Ausgabe 
27.9.1913
 
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Was bist Du für ein wildes Kind, Rosita. Du hast mich richtig erschreckt. Eine junge Dame und das will» du doch jetzt sein zeigt ihre Freude doch nicht in dieser Art."

Dann wandte Madame Pinedo sich zu Erich Sanner und sagte freundlich, aber in merkwürdig kühlem Ton:

Ich danke Ihnen, Herr Sanner. Es freut mich, daß Sie sich so rasch entschlossen haben. Ueber das Geschäftliche sprechen wir wohl noch."

*

Wer das kleine Frohwinkel vor zehn Jahren zum letz­tenmal gesehen hatte, der kannte es nicht wieder. Das emp­fand auch der große, stattliche Mann mit dem braungebrann­ten Antlitz, in dem zwei leuchtende, kluge, gute Augen funkel­ten. An seinem Arm hing eine reizende, schlanke Dame, der man die Südländerin unschwer ansah. Sie gingen zärtlich aneinander geschmiegt, als wollte keines den Andern lassen. In beider Augen leuchtete heiße Zärtlichkeit auf, wenn ihre Klicke sich begegneten.

Ich hätte nie geglaubt, daß ich mich in meiner Heimat nicht mehr zurecht finden würde, liebste Rosita. Was die Zeit doch aus Menschen und Städten macht."

Freust du dich, deine Heimat wieder zu sehen, Erich?" fragte die junge Frau auf deutsch, aber mit einem fremden Akzent.

'Ich freue mich, sie an deiner Seite, der Seite meines nach schweren Kämpfen mit deiner stolzen Mutter endlich er­rungenen teuren Weibes wieder zu sehen, Rosita. Nach zehn fahren stehe ich wieder auf heimatlicher Erde, als Hoch- Aitsreisender, der im fernen Mexiko ein neues Heim fand. Da bekommen die alten Erinnerungen wieder Leben und nehmen greifbare Gestalt an. Sie sprechen zu mir und sagen: Was bist du glücklich geworden! Und hier hast du dich manch­mal so sehr, sehr unglücklich gefühlt."

Rosita blickte zärtlich zu dem Gatten auf und sagte schel­misch lächelnd:

Also mache ich dich doch ein wenig glücklich?"

Ueber alles, mein Weib. Aber Rosita" unterbrach Erich sich plötzlich lachendsieh nur dort den Pikkolo im alten Garten desGrand Hotel goldener Schwan", wie er sich mit dem weißgekleideten niedlichen Mädchen neckt. Ein solcher Pikkolo war dein Mann auf dieser selben Stelle vor mehr als einem Dutzend Jahren."

Lachend schritt die reizende junge Frau zu dem ahnungs­losen Pikkolo hinüber. Dann blieb sie stehen und rief den erschreckt Auffahrenden an. Den Kopf ängstlich geduckt, kam er näher.

Wie heißt du, Pikkolo?" fragte die junge Frau freundlich.

Erich."

Erich," wiederholte die junge Frau leise, wie träumend.

Ein nachdenklicher Zug huschte über ihr Gesicht. Dann nestelte sie mit einem plötzlichem Impuls ihre Börse aus dem Kleid, entnahm ihr ein Goldstück, und gab es dem verblüfft, mit offenem Munde dastehenden Pikkolo:

Hier, mein Junge, das ist für dich, weil du ein Pik­kolo bist, und das" dabei beugte sie sich, leicht errötend, nieder, und küßte den Jungen auf die Stirndas ist für -ich, weil du Erich heißt."

Mathematische scherze.

Unter dem TitelMathematische Ueberraschungen für Lehrer ünd Rechenfreunde" läßt der ehemalige Seminaroberlehrer A. Genau soeben im Verlage von I. Stahl in Arnsberg i. W em Büchlein erscheinen, in dem die ernsten Wahrheiten der strengen Wissenschaft in angenehmer und zum Teil Heiterer Form auf alle möglichen Dinge des täglichen Lebens, auf Spiel und Unter­haltung usw. angewendet werden. Allerhand merkwürdige Zu­sammenhänge im Reiche der Zahlen werden darin aufgedeckt, es werden Scherzfragen aufgeworfen, die jeder zunächst falsch be­antwortet, es werden verwickeltere Trugschlüsse gezogen, die gar nicht leicht zu durchschauen sind, kurz, das kleine Werk bietet eine Fülle von Unterhaltung und Belehrung, wie ein paar Bei­spiele zeigen mögen.

