Ausgabe 
28.4.1913
 
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ßchloß den 91 ngriff auf die Höhen und beorderte dazu die Avant­garde seines Korps unter General Sonyam'. Ihm sollten zur Unterstützung folgen-: Tie Husaren vom' 10. Regiment, die Badener Tragoncr, die Divisionen Girard und Marchand.

Tie Dörfer bei Poserna werden ohne Widerstand von den französischen Truppen genommen. Die Höhen dagegen Mieden von 15 000 Russen, die noch als Verstärkung 2 Kavalleriedivisionen und .20 Kanonen erhielten, hartnäckig verteidigt. Trotzdem mutzte der Feind seine Stellung bei Poserna nach einem äußerst hitzigen Gefecht ausgeben. Er zog sich nach Groß-Görschen zurück, wohin ihn einige Divisionen voni 3. Korps verfolgten. In dem Gefecht bei Poserna waren die hessischen Truppen nicht ins Feuer gekommen: sie mußten nur mehrmals gegen feindliche Truppen Karrees bilden. Tie deutsche Division Marchand hatte nicht die Verfolgung des Feindes nach Groß-Görschen hin aufzunehmen; sie marschiert gegen den Abend des 1. Mai nach Lützen, wo sie bei den Garden des Kaisers biwakiert, der hierher sein Haupt­quartier verlegt hatte.

Gegen 10 Uhr abends erhält das hessische leichte Infanterie­regiment den Befehl, unter Führung eines Adjutanten des Kaisers zur Rekognoszierung vorzugehen. Es brach sogleich auf, die Schützen unter Führung des Kapitäns Fresenius an der Spitze, und folgte der Straße nach Leipzig bis an die Stelle, wo Gustav Adolf 1632 gefallen war. Hier wurde rechts abgebogen und auf einem Feldweg 1 Stunde marschiert bis zu einem Graben, wo das Regiment Halt machte. Die Schützen gehen zur Rekognoszie­rung des vorliegenden Waldes 'vor. Im Walde findet sich nichts Feindliches. Erst 1 Stunde jenseits 'des Waldes sUcß man auf eine feindliche, auf Vorposten.befindliche Reiterabteilung, die sofort alarmiert wurde. Tie Schützen zogen sich! ihrer Befehle gemäß wieder zurück, ohne die auf sie gerichteten Pistolenschüsse zu er­widern. Tas Regiment war inzwischen querfeldein nach der Leipziger Straße zurückmärschiert. Nachts il Uhr des 2. Mai stellte es sich in der Nähe eines Zollhauses ans. Nachts 2 Uhr traf auch hier die Schützenabteilung ein, die nach! er­stattetem Rapport wegen guter Ausführung ihres Auftrages be­lobt wurde.

Napoleon, durch die Meldung der Schützen in seiner Ansicht bestärkt, seinen ^Hauptgegner bei Leipzig auzntreffen, ließ seine Korps in der Frühe des 2. Mai von Lützen dahin ausbrechcu. Die Division Marchand erhielt den Befehl, sich an dem Zollhause, Ivo das hessischeleichte Infanterieregiment bereits stand, zu versammeln, um von dort aus die bei Groß-Görschen noch von dem Gefechte des vorhergehenden Tages stehenden anderen Divi­sionen des Neyschen Korps zu unterstützen.

Gegen 8 Uhr des 2. .Mai kämen die übrigen Regimenter der Division Marchand von Lützen her beimleichten Regiment" am Zollhause an und lagerten sich seitwärts der Straße. Ruhig vergingen die Stunden des Bormittags. Gegen Mittag, als die Mannschaften mit dem Abkochen beschäftigt waren, vernahm mau von G r o ß - G ö r s ch e n her heftigen Kanonendonner. Hier hatten die Verbündeten die französischen Divisionen vom Neyschen Korps aus den Dörfern Groß-Görschen und Rahna herausgeworfen und westwärts nach Klein-Görschen und Kaja zurückgedrängt. Napoleon, der seinen Hauptstoß gegen Leipzig führte, eilt aus den starken Kanonendonner von Groß-Görschen her herbei, da er jetzt erkannte, daß der Feind nicht bei Leipzig, sondern hier seine Hauptmacht entfaltete. Der Kaiser übernahm! selbst den Oberbefehl.

