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lieb gewonnen habe, nicht mutwillig aufs Spiel, denn alle diese Knaben und Jünglinge, die ich hier in Breslau habe heranziehen sehen, werden Preußen vor der UeberMacht Napoleons nicht retten."
Aber auch seinen kaiserlichen Herrn hatte der Gesandte rechtzeitig und öfters gewarnt, den Bogen nicht zu secLff anzuspannen und das im Zwangsbündnis befindliche Preußen nicht durch Rücksichstlosigkeiten auf die Seite der Gegner zu drängen. In maßloser Unterschätzung des preußischen Nationalgefühls wies er jedes Entgegenkommen von sich und noch ain 1. März äußerte er zum Grafen Bubna, einem österreichischen Diplomaten: „Tie Preußen sind keine Nation, sie haben keinen nationalen Stolz, sie sind die Gascogner von Deutschland. Wir haben sie immer verachtet. Der 'Deutsche ist nicht gemig Mörder, um Revolutionen zu Machen." Trotzdem hatte der schlaue Korse mit dieser Möglichkeit gerechnet, denn die voraussichtlichen politischen Folgen des Wfalles Uorcks mußten auch dem Verblendetsten die Augen offnen. Großmütig verzieh er daher dem Könige von Preußen den Ungehorsam seines Generals — nm für seine eigenen Rüstungen die nötige Zeit zu gewinnen.
Doch nichtsdestoweniger war Napoleon ehrlich überrascht, als am 27. März der preußische Gesandte, General von Krusemark, dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten, dem Grafen Bas- sano, eine die Kriegserklärung enthaltende ausführliche Note überreichte. Diese Erklärung begann mit den Worten: „Die Fortschritte der russischen Waffen gestatten es nicht, daß Preußen den Zustand der Ungewißheit verlängere, worin es sich befindet. Auf der einen Seite bietet der Kaiser von Rußland, mit dem Könige durch die Bande einer persönlichen Freundschaft verbunden, in diesem entscheidenden Augenblicke Preußen den Beistand seiner Macht und die, Vorteile seiner Freundschaft an; auf der anderen fährt Se. Maj. der Kaiser der Franzosen fort, einen Bundesgenossen zurückzustoßen, welcher sich für seine Sache aufgeopfert hat und verschmäht sogar, sich über die Beweggründe seines Still- schweigens zu erklären.", Tann folgt eine Aufzählung aller Fälle, rn denen Frankreich sich unter nichtigen Vorwänden über die Bestimmungen des, Tilsiter Friedens hinweggesetzt hat, insüe- fondere wird auf die militärische Ueberrumpelung der Festungen Spandau und Pillau sowie auf die gewaltsame Verproviantierung der Oderfestungen hingewiesen. Durch die Nichtanerkennung, geschweige denn Rückgabe der an Frankreich allein bis Dezember 1812 gezahlten Vorschüsse von 95 Millionen Franken und durch die gewaltsame Einziehung von 70 000 Pferden und 20 000 Wagen fei Preußens Wohlstand völlig erschöpft worden. Auch wurde das Verbot des Vizekönigs erwähnt, der die Abreise der Freiwilligen rn den von französische!! Truppen besetzten Provinzen untersagt hatte. , In den Schlußsätzen heißt es: „In einer solchen Lage der, Tinge konnte des Königs Entschluß nicht lange zweifelhaft bleiben. Seit Jahren hatte Se. Majestät alles und jedes für die Unterhaltung seiner politischen Existenz aufgeopfert. Jetzt 'kompromittierte Frankreich diese Existenz und tat nichts, um sie zu beschützen.*) Der König kann nicht unschlüssig sein. Getreu feinen Grundsätzen und seinen Pflichten vereinigt er seine Waffen mit denen des Kaisers Alexander und ändert sein System, ohne den Gesichtspunkt desselben zu ändern. Er hofft, indem er mit Frankreich bricht, und sich mit Rußland verbindet, durch einen ehrenvollen Frieden oder durch die Gewalt der Waffen den einzigen Gegenstand seiner Wunsche: die Unabhängigkeit seines Volkes, dre Wohltaten, die hieraus fließen und das Erbteil seiner Vater, das ihm geraubt, wurde, wieder zu erlangen."
