen Sklavensee! eine versiegelte, sehr sorgfältig verpackte Flasche als Wertsendung zu, in der sich vier echte Eisfuchsslöhe befanden. Der Sendung lag ein amtlich beglaubigtes Schreiben bei, daß die Flöhe von ein ent in einem Eisen lebend gefangenen Eisfuchs abgesammelt worden seien. Der glückliche Pelzjäger hat sicher nie wieder in seinem Leben eine so gewinnbringende Jagd abgehalten, denn er erhielt tatsächlich die ihm zustehenden 2Ö0 Pfund umgehend angewiesen.
* Verblüutt. Gatte (entrüstet): „Wie, nicht mal für lumpige fünf Mark Fleisch wollte dir der Fleischer kreditieren?" — Frau: „Jst's ein Wunder, Fritz? Seit drei Monaten komme ich immer Mit demselben Kleid und mit demselben Hut — wie soll der Mann da Vertrauen M uns gewinnen?"
* Ausgleich. Nachbarin: „Ich habe Ihnen neulich einen Fingerhut geborgt, Frau Werner; eine Hand wäscht die andere — leihen Sie mir zwanzig Mark!"
. * Verliebt. A.: „Deine Kusine soll ein nettes Mädel sein!" — B.: „Das stimmt! Sie ist entzückend einfach und auch sonst einfach entzückend!"
Viichertisch.
— Der Büchertisch 1913: Das Frühjahrsheft dieser kleinen Zeitschrift, die von der Verlegergruppe des Kataloge^ „Das Buch des Jahres" herausgegeben wird, ist eben int Tempel- Verlag erschienen und überrascht wieder durch seine Reichhaltigkeit in Vorabdrucken, Gedichten, Bildern nsw. Man findet hier Späße von Walser, Idyllen von Altenberg, Romankapitel von Mann !(Thomäs) und von Wassermann. Auch Heiligenlegenden Und frappante Reise-Episoden. Ein volkshygienisch sehr beherzigenswerter Abschnitt ist der „lieber die Ernährung" von Robert Hessen. In den „Kleinen Mitteilungen" geben die Verleger in erwünschter Weise ihre Neuerscheinungen bekannt.
—■ Die Ullsteinromane, 3-Mark-Bände, sind um zwei vermehrt worden: „Kleine M a m a" von Paul Oskar H ö ck e r, und „Zu Befehl!" von Heinz Tovote. Beide Bücher zählen zur Gattung der unterhaltsamen Militärromäne. „Kleine Mama" schildert das Schicksal einer jungen Offiziersfrau, die, mit vielen sympathischen Vorzügen, zu ihrem ganz anders angelegten Gatten nicht paßt, der sich denn auch in den Bann einer anderen begibt,- während „Kleine Mama" nach der Ehescheidung an der Seite eines Arztes ihr Glück findet. Ebenso leicht und gefällig in der Darstellung und ohne große Tiefe ist Tovotes Buch „Zu Befehl!" Die Psyche eines blutjungen Leutnants, dessen zurückhaltendes! Wesen auf die Pfade der Liebe gerät, erregt dem Leser mannigfaltiges Interesse und würde int ganzen flott unb beiter wirken, wenn der junge Held durch ein recht bizarres weibliches Wesen nicht schließlich ein so erschreckendes Ende nehmen würde.
Gitter-Rätrel.
u
tut Skat
aber die
1. V. aD
2. M. <1A
H. dD
33 Augen.
verloren.
Tas copiel ist somit
nebenstehender
Buchstaben a
In die Felder Figur sind die
= Unter, Bube, Wenzel; D — Dame, Ober.) Vorhand hat aD, a9, bZ, b9, b8, b7, cD, c9, c8 c7,
liegen aS und a7; Mittelhand erhielt den Rest.
Ter Spieler hatte Grand-Schneider ungesagt, wobei
Gegner folgende Stiche machen:
' 1. V. al) ' M. dU
H. aK — — 9, V. bZ — — 24.
ä äe eeegghhiil Im m mmnnnnnnn noop prrsstttuuuuuuu derart einzutragen, daß die senkrechten und wagerechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben:
1. Name mehrerer ägyptischer Könige.
2. Schmackhafte Fische.
3. Ein Metall.
Auflösung tn nächster Nummer.
--- T
Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: (Mit a, b, c, d werden die vier Farben bezeichnet; A — Aß,
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche» Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N, Lange, Gießen.


