Ausgabe 
27.8.1913
 
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jfirnenraulch.

Roman von Paul Grabern.

Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

War das nicht ettoo.3, was endlich die so lang entp(- fundene Leere in ihrem Sein aus füllen könnte? War da nicht die wirklich befriedigende, frohmachende Lebensauf­gabe, nach der sie sich so gesehnt hatte, Jahr für Jahr?

Ich sehe, Sie können sich nicht entschließen Sie können uns das Opfer nicht bringen," traurig klangen seine Worte ihr plötzlich ins Ohr.Bitte, verzeihen Sie meine Anfrage, die Sie in diese peinliche Lage brachte."

Opfer?" Sie war anfgestanden; dicht vor ihm traf Auge das Auge.Kein Opfer, Herr v. Malmort. Eina Freude, eine Herzensfreude ist nüf Ihr Rus. Und ich folge ihm hier haben Sie mich!"

Wahrhaftig?"

Er ergriff ihre beiden, ihm hingestreckten Hände, aber immer noch ungläubig starrten sie seine Blicke an. Als er aber in ihrem Auge das feste Ja las, da flog ein Freuden­schein über sein Gesicht, so strahlend hell,, wie sie es noch nie an ihin gesehen hatte.

Gott segne Ihnen diesen Entschluß!"

Und in köstlicher Vorfreude saßen sie nun noch lange beisammen, sich ihr trauliches künftiges Miteinanderhausen ausmalend.

»Endlich aber jgebot ihnen die vorgerückte Stunde, an die Ruhe zu denken. Unter heiteren Scherzworten über ihre primitive Unterkunft richtete Malmort von dem Heu zwei Lagerstätten rechts und links des Herdes her.

Dort lagen sie dann, in ihre Wettermäntel gehüllt. Wer der Schlaf kam beiden noch lange nicht. Die Gedanken flogen noch immer unablässig um den neuen Plan, mit frohem, hofsnungsleichtem Flügelschlage.

*

Malmort und Gottliebe hatten die beabsichtigte Tour auf die Puuta d'Urso (nun doch nicht ausgeführt. Der Drang, Rehe von dem (neuen Entschluß in Kenntnis zu setzen, alle Vorbereitungen zu treffen, um ihre Beziehungen in Berlin zu lösen und in Bälde die Uebersiedlung zu be­werkstelligen, hatte namentlich Gottliebe zur sofortigen Heimkehr bestimmt. Gegen Mittag langten sie so wieder in Schloß Malmort an. /

Boll frohester Stimmung, in geheimer Freude, was wohl Rehe zu der (großen Neuigkeit fagen würde, wie (glückselig sie wohl sein würde, klopften sie ungeduldig ans Schloßtor.

(Aber wie ein leichter Frost legte sich auf ihre hoffnungs- (geschwellten Herzen (gleich die Miene des Alten und seine Meldung, daß die gnädige Fran sie schon gestern abend zurückerwartet habe und Höchst aufgeregt über ihr Aus­bleiben über Nacht sei.

Mittwoch, den 27. August

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Malmorts Stirn (verfinsterte sich (alsbald gleichfalls, und mit Schweigen schritt er schnellen Fußes ins' Schloß hinein, wie in heftigem Begehr, schleunigst hier eine klare Situation zu schaffen. Gottttebe ging ihm zur Seite, plötz­lich schwer beklommenen Herzens.

Bei all ihren schönen Plänen hatte sie gar nicht Frau v. Malmorts gedacht. Sie war ja nur eine vorübergehende Erscheinung hier, ohne jede Bedeutung für das Leben auf Malmort, die in den nächsten Tagen schon wieder spurlos verschwunden sein würde, sobald «die Laune gestillt war, die sie hergetrieben hatte. Nun aber sagte ihr plötzlich ein dunkles Gefühl, daß ihrem Vorhaben von dieser Seite her sicherlich unerwartete Hindernisse sich entgegenftellep würden. |

Schweigend schritten sie so dahin. Sie hatten erwartet, daß Rehe wenigstens sie schon unten in der Halle begrüßen würde; aber niemand war da.

Malmort biß sich auf die Lippen. Sonst hatte die Tochter ihn stets hier empfangen. Daß sie heute nicht da! war, war unfehlbar das Werk seiner Frau. Immer unheil­voller zog sich h>as finstere Gewölke auf seiner Stirn zu­sammen, während ;er nun mit Gottliebe die Treppest hinaufstieg.

(Als sie droben in den Vorsaal des' ersten Stockes' traten, war es ihnen, als ob sich hinten eine Tür auf dem Gang schlösse, in der Richtung, wo Rehes Zimmer lag, und nun trat ihnen, ans dem Korridor biegend, um den Pfeiler herum unvermutet Frau v. Malmort entgegen. Mit einer eisigen, verächtlich-hochmütigen Miene stand sie unbeweglich und ließ so die beiden herankommen, die dort an ihr vorüber mußten.

(Auf Malmorts Stirn zuckte es in dem feinen, licht­blauen Geäder der Schläfe, aber völlig beherrscht, grüßte er feine Frau mit korrekter Höflichkeit. Sie dankte mit einem kaum merklichen Nicken, ivährend sie Gottliebes Gruß kalt übersah.

Malmort bemerkte es, und «ein Zittern der Erregung klang nun doch leise ans seiner Stimme, wie er sich an die herausfordernd int Wege stehende Frau wandte:

Ich hörte schon zu Meinem Bedauern, daß du dich wegen unseres Ausbleibens über (Nacht beunruhigt hast, aber" 1

Beunruhigt?" Mit spöttischem Ton schnitt sie ihm das Wort ab.Da irrst du gänzlich, mein Freund. Meinet­wegen bleib fort, so lange du willst. Nur," und jetzt hobt sich die Lorgnette vors Auge und musterte Gottliebe mit kalt-verächtlichem Blick,daß du in Gesellschaft über­nachtetest, das hat mich frappiert, mein Bester!"

Gottliebe zuckte zusammen wie unter einem Peitschen- biebe. Im selben Moment war aber auch schon Malmort bei ihr. .

(Verzeihung, Fräulein Gottliebe, meine Fran toetf; bisweilen nicht, was sie spricht; sie kann Sie jedenfalls! nicht beleidigen."