Mit kaltblütigem 'Achselzucken Hörte der Gewaltige die Kriegserklärung an, dann Meinte er: „Der König von Preußen ist als m^S£n£flntt,,ein loyaler, guter und honetter Mann; was seine Politik betnfft, so fügt er sich der Notwendigkeit, Man kann ihm nu?, so lange Man die Gewalt dazu hat und die Hand ausholt. Uebrrgens ist mir ein erklärter Feind lieber, als ein Freund, der inttner auf dem Sprunge steht, mich zu verlassen. Dieser Abfall ist dre Strafe dafür, daß ich in Tilsit den Fehler vegrng, das, Haus Hohenzollern wieder auf den Thron zu setzen, es sogar meiner Allianz zu würdigen. Es ist nicht das erste Mal, daß m der Politik, die GroßMut eine schlechte Ratgeberin ist." Dre Antwort auf die Erklärung des preußischen Kabinetts blieb foanzoftsche nicht schuldig. Dieselbe enthielt manchen scharfen Sertenhieb auf die Wankelmütigkeit der preußischen Politik der letzten zwanzig Jahre, worunter einige nicht ganz unverdient sein mochtem Bezüglich der letzten Ereignisse hieß es: „Im Jahre 1812 Nchle Preußen eine Allianz mit Frankreich nach, weil die franzö- Mchen Armeen den preußischen Staaten näher gerückt waren als ".iftfjre 1813 erklärte Preußen, daß es seine
•• die russischen Armeen seinen Staaten
naher geruckt sind als die französischen."
MIM wenig schmeichelhafte Kritik der häufigen ungen des preußischen Kabinetts seit 1792 und nameut-- AEsmg ^it dem Untergänge der großen Armee, hohmichen Schmähungen strotzende Note endet mit den Worten. „Der Finger der Vorsehung hat sich in den Ereignissen „ Rußland kann seine Leiden vergrößern und erbietet sich grob:mutig, ihn zu beschützen.
। des vergangenen Winters gezeigt; er hat sie herbeigeführt, unt | falsche Freunde zu entlarven und getreue kennen zu lernen. 'Dav 1 Himmel hat Sr. Majestät, hinreichende Macht gegeben, um deck Triumph der einen und die Züchtigung der andern zu sichern," Die Absicht Napoleons, die damalige preußische Politik tit der öffentlichen Meinung herabzusetzen, mußte gänzlich fehlschlagen, denn es war ureigentlich nicht das Kabinett, das denk welschen Unterdrücker den Fehdehandschuh hinwarf, sondern das preußische Volk, das seinem Fürsten die Nibelungentreue hielt. Und dann fehlte den Vertretern der seit Jahrhunderten ränkevollen französischen Politik ganz und gar die Berechtigung, der Regierung eines deutschen Volksstammes Mangel an Stetigkeit und Wahrhaftigkeit vorwerfen zu dürfen.
Knapp eine Woche nach dieser letzten diplomatischen Auseinandersetzung kreuzten schon kleinere dlrmeeabteilungen an der unteren Elbe die Klingen und zu Beginn des Wonnemonats erfolgte der erste größere Zusammenprall des kaiserlichen Heerasi mit den Verbündeten. Doch! erst ein mehr als zweijähriges', öfter unterbrochenes Völkerringen Mit seinen wechselnden Erfolgen wurde notwendig, um den Staaten Europas eine wohlverdiente, lange; Jahrzehnte währende Ruhe wiederzugeben, die der geniale Korse ihnen in der Eisernen Zeit nicht gegönnt hatte.
humoristisches.
