Ausgabe 
28.5.1913
 
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Zwei Welten.

Roman von Emma Werk.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Grönberg, der Reichmann eine Jllustrationsarbeit ver­schafft, nm sich auch seinerseits als Freund zu erweisen, Mtte zuweilen geschäftlich mit dem jungen Maler zu tun und kam deshalb- ab und. zu nach Tegernsee, wenn er auch mrt stolzer Zurückhaltung die Billa der Baronin lieber vermied.

Einmal traf sich's aber, daß er den kleinen Paul am Ufer stehen und sehnsüchtig ein paar Jungen nach­schauen sah, die selbst im Kielboot herausfuhren.

,,Kannst du nicht auch rudern?" fragte er den hübschen Zehnjährigen, dessen braune Augen ihm' so Wohl gefielen.

Verlegen schüttelte Paul den dunklen Lockenkopf.

-So komm, ich lehre Dich's. In einer Stunde bist du ein tüchtiger Fachmann."

Seit dem Tage war Paul, der bisher von der Mama allzu ängstlich behütet worden, der sich nach Betätigung seiner jungen Kraft sehnte, dem Maler mit lebhafter Be­geisterung zugetan.

Grönberg lud ihn zu kleinen Bergtouren ein.

So ein strammer Kerl darf nicht immer im Garten sitzen!"

Und seit der Junge einmal die Wanderlust geschmeckt, war er unersättlich und wäre seinem Beschützer am liebsten gar nicht mehr von der Seite gegangen.

Einmal, als sie nach einem wunderbaren Tag auf dem Risserkogel des Abends in die Villa zurückkehrten, kam Marianne ihnen am Gartentor entgegen.

Mit so liebem, freundlichem -Gesicht rief sie ihnen ihr Willkommen zu, daß Grönberg sah, sie grüßte nicht bloß ihren vergnügten Sohn, auch ihm galt der warme, sonnige Blick.

Run ergreifen Sie doch nicht mehr die Flucht vor mir, gnädige Frau," sagte er, zum ersten Male nach langer, langer Zeit wieder in einem herzlichen, vertraulichen Ton.

Sie schüttelte das und lächelte ihn an.

Ich bin doch auch nicht mehr dieselbe, die ich damals war," meinte sie leise.Eine Seelenkranke war ich, nun bin ich genesen." -

Paul war ins Haus -gesprungen, um seine Alpenrosen zu ordnen.

Grönherg, derrisich sonst, wenn er seinen,.Schützling heim­begleitet, meist an -der Gartenpforte wieder empfohlen hatte, stand heute noch eine Weile zögernd an der Veranda, tote unwiderstehlich angelockt von dem lieben Lächeln auf Ma« riann-ens Gesicht.

War das nicht -ein Lächeln, das er auf ihre Lippen hatte Lurü-ckzauhern wollen?

Wie sie so vor ihm lehnte, in dem weißen Gewand, von einem letzten Mendlicht umflossen, zwischen den Wein« ranken, die förmlich einen Rahmen um ihre schlanke Gs- stalt formten, da fühlte er, daß ihre Schönheit Macht über ihn hatte, wie am ersten Tage. Aber sie war ihm mehr, viel mehr geworden als ein entzückendes Bild, sie war ihm nicht mehr bloßeine schöne Frau"; er kannte jetzt auch ihr Wesen, er liebte auch ihre Seele, er halt? den warmen Hauch ihres Gemütes empfunden, -er vertraute ihr wie keinem anderen Weibe auf der Welt.

Ganz genesen, Marianne?" fragte er leidenschaftlich. So voll genesen, daß Sie wieoer glauben könnten an Glück und Liebe und Treue?" >

Ein weicher Zug lag um ihren Mund, ihre dunklen Augen blickten voll und warm in die seinen. -

-Das war das Fürchterlichste," sagte sie leise,daß ich an allem irre geworden war! Dieses Mißtrauen, diese Zweifel, dieses Grauen vor der Liebe, als wäre alles nur Lüge, jedes freundliche Wort Betrna, jeder zärtliche Ton Heuchelei. Jetzt, jetzt -glaube ich wieder, daß es auch gute Menschen gibt, und ich glaube, daß Sie ein guter Mensch- sind!"

Sie hatte ihm mit einer anmutiqen Bewegung die Hand herabgereicht.

Aber er sprang die paar Stufen zu der Veranda empor, seine Arme umschlangen die weiße Gestalt. Ein heißer Kuß brannte auf ihrem Mund.

Als der kleine Paul mit ein paar Alpenrosen in der Hand zurückkam und der Mutter zujubelte:

Die mußt du anstecken, Mama, das sind die schönsten!" da hob Grönberg den großen Jungen mit starken Armen in die Höhe und jauchzte:

Ist -es dir recht, Paul, tvenn ich künftig immer bei euch bleibe, als dein bester Freund, als dein zweiter, Vater?" ,

Die schönen braunen Knabenaugen schauten einen Mo­ment mit einem verwunderten Blick auf ihn und die Mutter, dann sagte er sehr vergnügt:

Ja, ja, das wird riesig lustig werden! llitb wir gehen gleich morgen wieder miteinander auf einen Berg, nicht wahr?"

So war die Freude in die Villa eingezogen und riß auch Hildegard und ihren Gatten, die erschauernd vom Lebensernst kaum mehr ztl lachen gewagt, in ihre Kreise.

Mariannens Nachricht, daß sie sich mit dem Maler Grönberg verheiraten wolle, erregte einen solchen Sturm in ihrer Familie, schuf eine so scharfe Spannung zwischen ihr und ihrer Mutter und der ganzen Verwandtschaft, daß sie vollständig auf ihre jungen Freunde angewiesen war, die einzigen, die zu ihr hielten, die ihre Glücksstimmung verstanden.

Den Künstler hätte man ihr vielleicht verziehen, aber das Grönberg Protestant war, das riß eine unüberbrüch» bare Kluft ein zwischen ihr und den Ihren.