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Die MiegserklÄrung Preußens an Napoleon I
(27. März 1813.)
Das besprochene Meriansche Bild z-eigt uns auch die Unterpforte, die der Oberpforte ganz entsprechend gewesen zu sein scheint Sie wurde schon 1808 abgerissen und stand mitten in der Straße zwischen den Häusern des Schreiners Stob- und des Gärtners Kreicker. Auch sie war durch Außenwerke stark befestigt, deren eines das Rondel war, im1 Volksmund das runde Del genannt, dessen sich alte Laubacher noch wohl erinnern. Es war ein runder Tnrm, auf dem zuletzt der Schütz Wöll wohnte, ein Pflicht- treuer Mann, der ohne Ansehen der Person sein Amt ausübte. Einst traf er auf einem Gang durch die Fluren Saubachs in der Nähe des .Schmelzpfads die Gräfin auf verbotenem Weg. ®r «wachte sie darauf aufmerksam, worauf diese ihre Börse zog Und ilynt ein Geldstück darreichte. Aber der Alte, antwortete mrt dem Wort aus dem 3. Buch Mose: Tu sollst nicht Geschenk nehmen,
Er trug ein hohes spitzes Dach mit vier kleinen Türmchen. Zu einer Zeit, wo alles alte verachtet und der Zerstörung geweiht war, war auch ihm das Todesurteil gesprochen. Das Dach, das übrigens schon damals nicht mehr das alte stattliche war, wurde abgerissen und das gleiche Schicksal sollte den ganzen Bau treffe». Aber der Dachdecker Salzmann stürzte ab und- fiel sich tot. So ließ man den Stumpf des Turmes stehen. Graf Rudolf aber kaufte ihn später der Stadt ab, ließ ihn herstellen und schenkte ihn dann der Stadt wieder. Noch heute lebt in der Bevölkerung eine Erinnerung an die Waffenpflicht der Bürger, denn der Bürgerturin heißt auch der Bolwerturm, weil sie aus? ihm auf die Feinde
Bon Hauptmann -G r e e v e n - Düsseldorf.
Erst die Ankunft des Herrschers aller Reußen in Breslau hatte den gutmütigen Grafen St. Maya« am 15.,Marz 1818 veranlaßt, den französischen Wander-Gesandtsckiastsposten als nun- mehr völlig entbehrlich zu betrachten und seine Passe zu fordern. Bei seiner Verabschiedung vom Staatskanzler Yardenberg gibt der ehrenwerte Piemontese seinem herzlichen Bedauern über diesen Ausfall der Ereignisse offenen Ausdruck mit den von ftmem Standpunkt aus wohlgemeinten Worten: „Bedenken Ew. Exzellenz die Hilfsmittel Frankreichs und das 5'eldherrngeme Napoleons und setzen Sie die Erisfenz des Königs und des. Landes, das ich
geschossen haben.
Die Stadtmauer war 12—16 Schuh Höch und 7Ve Schuh deck und hatte einen bedeckten Wehrgang. Alte Laubacher können sich noch ihren ganzen Lauf uM die Stadt herum- vorstellen und erinnern sich mit Wonne, wie sie als Knaben auf ihr herumgelaufen sind, und zwar zwei nebeneinander. Leider hat man, wie es scheint, von 1848 an Mit allem Nachdruck angefangen, die Stadtmauer mit ihren Erkern abzureißen, und hat die Arbeit so gründlich besorgt, daß heilte kaum noch Spuren zu sehen sind. So ist die Rückwand der Scheuer des Metzgers Kühn ein Stück der alten
etwa 200 Jahren nur ein Laubach innerhalb der Stadtmauern. Ein Bild von Merian aus 1645 zeigt uns, wie Laubach damals aussah. Sicher umfriedet lag die Stadt damals hinter der Stadtmauer mit ihren Bollwerken und Wehrtürnren. Und zwar waren es zwei runde Türme und sieben aus der Mauer hervorspringende, nur die Mauerhöhe erreichende, ebenfalls mit einem spitzen Dach gefronte Bollwerke. Sie waren viereckig, an den Ecken etwas abgerundet und mit Schießscharten versehen. Eines derselben hat sich bis heute erhalten, denn ein armer Mann kaufte es für einen billigen Preis von der Gemeinde und richtete es zur