* Mik Auswahl. Freundin (zur Hausfrau): „Duscheinst ia ein Juwel von Köchin zu haben: die putzt ja sogar die Fenster!" — „Ja, aber nur die, die nach dem' — Exerzierplatz hinausgehen/'
* Aus d em Ä eri chts'saal. Richter: „Warum haben Sie die Kasse Ihres' Chefs erbrochen? Sagen Sie es' ganz aufrichtig!" — Angeklagter: „Weil ich dachte, es sei was drin."
Büchertisch.
— Zum 1. April, dem Geburtstag Bismarcks- bringt der Verlag Jos. Scholz in Mainz mit einem neuen Band seiner Vaterländischen Bilderbücher eine recht erfreuliche Gabe. Das schöne, Bismarck gewidmete Merkchen (Karl Bauer- Bismarck (Scholz' Vaterländische Bilderbücher Band 8.J Her- ausgegeben von Wilhelm Kotzde. Gebunden 1 Mk.) zeigt ebenso den Staatsmann wie seine starke Persönlichkeit in Wort und Bild. Der kurz geprägte Text ist von Wilhelm Kotzde, die markigen Bilder von Karl Bauer, dem Schöpfer der bekannten historischen Charakterbilder. Wir sehen und erleben Bismarck als Studenten, als Landtagsabgeordneten, mit seiner Gattin zu jener Zeit, mit dem Prinzen von Preußen, dem späteren Kaiserin, Frankfurt, mit Moltke und Roon zur Zeit der Emser Depesche- mit Napoleon in Donchsry. Wir sehen ihn im Reichstag und in Friedrichsruh. und weiter führen uns die Bilder bis an Bismarcks Bahre. Eine fortreißende, erhebende Bilderfolge, kraftvoll und markig wie der Gegenstand des Buches. Und ganz eigen, stil- und stimmungsvoll in vorwiegend starken, lebendigen Farben und Tönen spricht alles zu uns bis zu Vorsatz und Ausstattung.
— Hesses Volksbücherei. Nr. 765—789. Preis jeder Nummer 20 Pfg. Leipzig, Hesse u. Becker Verlag. Hesses Volksbücherei pflegt in ihrer neuen umfangreichen Reihe einen besonders beliebten Zweig der Literatur, die Dorfgeschichte, durch die Neuausgabe von Berthold Auerbachs Dorfgeschichten. Die Schwarzwälder Dorfgeschichten haben Auerbachs Ruhm begründet, sie erhalten ihn noch heute in weiten Kreisen und werden ihn voraussichtlich noch lange Zeit bewahren. Eine lange Reihe ist es, vom Tolpatsch bis zum Edelweiß; besonders berühmt wurden Diethelm von Buchenberg, der Lehnhold, später „Bar- füßele". Die Dorfgeschichten waren ein Bedürfnis und sind es noch jetzt für Leute aus dem Volke und für alle, die sich heute wie damals vom wilden Treiben des Großstadtlärmes zur anmutigen, fesselnden Schilderung einfacher ländlicher Verhältnisse flüchten wollen.
Magisches Guatzrat.
In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben DEEEEFFKOOPPPR R Y derart einzutragen, daß die magerechten u. senkrecht.Reihen gleichlautend folgendes bedeuten;
1. Einen Teil des menschlichen Körpers.
2. Deutschen Fluß.
3. Neapolitanischen Feldherrn.
4. Schweizerischen Staatsmann.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Tas Leben ist ein flüchi'ger Traum, Ter rasch eutschivebt, ivie er geboren, Und was uns mag erfreuen, kaum Genießen ivir's, so ist's verloren.
Drum lasse dir den schönen Erlauben Durch keinen Sturm des Lebens rauben, Daß Einer überm Sternenzelt, Der überdauert diese Welt. Franz Bonn.
R-daktion: K. N-nroth. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universttäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»


