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Redaktion: R. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Briihl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Laug«. Gieß«»
VersteckrAftl.
Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer".
Bauchredner - Dassow - Orgelklänge — Sandstein — Fliederstrauch — Nachtschatten -- üeinzelmännchen — Gänsebraten — Nudelsuppe.
Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung des Silbenrätsels in voriger Nummer:
Fagott — ktaupacd vdpniee — Habana — Fdelstein -- Weibetich — Erbsenbrei;
Frode WeihnaehtI
doch die Treue hält bis zuletzt. Tier bescheidene: .Dichter freilich wollte die beiden Epen nicht recht gelten lassen Am meisten hing er an seinen Gedichten, nttb wir werden heute dem unerbittlichen Selbstrichter darin beistimmen,, daß in ihnen sein bestes, em Schatz deutscher Poesie beschlos en ist. Reme Lyrik des Melodw gewordenen Gefühls — die Goethes uns Moerrckes gelingt ihm selten. Prachtvolles steht unter seinen lyri,ck--epischen Erzählungen, vor allem die Romanze von Twardotvsü,,dem „polnischen Faust"; seine Naturbilder lassen rn ihrer beseelten und tief erlebten Anschaulichkeit an Lenau benfeir Das Schönste aber dürften ivohl seine didaktischen Poesien sein, ferne knappen kräftigen Sprüche, seine volkstümlich schlagfertigen, hunwrvoll weltweisen Sinngedichte. Auf diesem Gebiet der Lehrdichtung, das ,o recht ein Bereich des Alters ist und in Deutschland so wenige vollgültige Vertreter besitzt, darf Friedrich Wilhelm Weber ein Klafftkca heißen, denn hier ist am reinsten ausgedruckt, was, das Grösste m ihm tvar: der Jan ber einer echt dichterischen Persönlichkeit.
Warum die (tslmtos ihre Rinder nicht strafen.
ES >var während des Winters 1909, daß der bekannte Polar" reifende Pilhiatmur Stefansson im Gebiete ver Mackenue- Eskimo eine Forschungsreise den Hortonfluß huiauk unternommen hatte. Ihn begteilete eine Eskimofarnilie, bestehend aus dem t<am. Ftavinirk, der Fran Mauiayak und der etwa dialnmen Tochter Noaschak. Schon mehrere Tage hatten sie nicbtS auuer Joobentin t au effeu gehabt; die £>imbe ivaren müde und schwach vor Hunger nndkonnte» den Schlitten nicht u.ehr ziehen. So bsieb den bei en Männern der Expedition nichts weiter übrig, als das hochbepackte Ge'ährt vorwärts zu bringen, indem der eine vorn zog mrd der andere hinten stieß, und Mamayok ging voran, um den, «cb litten eine Bahn zu machen. Noaschak, em dickes und schon ziemlich erioachseneS Mäbel, kbronte vergnüglich hoch oben auf der Ladung und sah gleichgültig den Anstrengungen zu, tn denen sich die andern völlig erschöpften. Machte man dann Rast nach langen^ he- vollen Weg. dann rutschte sie schnell und geschickt vom schlitten herunter und belustigte sich mit ihm, nachdem er abgetaden war, indem sie die glatten Eishügel herunterlauste. Ging es weiter, so war sie mit einem Sprung ivieder auf ihrem geivohnten Platz. ,
Eines Tage-?, als die beiden Männer so ermüdet ivaren, dast sie sich kaum noch mit ihrer Bürde sortschleppen konnten wandte sich Stefansson an Jlavinirk mit der Frage, ob et nickt auch meine, es märe eine gute Idee, wenn Noaschak mal abpiege mu ein bißchen nebenan marschierte. Sie allem mar jn immer liesst ich genährt worden und kräftig, während die andern schon seit langem Hunger litten. Tenr Eskimo schieii das einzuleuchten. Er trat an die Tochter heran, erzählte ihr, ivie müde sie alle seien, und wünschte zu wssien, ob fein liebes Kind nicht so gut sein wollte, ein wenig zu gehen; sie würden bann jeden ^.ag schneller reisen und trüber ans Ziel kommen, wo es sehr viel Gutes und Luges nie sie gäbe Doch sie erwiderte, das Gehen passe ihr nicht —- und damit war die Unterredung zu Ende. Als man Halt machte, begann Noaschak wieder ihr lustiges Spiel mit dem schlitten, nnd ste ans- ko» meinte, sie sollte doch lieber auch ruhen, wahrend sie rasteten, bann würde sie vielleicht nachher eher Last zum Gehen haben, -ne Elter» schienen derselben Ansicht nnd trugen ihr die Sache vor, aber sie antwortete knrz, sie ivolle lieber Schlitten fahren als gehen. So wäre» beinahe durch den Eigensinn eines Kindes vier Meirichen zugrunde gegangen, denn die Erwachsenen waren am Rande ihrer Kräfte und schleppten sich nur wie dnrch ein Wunder bis zur nächsten Ansiedlung. ~ , . ,
Tiefe inerkwürdige Situation hebt Stefansson, der ansgezerch- nete Kenner der Eskimos, der gegenwärtig wieder im ewigen b sie weilt und um desseir Schicksal man wegen des Ausbleibens jeder Nachricht besorgt ist, in einem Aufsatz des „Strand Magazine hervor, um die schier unbegreifliche Nachsicht der Eskimoeltern gegen ihre Kinder zu kennzeichne». Viele Reisende haben es als einen seltsamen Zug angeführt, daß die Eskimos ihre Kinder nie bestrafen, und die verschiedenartigsten Vermritungen sind über die Ursache dafür ausgestellt worden. Man hat gesagt, die Kinder seien so gutartig, was gewiß nicht stimmt, denn es gibt unter ihnen die ungezogensten Rangen, ober die Eltern se en io verliebt, was ebenso wenig wahr ist, beim sie sehen die Fehler ihrer Sproistuige sehr genau. Die interessante volkskundliche Erscheinung mar bisher ein Rätsel, und Stefansson bezeichnet e5 mit Recht als „einen Haupt- triumph" seiner vierjährigen Expedition, daß es ihm durch einen Zufall gelang, hinter dieses Geheimnis zu kommen und damit ein wichtiges Element des Ahnenglaubens und Seelenkusies der Eskimos zu enthüllen. Zähneknirscheiid nnd wütend hatte er sich in die gefährliche» Ungezogenheiten Noaschak? fügen muffen, um sich nicht mit den Eskimos, die et dringend brauchte, zu verfeinden. Er nahm schließlich das Kind, das ihn ebenso w e die andern tyrannisierte, als eine Art notwendiges liebel rote die Moskitos. Ta siel ihm plötzlich im März 1912 au>, daß die Mutter 'Mamayak ihre Tochter mit „Mutter" anrebete, nnd ebenso taten andere alte Frauen. Als er nach der Ursache für diese sonderbare Titulatur fragte, erhielt er die Antwort: „Einfach deswegen, weil sie unsere Atuller ist", und nun ging er den Vorstellungen nach, die die Grund
lage Wir baß Verhältnis der Eskimoelten zii ihren Kindern bilden Tie Seele der Toten wartet nach dem Stauben dieses Polarvolkes am Grabe darauf, bis sie in den Körper eines neugeborenen Kindes von dessen Eltern als Schutzgeist oder Atka berufen wird. Die erste Sorge der Blutter ist »ach der Geburt des Kindes, einen weisen unb mächtigen Mann ober Fran der Verwandtschaft, dessen Seele »och frei ist, znm Schützer und Helfer ihres Sprößlings zu bestellen, und nun wohnt in dem kleinen Wesen eine höchst verehrungswürdige, (ehr gefürchtete Persönlichkeit, die man nicht beleidigen unb verletzen darf, ohne bem Kinde und sich selbst schwer zn schaden. 9hir langsam nnd allmählich erstarkt die eigene Seele des inngeit Menschenkindes, und erst ivenn sie so reif und kräftig ich daß sie des Atka nicht mehr bedarf, dann braucht man auf den schutzgetst keine Rücksicht mehr zu nehmen. Dieser Augenblick war bet Noaschak gekommen, als sie mit 12 Jahren eine völlig ausgewachsene junge Dame war. Damals hatte sie sich zum Aerger ihrer Eltern das Tabakkancn angewöhnt, unb iiachbem mau nach län -erer^Beratung zn bem Ergebnis gekommen war, baß ihre eigene seele nun völlig entwickelt und selbständig sei, erhielt sie vom Vater eine gehörige Tracht Prügel. Ihre Tyrannenherrschast über die Familie hatte ein Ende.