Wohnung ein. Es ist der sogenannte Klipsteins- oder Kriegerturm. Freilich ist sein Aussehen jetzt anders als früher: es ist ihm ein Stockwerk aus Fachwerk und ein modernes Dach- aufgeietzt worden. Ter Standort der meisten anderm Bollwerke oder Erker, wie der Laubacher Ausdruck lautet, ist noch bekannt. Beginnen wir mit dem' Teil der Stadt, der an den Gräflichen Schloßgarten grenzt, das „Grüne Meer" genannt, so stand hier ein Erker da, wo nun die Scheuer des Herr» August Jochen! sich- befindet. Bon da zog die Stadtmauer zum Untertor, von da zum noch- stehenden Erker oder Klipsteinsturin von da zum noch stehenden ,Rmrger- turni". Ein weitererr Erker stand etwas oberhalb. des Schmied- , ----- — x,a „„
Matzes des Herrn Kopp, wieder einer am« Lötzschen, letzt Tiehlschen Stadtmauer, und tm weiteren Verlauf . de» Gäßchens, das an Garten in der Nähe des Neubaues des Gymnasiums, ein weiterer dieser Wand vorüber nach der „Lippe fuhrst ragen noch einige da, wo jetzt die neue Straße in die „Lippe" gebrochen ist, zwischen große FundaMentsteine em wemg aus dem Boden hervor Das Gymnasium und deni Hensingschen Haus. Von da zog'die Stadt- Stuck Mauer von dem grünen Meer, zum Schloß kaufte GrafOtto, mauer zum Obertor oder der Oberpforte, die erst im Jahre 1866/67 der Urgroßvater des ictzigen Graten, und liefe es nteberlegen, abgerissen wurde, angeblich als baufällig, die aber der Zerstörung und verkaufte dann den sehr beengten Mwohnern des ^iUieu die größten Hindernisse berietete und noch Jahrhunderten Trotz Meeres einen Streifen des Schloßgartens, damit sie sich Scheuern geboten haben würde. Wir sehen ihte Spitze auf dem' genannten und Ställe bauen konnten, und grenzte dann den schloßgarten Merianschen Bild, aber glücklicherweise Hat uns auch Pfarrer durch eine neue Mauer vom! „Grünen Meer ab.
Zöckler ein Gesamtbild des imposanten Bauwerks aufbewahrt, das Sehr alt waren die BefestigungenLaubachs mchtz ,6"ilich gD sich in vielen Laubacher Häusern befindet und auch als Anstchts- dachte schon im 13. Jahrhundert Ulruh- ^ »on Hanau Laubach Postkarte existiert. Auch der verstorbene Schreinermeister Fr. Heu- I -zu befestigen, aber aut Einsprache be§ ^andgraftn von Hesten, sing hat die Oberpforte in einem hübschen Bilb verewigt. Sie ber wahrscheinlich von «nein Ko* afc
mar ursprünglich nach ber Stabt zu offen, unb ihr Eingang be- I Grunberg fürchtete, mußte er auf laiseiiichen Befehl oavoic av fand sich, wie bei allenMen Türnien, ungefähr ein Stockwerk lassen und sich verbindlich machen^außer bis letzt «richteten
über der Erde und war nur durch eilte Leiter zugänglich. Spater Befestigungen keine neuen zu errichten, außer mit ausbincklichei diente sie als Gefängnis unb erhielt nun eine hölzerne Treppe. Zustimmung bes Lanbarafen. Erst 1475 wurde dmi J Sie stand mitten in ber Straße, zwischen der Scheuer des Metzgers ! Kuno von Solms vom Kaiser Friedrich III. gestattet, Schloß uno Kühn und der Ringmauer, die den Schloßhof umgibt. Ursprünglich Stadt Laubach mit Kemuaten, Türm«i,GraLm,M<MrnZauiien aber setzte sich die Stadtmauer auch cm dieser Seite der Ober- auf lebe Art zu b°men und zu biestigen. Vollends wurde die Pforte fort, beim sie umfaßte auch das ganze Gräfliche Schloß. I Befestigung wohl, wie die Jahreszahl rni ^MuMeiN dm Sver Glücklicherweise wurde bei der Niederlegung durch den geschicht- I Pforte zeigt, 1559, unter Graf Friedrich^Ragnu., ko4 , lichen Sinn des Herrn Grafen Rudolf ber Schlußstein gerettet | dem- Halbbruber Philipps von Freund Liith ro unv
