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Schneidend kalt sprach er es, ohne seine Fran eines Blickes zu würdigen; vielmehr b'ot er, sich verneigend, Gottliebe seinen Arm: '
„Bitte — Sie erlauben, daß ich Sre aus Ihr Zimmer geleite. — Wir sprechen uns nachher!"
Ueber die Schulter hin warf er schon int1 Fortgehen seiner Frau das Wort hin. Mit dumpfem Drohen. Das' raubte der Erregten jede Beherrschung :
„Allerdings — wir werden uns sprechen, mein Lieber! Zischend stieß sie es hervor. „Ich bin deine Frau, wenn du auch aufs schamloseste vergißt, was du meiner Ehre schuldig bist. Aber ich werde mich nicht in meinem eigenen Hause ungestraft beschimpfen lassen, vor den Augen dieses —, Fräuleins! Ich nicht! Du wirst's sehen!"
sind türkrachend stürzte sie ins Zimmer zur Rechten.
Zitternd hing Gottliebe in Malmorts Arm; ihre Füße, ihre ganze Gestalt wankten. Dann aber raffte sie sich zusammen: „ „
„Lassen Sie mich — ich will weg', sofort!" Sie rang',, ihren Arm frei zu bekommen; aber er hielt sie mit sanfte« Gewalt. , ,.
„Ich schaffe Ihnen Genugtuung, Gottliebe!" Durch die Zähne stieß er es dumpf hervor. „Nicht Sie — jene wird mein Haus Verlässen. Aus mein Wort!"
So geleitete er sie auf ihr Zimmer, wo sie matt, ganz gebrochen, aus einem Sessel zusammensank.
„Fassung — Ruhe!" beschwor er sie noch einmal. „Jene Rasende kann Sie nicht beleidigen — ich wiederhole es noch einmal. Ich gehe, sie jetzt zur Rechenschaft zu ziehen. Erwarten Sie mich hier — ich bitte, ich flehe sie an. Ich sende Ihnen einstweilen Rehe."
Und schnell eilte er hinaus, sein Versprechen auszu- sühren. '
Er suchte seine Frau drüben in einem ihrer Zimmer, aber er sand sie nirgends. Da stieg ein banges Ahnen in ihm auf, und mit bebenden Knien eilte er hinüber in den Turm, zu Rehes Stübchen.
Sein Ahnen hatte ihn nicht getrogen, schon von draußen hörte er die schrille Stimme seiner Frau und der Tochter! herzzerbrechendes Ausschluchzen. '
Mit fliegender Hand riß er die Tür aus.
„Und du willst es mir nicht glauben?" hörte er gerade noch die wutrasende Frau hohuvoll, gellend ausrufen. „So hättest du nur dabei sein sollen, wie er die Person vor meinen Augen mit zärtlichem Kosenamen nannte und vertraulich am Arm wegführte. Der Elende — der Ehebrecher!"
Ein Ausschrei aus Rehes Muude, als hätte sie eben Men Vernichtungsstreich empfangen! IM selben Augenblick sah sie den Vater im Türrahmen stehen — totenblaß zurücktaumelnd, mit einem Gesichtsausdruck, so entsetzlich, daß sie ihn nie im Leben wieder vergessen wurde.
In Todesangst wollte sie auf ihn zustürzen und doch blieb sie wie erstarrt stehen. Ein furchtbares, dunkles Gespenst hatte sich zwischen sie und den Vater gestellt -- wenn es nun doch wahr war, was die Mutter da eben gesagt hatte? Sie hatte 'es ja doch mit eigenen Augen gesehen! '
-Im nächsten Moment stand Malmort wieder fest da, aber etwas Steinernes int Antlitz.
„Rehe!" seine Stimme klang rauh und heiser vor furchtbarer Erregung. „Geh hinüber zu Fräulein Gottliebe."
„Wie? — zu deiner Maitresse?"
Wie eine Besessene wollte sich Frau v. Malmort aus die Tochter stürzen; aber da packte sie plötzlich seine Faust mit eisernem Griff.
„Geh!" gebot er noch einmal der wie 'angewurzelt stehenden Tochter, i 1 1
„Laß mich! Du Miserabler, du Henkersknecht!" Ninon Malmort wand sich verzweifelt unter seinem schmerzenden Griff. Dann heulte sie plötzlich auf.
«„Nun siehst du's ja!" schrie sie zur Tochter hin. „Wie er mich mißhandelt, mich foltert, um jener Dirne willen."
Aus Malmorts kreidebleicher Stirne schwollen die Adern dickblau an, zum Zerspringen. Er sah in diesem Augenblick zum Fürchten aus. i
„Hörst du nicht!"
Donnernd scholl der Ton an Rehes Ohr. Noch nie hätte der Vater so zu ihr gesprochen.
„Ich befehle es dir: Auf der Stelle zu Fräulein Rhyn- gäert!"