,.,r »Em Araber" so lautet einer der Trugschlüssehinter­laßt seinen drei Söhnen 17 Kamele mit der Bestimmung, daß der ältere Sohn die Hälfte, der folgende ein Drittel, der dritte ein Neuntel der Tiere erhalte. Da sie die Teilung nicht vor- zunehmen wissen, ziehen sie den Kadi zu Rate. Dieser hilft in folgender Weise: er stellt von den eigenen Kamelen ein schlechtes zu den 17 und fordert jeden Sohn auf, den ihm zugesprochenen

Teil der Kamele zu nehmen, wobei er jedoch dafür sorgt, daß sein schlechtes Kamel mit fortgeht. , Das übrigbleibende Kamel nimmt er schließlich Ur sich. Wie kommt es, daß jetzt jeder Sohn mehr erhält, als er nach der Bestimmung des Vaters beanspruche konnte?" Tatsächlich bekommt der erste Sohn anstelle Von 8pz Ka­melen, die er zu beanspruchen hat, 9, der zweite anstelle von 5V?Kamelen deren 6, und der dritte nicht l/? sondern 2. Der Fehler liegt nicht in der Verteilung, sondern schon in der testa­mentarischen Bestimmung des Vaters!, di« Aufgabe ist, mathematisch gesprochen, überstimmt: soll eine bestimmte Summe ttt gewissen Verhältnissen in drei Teste zerlegt werden, so ist der dritte Test natürlich schon festgelegt, sobald die ersten beiden bestimmt sind.

Einen überraschenden Zahlenscherz kleidet Ä. Genau in Form einer Aufgabe: eine durch Subtraktion und Addition entstanden« Zahl anzugeben, ohne daß man die Zahlen, mit denen operiert wurde, kennt: man lasse von jemand eine dreistellige Zahl mit ungleichen Endziffern hinschreiben, darunter dieselbe Zahl mit vertauschter Endziffern setzen unh die kleinere Zahl von der größeren substrahreren. Im Ergebnisse lasse man wieder die Endziffern vertauschen und die so gewonnene Zahl zum Ergebnis addieren. Man kann dann, ohne die hingeschriebenen Zahlen zu kennen, das Resultat angeben. ES ist stets 1089. An einem Zahlenbeispiel durchgeführt lautet die Rechnung: 781 minus 187 gleich 594; 5^4 Plus 495 gleich 1089. Daß dies für alle dreiziffrigen Zahlen gstt, läßt srch leicht nachweisen, indem man mit allgemeinen

Das Zahlenkunststück läßt sich auf vier- und mehrstellige Zahlen.ausdehnen. Bei vierstelligen Zahlen ist das Ergebnis stets 10 989, wie folgendes Zahlenbeispiel dartut: 7523 Aistus! 8527 gleich 3996; 3996 plus 6993 gleich 10 989. Bei fünfstelligen Zahlen ist das Ergebnis 109 989, und ähnlich ge­baute Zahlen ergeben sich auch, wenn man das Zahlenkunststück mit mehrstelligen Zahlen ausführt.

vücherlisch.

Modellierbogen. Reue Künstlerbogen von Otto Robert. Verlag von Otto Mater, Ravensbiirg. Modellbogen sind so recht dazu angetan, die Kinder znni Basteln, zur zielbewußten Arbeit zu erziehen. Ein fränkisches Städtchen z. B- (He!t Nr. 3007), Preis 40 Pfg., verfertigt von dem bekannten Maler P. F. Messerschmitt, lernen sie hier kennen, den Marktolatz mit seinen charakteristischen Giebelhäusern, dem Brunnen in feiner Mitte, seinem Leben und Treiben. Verkaufsbuden sind aufgestellt, Hökerweibcr bieten Obst und Gemüse feil, Bauern, feilschende Köchinnen, Kinder und sonst alles mögliche Kleinzeug bevölkern die Straße, über die eine alter­tümliche Reisekutsche rollt. Der schövferischen Einbildungskraft ist ein reiches Feld geboten, und noch ein anderes, erzieherisches Moment dieser wirklich famosen, künstlerisch erstklassigen Modellier- bogensammlung darf nicht unerwähnt bleiben: sie vermag den Grund zu legen zu einem späteren Verständnis für die Heimatkunst kann schon früh das Gedächtnis und den Blick schärfen für in­dividuelle Bauart und kommt aus diese Weise einem Bedürfnis unserer Zeit entgegen.

Der Greis", die neue Monatsschrift, von deren Gründung wir unseren Lesern seinerzeit schon Mitteilung machten, beginnt mit dem 1. Oktober zu erscheinen. Ter Lottasche Verlag hat ein kleines Werbeheft herstellen lassen, das Proben ans dem In­halt der ersten Nummer zusammensaßt. Der Gedanke, unsere besten deutschen Dichter, Staatsmänner und Gelehrten sich zu verbünden und so in gemeinsamer Arbeit mit ihnen eine nette Zeitschrist von wirklicher Bedetttung zu schassen, scheint uns danach trefflich ge­glückt. Jugenderinnerungen des Grasen Zeppelin stehen daneben Gedichten von ßutit von Strauß und Torney, soivie von Rudolf Herzog, neben Tagebttchblättern Hermann Sudermanns und einer Novelle des jungen Dichters Paul Enderling.

Charade.

Wer sich als Eins erblicken läßt. Den pflegt man bestens zu empfangen, Das Zweite liegt am Hause dicht, Mit Leichtigkeit kann manS erlangen.

Wer müd' ttnd htmgrig wird vom Wandern. Der eilt vergnüglich in das Ganze.

Und wer ein Freund von Scherz und Spiel, Kann dort vergnügt sich dreh'n im Tanze.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Gitterrütsels in voriger Nummer: SST

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Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen UniversitätS-Buch» und Steindruckerei, R. Laug Gießen