Ausgabe 
27.11.1913
 
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einer wundervollen dänischen Dogge, ein alter Herr. Sein Ge­sicht war in Schatten. Ich sah nur einen langen silbernen Bart.

Er stand Plötzlich still und schaute über das Meer. Ich folgte seinem Blick. Da lag weit, weit im blauem Golf, litte ein Rubin int roten Licht der Sonne, die Insel -Capri, wo Neapolitane­rinnen, schöne und sehr schöne, für zehn Saldi Tarantella tanzen ... 1

Der alte Herr stand, bis ein junger, vornehm gekleideter Mann zu ihm kam und ihn begrüßte. Sie gingen langsam zum Palazzo und schritten langsam nebeneinander die breite Marmor­treppe hinauf. Die dänische Dogge folgte. Zwei Diener in reicher Livree öffneten das schwere, kunstvoll geschmiedete Portal. Es sah alles sehr, sehr feierlich und vornehm aus.

granzesca Grimini warum mußte es Pietro Peroni sein?

o viele schöne, junge und vornehme Edelleute gingen im Palazzo Grimini ein und aus.

Kurios sind die Frauen . . .

Die nordische Katur.

Aus Ionas LieS Erzählung »Ter Hellseher".

Nordland besitzt alle Nalurverhnltnisse in einem intensiven Grade und in ganz eigentümlichen großartigen Gegensätzen. Es hat eine endlose steingraue Einöde, tute in der Urzeit, bevor die Menschen sich anbauten, aber inmitten derselben auch id te end­losen Natnrreichtnmer; es hat eine Sonne und eine Sommer- Herrlichkeit, deren Tag nicht bloß 12 Stunden zählt, sondern Tag und Nacht ununterbrochen 3 Monate währt, und während welcher man an manchen Orten mit einer Maske gegen die Mückenschwärme versehen sein muß; aber als Gegensatz dazu wieder eitte Rächt mit Finsternis und Schrecken, welche 9 Monate dauert. Es herrschen dort Riesenverhältnisse, aber ohne die kleineren Uebergänge zivischen allen Extremen, aus welchen das ruhige Leben hier im Süden aus- gebaut ist. Ein Nordländer kommt sich daher im Süden aitsangs leicht wie ein Gulliver vor, der nach Liliput geraten ist.

Wenn man von Wogen und Wetter spricht, so meint man hier ein bißchen Sturm und Wellenschlag int Chrtstianiasjord, der höchstens einen unbedeutenden Schaden im Haien anzurichten ver­mag, und man betrachtet es als ettvas außerordentlich Erschütterndes, wenn ein linkischer Fischer scheitert. Vor meinem Geiste steht da etwas ganz anderes: plötzliches Sturmwetter, das vom Felsen hermtteriährt und die Häuser umweht, vom Eismeer sich herunter- tvälzende Wogen, welche die hohen Schären und dolme tu Schaum begraben und eine Sturzwelle von vielen Faden Tieie bilden, so daß das Schiff mit einem Maie aus den Grund stoßen und mitten im Meere zerschellen kann; Scharen mutiger Männer, die int Sturm Hittaussegelti und um ihr Leben käntpsen, ja nicht bloß um ihr eigenes, sondern auch mit einer mühsam erkämpften Last für das Leben derer, die daheim ihrer harren, und die nichtsdestoweniger mitten in der Todesgefahr einem schiffbrüchigen Kameraden die Hand zu reichen suchen; ich denke an den Untergang unzähliger Boote und Fahrzeuge an Winterabenden mitten im rasenden Sturm und anf berghohen Wogen ja, e§ wäre wohl der Mühe wert, sie zu sehen (gewöhnlich drei bbitereinanber und die letzte Woge die schlimmste), wie sie mit Schaumkämmen höher als ein Zollhaus­dach sich heratttvälzeu und vielleicht mit einer Jacht anf der Spitze in den schmalen, friedlichen Hasen Christianias hereinbrausen, die Schiffe mit sich hinaus in die Stadt schleudernd und geiolgt von entsprechenden schweren Sturmstößen, so daß die Dächer abgehoben würben.

Aber lastet die Allgewalt der Natur als eine drückende Last auf dem Leben an dieser winterlichen, finsteren, meernmbranften Grenzküste, wo es neun Monate lang dämmert und während dreier derselben sogar die Sonne fehlt, so daß das Gemüt sich vor der Finsternis fürchten lernt so besitzt Nordland auch in geradem Gegensatz zu diesem Extrem seine sonnenwarme, klare, luftheile, bnfter<ü!ite, mit der reichsten Farbenpracht leuchtende Sommer- natur, in welcher Entfernungen von zehn bis zwölf Meilen über dem Wasserspiegel sich einander bis auf Hörweite nähern, in welcher die Berge bis hinaus an die Spitzen sich mit braungrünem Grase kleiden in Losoteu sogar bis 2000 Fuß Höhe - in welcher die mit Birken beivachsenen Berge oben an den Abhängen und in den Schluchten wie ein Kranz weißgekleideter, sechzehnjähriger Mädchen erscheinen, während das Aroma von Erd- und Brom­beeren, die dort wachsen, die Lust durchduften wie an keinem anderen Ort, wenn du der Wärme wegen in Hemdsärmeln vor­übergehst und der Tag heiß ist, so daß du dich nach einem Bade in dem sonnenbeleuchteten, plätschernden, bis aus den Grund wunderbar klaren See sehnst. . . .