Ein heftiger Kampf eittwickelteffich am Nachmittag des 2. Mai um' den Besitz der Dörfer Kaja, Klein- und Groß-Görschen. Tie Division Marchand war gegen,Mittag auf beit Kanonendonner hin sofort von ihrem Lager beim Zollhaus aufgebrochen und hätte ihre Marschrichtung nach Görschen genommen. Bei dent Topfe Meuchen schwenkten die Veteranen vom russischen Feldzug, die auf Verwendung des Prinzen Ensil von deralten Garde" zu ihrer Brigade entlassen worden waren, ein. Kapitän Meyer rückte mit 2 Offizieren, 8 Unteroffizieren, 4 Spielleuten, zehn Schützen und 48 Füsilieren heimleichten Regiment" ein, Wo sie auf 2 Bataillone verteilt wurden.

Tie Division Marchand stieß hinter Meuchen auf feindliche Vorposten, die von der Artillerie der Division unter Feuer ge- nommeu wurde, worauf sie sich uach Klein-Görschen zurück­zogen. Während die Infanterie eilige Vorwärtsbewegungen aus­führte, setzte sich die Artillerie auf dem! Südabhang einer Anhöhe vor Klein-Görschen fest und''beschoß die bei diesem! Dorfe postierten feindlichen Batterien. Tasleichte Infanterieregiment" Wurde aus der Kolonne der Division herausgezogen und zur Deckung der Artillerie verwendet. Tas Regiment hatte in seiner nunmehrigen Stellung vor sich etwa Vs Stunde weit eine Ebene, die durch einen Graben mit Weidenstämmen, durch den sogenanntenFloß- grabe n" begrenzt war. Hinter dem Graben lagen die Dörfer Ä a;a und Klein-Görschen, vor letzterem' Groß-Görschen. Tie gegenseitige Kanonade fing an, «lebhaft zu werden. Tas Regiment, erlitt ledoch wenig Verluste, weil der Feind zu hoch schoß.

Wahrend dasleichte Regiment" aus der Höhe, nordwärts Kletn-Görscheu bei der Artillerie, «stand, war das hessische Leib- regim ent als Reserve insder Nähe des Torfes Meuchen zurück­gelassen worden. Dagegen war «das hessische Leibgarderegi- Ment und 2 Bataillone Badener bis au deu Floßgraben vorge- druugen. Dieser war von preußischen Bögern stark besetzt. Während dre Badener ihr Feuer auf den Feind eröffneten, ging die hessische

Leibgarde im Sturmschritt vor, um sich in deu Besitz, der Brücke zu' setzen, die über denFloßgraben" nach Kleiir-Görschen führte. Dabei erlitt das hessische Regiment große Verluste. Ter Ooerst der Leibgarde v. Follenius sank verwundet Dorn' Pferde. Und als nun gar eine Reiterabteilung auch ihre linke Flanke bedrohte/ war die junge Mannschaft «der Leibgarde trotz der Aufinjnnterung rhrer Offiziere nicht Mehr zu halten; sie wandte sich zur Flucht in der Richtung des Dorfes Meuchen. Ihrem Beispiel folgten die Badener.

, Dasleichte Infanterieregiment", das zur Deckung der Ar- ttllerie auf der Südanhöhe vor.Klein-Görschen stand, wirb durch das Feuer der Plänkler in seiner Flanke stark beläsfigt und sieht sich veranlaße, seine Stellung zu ändern. Es zieht sich inestwärts näher an. Meuchen heran. - In demselben Augenblick erscheint ein «Ordonnanzoffizier des Kaisers und benachrichtigt den Regiments­kommandeur, Obersten von Schönberg, daß soeben das 11. Korps des Marschalls Maedonald zur Verstärkiing herairrücke.La bataille est gagnee," sagte er und ritt weiter. Bald daraus kommt Prinz Emil herangesprengt, der die fliehenden Mannschasteu der Leibgarde zum Stehen gebracht und wieder geordnet hatte und feuert die Fmsiliere bei der Artillerie an, eingedenk des alten Ruhmes der Hessen, nichtszu Weichen, sondern nach Klein-Görschen vorzugehen und denFloßgraben" zu uehMen.