und an dem Platze, wo die Pforte gestanden, in die Ringmauer ^elanc^^^^on§', bem'J@mfä6ter ber hd bereit
eingefügt. Ter Schlußstein sagt uns', daß bie Oberpforte im Laubach und dem Begründer der hiestge - Lateinsthule, bei bereu Jahre 1559 gebaut oder vollendet wurde. Durch Außenwerke Errichtung er wohl vonf Melanchthon beratenund deren war sie noch mehr befestigt, wie wir aus dem interesianten alten I erste Lehrer von Wittenberg kamen, um> als öeren VW ä Stadtplan im hiesigen Gräflichen Archiv sehen, der aus der Zeit I und Erneuerung das von dem Grafen Friedrich begründete Mntna vor 1700 stammt, denn bie sogenannte Vorstabt, die nach 1700 I siumi Frldericianum anzusehen ist. sRrtTb-1-(lbcntonnb bie beit entstanden ist, ist auf ihm von späterer Hand eingezeichnet, fand- I Das Schloß, war durch eine starke Palisstrdenwa , zwar vor ihr« Erbauung, beim ber symmetrische, einheitliche I Schloßgarten emfaßte, s"wre ditrch br«te ^si rg b , S Plan, nach dem sie, dies« Eintragung nach, gebaut werben sollte, Gombach. und die z-wn noch erMenenein tiefer und breiter
die sogenannte „Tränk", da wo jetzt am Untertor,.^iF Ksip- steinscheii Haus das Gärtchen des, Herrn Helmich stch- befindet, und in dem Kreickerschen und Ritterschen Garten, alten Laubachern itocft erinnerlich sind. Auch die Stragennamen „Im Harn und „Schepper Hainberg" und „Gerader Hainbma ^erinnern noch an den alten Haingraben. Spuren von ihm finden sich aber nur noch in dem Wagnerschen Und ehemals LoMeU' M wdbt^die Garten, am Neubau des Gymnasiums. Hoffentlich bleibt die breite ietzt sehr flache Vertiefung noch lange erhalten.
Zu der Befessigung der Stadt gehörten eine Reche von Außenwerken, von denen wir bie Außenwerke der beiden Tore schon kennen gelernt haben. Eines dieser Vorwerke oder em Ueberrest von ihm hat sich bis heute erhaltenmbaiS u.u.y mvhv. v. __z 'fiitiiiS er tu ^tofeffor Df. StR 4Lt(iottton rot-ioi
benu Geschenke machen die Sehenden blind und verkehren die Sachen ihm zu berichten, daß von ihm« aus-der Graf die lährliche der Gerechten. Wer kennt l/eute dies Wort? Dieser kleine Zug MhMrsmusterung des „Ausschusses", d. tz. L,Durg«wehr, zeigt uns die Bewohner Laubachs m em em! Alten Licht: wir I £orgenommeit habe, woraus sich das nationale Ausschußfest, ein scheu daraus, daß sie bibelfest waren, und' daß ihre Bibelkenntnis Schützenfest, -entwickelt hat.
fein totes Wissen war, sondern ein prattischer Wegweiser zuM (Fortsetzung folgt.)
rechten Verhalten in allen Lebenslagen. Außer diesen zwei Toren ' gab es feine Möglichkeiten, in die Stadt, zu komMeii, doch zeigt uns der 'schon -genannte alte Plan, daß die Herrschaften aus dem Schloß heraus ihren besonderen Aus- und Eingang hatten. Mit Tunkekh-eit wurden bie Tore geschlossen, Und wer dann noch heraim- ober 'hereinwollte, müßte bem Portmann (woher der Name Porth- komMtl einen Kreuzer für seine Bemühung bes Auf- und Zn- fchließens zahlen. Auch nach Abbruch- des Uutertors war die Stadt auch hier noch geschlossen, und erst von 1820 an war sie Tag und Nacht offen. Tie Erinnerung an bie Zeit, wo allem durch das Tor der Weg ins Freie führte, hat sich m der Sitte erhalten, daß heute noch alle Leichenzüge, auch unter Umwegen, durch die Untere Lange Gasse, wo das Untertor stand, gehen.
Auch haben sich die Bezeichnungen -Obertor und Untertor als Ortsbezeichnungen int Mund des Volkes bis heute erhalten.
Der noch stehende sogenannte Bürgerturm' hatte nach dem Merianschen Bilde früher ein weit stattlicheres Aussehen als heute.