Vsrmirehtes.
— International? „Technik und Wissenschaft sind international", bas »»iß inan jugeben. Aber wenn nun geschlossen wirb, auch die Sprache von Technik unb Wissenschaft müßte international sein, so ist das ein Fehlschluß. Diese Sprache hat sich int Gegenteil soweit wie nur eben möglich ber Landessprache zu bedienen, hat also in Deutschland möglichst rein deutsch zu fern. Und weshalb? Nu», weil nur so die möglichste Verbreitung der Ergebnisse der technischen lind wiffenschastlicben Forschnngen in allen Schickten der Beteiligten eines Landes gesichert wird. Selbstredend müssen für einzelne neue fremde Begriffe f»genannte „internationale Fachausdrücke" ober Weltwörter so lange berechtigte Ausnahmen bilden, wie sür deren Bezeich nng noch feine gute oder übliche Verdeutschung vorhanden ist. So haben, wie jedes Uebersetznngs- roörterburb lehrt, mich die Franzosen imb Engländer, die Italiener unb Ungarn, die Schweben und die Russen mit geringen Ausnahmen ihre eigenen Knnstansbrücke, an denen sie hartnäckig fest» halten. Wenn die deutsche Fach- unb Wissenschaftssprache sich zur Bezeichnung wisfenschastlicher ober technischer Begriffe der meist unklaren, inehrdentigen ober nichtssagenden Fremdwörter bedienen wollte, nm das „internationale* Verständnis zu erleichtern, so wären der Verfall ber deutschen Wissenschaftssprache und die baldige Unverständlichkeit der deutschen Fachschristen selbst bei beit Gebildeten des deutschen Volkes die unausbleibliche Folge. Keinem Amerikaner, keinem Engländer, keinem Franzosen würde es je entfallen, so an seiner Muttersprache zu handeln. Sei uns das eine inahnende Warnung, unb eine andere, Lessings Wort: „Eist Wort sagt zunächst nichts mib kann namentlich nicht altes sagen, mau muß darunter etwas verstehen". Wülfing ttad) Hausding.
* Unsicheres Brot. „Es macht mich doch sehr traurig-, daß mein Sohn in seinem Alter noch immer keine sichere Stellung hat." „Was ist er denn?" „Er ist Minister." ,
-"Selbsthilfe. „Gnädige Frau, da ist der Klabrerftrmmer." „Aber ich habe ihn ja gar nid#: bestellt!" „Ja, gnädige Frau, ec sagt, der Nachbar von unten hätte ihn geschickt."
* Unnötige Besorgnis. „Rehrücken?.....Nem, ich
danke, das hat mir der Arzt wegen meines schwachen Magens verboten." Diener, der serviert: „Der Herr kann ohne Besorgnis davon nehmen ... Es ist ja nur Kalbfleisch, das die gnädige Frari seit 14 Tagen in Essig hat legen lassen."
* D a s B l u m e u o r a k e l d e r m o d e r n e n B r a u t: „Ern Bries: er liebt mich! Ein Mng: ein wenig! Ein Armband: gar sehr! Ein Kollier: über alle Maßen! Einen Blumenstrauß: ganz und gar nicht!" , . . ..
* Der Gemütsmensch. „Doktor, tft es wahr, daß die Austern den Typhus bringen?" „Gnädige Frau, wenn das wahr wäre, würde ich sie nicht verbieten. Dann würde ich sie verordnen!'
* Trübe Ahnu n g. Die Mutter: „Warum weinst du denn so schrecklich, Bill?" — Bill, der eben mit seinem ältere« Bruder gespielt hat: „Ach, Georges hat die Bluse zerrissen, die ich dann tragen muß, wenn sie für ihn zu klein ist."