Dasleichte Infanterieregiment" geht nun zum Angriff vor, Tie Schützen des 1. Bataillons werden vorgezogeu; 1. und 2. Ba­taillon folgen nach, die Artillerie verdoppelt das Feuer. Tas 1. Bataillon marschiert gerade auf Klein-Görschen los, das 2. rechts davon. Tic Schützen, vom Kapitän Meyer geführt, gehen bis an den Graben wor, können aber die feindlichen Jäger dahinter nicht verdrängen. Kapitän v. Schäffer rückt mit der 1. Kompagnie zu ihrer Unterstützung heran. Bei dem Hagel von Geschossen, der die Reihen der Vordringenden bedeutend lichtet, ist es un­möglich, beut Gegner ben «Uebergang über die Brücke zu entreißen. Schon wanken die Schützen. Kapitän v. Schäffer gelingt es, sie 'mitzureißen, und durch den Graben, der durchwatet wird, mit seine Kompagnie zum Sturmangriff mit dem Bajonett zu führen. Ter Feind weicht und zieht sich nach dem' Dorfrand zurück, wo er sich zu einem' neuen Angriff sammelt. In den Gärten am Südraub des Ortes entspinut sich ein heftiger Kampf, der damit endet, daß die Kompagnie Schäffer int, «Verein mit französischen Truppen vom Korps Maedonald, die jetzt eintreffen, den Gegner aus dieser Seite von Klein-Görschen wirft.

Kurze Zeit darauf, nachdem die 1. Kompagnie Schäffer vom leichten Infanterieregiment" uach beut Floßgraben vorgerückt war, würbe auch bte 2. Kompagnie unter dem Hauptmann Fresenius entsendet, um weiter rechts die feindlichen Jäger voin Floßgraben! zu vertreiben. Dies gelang hier leichter, da der Feind keinen erheblichen Widerstand zeigte, sondern es vorzog, sich in den vor­liegenden Gärten von Klein-Görscheu festzusetzen, von wo ans er ein wirksames Feuer auf die beim Floßgraben noch stehenden hessischen Füsiliere unterhielt. Ws der Hauptmann Fresenius bemerkt, daß die Schützen und die 1. Kompagnie Schäffer nach Klein-Görschen Vordringen, stürzen sich auch! seine Soldaten in den Graben, durchwaten ihn und stürmen mit dem Riffe:Es lebe der Großherzog!" auf bte in den Gärten posfferteu feind­lichen Jäger los. Diese ziehen sich in das Dorf zurück. Hier wurden sie von der vordringenden Kompagnie Fresenius mit bcnt Bajonett angegriffen und von Haus zu Haus bis hiitter Groß- Görschen zurückgeworfen. Auch bte Artillerie setzt sich jetzt in den Gärten von Klein-Görschen fest. Bei der Vertreibung des Feindes aus dem Dorfe werden piele Gefangene gemacht, 120130 Mann, russische Jäger und preußische Freiwillige.

Der Rest des ersten Bataillons, 3. und 4. Kompagnie, hatte unterdessen auch die Nun besetzte Brücke über den Floßgraben bei Klein-Görschen überschritten nnd sich- aut Ausgang des Dorfes der 2. Kompagnie angeschlossen, um den Feind uach Groß-Görschen zu verfolgen.

Tas 2. Bataillon vomleichten Regiment", die Leibfüsiliere, hätten als Deckung des 1. irt einem' Gehölz bei dem Dorfe Kaja Mehrere Stunden gestanden, als auch es Befehl erhielt, weitdr unterhalb, links von Klein-Görschen, den Floßgraben zu über­schreiten und nach Groß-Görschen vorzudringen. Tas Vor­gehen erfolgte nicht geschlossen, sondern kompagnieweise. Die 2. Kompagnie ging vor, konnte aber Wegen des heftigen feind­lichen Feuers den Floßgraben nicht überschreiten. Nun erschien auch das 2. Bataillon des L ei b r e giMe n t s, das in Reserve bei Meuchen gestanden, um sich gegen Groß-Görschen W wenden. Nach kurzent Feuer'.durchwatete es den Graben und griff im Sturm an. Der Mannschaft des Leibregiments schloß sich nunmehr die 2. Kompagnie vomleichten Regiment" an. Tie Leib'füsiliere und das Bataillon des LeibreaiMents nehmen Grotze- Görschen im Sturm und setzen sich dort fest. Hier versammeln sich nach und nach die übrigen hessischen Regimenter. Bis zur einbrechenben Nächst bleiben die Bataillone unterM Gewehr stehen uitb biwakieren auf der Stelle, bie Zeuge ihres Ruhmes gewesen.

lieber 500 Manu hatten bte Hessen an diesem Tage an Toten, Verwundeten und Vermißten verloren. 9km schwersten waren bie Opfer beimleichten Infanterieregiment". Sein 1. Bataillon verlor: 12 Tote, 130 Verwundete, 160 Vermißte, sein 2. Bataillon: 6 Tote, 5060 Verwundete und 139 Vermißte. 9 Offiziere waren verwundet worden, darunter die Hauptleute v, .Schäffer