Es ist, als ob die Sonne dort die Natur um so inniger küßte, weit beide wissen, daß sie nur kurze Zeit zusammen sein können, und als ob sie zu vergessen suchten, daß sie so bald wieder scheinen müssen. Daun springt die Grasmatte wie durch ein plötzliches Wunder empor und in üppigem Reichtum blühen die blaue Glocken­blume,^ der Löwenzahn, dis Butterblume, das Pfaffenkraut, das Dornröschen, die Erd- und Brombeere an jedem Bach, au jedem Hügel, an jeder Böschung; dann summen hundert Arten von In­

sekten im Grase wie in einem tropischen Lande; dann werbe« Kühe, Pferde und Schafe hinauf in die Bergtäler und auf die Ab­hänge getrieben, während der Sappe vom Hochland in die Fjord- tälec berabf'ommt mit feinen Remitieren und sie in den Bächen tränkt; bann dehnt der Brombeerstrauch sich errötend eine Viertel- metle weit; dann herrscht stiller, Sonniger Frieden in jeder Hütte, wo der Fischer jetzt bet den Seinen daheim ist und die Gerät- schasten für die Winterfischerei zurechtmacht; dann ist im Norb- land der Sommer so schön, wie nur an wenigen Orten, und es herrschen idyllische Naturst-ende und Frieden wie vielleicht nirgends.

Von dieser kosenden Weichheit der Natur bekommt der Nord­länder auch einen Zug in {einem Charakter.

BücherUfch.

Lafontaines Fabeln, liebersetzt von E r n st Doh nt. Mit einer Einleitung von Paul Lindau. 368 Seiten 8°, brvschi. 3,50 Mark, geb. 5 Mark (Berlin 1913 bei Georg Bondi). Ernst Dohms vortreffliche Uebersetzung der Lafontaineschen Fa­beln erschien zum erstenmale vor einem Menschenalter als Pracht­band in Groß-Folio, geschmückt mit Dores riesigen Zeichnungen. Der Preis dieses Werkes war den meisten unerschwinglich; der Glanz der Ausstattung war irreführend, als ob Dores Zeichnungen die Hauptsache seien.So darf man denn," sagt Paul Lindaü in seiner Einleitung,getrost behaupten, dass die Dvhmfche jlkeber- setzung der Fabeln Lafontaines bis zur Stunde eigentlich noch gar nicht erschienen und deshalb in Deutschland so gut wie unbe­kannt geblieben ist. Sollte es gelingen, dem deutschen Nachdichteh und mit ihm fauch dem französischen Dichter bei uns zn ihrem Rechte zn verhelfen, so käme diese Volksausgabe, wenn auch spät, doch nicht zu spät."

E i n neues Werk für die Jugend ist unter dem TitelScherls Jungdeutschland-Buch" int Berlage August Scherl G. m. b. £>. erschienen, herausgegeben von Major Maximilian Bayer, dem ausgezeichneten Führer unserer Jugend, die er als Reichsseldmeister des Deutschen Pfadfinder-Bundes genau kennen gelernt hat. Ein frischer, gesunder Hauch geht durch das Buch. Prachtvolle Schlachtenschilderungen, Reiseabenteuer, Vorbilder deut- scher Geisteshelden erwecken in dem jungen Leser den Ehrgeiz zur Nacheiferung; Erzählungen voll gesunden Humors und span­nender Phantastereien unterhalten ihn in seinen Mussestunden, für die er auch durch eine Anzahl Rätsel, Basteleien und drei Preisausschreiben reiche Anregung findet. Für das Auge ist nicht minder gesorgt. Die zahlreichen Illustrationen und farbigen Kunstblätter stammen von unseren bekanntesten Malern: den Pro­fessoren Dr. Liebermann, Arthur Kampf, Karl Becher, Hansl Bohrdt, Ludwig Dettmann, Anton Hoffmann, Willy Stöwer, ferner Gino v. Finetti, Heinrich Jäger, Franz Jüitner, Juling Klinger, Wilhelm Kuhnert, Fortonino Matania, Felix Schworm- ftädt, Franz Stassen usw. Der 1. Vorsitzende des Fnngdeutsch- landbnndes Generalfeldmarschall Dr. Fahr. von. der Goltz hat dem neuen Werk das Geleit gegeben in Form eines kernigen Vor­wortesAic die deutsche Jugend", die an dem glänzend ausge- ftcitteten Buch (Preis elegant gebunden 4 Mark) ihre Helle Freude haben wird. ------------

Schach-Aufgabe.

Von E. 9t. Frankenstein. Schwarz.

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Weiß.

Weiß setzt mit dem zweiten Zuge Matt. Auslösung in nächster Nummep.

Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummert <xraä U5 Seine Tinte Aufter - Vernet - »Tiere Iris Erna Hatte Inn Tratte Zeifig;

Gustav Nieritz.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scben Universitäts-Buch- und (Steinbructerei, R. Langem Gieße»