Da zuckte das Mädchen zusammen, wie vom Blitzschlag getroffen, und dann flog sie hinaus, die Hände vors Antlitz schlagend.
Sowie sie hinaus war, gab Malmort seine Frau frei, aber er trat schnell zur Tür, den Schlüssel umdrehend und abziehend. ?
„Was tust du? Laß mich hinaus !"
Wie eine Tolle sprang sie auf ihn zu, vergeblich ringend, ihm den Schlüssel zu entreißen.
,/Hilse, Hilfe! Er will mich »norden!"
Die Rasende stürzte ans Fenster, und ihr gellendes Rusen drang kreischend aus den stillen Schloßhos hinaus.
„Ruhe!" i
Donnernd gebot er es, zu ihr tretend. ।
„Oder ich vergesse mich wirllich!"
Der furchtbare Ton machte die Tobende verstummen. Zitternd starrte sie auf den gewaltigen Mann vor ihr, der ein Bild nur mühsam noch niedergehaltener, entsetzlicher Erregtheit war.
„Ein Wunder wäre es bei Gott im Himmel nicht, wenn ich dich vernichtete, ,—. die du da dien vor meinem Kinde — Ah!"
Er vollendete nicht; ein Stöhnen brach aus seiner Brust, so schrecklich, daß die Frau in Todesangst die Hände zu ihm aufrang.
„Wulfrin! Verzeih mir — ich wär wie von Sinnen!"
Da war die Krise vorüber; er wurde! wieder Herd seiner selbst. ; 1
„Verzeihen!" Bitter lachte er auf.
„Daß du in die reine Seele meines Kindes den Gifthauch des Argwohns gegen den -eigenen Vater gesandt, von ihrem Auge den Schleier der Unschuld gerissen — das soll ich dir verzeihen?"
Ninon Malmort brach, nach all der furchtbaren! Erregung, haltlos in einem Sessel zusammen; dort lag sie nun krampfhaft schluchzend.
Er ging eine Weile, ihrer nicht achtend, vor sich hin- starrend im Zimmer auf und ab'. Dann blieb er vor ihr stehen. Ein Blick namenloser Verachtung traf sie: Das war nun das Weib! Erst Schlangenbosheit, in besinnungsloser Wut vergiftend und würgend — und dann -erbärmliche Schwachheit, die sich nichts anders weiß als wohlfeile Tränen.
Sie sah trotz des Tuchs vorm' Gesicht und ihrer anscheinenden Schmerzversuiikenheit, daß er jetzt vor ihr stand, und, an eine mildere Regung glaubend, sah sie nun zu ihm aus und hob flehend oie Hände:
„Verzeih mir doch, Wulfrin; ich will ja alles wieder g|uf machen, Fräulein Rhhngaert um Entschuldigung bitten —i ich bin ja nun einmal so namenlos leicht erregbar — und gtelie —/'
„Ja, Rehe!" Mit einem herzzerschneidenden Blick sah er sie an, während es in tiesem Weh, verzweiflungsvoll,: um seinen Mund zuckte.
„Kannst du auch den Stachel aus ihrer Seele ziehen, sie diese Stunde vergessen machen, ihr ihre Ahnungslosigkeit wiedergeben?" ■ <
(Fortsetzung folgt.) r
pariser Herbstmoden.
Von I v -o n ne-Paris.
Diejenigen, die gegen den Luxus Blitze schlendern Und ihre Zahl ist nicht klein! — Heben ihm allein die Schuld an allein! Unheil, was um uns härUm passiert. Sie sagen: „Tie Unmoral kommt vom Luxus und die Treulosigkeit ebenfalls. Er ruiniert ganze Familien, MM die Frauen ins Verderben, ist das Unglück der Männer usw. wkw." Man könnte mit Leichtigkeit g-anAe Bände darüber vollschreiben. Der Luxus- ist der Prügeljungie,: dem alle Missetaten zur Last gelegt werden. Mer... es gibt nichts Ungerechteres, als diese Behauptung! Der Luxus ist eine Stufe notwendiger Entwicklung int Leben der Völker. Er ist fine den Geist, wäs das Brot für -den Körper ist. Was ist denn überhaupt Luxus? Es ist die Kunst Und Schönheit der Dinge um Uns herum, die Nahrung für unsere Seelen. Obne Kunst und Schönheit, und demnach auch ohne .Luxus, existiert für Stationen Und Individuen kein Geistesleben. Mer es gibt -eben .Luxus und Luxus, einen wahren und dnen falschen, und für den letzter^ müßten sich die Leute das Blitzeschleudern aufsparen! D-er eine ist echt Und der andere nachgemaM! Jener zeichnet sich durch we- schmack, dieser durch Geschmacklosigkeit aus ! Ein fein gearbeitet« Schmuckstück, eine herrliche Orientperle sind Luxusgegenstande,


