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Samstag, den 28. Lum
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Die Fismmen^eichen rauchen.
Roman aus bem Jahre 1813
Von M'aix Ka r l B ö t t ch e r - Chemnitz.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Nach drei Tagen ritten sie über den Paß nnd hinab znin^m. In Bozen wurde ein guter Trunk getan, und me Scheunn war lieb und zärtlich, ein deutsches Gretchen, blauaugrg und bloudzöpfig und keuschen Sinns. Ihr Vater, der Schenk, war ein breitschultriger, kerniger, biederer Trroier mit einem Hoferbart und prächtigen, ehrlichen, Karen Augen, einem schwarzgrünem Kurzwams mit roten und gemshornenen Knöpfen. Dem hatte es der lustige Musrtaut angetan, und diesem wieder das blonde, j". e, Gretchen mit den lieben Augen und den weichen Händchen und dem Grübchen im Kinn. Sie saßen im Schenkengdrten, „Mondschein" hieß der Krug, der Fiedler und das Gretchen, in junger, frischerblühter Liebe. War Nosenzeit im Lande! Und sie saßen still und wußten vor m urchts zu sagen und sahen schweigend in die Berge.
Abend im Tal, und von drüben gleißte und glühte es tn güldenem Glutrot, und der „Rosengarten" und der „Schlerm" waren in Purpur getaucht, und das Alpenglühen zog mit seiner sausten Hand kosend über all die schweigenden Gipfel und Spitzen und Zacken und ließ hundert Farben erschMern und tausend Lichter spielen ' Zu diesem prachtvollen, noch nie geschauten Weltwunder ein schmiegendes, kosendes Mädel im Arm und ein Dichterherz im Leibe — wird da nicht eine Welt von Liebe wach?!
Uiid wo int Herzen ein guter Funken schlummert, muß er sich nicht entzünden an der Glut der rotleuchtenden Berge, an der Glut der Liebe?! In Erwin Sommer schlief ein Funke seit einem Jahrzehnt, von Zorn und Groll und Trotz verhüllt, und hier, an der Grenze vom welschen, falschen Laude, im kerndeutschen Tirolergau, wo Treue und Vaterlandsliebe Heimat haben, hier erwachte der Funke zu lodernder Flamme. Und als des Musikers Lippen heiß ans den kirschigen, vollen der Schenkin brannten, da kam der alte Schenk, der Tiroler, und sagte halb er- freitt, denn auch er war ’m al jung gewesen und gehörte nicht zu denen, die das leicht vergessen, und halb im Merger, daß sein Mädel sich von dem Fremling mit Wl^eit Augen und dem Schelm im Nacken küssen lieft: „Junger Freund, nehmt den Säbel in die Hand und werft die Fiedel weg! Ein ehrlicher deutscher Bruder bummelt rn diesen Zeiten nicht in der Welt umher und küßt ehrbare Mädels!"
Da ging Erwin hin Und rief den vier Männern, die rhit gedungen hatten, zu: „Aus ist unser Abkommen, Ihr Freunde! Ich bin andern Sinnes geworden! Lebt wohl!"
„Hallo! Fiedler, Eure Gauklerkünste sollt Ihr nicht M uns hewdisen. So leichten Kaufs kommt Ihr nicht davon!"
Da lachte er auf und riß des Schenken Gretchen an seure Sette und flüfterte ihr ins Ohr: „Gelt, Mädel, ich komme wieder, wenn mich der große Krieg draußen nicht frißt. Erst will ich kämpfen — magst mich bann?"
Da barg sie ihr feines Köpfchen an seiner Brust und küßte ihn keusch auf Stirn und Wange.
„'Die Fiedel her, Wirt!--; Die Zeche bezahl ich
vom Kriegssold, verlaßt Euch darauf!" Und fort war er.
*
~ Iw Etschtal wandert sichs gar schön, zumal in tetcr Sommernacht. Die Mendel zieht hundertmal ein ander Gesicht. Mal ist sie breit, und mal ist sie spitz, mal zeigt sie einen langen Rücken, und mal reckt sie sich stolz gen Himmel, als wollte sie zeigen, daß sie gut ihre sechstausend Fuß mißt. Ja, ja, schön wandert sichs durch diese Rebenhänge, unb wo von den Beugen trutzig und finster eine Burg oder ein Schlößlein ragt. Da fiel dem einsamen Wanderer ein Lieblein ein, und die Fiedel sprang ihm an die Backe, und der Bogen zuckte über die ©alten und er fang und sang und ward des Singens nicht müde, und sein Gesang ward ihm nicht schwer.
Plötzlich traten ans einem Gebüsch vier Männer auf dem Einsamen zu. „Hollo, Bürschlein, kommst uns gerade recht! — Inst einer hat uns noch gefehlt am halben Dutzend! Hier Freund, drei Batzen Handgeld — ein Schwur, auf Napoleons Fahne, und du bist Soldat! >Die Flinte bekommst du in Paris unb Gamaschen unb Knopfrock nicht weit davon!"
Sprachlos stierte Erwin Sommer die vier Männer an, schlimme Gestalten, riesige krumme Säbel zur Seite und zwei davon mit einem dickrohrigeir Feuergewehr bewaffnet, „Was soll das? Laßt einen friedlichen Wanderer ziehen!"
„So was gibts jetzt nicht, friedliche Wanderer, bester Freund. Also kurz: Willst du mit ober nicht. Der Kaiser Napoleon Bonaparte ruft dich!"
„Znm Teufel, laßt ihn rufen, bis er schwarz wird!" „He, er hat die Majestät beleidigt. Halt Bursche, das kostet dein Leben! Monsieur Macdoiiald!" riefen sie hinter das Gebüsch, unb ein besser gekleideter, vornehm aussehender Herr trat hervor. „Monsieur Macdonalb, er hat den Kaiser beschimpft, ivas wirb mit ihm?"
„Er stirbt," sagte der einfach unb wandte sich wieder ab, einem Reisewagen zu, der jetzt, von vier Pferdeit gezogen, daher kam.
„Tu hast gehört, Bursche, dich trifft der Tod!"
Erwin Sommer war vollständig starr. Er wußte jetzt wirklich nicht recht, was eigentlich los sei, ob das ganze ein alberner Mummenschanz sei ober harte Wirklichkeit. Das eine schien ihm ja nun Aar, daß er wieder französische Werber vor sich hatte, die ihr Handwerk weniger fein zu betreiben schienen als jene, denen er entflohen war. Nun wurde ihm auch Kar, daß die Schurken mit dem angedrohten Tode wirklich keinen Scherz trieben, beim bie beiden Wä.nuex


